Schedelsche Weltchronik · Blatt 254

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 254, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 254, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Linea der bebst // Sixtus der vierd Jar der werlt .vim.vic.lxx.Jar Cristi .im.iiiic.lxxi. Sixtus der vierdt auß Luguria von der statt Sauona puertig dauor Franciscus genant ein general parfuoßer ordens wardt in disem iar nach abganng babsts Pauli am newnden tag des monats Augusti von den cardineln babst erkorn. Diser wardt von kindßwesen auff durch seine eltern zu goetlichem dienst angewisen. bey den brueedern parfuoßer ordens anfahende. vnnd do er auffgewuochs do kome er gein Padua. daselbst enthielt er sich schier .xx. iar durch lesen. leren vnd schreiben. die gantzen werlt mit dem glantz seiner durchleuechtigen weyßheit bescheinende. Dann er hat geschriben ein buoch von dem gewalt vnd mechtigkeit gottes. vnd ein buoch von dem pluot cristi. Auch ein buoch von der empfengknus der iunckfrawen marie. vnd anders mer. Der auch in der parfuoßer orden durch alle staffeln der wirdigkeit zu dem cardinalischen stand kome. Vnd er was vor seinem babstthumb. vnd auch darinn gar ein senftmueetig man vnd messigs abgezogens lebens. vnd gein den armen vnd allermaist den gaistlichen fast miltgebig. hilflich beistendig. vnd mit freyheiten fuerderlich. gein seinen freuenden vnd dienstsamen guotwillig. gegen den schuldigen vnd straffwirdigen gueetig. Der auch armen fuersten vnd wolgepornen lewten. vnd sunderlich des kaisers von Constantinopel suenen. vnd der koenigin von possen die von den Tuercken vertriben warden mit gelt hilff vnd handraichung gethan. vnnd die Rhodisischen rittere. vnnd Ferdinandum die von den Tuercken angefochten warden mit vnglewplicher gueetigkeit beschuetzt vnd beschirmt hat. So hat er auch die statt Rom an irer pawfelligkeit gebesseret. vnd an gotzhewßern vnnd andern gemaynen vnd sundern gepewen mercklich vnd scheinperlich gezieret. vnd ein prugken vber die Tyber mit großer kostung auffgerichtet vnd erpawt. vnd der statt Rom sunst vnzallich vil guottat erzaigt. vnd in seinem babstlichen stand nichtzit strafwirdigs gehandelt. dann allain das er die seinen (als gewoenlich beschiht) zu vil liebet. in welche irrung vil seiner vorfaren gefallen sind. Er hat das gnadenreich iar dz sein vorfaren Paulus auffgesetzt het im vierden iar seins babstthumbs gehalten. Vnd den seligen Bonauenturam in der heilligen beichtiger zal geschriben. vnnd wiewol er vil nachreder vnd affterkoeser het so was er doch ein gar frummer babst vnd ein fleißiger hirt vnd sele sorger. ein feind der girigkeit. ein messiger des zorns. vnnd außrewter der boßheit. Vnd machet (dieweil er babst was) xx. cardinel. Zu letst starb er in dem .xiii. iar seins babstthumbs. Innocentius der acht. Jar der werlt .vim.vic.lxxxiii.Jar Cristi .im.iiiic.lxxxiiii. Innocentius der acht ein Genueser auß mittelmessigem doch geerten geschlecht geporn vormals Johannes babtista genant ein cardinal ist nach babst Sixto in disem iar am .xiii. tag des monats Augusti zu babst erwelet worden. Seine eltern waren an adel des geschlechts vnd an ruom wolgehandelter ding gar nammhaftig. von der statt Genua am meer gelegen. die dann andere welsche stett an huebschheit an gnuogsamkeit aller ding so zu land vnd wasser zugefueert werden. vnd an zierlichkeit vnd weyte der gepew vbertrift. Vnd als er aber vnder