Schedelsche Weltchronik · Blatt 246

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 246, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 246, rechte Seite
📖 Im interaktiven Viewer öffnen

Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter BRix etttwen der Cenomannischen gallier ein fast edle statt vnd yetzo vnder andern stetten des Lambardischen lands zumal mechtig ist vor disen zeiten in der Venediger hand komen in soelcher gestalt. Hertzog Philips von Mayland setzet daselbst gar einen boesen man zu eim zoelner. der leget den buergern vntregliche ding auf also das die von Brix von soelcher beschwernus wegen vermueedet die statt den Venedigern ergaben. Vnd als die Venediger dise statt eingenomen hetten. do schicket der cardinal des heilligen creuetzs sein botten offt darundter hin vnd her. vnd machet zu letst zwischen hertzog Philipsen vnd den Venedigern fride in der gestalt dz die Venediger dise statt Brix vnd die stettlein der von Brix vnd der Cremonier die sie vnd der marggraff von Mantua eingenomen hetten behalten solten. Darzu so hat auch derselb cardinal den Venedigern die statt Bergamum vnd ir landschaft auß puentnus zugetaydingt mit der beschaydenheit das sie der Venediger vnd Florentiner pundgenossen nit bekriegen solten. Darnach fieng sich der Lucensisch krieg von den florentinern an. der weeret mit beder parthey großem schaden drey iar. Cosmas mediceus von Florentz COsmas mediceus ein mechtiger burger zu Florentz wardt erstlich auß Florentz getriben vnd darnach wider hinein gefordert vnd durch sein verfueegung alßpald alle schickung vnd regirung gemayner statt reformirt vnd vernewet vnnd vil widerpartheyscher vngefoelgiger burger in das ellend gewisen. Er was vnder den Florentinern der foerderst burger. vnd nicht allain bey den Walhen sunder villeicht auch bey den eueßern nationen an zufluessigkeit der reichthuemer der allermechtigst. vnd dar zu auch an werltgescheydigkeit. gueetigkeit. myltigkeit vnd schriftlicher wissenheit. vnnd sunder der historien alle ander vbertreffende. Der vberfluss seiner reichthuemer was also gross das mit seiner hilff Franciscus sforcia dz Maylendisch hertzogthumb erlanget. Er hat auch vil kirchlicher gepewe huebscher vnd baßgestaltter gemacht. Vnd zway cloester. eins in der statt sant Dominici ordens. vnd das ander außerhalb nit verne von derselben statt von grundauff gepawet. vnd die mit librarey vil koestlicher lateinischer vnd kriechischer bueecher aller kunst geziert. vnd sunst andere cloester vnd sunderliche gepew in der statt auffgericht. vnd starb darnach in guotem alter vnd ließ einen sun als seinen erben Petrus genant. Nicolaus euboicus NIcolaus euboicus der Sagundinensisch bischoff lateinischer vnd kriechischer zungen vnd zierlichkeit ein hohgelobt man in dem concili zu Florentz wesende hat vnder der versamlung souil hohgelerter vnd treffenlicher mannen desselben concili alles das das lateinsich oder kriechisch gered wardt gar schnelligclich aigentlich vnd zierlich herwidergeredt vnd außgelegt. AMbrosius von Florentz des Camaldulensischen ordens ein general vnnd beruembter lerer der heilligen schrift. des lateinischen vnnd kriechischen gezuengs berichtet vnd mit allen guoten zuechten gezieret was in demselben concili namhaftig. der hat vnder andern anzaygungen seiner synnschicklichkeit Diogenem laercium den kriechischen lerer von den sytten vnd leben der naturlichen maister schreibende auß kriechischem gezuenge in latein gezogen. JOhannes tortellius aretinus des babsts subdyacon vnd cubiculari des kriechischen vnd lateinischen gezuengs vnd der heilligen schrift nicht wenig gelert ist diser zeit in plueung gestanden vnd hat vnder andern wercken seiner