Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Kvnst der truckerey hat sich erstlich in teuetschem lannd in der statt Mayntz am Rhein gelegen im iar Cristi M.cccc.xl. ereuegt. vnnd fueroan schier in alle oerter der werlt außgespreueßt. dardurch die kostpern schetze schrifftlicher kunst vnd weißheit so in den alten bueechern langzeit als der werlt vnbekant in dem grabe der vnwissenheit verborgen gelegen sind herfuer an das liecht gelangt haben. also das vil treffenlicher vnd menschlichem geprauch nottuerftiger vnd nuetzlicher bueecher so ettwen nicht on kleine kostung zeerzeuegen waren. nw zur zeit mit wenig gelts zeerobern sind. vnd wo dise kunst zeitlicher erfunden worden vnnd in wissenheit vnnd geprauch gewesen wer so wern vngezweifelt ettwieuil bueecher Titi liuii Tullii vnd Plinii. vnd andrer hohgelerter lewt auß boesschicklichkeit der zeit nicht verlorn worden. Vnd so nw die erfinder yezuzeiten handwercklicher kunst nit wenig lobs wirdig sind. wer kan denn außsprechen mit was lob. preyse. eren vnd ruom die teuetschen zeerheben seyen die auß irer erleuechten synnreichen schicklichkeit ertrachtet vnd erfunden haben. Dise kunst der truckerey durch die der lang verschloßen prunn vnaußsprechlicher weißheit menschlicher vnnd auch goetlicher kunst in die gemayne außgelaytet wirdt. Nicolaus perotus Nicolaus perotus von Saxoferrato bischoff zu Siponto ein fuertreffenlicher lerer der heilligen schrift vnd wolgeschickter zierredner hat an dise zeit geraicht vnd ettliche lobwirdige ding in der heilligen schrift gesammelt vnd gar ein schickerlichs bueechlein zu anweysung vnd auffzucht der kinder. vnd sunst andere mer schriften begriffen. vnd ettliche auß kriechischem zu latein gebracht. Robertus von Licio parfuoßer ordens vnnd bischoff zu Aquila in der heilligen schrifft hohgelert. vnd aller gaistlicher lere zu der kirchen gehoerende gnuogsamlich vnderrichtet vnd ein doctor vnd lerer aller prediger. ist zu disen zeiten von seiner durchleuechtigen vnd wunderperlichen lere vnd predig wegen bey allen Walhen in großen eren vnd achtperkeit gehalten worden. dann er hat zu vnderrichtung der glawbigen vil schoener lere vnd predig in schriften hinder ime gelassen. Matheolus ein artzt Matheolus von Perus ein hohgelerter artzt ist diser zeit aller ertzte vnd naturlichen maister. auch der freyen vnd aller andrer kuenst ein fuerst gewest. Diser Matheolus was ein holdselig. tugenthaftig. synnreich. hoherfaren. werlt gescheid man. warhaftiger wort. sueßer rede. wolgestalts angesyhts vnd der kunst der poetrey vnd zieredens kuendig. vnd in der astronomey. geometrey. arismetica vnd musica geuebt. vnd an dem allen doch nicht benuogig sunder auch ein fleßiger vnd begiriger lerner der heilligen schrift mit solcher seiner schriftlichen weißheit kunst vnd schicklichkeit machet er seine lereiunger zu der lernung fleißig. gemerckig vnd guotwillig. dann er was mit scherpffe der synn mit erfarung der kunst vnd mit guotschickerlichkeit des außsprechens begabt vnd ein gantz lobwirdig man. Dess gibt ime zeuegknus der hohgelert in der ertzney doctor Hartman Schedel burger zu Nuermberg. der dann disen Matheolum zu Padua in der hohen schul die kunst der ertzney drey iar oerdenlich lesenden gehoert vnnd sein also guote kuntschaft gehabt hat. Zu letst starb diser Matheolus vor alter vnd ward zu Padua begraben. Platina ein gschihtbschreiber Baptista platina zugenambt ein rechtfertiger bebstlicher brieffe. ein großmueetig vnd bestendig man an kunst schriftlicher weißheit vnd