Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter BRix etttwen der Cenomannischen gallier ein fast edle statt vnd yetzo vnder andern stetten des Lambardischen lands zumal mechtig ist vor disen zeiten in der Venediger hand komen in soelcher gestalt. Hertzog Philips von Mayland setzet daselbst gar einen boesen man zu eim zoelner. der leget den buergern vntregliche ding auf also das die von Brix von soelcher beschwernus wegen vermueedet die statt den Venedigern ergaben. Vnd als die Venediger dise statt eingenomen hetten. do schicket der cardinal des heilligen creuetzs sein botten offt darundter hin vnd her. vnd machet zu letst zwischen hertzog Philipsen vnd den Venedigern fride in der gestalt dz die Venediger dise statt Brix vnd die stettlein der von Brix vnd der Cremonier die sie vnd der marggraff von Mantua eingenomen hetten behalten solten. Darzu so hat auch derselb cardinal den Venedigern die statt Bergamum vnd ir landschaft auß puentnus zugetaydingt mit der beschaydenheit das sie der Venediger vnd Florentiner pundgenossen nit bekriegen solten. Darnach fieng sich der Lucensisch krieg von den florentinern an. der weeret mit beder parthey großem schaden drey iar. Cosmas mediceus von Florentz COsmas mediceus ein mechtiger burger zu Florentz wardt erstlich auß Florentz getriben vnd darnach wider hinein gefordert vnd durch sein verfueegung alßpald alle schickung vnd regirung gemayner statt reformirt vnd vernewet vnnd vil widerpartheyscher vngefoelgiger burger in das ellend gewisen. Er was vnder den Florentinern der foerderst burger. vnd nicht allain bey den Walhen sunder villeicht auch bey den eueßern nationen an zufluessigkeit der reichthuemer der allermechtigst. vnd dar zu auch an werltgescheydigkeit. gueetigkeit. myltigkeit vnd schriftlicher wissenheit. vnnd sunder der historien alle ander vbertreffende. Der vberfluss seiner reichthuemer was also gross das mit seiner hilff Franciscus sforcia dz Maylendisch hertzogthumb erlanget. Er hat auch vil kirchlicher gepewe huebscher vnd baßgestaltter gemacht. Vnd zway cloester. eins in der statt sant Dominici ordens. vnd das ander außerhalb nit verne von derselben statt von grundauff gepawet. vnd die mit librarey vil koestlicher lateinischer vnd kriechischer bueecher aller kunst geziert. vnd sunst andere cloester vnd sunderliche gepew in der statt auffgericht. vnd starb darnach in guotem alter vnd ließ einen sun als seinen erben Petrus genant. Nicolaus euboicus NIcolaus euboicus der Sagundinensisch bischoff lateinischer vnd kriechischer zungen vnd zierlichkeit ein hohgelobt man in dem concili zu Florentz wesende hat vnder der versamlung souil hohgelerter vnd treffenlicher mannen desselben concili alles das das lateinsich oder kriechisch gered wardt gar schnelligclich aigentlich vnd zierlich herwidergeredt vnd außgelegt. AMbrosius von Florentz des Camaldulensischen ordens ein general vnnd beruembter lerer der heilligen schrift. des lateinischen vnnd kriechischen gezuengs berichtet vnd mit allen guoten zuechten gezieret was in demselben concili namhaftig. der hat vnder andern anzaygungen seiner synnschicklichkeit Diogenem laercium den kriechischen lerer von den sytten vnd leben der naturlichen maister schreibende auß kriechischem gezuenge in latein gezogen. JOhannes tortellius aretinus des babsts subdyacon vnd cubiculari des kriechischen vnd lateinischen gezuengs vnd der heilligen schrift nicht wenig gelert ist diser zeit in plueung gestanden vnd hat vnder andern wercken seiner lere vnnd kunst gar ein schoens buoch gemacht vnd darinn angezaigt vnd zeerkennen geben wie vnd welchermaßen man nach rechter art die wort des lateins setzen vnd schreiben sol. Antonius cermisanus ANtonius cermisanus ein einiger fuerst der ertzney hat zu Padua langzeit die ertzney in der schuol gelesen. Den kuenden sein nachkomen nit genuog verloben. Er was froelich vnd wunnsamm. gepuerlicher weiß. leibig vnd gar guoter complex. vnd ließ in seinem alter gar schoen knaben nach ime. vnd hat auß seiner guoten verstentnus ettliche ratschleg wider alle kranckheit dienstlich seinen nachkomen gelassen