lere vnnd kunst gar ein schoens buoch gemacht vnd darinn angezaigt vnd zeerkennen geben wie vnd welchermaßen man nach rechter art die wort des lateins setzen vnd schreiben sol. Antonius cermisanus ANtonius cermisanus ein einiger fuerst der ertzney hat zu Padua langzeit die ertzney in der schuol gelesen. Den kuenden sein nachkomen nit genuog verloben. Er was froelich vnd wunnsamm. gepuerlicher weiß. leibig vnd gar guoter complex. vnd ließ in seinem alter gar schoen knaben nach ime. vnd hat auß seiner guoten verstentnus ettliche ratschleg wider alle kranckheit dienstlich seinen nachkomen gelassen vnd starb zu Padua in dem iar des herren .M.cccc.xli. Bartholomeus de montagnano BArtholomeus montagnanus ein treffenlicher naturlicher maister vnnd artzt hat mit erkantnus vil dings vnd mit subtilichkeit der schrift die andern ertzte seiner zeyt vbertroffen. das erscheint auß den bueechern die er von enthaltung der gesuntheit gemacht. vnnd dabey auch vil schoener ratschleg beschriben hat. HVgo senensis gar ein namhaftiger artzt hat diser zeit (als man maynt) mit goetlicher gnad seiner schicklichkeit vnd ertzneyung alle die so vor ime in Ethruria namhaftig gewest sind fuertroffen vnd ettlich nutzpere ratschleg gemacht. der werlt Blat CCXLVI S. Niclas von tolletin NIcolaus toletanus ein vater sant Augustins ordens ist im .M.ccc.xciiii. iar Cristi gestorben. vnd in disem .M.cccc.xlvi. iar an wunderwercken leuechtende von babst Eugenio in beywesen alles roemischen volcks vnd in vesammlung aller cardinel in die zal der heilligen beichtiger geschriben worden. vnd wiewol babst Johannes der .xxii. der seiner heilligkeit suendere kuntschaft het ime dise ere gethan haben wolt. so wardt er doch auß kriegßlewften vnd auffruor der zwayung vnd zu letst auß fuerkomung des tods daran verhindert vnd soelchs bis hieher verzogen. Diser heillig ist auß eim picenischen stettlein zum heilligen engel genannt vnder der statt Firmana gelegen von mittelmassigen eltern geporn. Als er zu seinen tagen kome do ergabe er dem herren leib vnd sel vnd verziehe sich der werlt vnd ging in sant Augustins orden. darinn hat er seinen leichnam mit vil fasten. wachen vnnd schlegen gepeynigt. vnnd sich gantzen in beschewlichkeit ergeben. Er redet selten. oder wenn es not was. von guotem sytten. von gaistlichkeit. von gueetigkeit. von der werlt verschmehung. von der lieb gottes. oder von dem hymlischen vaterland. Er truog ein harins klayd an vnd ein eysinine rawhe guertel vmb sich am leib. vnd lidde teuefellische anfechtung. vnd het in ime den gaist der weissagung vil krancken vnnd ettliche mit dem boeßen gaist bekuemert warden zu ime gefuoert vnnd geledigt. Er aße .xxx. iar in seinem conuent weder in gesuntheit noch kranckheit kein flaisch ayv. fisch noch ander fayst ding. Zu anzaigung seiner heiligkeit erschyne ime ein liechter stern imm schlaff. der gieng von seinem haymand auß biß in sein closter. daselbst stund der stern stil imm chor hinder dem altar. Alda erwelet im Nicolaus auß goetlicher verkuendung sein begrebnus vnd starb seligclich. Sein tag ist amm .x. tag des monats Septembris. Laurentius vallensis LAurentius vallensis nit mynder ein naturlicher maister vnd lerer der heilligen schrift dann ein zierreder vnd grammaticus ist diser zeit in hohem ruom vnd achtperkeit gewesen vnd hat vil schoener vnd nutzlicher schriften. epistel vnnd sendbrieff in latein geschriben zu lere vnd vnderrichtung der nachkomenden. MAtheus palmerius ein florentiner ein hoherfarner geschihtbschreiber. auch naturlicher maister vnd zierredner ist diser zeit in plueung seiner kunst gestanden vnd in der zal beruembter menner des concili zu Florentz gewest. Blondus BLondus flauius von Foriaul