andern cardineln an demueetigkeit. wolschicklichkeit. gutsittigkeit. gelassenheit vnd tuegligkeit fuerschyne. also wardt er auch fuer andere zu bebstlicher wirdigkeit erkorn. dann er was auch ein fuersichtig vnd werltgescheid mann. der zu Senis vnd auch zu Rom sein befolhens legatenambt also weißlich außrichtet das die cardinel grosse hoffnung zu ime gewunnen. Der anfang seins babstthumbs was vol kriegs seiner burger. vnd was er von allen fuersten vnd communen erwurbe das mocht er von den seinen nit erlangen. dann so auß Teuetschen vnnd welschen landen botschaften zu ime geschickt warden so begeret er fleißigclich frids. vnnd gepote allermenigclichem die waffen vnd krieg hinzelegen. Aber ein feyntlicher mensch vnderstund sich vnlang darnach disem babst in seinen guoten begirden eintreg vnd verhindernus zethun vnnd ine zu kranckheit zebringen vnd erwecket alßpald ein auffruor zwischen den Vrsinern vnd Columnesern den zwayen edeln vnd mechtigen geschlechten zu Rom. dz bekuemeret den babst gar sere. doch feyeret er nicht solche zwittrechtigkeit mit der waffen vnd mit bedroungen außzeloeschen. vnnd wiewol ime diser babst fuersetzet vil dings die bebstlichen wirdigkeit auch den gemaynen cristenlichen stand vnd die nutzperkeit der kirchen betreffende zeordnen so mocht er doch solchs auß verhinderung der kuortzen zeit. auch seiner kranckheit vnd der kriegßlewffe nicht volziehen. doch erzaiget er sich gein got vnd gein den freuenden woltettig vnd danckper. dann er widerumb zu gesuntheit des leibs kome do hat er sancte Marie kirchen de populo begabet. vnd den vorlangst gestorben hertzog Leu- der werlt Blat CCLIIII poldum zu oesterreich von angesagter manigfeltiger seiner wunderzaichen wegen in der heilligen beichtiger zal geschriben. vnd die statt Rom mit gepewe vnd gemele großer kostunng auff .xlvm. ducaten gerechent mercklich gezieret vnd im iar Cristi .M.cccc.xc. einen tag mit versammlung der cristenlichen koenig. fuersten vnd communen botschafter wider die Tuercken zu Rom gehalten. vnd vil gelts in Teuetschen landen durch hilff Raymundi peraudi des ertzdyacons auß ablaß gesammlet. Derselb ablas erstrecket sich nicht allain auff die lebendigen sunder auch hinab zu den gestorbnen. Zu letst keret er sich zu dem nutz der vndertanen vnd zu beschirmung der kirchen vnd irer wirdigkeit. vnd was ein guenner der gerechtigkeit. ein fleißiger liebhaber des frids. ein emssiger verordner vberfluessigs getrayds. ein guenstiger fuerdrer gelerter vnd frummer mann. gein den armen barmhertzig. gein den bekuemmerten troestlich. gein den fuersten mylt vnd gein got vnd seinen heilligen ereerbietlich. Zu letst starb er in dem achten iar seins babstthumbs nach der gepurt Cristi .M.cccc.xcii. iar. Friderich der kaiser zohe nach der gepurt des herren .M.cccc.lxix. iar von andecht wegen mitten in dem winter gein Rom vnd wardt von dem babst herrlich empfangen vnd begabt. vnd schluog auff der Tyberprugken .cxxii. ritter. Vnd als darnach das stettlein Triesst ime widerspennig wz do zerruedet er dz durch die hertzogen left Machomet der Tuerckisch kaiser vberzohe mit großer mechtiger schiffung vnd mit hunderttawsent pferden in Euboiam vnd stuermet die statt chalcidam .xxx. tag vnd zerstoeret sie wiewol mit großer niderlage vil der seinen. So schickten die Venediger auch ein große schiffung wider die Tuercken. Ein großer comet erschyne im monat Januario des .M.cccc.lxxii. iars. der was