vnd starb zu Padua in dem iar des herren .M.cccc.xli. Bartholomeus de montagnano BArtholomeus montagnanus ein treffenlicher naturlicher maister vnnd artzt hat mit erkantnus vil dings vnd mit subtilichkeit der schrift die andern ertzte seiner zeyt vbertroffen. das erscheint auß den bueechern die er von enthaltung der gesuntheit gemacht. vnnd dabey auch vil schoener ratschleg beschriben hat. HVgo senensis gar ein namhaftiger artzt hat diser zeit (als man maynt) mit goetlicher gnad seiner schicklichkeit vnd ertzneyung alle die so vor ime in Ethruria namhaftig gewest sind fuertroffen vnd ettlich nutzpere ratschleg gemacht. der werlt Blat CCXLVI S. Niclas von tolletin NIcolaus toletanus ein vater sant Augustins ordens ist im .M.ccc.xciiii. iar Cristi gestorben. vnd in disem .M.cccc.xlvi. iar an wunderwercken leuechtende von babst Eugenio in beywesen alles roemischen volcks vnd in vesammlung aller cardinel in die zal der heilligen beichtiger geschriben worden. vnd wiewol babst Johannes der .xxii. der seiner heilligkeit suendere kuntschaft het ime dise ere gethan haben wolt. so wardt er doch auß kriegßlewften vnd auffruor der zwayung vnd zu letst auß fuerkomung des tods daran verhindert vnd soelchs bis hieher verzogen. Diser heillig ist auß eim picenischen stettlein zum heilligen engel genannt vnder der statt Firmana gelegen von mittelmassigen eltern geporn. Als er zu seinen tagen kome do ergabe er dem herren leib vnd sel vnd verziehe sich der werlt vnd ging in sant Augustins orden. darinn hat er seinen leichnam mit vil fasten. wachen vnnd schlegen gepeynigt. vnnd sich gantzen in beschewlichkeit ergeben. Er redet selten. oder wenn es not was. von guotem sytten. von gaistlichkeit. von gueetigkeit. von der werlt verschmehung. von der lieb gottes. oder von dem hymlischen vaterland. Er truog ein harins klayd an vnd ein eysinine rawhe guertel vmb sich am leib. vnd lidde teuefellische anfechtung. vnd het in ime den gaist der weissagung vil krancken vnnd ettliche mit dem boeßen gaist bekuemert warden zu ime gefuoert vnnd geledigt. Er aße .xxx. iar in seinem conuent weder in gesuntheit noch kranckheit kein flaisch ayv. fisch noch ander fayst ding. Zu anzaigung seiner heiligkeit erschyne ime ein liechter stern imm schlaff. der gieng von seinem haymand auß biß in sein closter. daselbst stund der stern stil imm chor hinder dem altar. Alda erwelet im Nicolaus auß goetlicher verkuendung sein begrebnus vnd starb seligclich. Sein tag ist amm .x. tag des monats Septembris. Laurentius vallensis LAurentius vallensis nit mynder ein naturlicher maister vnd lerer der heilligen schrift dann ein zierreder vnd grammaticus ist diser zeit in hohem ruom vnd achtperkeit gewesen vnd hat vil schoener vnd nutzlicher schriften. epistel vnnd sendbrieff in latein geschriben zu lere vnd vnderrichtung der nachkomenden. MAtheus palmerius ein florentiner ein hoherfarner geschihtbschreiber. auch naturlicher maister vnd zierredner ist diser zeit in plueung seiner kunst gestanden vnd in der zal beruembter menner des concili zu Florentz gewest. Blondus BLondus flauius von Foriaul ein hohgelert man vnd von seiner redsprechigkeit wegen dem babst Eugenio fast angename ist diser zeit von derselben seyner geschicklichkeit vnd woltuechtigkeit wegen in großer achtperkeit gehalten worden. dann er hat außerhalb der vnzallichen rede vnd sendbrieff durch ine begriffen Welschem land große glori vnd ere zugezogen. also das er vor andern die hystorien die vber tawsent iar verborgen bliben waren mit großem fleyß erraicht. vnnd in xxxii. bueechern weyt vnnd zierlich angezaigt. vnd den stannd nicht allain Welscher land sunder auch ettwen des gantzen roemischen reichs. prouintzen vnd gegent gar huebsch beschriben. vnd auch sunst von andern dingen ettwieuil bueecher gemacht vnd hinder ime gelassen. Guarinus von Bernn GVarinus von bernn des kriechischen langst hieuorgemeldten maisters Crisolore lere iunger. ein hoherfarner kuenstreicher grammaticus. zierredner vnd naturlicher maister auch der kriechischen vnd lateinischen zungen geuebt hat zu ferraria in gegenwertigkeit schier