ein hohgelert man vnd von seiner redsprechigkeit wegen dem babst Eugenio fast angename ist diser zeit von derselben seyner geschicklichkeit vnd woltuechtigkeit wegen in großer achtperkeit gehalten worden. dann er hat außerhalb der vnzallichen rede vnd sendbrieff durch ine begriffen Welschem land große glori vnd ere zugezogen. also das er vor andern die hystorien die vber tawsent iar verborgen bliben waren mit großem fleyß erraicht. vnnd in xxxii. bueechern weyt vnnd zierlich angezaigt. vnd den stannd nicht allain Welscher land sunder auch ettwen des gantzen roemischen reichs. prouintzen vnd gegent gar huebsch beschriben. vnd auch sunst von andern dingen ettwieuil bueecher gemacht vnd hinder ime gelassen. Guarinus von Bernn GVarinus von bernn des kriechischen langst hieuorgemeldten maisters Crisolore lere iunger. ein hoherfarner kuenstreicher grammaticus. zierredner vnd naturlicher maister auch der kriechischen vnd lateinischen zungen geuebt hat zu ferraria in gegenwertigkeit schier vnzallicher schueler mit lesen. leren vnd tichten großen ruom. lob vnd preys verdiend. vnnd ettliche kriechische bueecher in das latein gebracht. vnnd vil schöner tapfferer epistel vnd sendbrieff gerichtet. Darnach starb er in guotem alter vnd ward in der carmeliten closter zu Ferraria bestattet. GEorgius trapezuntinus der hohgelert man vnd babstlicher secretari ist diser zeit auch in ruom vnd achtperkeit gewest. Dann er hat auß anmuotung babsts Eugenii zu Rom in offner schuol vil iar die Hispanier. Gallier vnd die Teuetschen mitsambt den Walhen in der kunst der zierred. poetrey vnd getichte geleret. GRegorius tiphernas ei zierredner beder kriechischer vnd lateinischer zungen berichtet hat Asiam Strabonis in das latein gebracht. So ist diser zeit Johannes aurispa der babstlich secretari vnd zierredner auch in wirden vnd ruom gewesen. ANtonius gnaynerius ein namhaftiger artzt hat dise sein zeit mit seiner schicklichkeit vnd schriftlicher weißheit vnd lere erleuechtet vnd in seiner kunst der ertzney gar vil loeblichs vnd nutzper dinngs von allerlay kranckheiten vnd iren ertzeneyungen dawider beschrieben vnd gesammelt. als die ertzt wissen.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Brescia, einst eine sehr edle Stadt der cenomannischen Gallier und jetzt unter anderen Städten des lombardischen Landes überaus mächtig, ist vor diesen Zeiten auf folgende Weise in die Hand der Venezianer gefallen: Herzog Philipp von Mailand setzte dort einen sehr schlechten Mann als Zöllner ein. Dieser legte den Bürgern unerträgliche Lasten auf, sodass die Bewohner von Brescia, ermüdet von solcher Beschwernis, die Stadt den Venezianern übergaben. Und als die Venezianer diese Stadt eingenommen hatten, schickte der Kardinal des Heiligen Kreuzes oft seine Boten hin und her und stiftete zuletzt Frieden zwischen Herzog Philipp und den Venezianern in der Weise, dass die Venezianer diese Stadt Brescia und die Städtchen der Brescians und der Cremoneser, die sie und der Markgraf von Mantua eingenommen hatten, behalten sollten. Zudem hat derselbe Kardinal den Venezianern auch die Stadt Bergamo und ihr Umland durch ein Bündnis zugesprochen, mit der Bedingung, dass sie die Verbündeten der Venezianer und Florentiner nicht bekriegen sollten. Danach begann der Krieg von Lucca, ausgelöst von den Florentinern. Dieser dauerte drei Jahre mit großem Schaden für beide Parteien. Cosmas Mediceus von Florenz, ein mächtiger Bürger in Florenz, wurde zuerst aus Florenz vertrieben und danach wieder zurückgerufen. Durch seine Anordnung wurden alsbald alle Einrichtungen und die Regierung der gesamten Stadt reformiert und erneuert, und viele gegnerische, ungehorsame Bürger wurden ins