Schedelsche Weltchronik · Blatt 252

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 252, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 252, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Nach der gepurt cristi .M.cccc.xlvi. iar entstund zwischen den teuetschen brueedern vnd Vladislaen dem koenig zu Poln von wegen der oerter vnd gegent des koenigreichs ein auffruor vnd komen bede tayl mit großem mechtigem volck zu krieg vnd streyt. aber die prewßen (entweders in der menig irs streytpern volcks oder auß frayssamkeit irs muots frolockende) schickten erstlich durch einen heerolt oder parsafanten dem koenig zway schwerte des frids oder des kriegs dero eins welchs er woelt zenemen. also name der koenig das schwert des kriegs vnnd streyts an vnd ließe ime das segnen vnd beguertet sich damit. Als sie nw gegeneinander zu streyt zugen do schiket der koenig die Litawer die ime zu beystand komen waren vor hyn an die schlacht. mit denselben vermueedeten sie sich also hart das sie von den polacken die alßpald darauff nachdruckten ein schwere nyderlag vnnd pluotuergiessung lydden. also das an demselben tag bey vierhundert brueeder des ordens mitsambt dem hohmaistere zu roß vergiengen. vil tawsent mann erschlagen vnd die vbrigen gefangen warden. Vnd dermaß gelanget Preueßner land (außgenomen Marieburg) an die Polacken. So warden ine die zwuo stett Tantzka vnd Dorn darnach durch Casimirum den koenig zu Poln abgedrungen. der sprach das Preueßner land ein teil seins koenigreichs wer Albrecht marggraff zu Brandemburg hat vor disen iaren wider die statt Nuermberg einen großen krieg gefueert vnd das stettlein Grefenberg das mit einer mawr vnd graben bewaret vnd vier meyl von Nuermberg ligt mit großem gewalt gestuermt. vnd als nw bede partheyen aneinander vil beschwerde vnd schadens vnd gehabter taglaystung gestillet vnd hingelegt. Vber ettliche iar darnach enstund ein krieg zwischen demselben hertzog Ludwigen vnd dem vorgenanten marggraff Albrechten beden mechtigen fuersten. als aber bede tail ettwielang mit großer kuenmueetigkeit gegeneinander gekriegt hetten do wardt der krieg zu letst nach vil erliddner schlacht vnd nyderlag durch die andern fuersten teuetscher land vertragen. Koenig Ludwig zu franckreich Lvdwig koenig Karls zu Franckreich sun hat diser zeit nach seinem vater das koenigreich ererbet. Derselb koenig karl was ein senftmueetig man aber tawber synn dann als er wider koenig Heinrichen von engelland vnd hertzog Jhanßen von Burgundi einen krieg erweckt vnd vil lewt erschlagen het do ward er zu letst mit großer mechtiger schlacht zertrennt vnd ime vil stett abgedrungen. vnd wo es got durch ein iunckfrewlein wunderperlich nit vnderkomen het so wer es vmb sein koenigreich gar beschehen gewest. Zu letst machet Nicolaus ein cardinal cartheueser ordens frid mit den hertzogen zu burgundi. den hieß er doch darnach hinderlistigclich ertoedten. das wz ein vrsach vil vnzallicher vbele die darauß folgten. Als nw diser Ludwig das koenigreich vnd herrschung erlanget do vertribe er vil seins vaters guenner auß dem koenigreich. vnd als er sich darnach vnderstuond die freyheit der kirchen zeuermyndern do machet er ime vil roemisch bebst widerwerwertig. Vnd nach dem das volck hertzog Karls zu Aquitania vnd Normandia von seiner weißheit wegen zu eim regirer begeret do wardt er auß zuschuob vnnd verfueegung diss koenig Ludwigs ertoedt. Als aber der adel des koenigreichs vnnd der hertzog zu Burgundi solchs verstunnden do verneweten sie den alten hass vnd neyd vnd machten ein puentnus vnd vberzohen disen koenig Ludwig mit heereßkraft. also das der hertzog von Burgundi in die Pickardey rayset vnd die statt