Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Alphonsus ein koenig ALphonsus Ferdinandi des koenigs zu Arrogonia sun. des vater Johannes ein koenig hindern Hispanien der von eim lawffenden pferd zu tod fiel hat nach der gepurt cristi .M.cccc.xlii. iar nach vberwindung vnd außtreibung Renati das Neapolitanisch koenigreich schier .xxii. iar geregirt. Als er dauor langzeit in Arrogonia. sardinia vnnd hispania geregirt het. Diss Alphonsi vater ein heillig man ließ nach ime vier suen. Nemlich alphonsum Johannem Heinricum vnnd Petrum. Alphonsus als der eltst behielt das veterlich reich vnnd warff sein awg auff diss koenigriche vnnd schiffet darein mit großer macht vnnd raytzet den pfleger oder verweser des castels zu verretterey vnd dargebung vnd erobert dasselb castel oder schloss in dem meer gelegen. darauß krieget er die Neapolitaner vnnd bedrannget die statt Neapolis mit harter belegerung also lang das vil menschen hungers starben. Zu letst ließ er heimlich ettliche weppner durch verborgen genng vnder der erden bey nacht in die statt vnd eroberet dieselben. vnnd vnlanng darnach zemet er den adel des gantzen koenigreichs vnd bracht es alles in seinen gewalt. vnd ließ sich triumphirende auff einem guldein wagen gein Neapolis einfueren. vnd starb nach vil großtetigen geschihten. vnd ließ keinen eelichen sun sunder allain Ferdinandum den er bey eim zuweib erobert. vnnd ime das kuonigreich Apulie auß eim testament erblich ließe. So blibe Johanni seinem bruder das arrogonisch koenigreich. Diser Alphonsus ließ mer reichthuemer vnd einen groeßeren schatz dann ye einicher seiner vorfarn gethan het. der auch on widersprechen vnder allen koenigen vnd fuersten vnßrer zeit der allerweisist vnnd sterckst gehalten wardt. Er was vnder den wollustperkeiten messig. vnder den schmaychlern vnd liebkosern starckmueetig vnd fest. vnd vnder den eyteln vnd gewoenlichen der fuersten vbungen des fleiss der lernung vnuergessen. Julianus ein cardinal JVlianus cesarinus der cardinal ein inpruenstiger liebhaber cristenlichs glawbens vnd ein gezierter man mit allen goetlichen vnd menschlichen tugenten wardt vor disen tagen durch babst Eugenium als ein legat gein Hungern geschickt zwischen koenig Laßlawen zu Poln vnd des roemischen koenigs Albrechts gemahele frid zemachen vnd der wardt gemacht im iar des herren .M.cccc.xliiii. vnd derselb koenig durch den cardinal mitsambt den hungern also bewegt das sie mit großem heer wider die Tuerken. derselben schluogen sie bey .xlm. vnd vnder inen .xviii. fuersten zu tod. In demselben streyt wardt koenig Laßlaw verwundt vnd starb So lage auch diser cardinal ernyder. Franciscus sforcia FRanciscus Sforcia Philippimarie des hertzogen zu Mayland tochterman wardt imb .M.cccc.xlviii. iar der vierd Maylenndisch hertzog gemacht. vnnd herrschet mitsambt Blancamaria in das .xvii. iar. Der was ein fast tapfrer vnd wolgesprechig man. der mit seiner wolredperkeit. großmueetigkeit. stercke. myltigkeit. kluogheit vnd werltwitzigkeit schier die alten kaiser vbertroffen hat. vnd in ritterlichen geschihten vnd gethaten gar syghaftig gewest ist. dann er hat in seinen iungen tagen vil großer obsygung wider Bracium. wider die Florentiner. wider die Venediger. wider babst Eugenium. wider die Maylender vnd ander Walhen erstanden als dann das vnd anders durch ine großmechtigclich geuebet von den poeten vnd tichtern in schriften gebracht vnd nochmalß vor awgen ist. So hat er nicht allain zu Mayland sunder