fewrfarbig mit langen schwartzen straymen gein dem nyderganng raichende. Darnach keret er sich gein mitternacht vnd weeret .lxxx. tag. Aber dieweil diser comet noch nit gar verschynnen was do erewget sich ein andrer mit eim fewrin schwantz gein auffgang der sunnen streckende. Nach disen dingen folgten erstlich ein vnerhoerte trueckne. vnd darnach an vil enden pestilentz vnd vil grawsam krieg. zwittracht vnd auffruor. Cristiernus koenig zu Tennmarck Cristiernus koenig zu Tennmarck Schweden Norweden. Hertzog zu Holsatz Stormar zu Oldenburg vnd Dolmenhorst grafe ein gar cristenlich vnd mit vil tugenten geziert man ist nach der gepurt des herrn .M.cccc.lxxiiii. iar von geluebds wegen durch Lumbardiam vnd Tusciam gein Rom gezogen vnd von allen fuersten. herren vnnd der commun regirern mit großen eren vnd zuechten empfangen worden. Zu rom kome ime die wirdig samlung der cardinel entgegen. Darnach ward er vom babst Sixto dem vierden gar erlich empfangen. vnd mit der guldin rosen (die die bebst alle iar am suntag zu mittfasten einem cristenlichen fuersten pflegen zegeben) zu sundrer ere begabet. Daselbst fienge er an von gemaynem frid cristenlicher fuersten zehandeln vnnd einen gemainen zug wider die Tuercken zebewegen. Aber nach dem er nichttz geschaffen mocht do keret er durch die welschen stett allenthalben erlich gehalten wideranhayms. Alda lebet er ettliche iar in guotem tugentlichem leben vnnd ebenpild der heilligkeit bis in sein ennde. Diser Cristiernus hat zu einer eegemahel gehabt die durchleuechtigen Dorotheam geporne marggrafin zu Brandemburg die nochmals in leben ist. Carolus der hertzog zu Burgundi belegeret die statt Newß vnderhalb Coelne am rhein gelegen. Aber als kaiser Friderich mit mechtiger heereßkraft des gantzen roemischen reichs den belegerten zu hilf kome do machet der hertzog mit dem kaiser ein puentnus vnd zohe mit seinem heer vor Newss ab. Gnadenreich iar von babst Paulo auffgesatzt wardt von babst Sixto im .M.cccc.lxxv. iar gehalten vnd durch den koenig Ferdinandum auch gein Rom deßmals komende zwischen den welschen fuersten vnd communen auß verwilligung des babsts ein puentnus fuergenomen. vnd der koenig fuer den ersten darinn bestymbt vnd eingeschriben. Hercules hertzog zu Ferraria Hercules estensis marggrafen Niclasen sun vnd des Borsii bruder der ander hertzog zu Ferraria hat nit on großen widerstannd sein vetterliche herrschafft diser zeit annemende bißhieher geregiert. ein guoter. synnreicher vnd ritterlicher sachen geuebter man. Diser Hercules hat Helionoram des koenigs Ferdinandi tochter gar ein behertzts weib zu eegemahel genomen. vnd auß ir vier suen vnd zwuo toechter empfangen. Diser Hercules wardt auß seins schwehers rat vnd anregung bewegt sich von den Venedigern zewenden vnd in desselben seins schwehers vnnd andrer seiner mituerwandten puendtnus vnd geselschaft zekomen. vnd der venediger puentnus vnd freiheit zeuerletzen Demnach verfolgten die venediger disen Herculem zu land vnd zu wasser vnd entwendeten ime vil lands. also wo alphonsus der hertzog zu Calabria des koenigs Ferdinandi sun gar ein streytper man mit der waffen. vnd der babst mit dem pann nicht ob disem sachen vnder inen allen gestillet wardt do hat er seydher die statt Ferrariam mit vil schoenen gepewen erleuechter gemacht.