Exil geschickt. Er war unter den Florentinern der führende Bürger und nicht allein bei den Italienern, sondern vielleicht auch bei den äußeren Nationen der mächtigste an Reichtum. Dazu übertraf er alle anderen auch an Weltklugheit, Güte, Milde und schriftlicher Gelehrsamkeit, besonders in der Geschichte. Der Überfluss seiner Reichtümer war so groß, dass mit seiner Hilfe Francesco Sforza das Herzogtum Mailand erlangte. Er hat auch viele kirchliche Gebäude schöner und besser gestaltet. Und zwei Klöster, eines in der Stadt vom Orden des Heiligen Dominikus und das andere außerhalb, nicht fern von derselben Stadt, von Grund auf gebaut und diese mit einer Bibliothek vieler kostbarer lateinischer und griechischer Bücher aller Künste geschmückt. Und sonst andere Klöster und besondere Gebäude in der Stadt errichtet. Er starb danach in gutem Alter und hinterließ einen Sohn namens Petrus als seinen Erben. Nikolaus Euboicus, der Bischof von Sagunto, ein hochgelobter Mann der lateinischen und griechischen Sprache und Eleganz, der auf dem Konzil zu Florenz anwesend war, hat unter der Versammlung so vieler hochgelehrter und hervorragender Männer desselben Konzils alles, was lateinisch oder griechisch gesprochen wurde, sehr schnell, präzise und elegant wiedergegeben und ausgelegt. Ambrosius von Florenz, General des Kamaldulenserordens und berühmter Lehrer der Heiligen Schrift, der in der lateinischen und griechischen Sprache bewandert und mit allen guten Sitten geschmückt war, war auf demselben Konzil namhaft. Er hat unter anderen Beweisen seiner Geisteskraft Diogenes Laertius, den griechischen Lehrer, der über die Sitten und das Leben der Philosophen schrieb, aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt. Johannes Tortellius Aretinus, Subdiakon und Kammerherr des Papstes, nicht wenig gelehrt in der griechischen und lateinischen Sprache und der Heiligen Schrift, stand zu dieser Zeit in Blüte und hat unter anderen Werken seiner Lehre und Kunst ein sehr schönes Buch verfasst und darin gezeigt und zu erkennen gegeben, wie und auf welche Weise man nach der richtigen Art die lateinischen Wörter setzen und schreiben soll. Antonius Cermisanus, ein einzigartiger Fürst der Medizin, hat in Padua lange Zeit Medizin an der Universität gelehrt. Seine Nachkommen können ihn nicht genug preisen. Er war fröhlich und liebenswürdig, von angemessener Gestalt, korpulent und von sehr guter Konstitution. Und er hinterließ in seinem Alter sehr schöne Söhne. Aus seinem guten Verständnis hat er seinen Nachkommen einige nützliche Ratschläge gegen alle Krankheiten hinterlassen und starb in Padua im Jahr des Herrn 1441. Bartholomäus Montagnanus, ein hervorragender Naturforscher und Arzt, hat mit seiner Kenntnis vieler Dinge und mit der Subtilität seiner Schriften die anderen Ärzte seiner Zeit übertroffen. Das zeigt sich in den Büchern, die er über die Erhaltung der Gesundheit verfasst und darin auch viele schöne Ratschläge beschrieben hat. Hugo Senensis, ein sehr namhafter Arzt, hat zu dieser Zeit (wie man meint) durch göttliche Gnade seiner Geschicklichkeit und Heilkunst alle übertroffen, die vor ihm in Etrurien namhaft gewesen sind, und einige nützliche Ratschläge verfasst. Blatt 246 der Weltchronik. Nikolaus von Tolentino, ein Vater des Augustinerordens, ist im Jahr Christi 1394 gestorben und in diesem Jahr 1446, leuchtend durch Wunderwerke, von Papst Eugen IV. in Anwesenheit des gesamten römischen Volkes und in Versammlung aller Kardinäle in die Zahl der heiligen Bekenner aufgenommen worden. Und obwohl Papst Johannes XXII., der besondere Kenntnis von seiner Heiligkeit hatte, ihm diese Ehre hätte erweisen wollen, wurde er doch durch Kriegsläufe und