Pichinetum erobert vnnd schlayffet. so wardt der koenig von den seinen verlassen vnnd wiche gein Parys. Aber der babst stillet darnach die sachen durch Bessarionem den Nicenischen cardinal. Diser Ludwig starb zu Remis nach der gepurt Cristi M.cccc.lxxxiiii. iar vnd ließ Carolum seinen erstgepornen .xv. iar alt der noch lebt einen nachkomen des koenigreichs Georgius koenig zu Beheim Georgius von Pogiebrat ein Beheim vnderstund sich nach absterben Laßlaws koenigs zu Hungern vnd zu Beheim in geforderter versammlung des adels vnd der lantherren fuerzegeben. wie das ambt oder pflegnus seiner gubernation sich mit tod des gestorben koenigs nit geendet het. demnach ergaben sich die von Prag alßpald on verzug in sein gubernation. vnd er wardt zu koenig verkuendt. dann er wz zu haws vnd zu feld also geschickt das ime zu handlung seiner sachen weder rats noch alters manglet. Vnnd wiewol er sich einen guoten cristen veriahe vnnd zwayen bischoffen an ire hend gelobet vnd auff das heillig ewangelium einen ayd schwuore das er nach empfangner kroenung hinfuero der heilligen roemischen kirchen getrew vnd gehorsam sein wolt. darauff er dann durch kaiser Friderichen bestettigt wardt. yedoch hielt er sich in disen dingen allen widerwertiger vnd trewloser weiß vnd beschuetzet vnd beschirmet die behmischen ketzerey. darumb wardt er vnd das gantz Behmisch reich durch babst Pium vnd Paulum schwerlich verpannt vnd verflucht vnd starb also nach der gepur Cristi .M.cccc.lxxi. iar. Machomet der Tuercken kaiser hat nach vertreibung Thome paleologi des Kriechischen kaisers vnnd seins bruders im .M.cccc.lx. iar Peloponessum vnd nach gefengknus vnnd ertoedtung des Trapesunthischen koenigs desselben iars Pontum. vnd darnach Mitilenam erobert. So belegerten die Venediger Corinthum. aber die Tuercken komen mit gewalt vnd zwungen die cristen zu den schiffen zefliehen. Zu letst ruestet sich der hertzog zu venedig mit treffenlicher schiffung vnd als er gen Anconam zu lendet vnnd von babst Pio der noch gaystet ab der hoehe von verrnen gesehen ward do verschied der babst in großer glori. Kaiser Friderich geprauchet sich keins weins außerhalb malzeit. In dem nachtmal truncke er den allerleichtisten wein doch mit wasser gemischt. Nw rieten die ertzte Leonore der kaiserin die in irem haymend nye einichen wein genossen het das sie in teuetschem land (das dann kalt wer) wein trincken solt ob sie anders fruchtper vnd geperhaftig werden woelt. Als aber solchs an den kaiser gelanget do forderet er Eneam siluium vnnd sprach zu ime. Geehin vnd sage der kaiserin. Ich woelle lieber ein vnperhaftige dann ein wein sawffende gemahele haben ob sie mich liebet so hasset sie den wein. Als nw die kaiserin dise werbung vernomen het do sprach sie. wiewol ich dem gescheft vnd gehaisse meins gemahels also gern gehorsam bin als gern ich lebe. yedoch wenn der kaiser mir wein zetrincken gepuote so wolt ich mir ee wuenschen zesterben denn gehorsam zeerscheinen. Mathias koenig zu Hungern Mathias Johannis huniadis des koenigreichs Hungern gubernators sun hat nach absterben koenig Laßlaws on erben das benant koenigreich mit verwilligung des adels. der lantherren vnd oebern daselbst erobert. Dess vater guberniret das koenigreich mit einer eyßnin ruoten. vnd wardt auch nicht mynder dann als ein koenig gehalten. vnnd als er die Tuercken bey kriechischen weissenburg ernider gelegt het do starb er vnlang darnach. Als aber (wie hieuor gemeldt ist) der graf von Cili durch Ladislawen des obgenanten Johannis huniadis eltern sun getoedt wardt do hieß koenig Laßlaw denselben Ladislawen enthawbten vnd den Mathias gefangen gein Prag an dem tag daran koenig Laßlaw starb. den name Georgius