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Die Linie der Päpste. Sixtus der Vierte. Im Jahr der Welt 7670, im Jahr Christi 1471. Sixtus der Vierte, aus Ligurien, geboren in der Stadt Savona, zuvor Franziskus genannt, ein General des Barfüßerordens, wurde in diesem Jahr nach dem Ableben Papst Pauls am neunten Tag des Monats August von den Kardinälen zum Papst gewählt. Dieser wurde von Kindheit an von seinen Eltern zum göttlichen Dienst bestimmt, beginnend bei den Brüdern des Barfüßerordens. Und als er aufwuchs, kam er nach Padua. Dort verbrachte er fast zwanzig Jahre mit Lesen, Lehren und Schreiben, die ganze Welt mit dem Glanz seiner erleuchteten Weisheit erhellend. Denn er hat ein Buch über die Gewalt und Mächtigkeit Gottes geschrieben und ein Buch über das Blut Christi. Auch ein Buch über die Empfängnis der Jungfrau Maria und anderes mehr. Er, der auch im Barfüßerorden durch alle Stufen der Würdigkeit zum Kardinalsstand gelangte. Und er war vor seinem Papsttum und auch darin ein sehr sanftmütiger Mann und von mäßigem, zurückgezogenem Leben, und den Armen und allermeist den Geistlichen gegenüber sehr freigebig, hilfreich, beistehend und mit Freiheiten förderlich; seinen Freunden und Dienstbaren wohlwollend; den Schuldigen und Straffälligen gütig. Er hat auch armen Fürsten und wohlgeborenen Leuten, und besonders den Söhnen des Kaisers von Konstantinopel und der Königin von Bosnien, die von den Türken vertrieben wurden, mit Geld, Hilfe und Unterstützung beigestanden. Und die rhodischen Ritter und Ferdinand, die von den Türken angefochten wurden, hat er mit unglaublicher Güte beschützt und beschirmt. So hat er auch die Stadt Rom in ihrer Baufälligkeit verbessert und an Gotteshäusern und anderen öffentlichen und privaten Bauten merklich und sichtbar geschmückt. Und eine Brücke über den Tiber mit großen Kosten aufgerichtet und erbaut. Und der Stadt Rom sonst unzählig viele Wohltaten erwiesen. Und in seinem päpstlichen Stand nichts Strafwürdiges gehandelt, außer allein, dass er die Seinen (wie gewöhnlich geschieht) zu sehr liebte, in welchen Irrtum viele seiner Vorfahren gefallen sind. Er hat das gnadenreiche Jahr, das sein Vorfahr Paulus aufgesetzt hatte, im vierten Jahr seines Papsttums gehalten. Und den seligen Bonaventura in die Zahl der heiligen Bekenner geschrieben. Und wiewohl er viele Nachredner und Verleumder hatte, so war er doch ein sehr frommer Papst und ein fleißiger Hirte und Seelsorger, ein Feind der Gierigkeit, ein Mäßiger des Zorns und Ausrotter der Bosheit. Und er machte (während er Papst war) zwanzig Kardinäle. Zuletzt starb er im dreizehnten Jahr seines Papsttums. Innozenz der Achte. Im Jahr der Welt 7683, im Jahr Christi 1484. Innozenz der Achte, ein Genueser, aus mittelmäßigem, doch geehrtem Geschlecht geboren, vormals Johannes Baptista genannt, ein Kardinal, ist nach Papst Sixtus in diesem Jahr am dreizehnten Tag des Monats August zum Papst erwählt worden. Seine Eltern waren an Adel des Geschlechts und an Ruhm wohlgehandelter Dinge sehr namhaft, aus der am Meer gelegenen Stadt Genua, die dann andere welsche Städte an Schönheit, an Genügsamkeit aller Dinge, die zu Land und Wasser zugeführt werden, und an Zierlichkeit und Weite der Gebäude übertrifft. Und als er aber unter anderen Kardinälen an Demut, Wohlanständigkeit, Gutgesinntheit, Gelassenheit und Tüchtigkeit hervorragte, so wurde er auch vor anderen zur päpstlichen Würdigkeit erkoren. Denn er war auch ein vorsichtiger und weltkluger Mann, der zu Siena und auch zu Rom sein ihm anvertrautes