Aufruhr der Spaltung und zuletzt durch den Eintritt des Todes daran gehindert, und dies wurde bis hierher verzögert. Dieser Heilige wurde aus einem picenischen Städtchen namens "Zum Heiligen Engel", gelegen unter der Stadt Fermo, von mittelmäßigen Eltern geboren. Als er zu seinen Lebzeiten kam, übergab er dem Herrn Leib und Seele und entsagte der Welt und trat in den Augustinerorden ein. Darin hat er seinen Leichnam mit viel Fasten, Wachen und Schlägen gepeinigt und sich ganz der Beschaulichkeit hingegeben. Er redete selten, oder wenn es nötig war, von guten Sitten, von Geistlichkeit, von Güte, von der Verachtung der Welt, von der Liebe Gottes oder vom himmlischen Vaterland. Er trug ein härenes Gewand und einen eisernen, rauen Gürtel um seinen Leib. Und er litt teuflische Anfechtungen und hatte in sich den Geist der Weissagung. Viele Kranke und einige, die vom bösen Geist geplagt waren, wurden zu ihm geführt und geheilt. Er aß 30 Jahre lang in seinem Konvent, weder in Gesundheit noch in Krankheit, kein Fleisch, keine Eier, keinen Fisch noch andere fette Dinge. Zum Zeichen seiner Heiligkeit erschien ihm im Schlaf ein leuchtender Stern, der von seinem Heimatort bis in sein Kloster ging. Dort stand der Stern still im Chor hinter dem Altar. Dort wählte Nikolaus aus göttlicher Offenbarung seine Begräbnisstätte und starb selig. Sein Gedenktag ist der 10. Tag des Monats September. Lorenzo Valla, nicht weniger ein Naturforscher und Lehrer der Heiligen Schrift als ein Rhetoriker und Grammatiker, ist zu dieser Zeit in hohem Ruhm und Ansehen gewesen und hat viele schöne und nützliche Schriften, Episteln und Sendbriefe in Latein zur Lehre und Unterrichtung der Nachkommenden geschrieben. Matteo Palmieri, ein Florentiner, ein sehr erfahrener Geschichtsschreiber, auch Naturforscher und Rhetoriker, ist zu dieser Zeit

Anmerkungen

BRix
Brescia (Stadt in Italien)
ettwen
einst, ehemals
Cenomannischen gallier
Cenomannen (gallischer Stamm, der sich in Norditalien niederließ)
yetzo
jetzt
Lambardischen lands
Lombardei (Region in Italien)
zumal
überaus, sehr
Venediger
Venezianer
soelcher gestalt
auf solche Weise
Hertzog Philips von Mayland
Herzog Philipp von Mailand (Philipp Maria Visconti, Herzog von Mailand)
zoelner
Zöllner
vntregliche ding
unerträgliche Dinge/Lasten
beschwernus
Beschwernis, Last
vermueedet
ermüdet
ergaben
übergaben
cardinal des heilligen creuetzs
Kardinal des Heiligen Kreuzes (Niccolò Albergati)
darundter hin vnd her
hin und her
fride
Frieden
stettlein der von Brix
Städtchen der Brescians (Einwohner von Brescia)
Cremonier
Cremoneser (Einwohner von Cremona)
marggraff von Mantua
Markgraf von Mantua (Gianfrancesco I. Gonzaga)
puentnus zugetaydingt
durch ein Bündnis zugesprochen/vermittelt
beschaydenheit
Bedingung, Einschränkung
Florentiner
Florentiner
pundgenossen
Verbündete
Lucensisch krieg
Krieg von Lucca (Konflikt zwischen Florenz und Lucca)
weeret
dauerte
beder parthey
beider Parteien
Cosmas mediceus von Florentz
Cosimo de' Medici (Cosimo der Ältere), Florentiner Staatsmann
getriben
vertrieben
verfueegung
Anordnung, Verfügung
alßpald
alsbald, sofort
schickung vnd regirung gemayner statt
Einrichtungen und Regierung der gesamten Stadt
reformirt vnd vernewet
reformiert und erneuert
widerpartheyscher vngefoelgiger burger
gegnerische, ungehorsame Bürger
ellend gewisen
ins Exil geschickt
foerderst
führend, erster
Walhen
Walen, hier: Italiener (allgemein romanischsprachige Völker)
eueßern nationen
äußere Nationen (andere Völker außerhalb Italiens)
an zufluessigkeit der reichthuemer
an Reichtum, an Überfluss der Reichtümer
werltgescheydigkeit
Weltklugheit, weltliche Weisheit
gueetigkeit
Güte
myltigkeit
Milde
schriftlicher wissenheit