auch in andern stetten großmechtige scheinperliche gepew aufgerichtet vnd erpawt. Nemlich ein schloss zu Maylannd. Ein schloss in der statt Lauda. Ein großmechtigs spital zu Rom. vnd vor derselben statt ein closter in sant Niclasen von Tolentin eren. Zu letst starb er nach Cristi gepurt .M.cccc.lxvi. iar. vnd ließ bey blanca seiner gemahel sechs suen vnd zwuo toechter. right FInsternus der sunnen beschahe nach der gepurt Cristi .M.cccc.xlviii. iar am ersten tag des monats Septembris zu der sechsten vre. In dem selben iar entstunden an vil enden große vnd grawsamm krieg. in Engelland. in Franckreich. in Teuetschen landen. In Flandern. In apulia vnd in allem Welschem land. moerd. rawberey. zerstoerung. prand vnd vil vnselige vbel. So beschahe den Kriechen von den Tuercken vil schadens. Vber zway iar darnach wardt ein solcher großer sterben das auß vil menschen wenig lebendig bliben. der werlt Blat CCXLIX Von bestreitung der statt Constantinopel im .M.cccc.liii. iar beschehen. COnstantinopel die statt ein stuol des orientischen kaiserthumbs vnd ein einige behawßung kriechischer weißheit ist in disem iar am andern tag des monats Junii von Machumeto dem fuersten der Tuercken fuenftzig tag belegert mit gewalt vnnd waffen bestritten. verwueestet vnd befleckt worden im dritten iar des reichs desselben Machumets. der dann dise statt zu land vnd wasser vmbschrencket vnd vil vnzallich koerbe mit weyden gezeuendt damit sich die feynd bedeckten an die graben rucket vnd den thurn bey sant Romans thor mit einer großen mechtigen buechßen zerrueedet vnd nyderschoße also das der einfal des erckers oder der worweere den graben außfuellet vnd also ebnet das die feind darueber einen weg haben mochten. Als aber der Tuerck die mawrn an dreyen orten mit staynen verletzet vnd schier verzweiflet do vnderstund er sich auß ertrachtung eins treuelosen verheyten cristen schife von der hoehe vber einen puehel abzelassen. Nw hett die statt ein lange vnd enge pforten gegen dem auffgang der sunnen aneinander gepundne schiff vnd mit einer ketten befestigt. daselbsthinein zekomen den feynden nicht mueglich was. vnd auff das aber der Tuerck die statt noch mer einzwenngen vnd vmblegern moecht so ließe er in der hoehe auf dem puehel den weg ebnen vnd die schiff auß vnderlegten fassen wol bey .lxx. roßlawfen schieben vnd machet vom gestadt gegen Constantinopel ein prugk bey .xxx. roßlawffen lang von holtz mit weynfassen vnderlegt darauff das heer zu der mawrn lawffen mocht. Also wardt die statt Constantinopel vnnd auch Pera gestuermet. die mawr vnd die thor beschoßen. vnd die oeber mawr erstigen. also das die feinnd die burger in de3r statt mit staynwerffen ser beschedigten vnd in dem einlawff der pforten bey achthunndert rittern auß den Lateinischen vnd Kriechischen ermoerten vnd erschluogen vnd eroberten die statt. Alda warde der Kriechisch kayser Constantinus paleologus enthawbt. alle menschen sechs iar vnd darueber alt erschlagen. die briester vnd alle closterlewt mit mancherlay marter vnd peyn getoedt. vnd das ander volck mit dem schwerr ermordt. vnd ein soelchs pluotuergießen das pluotig beche durch die stat fluß. So warden die heilligen gotzhewßer vnnd tempel erbermdlich vnd grawsammlich befleckt vnd enteeret vnd vil vnmenschlicher boßheit vnd myßtat durch die wueettenden Tuercken gegen dem cristenlichen pluot geuebt. vnd das geschahe nach erpawung der statt Constantinopel M.c.xxx. iar. oder da bey.