Legatenamt so weise ausrichtete, dass die Kardinäle große Hoffnung zu ihm gewannen. Der Anfang seines Papsttums war voller Kriege seiner Bürger. Und was er von allen Fürsten und Gemeinden erwarb, das konnte er von den Seinen nicht erlangen. Denn so aus deutschen und welschen Ländern Botschaften zu ihm geschickt wurden, so begehrte er fleißiglich Frieden und gebot jedermann, die Waffen und Kriege niederzulegen. Aber ein feindseliger Mensch unternahm es unlängst danach, diesem Papst in seinen guten Begierden Einhalt und Behinderung zu tun und ihn zu Krankheit zu bringen, und erweckte alsbald einen Aufruhr zwischen den Ursinern und Columnesern, den zwei edlen und mächtigen Geschlechtern zu Rom. Das bekümmerte den Papst sehr. Doch zögerte er nicht, solche Zwietracht mit Waffen und Drohungen auszulöschen. Und wiewohl ihm dieser Papst vieles vorsetzte, die päpstliche Würdigkeit, auch den allgemeinen christlichen Stand und die Nützlichkeit der Kirche betreffend, zu ordnen, so konnte er solches doch aus Verhinderung der kurzen Zeit, auch seiner Krankheit und der Kriegsläufe nicht vollziehen. Doch zeigte er sich Gott und den Freunden wohltätig und dankbar. Denn als er wiederum zur Gesundheit des Leibes kam, da hat er die Kirche Santa Maria del Popolo begabt. Und den vorlängst gestorbenen Herzog Leopold von Österreich wegen der angesagten mannigfaltigen seiner Wunderzeichen in die Zahl der heiligen Bekenner geschrieben. Und die Stadt Rom mit Gebäuden und Gemälden großer Kosten, auf 45.000 Dukaten gerechnet, merklich geziert. Und im Jahr Christi 1490 einen Tag mit Versammlung der christlichen Könige, Fürsten und Gemeinden Botschafter wider die Türken zu Rom gehalten. Und viel Geld in deutschen Ländern durch Hilfe Raimunds Peraudi, des Erzdiakons, aus Ablass gesammelt. Derselbe Ablass erstreckte sich nicht allein auf die Lebendigen, sondern auch hinab zu den Verstorbenen. Zuletzt kehrte er sich zum Nutzen der Untertanen und zum Schutz der Kirche und ihrer Würdigkeit. Und war ein Gönner der Gerechtigkeit, ein fleißiger Liebhaber des Friedens, ein emsiger Verordner überflüssigen Getreides, ein günstiger Förderer gelehrter und frommer Männer, den Armen barmherzig, den Bekümmerten tröstlich, den Fürsten milde und Gott und seinen Heiligen ehrerbietig. Zuletzt starb er im achten Jahr seines Papsttums nach der Geburt Christi 1492. Kaiser Friedrich zog nach der Geburt des Herrn 1469 aus Andacht mitten im Winter nach Rom und wurde von dem Papst herrlich empfangen und begabt. Und schlug auf der Tiberbrücke 122 Ritter. Und als danach das Städtchen Triest ihm widerspenstig war, da zerrüttete er es durch die Herzöge. Sultan Mehmed, der türkische Kaiser, zog mit großer, mächtiger Schiffahrt und mit hunderttausend Pferden nach Euböa und stürmte die Stadt Chalkis dreißig Tage und zerstörte sie, wiewohl mit großer Niederlage vieler der Seinen. So schickten die Venezianer auch eine große Schiffahrt wider die Türken. Ein großer Komet erschien im Monat Januar des Jahres 1472. Der war feuerfarbig mit langen schwarzen Streifen, die zum Untergang reichten. Danach kehrte er sich gegen Mitternacht und währte achtzig Tage. Aber dieweil dieser Komet noch nicht ganz verschwunden war, da erhob sich ein anderer mit einem feurigen Schwanz, der sich gegen den Aufgang der Sonne streckte. Nach diesen Dingen folgten erstlich eine unerhörte Trockenheit und darnach an vielen Orten Pestilenz.