pogiebrat der Bemisch gubernator in sein huot vnd bewarung. Nicht lanng darnach wardt er in dem xviii. iar seins alters zu koenig zu Hungern ernennt. auff große puergschaft vnd verschreibung außer ferngknus gelassen vnnd in sein Hungerisch koenigreich gefueert. Aber nach dem der roemisch kaiser vermaynet das ime dasselb koenigreich zu stuonde darumb entstunden vil auffruor vnd krieg zwischen inen. doch blibe das koenigreich dem mathias. Der was ein ernsthafter fleißiger vnd starcker beschirmer vnd verfechter des cristenlichen glawbens wider die Tuercken vnd hat vil großer kempff vnnd streyt wider sie erstanden. vil abgedrungen vnd ire land vnnd gegent mit prand. verheerung. rawb vnd todschlagung vilfeltigclich beschedigt. Auch wider Casimirum den koenig zu Poln. in beheim gekriegt. vnd sich zu letst doch mit ime befridet. dermaß das Pannonia. Hungern. Merhern vnd Schlesia dem koenig Mathias. vnd das koenigreich zu Beheim dem Vladislao des Casimiri sun bleiben solten. Als diser Mathias mercket das ime kaiser Friderich widerwertig was do befridet er sich mit dem Tuercken vnd stellet sich wider den kaiser. dem drunge er ab die statt Wienne. daselbst starb er .M.cccc.xc. iar. vnd wardt gein Stuolweyssenburg gefueert vnd alda begraben. Er het Ferdinandi des koenigs zu Neapolis tochter zu der ee. Nicolaus von cusa cardinal Nicolaus von Cusa ein Teuetscher vnd des tittels sancti Petei ad vincula ein fuertreffenlicher vnd hohgelerter cardinal ist diser zeit in ruom vnd preyse gewesen Vnd was ein soelcher guoter man das wenig beßrer lewt zu seiner zeit geporn warn. dann er was ein ernstlicher feind aller laster. ein widersacher aller eregirigkeit vnd werltlichs geprengks. an gentzigkeit des gemueets vnwandelper: erberer muee vnnd arbait bis in sein hohs alter vnuerdrossen. in guottettigkeit vnd danckperkeit wunderperlich. vnd also vberflueßig in aller schriftlichen weißheit. wenn yezuzeiten von einichem ding zereden vnuersehenlich fuerfiele so kund vnd weßte er also schickerlich. voelligclich vnd gnuogsamlich dauon sagen als ob er sich dasselb ding allain zelernen geflißen het. Er was zumal ein wolgesprechig vnd des lateins fertig man. vnd aller hystorien vnd geschihten. nicht allain der newen vnd andern kuensten hoherfarn. Auch des babstlichen vnd kaiserlichen rechtens wolgelert. vnd ein scharpffer außleger der heilligen schrift. vnd hat vil treffenlicher vnd loeblicher bueecher vnd schriften gemacht vnd hinder ime gelaßen Diser Nicolaus wardt auß vrsachen das er sein Brixische kirchen fleißigclich beschirmet von hertzog Sigmunden von oesterreich gefangen vnd in eim erbern kercker enthalten. Darumb wardt babst Pius wider denselben hertzogen zu vngnad vnd mißgunst bewegt also das er ine mit schwern geistlichen penen beluode. Zu letst wardt diser Nicolaus frey geledigt vnd die sachen befridet. Vnnd als babst Pius zu Ancona auß diser werlt mit tod verschiede do starb diser Nicolaus cardinalis zu Rom. Bessarion ein kriechischer cardinal Bessarion ein cardinal vnd Sabinensischer bischoff vnd auch ein patriarch zu Constantinopel was diser zeit bey dem babst Paulo vnd menigclichem soelcher fuersichtigkeit. werltwitzigkeit. vbung. erfarung. schicklichkeit vnnd glawbwirdigkeit gehalten. das von hohen treffenlichen sachen vnnd gescheften nichtz gehandelt noch fuer beschließlich geachtet wardt es beschehe dann in beywesen vnd mit rat diss hohberuembten mans. Er was in schriftlicher weißheit also erleuechtet das man glawbet dz seiner zeit nye nymant mer gelesen. gelesne ding baß verstanden vnd clerlicher geschriben het denn er. Vnd wiewol er mit sachen vnd gescheften den gemaynen cristenlichen stand betreffende beladen wz so vnderstund er sich mit inpruenstiger begirde seins gemueets die lere des naturlichen maisters Platonis zebeschirmen. Zu letst als er gein Franckreich in botschaft geschickt wardt vnd fride machet do starb er am widerwege.