wolredperkeit nicht der mynnst diser zeit in achtperkeit vnd werde gehalten wardt von babst Paulo aller seyner gueeter vnd wirdigkeit auß beschuldigung ettlicher sachen entsetzt vnnd in fangknus gelegt vnd also bis auff des babsts Pauli absterben enthalten vnnd doch nach vil erliddner beschwerde von babst Sixto seinem nachkomen darauß erledigt vnnd in seinen vorigen stand gesetzt Er hat als ein schriftweißer vnd vil erfarner man auß seiner synnschicklichkeit ettwieuil treffenlicher bueecher vnd schriften gemacht vnd hinder ime gelassen. Zu letst starb er zu rom am pestilentz nach der gepurt Cristi .M.cccc. vnd in dem .lxxxi. iar. Dominicus calderinus von Bernn gar ein huebscher zierredner in kriechischem vnd lateinischem gezuenge nicht wenig erfaren vnd in der kunst der poetrey fuerscheinlich hat diser zeit zu anzaigung seiner geschicklichkeit vnd kunstreichigkeit gar vil treffenlicher den gelerten wolbekanter schriften begriffen. vnd starb zu letst nach der gepurt Cristi .M.cccc.lxxvii. Marius philelph francisci philelphides zierredners sun ein ritter. gekroenter poet vnd der philozophey vnd der freyen kunst ein doctor was diser zeit in gantzem Welschem land namhaftig vnd wolberuembt vnd hat vil schoens getichtes in gepundner vnd entloeseter art begriffen vnd hinder ime gelassen. vnnd von marggraff Friderichen von Mantua einen gemainen sold seiner kunsthalb gehabt. vnd starb nach der gepurt cristi .M.cccc.lxxx. der werlt Blat CCLIII Luettich die namhaftig vnd mechtig statt wardt in dem iar Cristi. M. cccc. lxviij. von hertzog Karln von burgundi gewunnen vnd mit großer schlacht vnd pluotuergiessung zerruedet. dann sich hetten langzeit vil irrung vnd widerwertigkeiten zwischen dem hertzogen vnd den von Luettich gehalten. Als aber der bischoff zu Luettich sich vnderfienge solche zwittrechtigkeit hinzelegen vnd zeuerrichten do wardt er von seinen burgern auß der statt vertriben. darumb schicket der babst den Tricariensischen bischoff als einen legaten daselbsthin. der ward in einen kercker gedrungen. demnach erzuernet der hertzog also das er dieselben statt in beywesen vnd mit verguenstung koenig Ludwigs zu Franckreich erstuermet vnd vmbkeret. Mathias der durchleuechtig koenig zu Hungern tastet diser zeit das koenigreich Boßna an. also das er dz schloß Jaytza (das dann von natur seins gelegers vnd auch mit hoehe der zynnen gar wol befestigt ist) auß ergebung eroberet vnd vor demselben schloß den tuerckischen kaiser Machomet fluechtig gemacht. also das derselb tuerckisch kaiser allen schieß vnd kriegs zeueg hinder ime ließ vnd schentlich entwiche. Darnach vber ettlich zeit belegeret koenig Mathias in wintterzeit ein Tuerckisch schloss oder castel Sabatz genant mit holtz vnnd erden festigclich bewaret. vnnd (als die hernachgesatzt figur anzaigt) mit thuernen mit greben vnd auch mit volck befestigt vnd besetzt. vnd mit hueltzinen zewnen vnd spitzigen pfosten vmbschrenckt. daran die zynnen von holtz gepawet sind. Dieweil sich nw der koenig gegen disem Sabatz ernstlicher bearbaitet do ergriffen die Tuercken graff Hanßen von witibitz vor des koenigs heergeleger vnd fueerten den in das schloss Sabatz vnd enthawpteten ine. vnd hiengen sein hawbt mit gelbem langem har an ein stanng gesteckt zu eim erschrecken vber das schloss auß. do richtet sich der koenig zoernigclich mit gewalt an dasselb schloss vnd eroberet das mit grossem ruom. In dem iar Cristi .M.cccc.xcii. nechst vergangen berenneten die Tuercken dasselb schloss widerumb. aber sie warden von den hungrischen abgetriben vnd zohen wider haym. Sabatz