vnzallicher schueler mit lesen. leren vnd tichten großen ruom. lob vnd preys verdiend. vnnd ettliche kriechische bueecher in das latein gebracht. vnnd vil schöner tapfferer epistel vnd sendbrieff gerichtet. Darnach starb er in guotem alter vnd ward in der carmeliten closter zu Ferraria bestattet. GEorgius trapezuntinus der hohgelert man vnd babstlicher secretari ist diser zeit auch in ruom vnd achtperkeit gewest. Dann er hat auß anmuotung babsts Eugenii zu Rom in offner schuol vil iar die Hispanier. Gallier vnd die Teuetschen mitsambt den Walhen in der kunst der zierred. poetrey vnd getichte geleret. GRegorius tiphernas ei zierredner beder kriechischer vnd lateinischer zungen berichtet hat Asiam Strabonis in das latein gebracht. So ist diser zeit Johannes aurispa der babstlich secretari vnd zierredner auch in wirden vnd ruom gewesen. ANtonius gnaynerius ein namhaftiger artzt hat dise sein zeit mit seiner schicklichkeit vnd schriftlicher weißheit vnd lere erleuechtet vnd in seiner kunst der ertzney gar vil loeblichs vnd nutzper dinngs von allerlay kranckheiten vnd iren ertzeneyungen dawider beschrieben vnd gesammelt. als die ertzt wissen.
Das sechste Zeitalter. Brescia, einst eine sehr edle Stadt der cenomannischen Gallier und jetzt unter anderen Städten des lombardischen Landes überaus mächtig, ist vor diesen Zeiten auf folgende Weise in die Hand der Venezianer gefallen: Herzog Philipp von Mailand setzte dort einen sehr schlechten Mann als Zöllner ein. Dieser legte den Bürgern unerträgliche Lasten auf, sodass die Bewohner von Brescia, ermüdet von solcher Beschwernis, die Stadt den Venezianern übergaben. Und als die Venezianer diese Stadt eingenommen hatten, schickte der Kardinal des Heiligen Kreuzes oft seine Boten hin und her und stiftete zuletzt Frieden zwischen Herzog Philipp und den Venezianern in der Weise, dass die Venezianer diese Stadt Brescia und die Städtchen der Brescians und der Cremoneser, die sie und der Markgraf von Mantua eingenommen hatten, behalten sollten. Zudem hat derselbe Kardinal den Venezianern auch die Stadt Bergamo und ihr Umland durch ein Bündnis zugesprochen, mit der Bedingung, dass sie die Verbündeten der Venezianer und Florentiner nicht bekriegen sollten. Danach begann der Krieg von Lucca, ausgelöst von den Florentinern. Dieser dauerte drei Jahre mit großem Schaden für beide Parteien. Cosmas Mediceus von Florenz, ein mächtiger Bürger in Florenz, wurde zuerst aus Florenz vertrieben und danach wieder zurückgerufen. Durch seine Anordnung wurden alsbald alle Einrichtungen und die Regierung der gesamten Stadt reformiert und erneuert, und viele gegnerische, ungehorsame Bürger wurden ins Exil geschickt. Er war unter den Florentinern der führende Bürger und nicht allein bei den Italienern, sondern vielleicht auch bei den äußeren Nationen der mächtigste an Reichtum. Dazu übertraf er alle anderen auch an Weltklugheit, Güte, Milde und schriftlicher Gelehrsamkeit, besonders in der Geschichte. Der Überfluss seiner Reichtümer war so groß, dass mit seiner Hilfe Francesco Sforza das Herzogtum Mailand erlangte. Er hat auch viele kirchliche Gebäude schöner und besser gestaltet. Und zwei Klöster, eines in der Stadt vom Orden des Heiligen Dominikus und das andere außerhalb, nicht fern von derselben Stadt, von Grund auf gebaut und diese mit einer Bibliothek vieler kostbarer lateinischer und griechischer Bücher aller Künste geschmückt. Und sonst andere Klöster und besondere Gebäude in der Stadt errichtet. Er starb danach in gutem Alter und hinterließ einen Sohn namens Petrus als seinen Erben. Nikolaus Euboicus, der Bischof von Sagunto, ein hochgelobter Mann der lateinischen und griechischen Sprache und Eleganz, der auf dem Konzil zu Florenz anwesend war, hat unter der Versammlung so vieler hochgelehrter und hervorragender Männer desselben Konzils alles, was lateinisch oder griechisch gesprochen wurde, sehr schnell, präzise und elegant wiedergegeben und ausgelegt. Ambrosius von Florenz, General des Kamaldulenserordens und berühmter Lehrer der Heiligen Schrift, der in der lateinischen und griechischen Sprache