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Nach der Geburt Christi im Jahre 1446 entstand zwischen den Deutschen Brüdern und Wladyslaw, dem König von Polen, wegen der Orte und Gegenden des Königreichs ein Aufruhr, und beide Teile kamen mit großem, mächtigem Volk zu Krieg und Streit. Aber die Preußen (entweder in der Menge ihres streitbaren Volkes oder aus Kühnheit ihres Mutes frohlockend) schickten erstlich durch einen Herold oder Parsafanten dem König zwei Schwerter des Friedens oder des Krieges, von denen er eines nehmen wollte. Also nahm der König das Schwert des Krieges und Streites an und ließ es sich segnen und rüstete sich damit. Als sie nun gegeneinander zum Streit zogen, da schickte der König die Litauer, die ihm zu Beistand gekommen waren, voran an die Schlacht. Mit denselben bekämpften sie sich so hart, dass sie von den Polen, die alsbald darauf nachdrängten, eine schwere Niederlage und Blutvergießen erlitten. So dass an demselben Tag etwa vierhundert Brüder des Ordens samt dem Hochmeister zu Ross umkamen, viele tausend Mann erschlagen und die übrigen gefangen wurden. Und dermaßen gelangte Preußenland (ausgenommen Marienburg) an die Polen. So wurden ihnen die zwei Städte Danzig und Thorn darnach durch Kasimir, den König von Polen, abgedrungen. Der sprach, dass Preußenland ein Teil seines Königreichs wäre. Albrecht, Markgraf zu Brandenburg, hat vor diesen Jahren wider die Stadt Nürnberg einen großen Krieg geführt und das Städtchen Gräfenberg, das mit einer Mauer und Graben bewahrt und vier Meilen von Nürnberg liegt, mit großem Gewalt gestürmt. Und als nun beide Parteien aneinander viel Beschwerde und Schadens und erlittener Tagesleistungen beigelegt und beendet hatten. Über etliche Jahre darnach entstand ein Krieg zwischen demselben Herzog Ludwig und dem vorgenannten Markgraf Albrecht, beiden mächtigen Fürsten. Als aber beide Teile etwelang mit großer Kühnmut gegeneinander gekriegt hatten, da ward der Krieg zuletzt nach viel erlittener Schlacht und Niederlage durch die anderen Fürsten deutscher Lande vertragen. König Ludwig von Frankreich. Ludwig, König Karls von Frankreich Sohn, hat dieser Zeit nach seinem Vater das Königreich geerbt. Derselbe König Karl war ein sanftmütiger Mann, aber von taubem Sinn; denn als er wider König Heinrich von England und Herzog Johann von Burgund einen Krieg erweckt und viel Leute erschlagen hatte, da ward er zuletzt mit großer, mächtiger Schlacht zerschlagen und ihm viele Städte abgedrungen. Und wo es Gott durch ein Jungfräulein nicht wunderbarlich eingegriffen hätte, so wäre es um sein Königreich gar geschehen gewesen. Zuletzt machte Nikolaus, ein Kardinal des Kartäuserordens, Frieden mit den Herzögen zu Burgund. Den hieß er doch darnach hinterlistiglich töten. Das war eine Ursache viel unzähliger Übel, die daraus folgten. Als nun dieser Ludwig das Königreich und Herrschaft erlangte, da vertrieb er viele seines Vaters Gönner aus dem Königreich. Und als er sich darnach unterstand, die Freiheit der Kirchen zu vermindern, da machte er sich viele römische Päpste widerwärtig. Und nachdem das Volk Herzog Karls zu Aquitania und Normandia von seiner Weisheit wegen zu einem Regierer begehrte, da ward er aus Zuschieben und Verfügung dieses Königs Ludwigs getötet. Als aber der Adel des Königreichs und der Herzog zu Burgund solches verstanden, da erneuerten sie den alten Hass und Neid und machten ein Bündnis und überzogen diesen