Das sechste Zeitalter. Die Kunst der Druckerei hat sich erstmalig im deutschen Land, in der Stadt Mainz am Rhein gelegen, im Jahre Christi 1440 erhoben und von da an fast in alle Orte der Welt ausgebreitet. Dadurch sind die kostbaren Schätze schriftlicher Kunst und Weisheit, die in den alten Büchern lange Zeit als der Welt unbekannt im Grabe der Unwissenheit verborgen gelegen sind, ans Licht gelangt. So sind viele treffliche und für den menschlichen Gebrauch notwendige und nützliche Bücher, die ehemals nicht ohne geringe Kosten zu erzeugen waren, nun zurzeit mit wenig Geld zu erwerben. Und wäre diese Kunst früher erfunden worden und in Wissen und Gebrauch gewesen, so wären unzweifelt etliche Bücher von Titus Livius, Tullius und Plinius und anderer hochgelehrter Leute durch die Ungunst der Zeit nicht verloren gegangen. Und da nun die Erfinder neuzeitlicher handwerklicher Kunst nicht wenig Lobes würdig sind, wer kann denn aussprechen, mit welchem Lob, Preis, Ehren und Ruhm die Deutschen zu erheben seien, die aus ihrer erleuchteten, sinnreichen Geschicklichkeit diese Kunst der Druckerei erdacht und erfunden haben, durch die der lange verschlossene Brunnen unaussprechlicher Weisheit menschlicher und auch göttlicher Kunst in die Allgemeinheit ausgeleitet wird. Nicolaus Perotus von Sassoferrato, Bischof zu Siponto, ein vortrefflicher Lehrer der Heiligen Schrift und wohlgeschickter Zierredner, hat in dieser Zeit gelebt und etliche lobwürdige Dinge in der Heiligen Schrift gesammelt und ein sehr geschicktes Büchlein zur Anweisung und Erziehung der Kinder sowie weitere Schriften verfasst und etliche aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt. Robertus von Licio, des Barfüßerordens und Bischof von Aquila, in der Heiligen Schrift hochgelehrt und in aller geistlichen Lehre, die zur Kirche gehört, genügsam unterrichtet, und ein Doktor und Lehrer aller Prediger, ist zu diesen Zeiten wegen seiner durchleuchtigen und wunderbaren Lehre und Predigt bei allen Walhen in großen Ehren und Achtbarkeit gehalten worden, denn er hat zur Unterrichtung der Gläubigen viele schöne Lehren und Predigten in Schriften hinter ihm gelassen. Matheolus, ein Arzt. Matheolus von Perugia, ein hochgelehrter Arzt, ist dieser Zeit der Fürst aller Ärzte und Naturmeister, auch der freien und aller anderer Künste gewesen. Dieser Matheolus war ein holdseliger, tugendhafter, sinnreicher, hocherfahrener, weltgewandter Mann, wahrhaftiger Worte, süßer Rede, wohlgestalten Angesichts und der Kunst der Poesie und Zierreden kundig, und in der Astronomie, Geometrie, Arithmetik und Musik geübt. Und an all dem doch nicht genügsam, sondern auch ein fleißiger und begieriger Lerner der Heiligen Schrift. Mit solcher seiner schriftlichen Weisheit, Kunst und Geschicklichkeit machte er seine Lernjünger fleißig, aufmerksam und gutwillig zum Lernen, denn er war mit Schärfe des Sinnes, mit Erfahrung der Kunst und mit guter Geschicklichkeit des Aussprechens begabt und ein ganz lobwürdiger Mann. Dessen gibt ihm Zeugnis der hochgelehrte Arzt Doktor Hartmann Schedel, Bürger zu Nürnberg, der dann diesen Matheolus zu Padua in der hohen Schule die Kunst der Arznei drei Jahre ordentlich lesend gehört und so gute Bekanntschaft mit ihm gehabt hat. Zuletzt starb dieser Matheolus vor Alter und ward zu Padua begraben. Platina, ein Geschichtsschreiber. Baptista Platina, zugenannt ein rechtfertiger päpstlicher Briefschreiber, ein großmütiger und beständiger