schriftliche Gelehrsamkeit
sunder der historien
besonders in der Geschichte
Franciscus sforcia
Francesco Sforza (Herzog von Mailand)
Maylendisch hertzogthumb
Herzogtum Mailand
gepewe
Gebäude
huebscher vnd baßgestaltter
schöner und besser gestaltet
cloester
Klöster
sant Dominici ordens
Orden des Heiligen Dominikus (Dominikanerorden)
von grundauff gepawet
von Grund auf gebaut
librarey
Bibliothek
koestlicher
kostbarer
kriechischer bueecher
griechische Bücher
sunst
sonst
sunderliche gepew
besondere Gebäude
Petrus
Piero de' Medici (Sohn von Cosimo)
Nicolaus euboicus
Nikolaus Euboicus (Niccolò Tedeschi, auch Panormitanus genannt, Bischof von Palermo, hier als Bischof von Sagunto bezeichnet)
Sagundinensisch bischoff
Bischof von Sagunto
kriechischer zungen vnd zierlichkeit
griechischer Sprache und Eleganz
hohgelobt
hochgelobt
concili zu Florentz
Konzil von Florenz (1431-1449)
versamlung souil hohgelerter vnd treffenlicher mannen
Versammlung so vieler hochgelehrter und hervorragender Männer
aigentlich
präzise, genau
zierlich herwidergeredt vnd außgelegt
elegant wiedergegeben und ausgelegt
AMbrosius von Florentz
Ambrosius Traversari (General des Kamaldulenserordens)
Camaldulensischen ordens
Kamaldulenserorden
general
General (Ordensgeneral)
beruembter lerer der heilligen schrift
berühmter Lehrer der Heiligen Schrift
gezuengs berichtet
in der Sprache bewandert
guoten zuechten gezieret
mit guten Sitten geschmückt
namhaftig
namhaft, bekannt
anzaygungen seiner synnschicklichkeit
Beweise seiner Geisteskraft/Fähigkeit
Diogenem laercium
Diogenes Laertius (griechischer Biograph der Philosophen)
sytten vnd leben der naturlichen maister
Sitten und Leben der Philosophen
auß kriechischem gezuenge in latein gezogen
aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt
JOhannes tortellius aretinus
Giovanni Tortelli (Humanist, Bibliothekar des Papstes)
babsts subdyacon vnd cubiculari
Subdiakon und Kammerherr des Papstes
nicht wenig gelert
nicht wenig gelehrt, sehr gelehrt
in plueung gestanden
in Blüte gestanden, sehr aktiv gewesen
angezaigt vnd zeerkennen geben
gezeigt und zu erkennen gegeben
rechter art
richtige Art, korrekte Weise
wort des lateins
lateinische Wörter
Antonius cermisanus
Antonius Cermisanus (Arzt, Professor in Padua)
einiger fuerst der ertzney
einzigartiger Fürst der Medizin
in der schuol gelesen
an der Universität gelehrt (wörtl. in der Schule gelesen/vorgelesen)
Den kuenden sein nachkomen nit genuog verloben
Seine Nachkommen können ihn nicht genug preisen/loben.
froelich vnd wunnsamm
fröhlich und liebenswürdig
gepuerlicher weiß
von angemessener Gestalt/Weise
leibig vnd gar guoter complex
korpulent und von sehr guter Konstitution/Verfassung
schoen knaben nach ime
schöne Söhne
guoten verstentnus
gutem Verständnis
ratschleg wider alle kranckheit dienstlich
nützliche Ratschläge gegen alle Krankheiten
.M.cccc.xli.
1441
Bartholomeus de montagnano
Bartholomäus Montagnanus (Arzt, Professor in Padua)
treffenlicher naturlicher maister vnnd artzt
hervorragender Naturforscher und Arzt
erkantnus vil dings
Kenntnis vieler Dinge
subtilichkeit der schrift
Subtilität der Schriften
enthaltung der gesuntheit
Erhaltung der Gesundheit
HVgo senensis
Hugo Senensis (Ugo Benzi da Siena, Arzt)
namhaftiger artzt
namhafter Arzt
goetlicher gnad seiner schicklichkeit vnd ertzneyung
göttliche Gnade seiner Geschicklichkeit und Heilkunst
Ethruria
Etrurien (Region in Italien, Toskana)
fuertroffen
übertroffen
nutzpere ratschleg
nützliche Ratschläge
der werlt Blat CCXLVI S.
Blatt 246 der Weltchronik (Verweis auf die Seitenzahl im Originalwerk)
CCXLVI
246
Niclas von tolletin
Nikolaus von Tolentino (Heiliger, Augustinereremit)
.M.ccc.xciiii.
1394
.M.cccc.xlvi.