Das sechste Zeitalter. Alfons, ein König. Alfons, der Sohn Ferdinands, des Königs von Aragonien, dessen Vater Johann, ein König in Hinterspanien, der von einem laufenden Pferd zu Tode stürzte, hat nach der Geburt Christi im Jahre 1442, nach der Überwindung und Vertreibung Renés, das Neapolitanische Königreich fast 22 Jahre regiert. Zuvor hatte er lange Zeit in Aragonien, Sardinien und Hispanien geherrscht. Dieses Alfons' Vater, ein heiliger Mann, hinterließ vier Söhne, nämlich Alfons, Johann, Heinrich und Peter. Alfons, als der Älteste, behielt das väterliche Reich und warf sein Auge auf dieses Königreich. Er schiffte mit großer Macht dorthin und reizte den Pfleger oder Verweser des Kastells zu Verräterei und Übergabe. So eroberte er dasselbe Kastell oder Schloss, das im Meer gelegen war. Von dort aus bekriegte er die Neapolitaner und bedrängte die Stadt Neapel mit harter Belagerung so lange, dass viele Menschen hungers starben. Zuletzt ließ er heimlich etliche Wappner durch verborgene Gänge unter der Erde bei Nacht in die Stadt und eroberte dieselbe. Und unlängst danach zähmte er den Adel des ganzen Königreichs und brachte es alles in seinen Gewalt. Er ließ sich triumphierend auf einem güldenen Wagen nach Neapel einführen und starb nach vielen großtätigen Geschichten. Er hinterließ keinen ehelichen Sohn, sondern allein Ferdinand, den er mit einer Geliebten gezeugt hatte, und ihm das Königreich Apulien durch ein Testament erblich überließ. So blieb seinem Bruder Johann das Aragonische Königreich. Dieser Alfons hinterließ mehr Reichtümer und einen größeren Schatz, als je einer seiner Vorfahren getan hatte. Er wurde auch ohne Widerspruch unter allen Königen und Fürsten unserer Zeit als der weiseste und stärkste gehalten. Er war in den Wollüstigkeiten mäßig, unter den Schmeichlern und Liebkosern starkmütig und fest, und unter den eitlen und gewöhnlichen Übungen der Fürsten des Fleißes der Lernung unvergessen. Julian, ein Kardinal. Julian Cesarini, der Kardinal, ein inbrünstiger Liebhaber christlichen Glaubens und ein mit allen göttlichen und menschlichen Tugenden gezierter Mann, wurde vor diesen Tagen durch Papst Eugen als ein Legat nach Ungarn geschickt, um zwischen König Wladyslaw von Polen und der Gemahlin des römischen Königs Albrecht Frieden zu stiften. Und dieser wurde im Jahre des Herrn 1444 gemacht. Und derselbe König wurde durch den Kardinal mitsamt den Ungarn so bewegt, dass sie mit großem Heer wider die Türken zogen. Von denselben schlugen sie bei 40.000 und unter ihnen 18 Fürsten zu Tode. In demselben Streit wurde König Wladyslaw verwundet und starb. So fiel auch dieser Kardinal nieder. Francesco Sforza. Francesco Sforza, der Schwiegersohn Philipp Marias, des Herzogs von Mailand, wurde im Jahre 1448 der vierte Mailändische Herzog gemacht und herrschte mitsamt Bianca Maria 17 Jahre lang. Er war ein sehr tapferer und beredter Mann, der mit seiner Beredsamkeit, Großmütigkeit, Stärke, Milde, Klugheit und Weltwitzigkeit fast die alten Kaiser übertroffen hat und in ritterlichen Geschichten und Taten sehr sieghaft gewesen ist. Denn er hat in seinen jungen Tagen viele große Obsiegungen wider Braccio, wider die Florentiner, wider die Venezianer, wider Papst Eugen, wider die Mailänder und andere Walchen errungen, wie denn das und anderes durch ihn großmächtiglich geübt von den Poeten und Dichtern in Schriften gebracht und nochmals vor Augen ist. So hat er nicht allein zu Mailand, sondern auch in anderen Städten