Mann, an Kunst schriftlicher Weisheit und Wohlredsamkeit nicht der geringste, wurde dieser Zeit in Achtbarkeit und Würde gehalten, von Papst Paul wegen Beschuldigung etlicher Sachen all seiner Güter und Würdigkeit entsetzt und in Gefangenschaft gelegt und so bis auf des Papstes Pauls Absterben enthalten und doch nach viel erlittener Beschwerde von Papst Sixtus, seinem Nachkommen, daraus erledigt und in seinen vorigen Stand gesetzt. Er hat als ein Schriftgelehrter und viel erfahrener Mann aus seiner Sinnesgeschicklichkeit etliche treffliche Bücher und Schriften gemacht und hinter ihm gelassen. Zuletzt starb er zu Rom an der Pestilenz nach der Geburt Christi 1481. Dominicus Calderinus von Verona, ein sehr hübscher Zierredner, in griechischer und lateinischer Zunge nicht wenig erfahren und in der Kunst der Poesie hervorragend, hat dieser Zeit zur Anzeige seiner Geschicklichkeit und Kunstreichheit sehr viele treffliche, den Gelehrten wohlbekannte Schriften verfasst und starb zuletzt nach der Geburt Christi 1477. Marius Philelphus, des Zierredners Franciscus Philelphus Sohn, ein Ritter, gekrönter Poet und der Philosophie und der freien Künste ein Doktor, war dieser Zeit in ganz Welschland namhaftig und wohlberühmt und hat viele schöne Gedichte in gebundener und ungebundener Art verfasst und hinter ihm gelassen und von Markgraf Friedrich von Mantua einen gemeinen Sold seiner Kunst halber gehabt und starb nach der Geburt Christi 1480. Seite 253 der Weltchronik. Lüttich, die namhafte und mächtige Stadt, wurde im Jahre Christi 1468 von Herzog Karl von Burgund gewonnen und mit großer Schlacht und Blutvergießen zerstört, denn es hatten sich lange Zeit viele Irrungen und Widerwärtigkeiten zwischen dem Herzog und den von Lüttich gehalten. Als aber der Bischof zu Lüttich sich unterfing, solche Zwieträchtigkeit hinzulegen und zu verrichten, da ward er von seinen Bürgern aus der Stadt vertrieben. Darum schickte der Papst den Tricariensischen Bischof als einen Legaten dorthin. Der ward in einen Kerker gedrungen. Demnach erzürnte der Herzog, so dass er dieselbe Stadt in Beisein und mit Vergünstigung König Ludwigs von Frankreich erstürmte und umkehrte. Matthias, der durchleuchtige König zu Ungarn, tastete dieser Zeit das Königreich Bosnien an, so dass er das Schloss Jajce (das dann von Natur seiner Lage und auch mit Höhe der Zinnen gar wohl befestigt ist) aus Ergebung eroberte und vor demselben Schloss den türkischen Kaiser Mehmed flüchtig machte, so dass derselbe türkische Kaiser allen Schieß- und Kriegszeug hinter ihm ließ und schändlich entwichen. Darnach, über etliche Zeit, belagerte König Matthias in Winterzeit ein türkisches Schloss oder Kastell, Sabac genannt, mit Holz und Erden festiglich bewahrt und (wie die nachher gesetzte Figur anzeigt) mit Türmen, mit Gräben und auch mit Volk befestigt und besetzt und mit hölzernen Zäunen und spitzigen Pfosten umschränkt, daran die Zinnen von Holz gebaut sind. Dieweil sich nun der König gegen diesem Sabac ernstlicher bearbeitete, da ergriffen die Türken Graf Hans von Witibitz vor des Königs Heerlager und führten den in das Schloss Sabac und enthaupteten ihn und hingen sein Haupt mit gelbem langem Haar an eine Stange gesteckt zu einem Erschrecken über das Schloss aus. Da richtete sich der König zorniglich mit Gewalt an dasselbe Schloss und eroberte das mit großem Ruhm. In dem Jahre Christi 1492, nächst vergangen, berannten die Türken dasselbe Schloss wiederum, aber sie wurden von den Ungarn abgetrieben und z...