1446
an wunderwercken leuechtende
leuchtend durch Wunderwerke
babst Eugenio
Papst Eugen IV.
beywesen alles roemischen volcks
Anwesenheit des gesamten römischen Volkes
vesammlung aller cardinel
Versammlung aller Kardinäle
zal der heilligen beichtiger
Zahl der heiligen Bekenner (Heilige, die nicht Märtyrer waren)
babst Johannes der .xxii.
Papst Johannes XXII. (starb 1334; hier möglicherweise eine Verwechslung oder ein Fehler im Originaltext, da die Heiligsprechung 1446 erfolgte)
suendere kuntschaft het
besondere Kenntnis hatte
kriegßlewften vnd auffruor der zwayung
Kriegsläufe und Aufruhr der Spaltung (gemeint ist das Abendländische Schisma)
fuerkomung des tods
Eintritt des Todes
daran verhindert vnd soelchs bis hieher verzogen
daran gehindert und dies bis hierher verzögert
picenischen stettlein zum heilligen engel
picenisches Städtchen namens "Zum Heiligen Engel" (Picus, Region in Italien, Marken)
Firmana
Fermo (Stadt in Italien)
mittelmassigen eltern
mittelmäßigen Eltern (nicht von hohem Stand)
zu seinen tagen kome
zu seinen Lebzeiten kam
ergabe er dem herren leib vnd sel
übergab er dem Herrn Leib und Seele
verziehe sich der werlt
entsagte der Welt
ging in sant Augustins orden
trat in den Augustinerorden ein
leichnam mit vil fasten. wachen vnnd schlegen gepeynigt
Leichnam mit viel Fasten, Wachen und Schlägen gepeinigt (Askese)
gantzen in beschewlichkeit ergeben
sich ganz der Beschaulichkeit hingegeben
guotem sytten
guten Sitten
gaistlichkeit
Geistlichkeit, Spiritualität
gueetigkeit
Güte
der werlt verschmehung
Verachtung der Welt
lieb gottes
Liebe Gottes
hymlischen vaterland
himmlisches Vaterland (Himmel)
harins klayd
härenes Gewand (aus Ziegenhaar, als Bußgewand)
eysinine rawhe guertel
eiserner, rauer Gürtel
teuefellische anfechtung
teuflische Anfechtung
gaist der weissagung
Geist der Weissagung
krancken vnnd ettliche mit dem boeßen gaist bekuemert warden zu ime gefuoert vnd geledigt
Kranke und einige, die vom bösen Geist geplagt waren, wurden zu ihm geführt und geheilt/befreit
.xxx. iar
30 Jahre
conuent
Konvent (Klostergemeinschaft)
flaisch ayv. fisch noch ander fayst ding
Fleisch, Eier, Fisch noch andere fette Dinge (Fastenregeln)
Zu anzaigung seiner heiligkeit
Zum Zeichen seiner Heiligkeit
liechter stern imm schlaff
leuchtender Stern im Schlaf
haymand
Heimatort
closter
Kloster
chor hinder dem altar
Chor hinter dem Altar
Alda erwelet im Nicolaus auß goetlicher verkuendung sein begrebnus vnd starb seligclich
Dort wählte Nikolaus aus göttlicher Offenbarung seine Begräbnisstätte und starb selig.
.x. tag des monats Septembris
10. Tag des Monats September
Laurentius vallensis
Lorenzo Valla (Humanist, Philologe)
nit mynder ein naturlicher maister vnd lerer der heilligen schrift dann ein zierreder vnd grammaticus
nicht weniger ein Naturforscher und Lehrer der Heiligen Schrift als ein Rhetoriker und Grammatiker
zierreder
Rhetoriker, Redner
grammaticus
Grammatiker
hohem ruom vnd achtperkeit
hohem Ruhm und Ansehen
epistel vnnd sendbrieff
Episteln und Sendbriefe (Briefe)
zu lere vnd vnderrichtung der nachkomenden
zur Lehre und Unterrichtung der Nachkommenden
MAtheus palmerius
Matteo Palmieri (Florentiner Humanist, Historiker)
hoherfarner geschihtbschreiber
sehr erfahrener Geschichtsschreiber
naturlicher maister
Naturforscher (im Sinne von Philosoph, Gelehrter der Naturwissenschaften)
zierredner
Rhetoriker, Redner
(Satz unvollendet)
Der Satz endet abrupt im Originaltext.