König Ludwig mit Heereskraft. Also dass der Herzog von Burgund in die Picardie reiste und die Stadt Pichinetum eroberte und schleifte. So ward der König von den Seinen verlassen und wich nach Paris. Aber der Papst stillte darnach die Sachen durch Bessarion, den nicänischen Kardinal. Dieser Ludwig starb zu Reims nach der Geburt Christi im Jahre 1484 und ließ Karl, seinen erstgeborenen, 15 Jahre alt, der noch lebt, einen Nachkommen des Königreichs. Georg, König von Böhmen. Georg von Podiebrad, ein Böhme, unterstand sich nach Absterben Ladislaus', Königs von Ungarn und Böhmen, in geforderter Versammlung des Adels und der Landesherren vorzugeben, wie das Amt oder die Pflegschaft seiner Regierung sich mit dem Tod des gestorbenen Königs nicht geendet hätte. Demnach ergaben sich die von Prag alsbald ohne Verzug in seine Regierung, und er ward zu König verkündet. Denn er war zu Hause und zu Feld also geschickt, dass ihm zur Handlung seiner Sachen weder an Rat noch an Alter mangelte. Und wiewohl er sich einen guten Christen bekannte und zwei Bischöfen an ihre Hände gelobte und auf das heilige Evangelium einen Eid schwur, dass er nach empfangner Krönung hinfort der heiligen römischen Kirche getreu und gehorsam sein wollte, worauf er dann durch Kaiser Friedrich bestätigt ward, jedoch hielt er sich in diesen Dingen allen widerwärtiger und treuloser Weise und beschützte und beschirmte die böhmische Ketzerei. Darum ward er und das ganze Böhmische Reich durch Papst Pius und Paul schwerlich verbannt und verflucht und starb also nach der Geburt Christi im Jahre 1471. Mehmed, der Kaiser der Türken, hat nach Vertreibung Thome paleologi, des griechischen Kaisers, und seines Bruders im Jahre 1460 Peloponessum und nach Gefangenschaft und Tötung des Königs von Trapezunt desselben Jahres Pontum und darnach Mitilenam erobert. So belagerten die Venezianer Corinthum. Aber die Türken kamen mit Gewalt und zwangen die Christen, zu den Schiffen zu fliehen. Zuletzt rüstete sich der Herzog zu Venedig mit trefflicher Schifffahrt, und als er gen Anconam landete und von Papst Pius, der noch geistete, von der Höhe von ferne gesehen ward, da verschied der Papst in großer Glorie. Kaiser Friedrich gebrauchte sich keines Weins außerhalb der Mahlzeit. In dem Nachtmahl trank er den allerleichtesten Wein, doch mit Wasser gemischt. Nun rieten die Ärzte Eleonore, der Kaiserin, die in ihrer Heimat nie einen Wein genossen hatte, dass sie in deutschem Land (das dann kalt wäre) Wein trinken sollte, ob sie anders fruchtbar und gebärfreudig werden wollte. Als aber solches an den Kaiser gelangte, da forderte er Aeneas Silvius und sprach zu ihm: „Geh hin und sage der Kaiserin: Ich wollte lieber eine unfruchtbare als eine weinsaufende Gemahlin haben; ob sie mich liebt, so hasst sie den Wein.“ Als nun die Kaiserin diese Botschaft vernommen hatte, da sprach sie: „Wiewohl ich dem Geschäft und Geheiß meines Gemahls also gern gehorsam bin, als gern ich lebe, jedoch wenn der Kaiser mir Wein zu trinken geböte, so wollte ich mir eher wünschen zu sterben, denn gehorsam zu erscheinen.“ Matthias, König von Ungarn. Matthias, Johann Hunyadis, des Gouverneurs des Königreichs Ungarn, Sohn, hat nach Absterben König Ladislaus' ohne Erben das benannte Königreich mit Verwilligung des Adels, der Landesherren und Oberen daselbst erobert. Dessen Vater regierte das Königreich mit einer eisernen Rute und ward auch nicht minder als ein König gehalten. Und als er die Türken bei griechischen Weißenburg niedergelegt hatte, da starb er unlang darnach. Als aber (wie hievor gemeldet ist) der Graf von Cilli durch Ladislaus, den älteren Sohn des obgenannten Johann Hunyadi, getötet wurde.