großmächtige, scheinbare Gebäude aufgerichtet und erbaut, nämlich ein Schloss zu Mailand, ein Schloss in der Stadt Lodi, ein großmächtiges Spital zu Rom und vor derselben Stadt ein Kloster zu Ehren des heiligen Nikolaus von Tolentino. Zuletzt starb er nach Christi Geburt im Jahre 1466 und hinterließ bei Bianca, seiner Gemahlin, sechs Söhne und zwei Töchter. Finsternis der Sonne. Eine Finsternis der Sonne ereignete sich nach der Geburt Christi im Jahre 1448 am ersten Tag des Monats September zur sechsten Stunde. In demselben Jahr entstanden an vielen Orten große und grausame Kriege: in England, in Frankreich, in deutschen Landen, in Flandern, in Apulien und in allem Welschen Land. Mord, Räuberei, Zerstörung, Brand und viele unselige Übel. So geschah den Griechen von den Türken viel Schaden. Über zwei Jahre danach ereignete sich ein so großes Sterben, dass von vielen Menschen wenige lebendig blieben. Blatt 249 der Weltchronik. Von der Bestreitung der Stadt Konstantinopel im Jahre 1453 geschehen. Konstantinopel, die Stadt, ein Stuhl des orientalischen Kaisertums und eine einzige Behausung griechischer Weisheit, ist in diesem Jahr am zweiten Tag des Monats Juni von Mehmed, dem Fürsten der Türken, fünfzig Tage belagert, mit Gewalt und Waffen bestritten, verwüstet und befleckt worden, im dritten Jahr des Reiches desselben Mehmeds. Dieser umringte dann diese Stadt zu Land und Wasser und rückte viele unzählige, mit Weiden geflochtene Körbe, damit sich die Feinde bedeckten, an die Gräben. Er zerrüttete und schoss den Turm bei Sankt Romanus' Tor mit einer großen, mächtigen Büchse nieder, sodass der Einsturz des Erkers oder der Wehr den Graben ausfüllte und so ebnete, dass die Feinde darüber einen Weg haben konnten. Als aber der Türke die Mauern an drei Orten mit Steinen verletzt und fast verzweifelt war, unternahm er es, nach dem Plan eines treulosen, verräterischen Christen, Schiffe von der Höhe über einen Hügel abzulassen. Nun hatte die Stadt eine lange und enge Einfahrt zum Goldenen Horn, wo aneinander gebundene Schiffe mit einer Kette befestigt waren, sodass es den Feinden nicht möglich war, dorthin zu gelangen. Und damit aber der Türke die Stadt noch mehr einzwängen und umbelagern konnte, ließ er in der Höhe auf dem Hügel den Weg ebnen und die Schiffe auf unterlegten Fässern wohl bei 70 Rossläufen schieben. Er machte vom Gestade gegen Konstantinopel eine Brücke, wohl 30 Rossläufe lang, aus Holz, mit Weinfässern unterlegt, worauf das Heer zur Mauer laufen konnte. So wurde die Stadt Konstantinopel und auch Pera gestürmt, die Mauern und die Tore beschossen und die obere Mauer erstiegen, sodass die Feinde die Bürger in der Stadt mit Steinwürfen sehr beschädigten und beim Einlauf der Pforten bei achthundert Rittern aus den Lateinern und Griechen ermordeten und erschlugen und die Stadt eroberten. Dort wurde der griechische Kaiser Konstantin Palaiologos enthauptet. Alle Menschen, die sechs Jahre und darüber alt waren, wurden erschlagen. Die Priester und alle Klosterleute wurden mit mancherlei Marter und Pein getötet, und das andere Volk mit dem Schwert ermordet. Und ein solches Blutvergießen, dass blutige Bäche durch die Stadt flossen. So wurden die heiligen Gotteshäuser und Tempel erbärmlich und grausam befleckt und entehrt, und viele unmenschliche Bosheiten und Missetaten durch die wütenden Türken gegen das christliche Blut geübt. Und das geschah nach der Erbauung der Stadt Konstantinopel 1130 Jahre oder dabei.