bewandert und mit allen guten Sitten geschmückt war, war auf demselben Konzil namhaft. Er hat unter anderen Beweisen seiner Geisteskraft Diogenes Laertius, den griechischen Lehrer, der über die Sitten und das Leben der Philosophen schrieb, aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt. Johannes Tortellius Aretinus, Subdiakon und Kammerherr des Papstes, nicht wenig gelehrt in der griechischen und lateinischen Sprache und der Heiligen Schrift, stand zu dieser Zeit in Blüte und hat unter anderen Werken seiner Lehre und Kunst ein sehr schönes Buch verfasst und darin gezeigt und zu erkennen gegeben, wie und auf welche Weise man nach der richtigen Art die lateinischen Wörter setzen und schreiben soll. Antonius Cermisanus, ein einzigartiger Fürst der Medizin, hat in Padua lange Zeit Medizin an der Universität gelehrt. Seine Nachkommen können ihn nicht genug preisen. Er war fröhlich und liebenswürdig, von angemessener Gestalt, korpulent und von sehr guter Konstitution. Und er hinterließ in seinem Alter sehr schöne Söhne. Aus seinem guten Verständnis hat er seinen Nachkommen einige nützliche Ratschläge gegen alle Krankheiten hinterlassen und starb in Padua im Jahr des Herrn 1441. Bartholomäus Montagnanus, ein hervorragender Naturforscher und Arzt, hat mit seiner Kenntnis vieler Dinge und mit der Subtilität seiner Schriften die anderen Ärzte seiner Zeit übertroffen. Das zeigt sich in den Büchern, die er über die Erhaltung der Gesundheit verfasst und darin auch viele schöne Ratschläge beschrieben hat. Hugo Senensis, ein sehr namhafter Arzt, hat zu dieser Zeit (wie man meint) durch göttliche Gnade seiner Geschicklichkeit und Heilkunst alle übertroffen, die vor ihm in Etrurien namhaft gewesen sind, und einige nützliche Ratschläge verfasst. Blatt 246 der Weltchronik. Nikolaus von Tolentino, ein Vater des Augustinerordens, ist im Jahr Christi 1394 gestorben und in diesem Jahr 1446, leuchtend durch Wunderwerke, von Papst Eugen IV. in Anwesenheit des gesamten römischen Volkes und in Versammlung aller Kardinäle in die Zahl der heiligen Bekenner aufgenommen worden. Und obwohl Papst Johannes XXII., der besondere Kenntnis von seiner Heiligkeit hatte, ihm diese Ehre hätte erweisen wollen, wurde er doch durch Kriegsläufe und Aufruhr der Spaltung und zuletzt durch den Eintritt des Todes daran gehindert, und dies wurde bis hierher verzögert. Dieser Heilige wurde aus einem picenischen Städtchen namens "Zum Heiligen Engel", gelegen unter der Stadt Fermo, von mittelmäßigen Eltern geboren. Als er zu seinen Lebzeiten kam, übergab er dem Herrn Leib und Seele und entsagte der Welt und trat in den Augustinerorden ein. Darin hat er seinen Leichnam mit viel Fasten, Wachen und Schlägen gepeinigt und sich ganz der Beschaulichkeit hingegeben. Er redete selten, oder wenn es nötig war, von guten Sitten, von Geistlichkeit, von Güte, von der Verachtung der Welt, von der Liebe Gottes oder vom himmlischen Vaterland. Er trug ein härenes Gewand und einen eisernen, rauen Gürtel um seinen Leib. Und er litt teuflische Anfechtungen und hatte in sich den Geist der Weissagung. Viele Kranke und einige, die vom bösen Geist geplagt waren, wurden zu ihm geführt und geheilt. Er aß 30 Jahre lang in seinem Konvent, weder in Gesundheit noch in Krankheit, kein Fleisch, keine Eier, keinen Fisch noch andere fette Dinge. Zum Zeichen seiner Heiligkeit erschien ihm im Schlaf ein leuchtender Stern, der von seinem Heimatort bis in sein Kloster ging. Dort stand der Stern still im Chor hinter dem Altar. Dort wählte Nikolaus aus göttlicher Offenbarung seine Begräbnisstätte und starb selig. Sein Gedenktag ist der 10. Tag des Monats September. Lorenzo Valla, nicht weniger ein Naturforscher und Lehrer der Heiligen Schrift als ein Rhetoriker und Grammatiker, ist zu dieser Zeit in hohem Ruhm und Ansehen gewesen und hat viele schöne und nützliche Schriften, Episteln und Sendbriefe in Latein zur Lehre und Unterrichtung der Nachkommenden geschrieben. Matteo Palmieri, ein Florentiner, ein sehr erfahrener Geschichtsschreiber, auch Naturforscher und Rhetoriker, ist zu dieser Zeit