Anmerkungen

sechst alter
Das sechste Zeitalter (der Weltgeschichte nach der Schedelschen Chronik)
.M.cccc.xlvi.
römisch für 1446
teuetschen brueedern
Deutscher Orden (Deutschritterorden)
Vladislaen
Władysław, König von Polen (vermutlich Władysław III. oder Kasimir IV. Jagiełło, der Kontext 1446 ist hier ungenau, da der Dreizehnjährige Krieg erst 1454 begann)
streytpern
streitbar, kriegerisch
frayssamkeit
Kühnheit, Tapferkeit
parsafanten
Herold, Bote (vermutlich von 'Pursuivant', einem Heroldsamt)
vermuedeten
sich mühten, kämpften
pluotuergiessung
Blutvergießen
hohmaistere zu roß vergiengen
Hochmeister zu Ross (auf dem Pferd) umkamen (starben)
Preueßner land
Preußenland (Gebiet des Deutschordensstaates)
Marieburg
Marienburg (heute Malbork, Polen), Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens
Tantzka
Danzig (heute Gdańsk, Polen)
Dorn
Thorn (heute Toruń, Polen)
Casimirum
Kasimir IV. Jagiełło (1427–1492), König von Polen
Albrecht marggraff zu Brandemburg
Albrecht Achilles (1414–1486), Kurfürst von Brandenburg
Nuermberg
Nürnberg
Grefenberg
Gräfenberg (Stadt in Franken)
meyl
Meile (historisches Längenmaß, ca. 7,5 km)
taglaystung
Tagesleistung, hier im Sinne von Kriegskosten, Schäden, die an einem Tag entstanden oder zu leisten waren
hertzog Ludwigen
Herzog Ludwig IX. der Reiche (1417–1479), Herzog von Bayern-Landshut
kuenmueetigkeit
Kühnmut, Tapferkeit
teuetscher land
deutsche Lande
Koenig Ludwig zu franckreich
Ludwig XI. (1423–1483), König von Frankreich
Koenig Karls zu Franckreich
Karl VI. (1368–1422), König von Frankreich
tawber synn
tauber Sinn, geistig verwirrt (Karl VI. litt unter Geisteskrankheit)
koenig Heinrichen von engelland
Heinrich V. (1386–1422), König von England
hertzog Jhanßen von Burgundi
Johann Ohnefurcht (1371–1419), Herzog von Burgund
iunckfrewlein
Jungfräulein, hier Johanna von Orléans (Jeanne d'Arc)
Nicolaus ein cardinal cartheueser ordens
Nikolaus Albergati (1375–1443), Kardinal des Kartäuserordens
hinderlistigclich
hinterlistiglich
widerwerwertig
widerwärtig, feindlich gesinnt
hertzog Karls zu Aquitania vnd Normandia
Karl von Valois, Herzog von Berry (1446–1472), Bruder Ludwigs XI.