Anmerkungen

Linea der bebst
Die Linie der Päpste
.vim.vic.lxx.
römisch für 7670
.im.iiiic.lxxi.
römisch für 1471
Luguria
Ligurien, eine Region in Nordwestitalien
Sauona
Savona, eine Stadt in Ligurien, Italien
parfuoßer ordens
Barfüßerordens, eine Bezeichnung für verschiedene Bettelorden, hier wohl Franziskaner
abganng babsts Pauli
Ableben Papst Pauls (gemeint ist Papst Paul II.)
Padua
Padua, eine Stadt in Venetien, Italien
.xx. iar
römisch für 20 Jahre
empfengknus der iunckfrawen marie
Empfängnis der Jungfrau Maria (Immaculata Conceptio)
cardinalischen stand
Kardinalsstand
messigs abgezogens lebens
mäßigen, zurückgezogenen Lebens
gaistlichen
Geistlichen
Constantinopel
Konstantinopel, das heutige Istanbul
koenigin von possen
Königin von Bosnien (gemeint ist Königin Katarina Kosača-Kotromanić, die letzte Königin von Bosnien, die vor den Osmanen floh)
Rhodisischen rittere
Ritter von Rhodos (Johanniterorden)
Ferdinandum
Ferdinand (gemeint ist Ferdinand I. von Neapel)
Tyber
Tiber, Fluss in Italien, der durch Rom fließt
gnadenreich iar
Heiliges Jahr oder Jubeljahr
Paulus
Papst Paul II.
Bonauenturam
Bonaventura, ein bedeutender Theologe und Philosoph des Mittelalters
nachreder vnd affterkoeser
Nachredner und Verleumder
sele sorger
Seelsorger
.xx. cardinel
römisch für 20 Kardinäle
.xiii. iar
römisch für 13 Jahre
.vim.vic.lxxxiii.
römisch für 7683
.im.iiiic.lxxxiiii.
römisch für 1484
Genueser
aus Genua stammend
Johannes babtista
Johannes der Täufer (der Geburtsname von Innozenz VIII. war Giovanni Battista Cybo)
welsche stett
italienische Städte
legatenambt
Legatenamt, das Amt eines päpstlichen Gesandten
Senis
Siena, eine Stadt in der Toskana, Italien
communen
Gemeinden
Teuetschen vnnd welschen landen
deutschen und italienischen Ländern
Vrsinern vnd Columnesern
Orsini und Colonna, zwei mächtige Adelsfamilien in Rom
kriegßlewffe
Kriegsläufe, Kriegsereignisse
sancte Marie kirchen de populo
Santa Maria del Popolo, eine Kirche in Rom
hertzog Leu- der werlt Blat CCLIIII poldum zu oesterreich
Herzog Leopold von Österreich (gemeint ist Leopold III. von Österreich, der Heilige, Markgraf von Österreich, dessen Heiligsprechung 1485 erfolgte)
.xlvm. ducaten
römisch für 45.000 Dukaten (eine Goldmünze)
.M.cccc.xc.
römisch für 1490
Raymundi peraudi des ertzdyacons
Raimund Peraudi, ein Kardinal und päpstlicher Legat, bekannt für seine Ablasspredigten
ablaß
Ablass, Erlass von Sündenstrafen
.M.cccc.xcii.
römisch für 1492
Friderich der kaiser
Kaiser Friedrich (gemeint ist Friedrich III., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches)
.M.cccc.lxix.
römisch für 1469
Tyberprugken
Tiberbrücke
.cxxii. ritter
römisch für 122 Ritter
Triesst
Triest, eine Stadt an der Adria
left Machomet der Tuerckisch kaiser
Sultan Mehmed (gemeint ist Mehmed II., der Eroberer von Konstantinopel)
Euboiam
Euböa, eine griechische Insel
chalcidam
Chalkis, die Hauptstadt von Euböa
.xxx. tag
römisch für 30 Tage
Venediger
Venezianer, die Bewohner Venedigs
comet
Komet
Januario des .M.cccc.lxxii. iars
Januar des Jahres 1472
.lxxx. tag
römisch für 80 Tage
pestilentz
Pest oder Seuche