zuschuob vnnd verfueegung
Zuschieben und Verfügung, hier im Sinne von Intrige und Anordnung
Pickardey
Picardie (Region in Frankreich)
Pichinetum
Péronne (Stadt in der Picardie)
schlayffet
schleifte, zerstörte (eine Stadt schleifen = die Befestigungen abreißen)
Bessarionem den Nicenischen cardinal
Bessarion (ca. 1403–1472), Kardinal und Titularerzbischof von Nicäa
Remis
Reims (Stadt in Frankreich)
M.cccc.lxxxiiii.
römisch für 1484
Carolum
Karl VIII. (1470–1498), König von Frankreich
.xv.
römisch für 15
Georgius koenig zu Beheim
Georg von Podiebrad (1420–1471), König von Böhmen
Georgius von Pogiebrat
Georg von Podiebrad
Laßlaws koenigs zu Hungern vnd zu Beheim
Ladislaus Postumus (1440–1457), König von Ungarn und Böhmen
lantherren
Landesherren
gubernation
Regierung, Statthalterschaft
Prag
Prag (Hauptstadt Böhmens)
rats noch alters manglet
an Rat (Weisheit) noch an Alter (Erfahrung) mangelte
kaiser Friderichen
Friedrich III. (1415–1493), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
behmischen ketzerey
böhmische Ketzerei, hier die Hussitenbewegung
babst Pium
Papst Pius II. (1405–1464)
Paulum
Papst Paul II. (1417–1471)
.M.cccc.lxxi.
römisch für 1471
Machomet der Tuercken kaiser
Mehmed II. (1432–1481), Sultan des Osmanischen Reiches
Thome paleologi des Kriechischen kaisers
Thomas Palaiologos (1409–1465), Despot von Morea, Bruder des letzten byzantinischen Kaisers Konstantin XI.
.M.cccc.lx.
römisch für 1460
Peloponessum
Peloponnes (Halbinsel in Griechenland)
Trapesunthischen koenigs
König von Trapezunt (David Komnenos, 1408–1463), letzter Kaiser von Trapezunt
Pontum
Pontus (historische Region an der Südküste des Schwarzen Meeres)
Mitilenam
Mytilene (Hauptstadt der Insel Lesbos)
Venediger
Venezianer
Corinthum
Korinth (Stadt in Griechenland)
schiffung
Schifffahrt, hier im Sinne von Flotte
Anconam
Ancona (Stadt in Italien)
babst Pio der noch gaystet
Papst Pius II. (1405–1464), der noch lebte (starb 1464 in Ancona)
Kaiser Friderich
Friedrich III. (1415–1493), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
nachtmal
Abendmahl
Leonore der kaiserin
Eleonore Helena von Portugal (1434–1467), Ehefrau Kaiser Friedrichs III.
haymend
Heimat
geperhaftig
gebärfreudig, fruchtbar
Eneam siluium
Enea Silvio Piccolomini (1405–1464), später Papst Pius II.
vnperhaftige
unfruchtbare
wein sawffende gemahele
weinsaufende Gemahlin
werbung
Botschaft, Werbung
gescheft vnd gehaisse
Geschäft und Geheiß, hier im Sinne von Wunsch und Befehl
Mathias koenig zu Hungern
Matthias Corvinus (1443–1490), König von Ungarn
Johannis huniadis
Johann Hunyadi (ca. 1407–1456), ungarischer Reichsverweser
koenig Laßlaws
Ladislaus Postumus (1440–1457), König von Ungarn und Böhmen
eyßnin ruoten
eiserne Rute, hier im Sinne von strenger, fester Herrschaft
kriechischen weissenburg
griechisches Weißenburg, hier Belgrad (ungarisch Nándorfehérvár)
graf von Cili
Ulrich II. von Cilli (1406–1456), Graf von Cilli
Ladislawen des obgenanten Johannis huniadis eltern sun
Ladislaus Hunyadi (1431–1457), ältester Sohn Johann Hunyadis