Schedelsche Weltchronik · Blatt 256

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 256, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 256, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Galeacius maria hertzog zu Mayland GAleacius maria hertzog zu Mayland wardt im iar Cristi .M.cccc.lxxvii. von dem edeln maylender Johanne andrea lamprogniano an sant Stephans des ersten martrers tag in desselben sant Stephans kirchen bey dem hohaltar vngewarnt erstochen. der dann nach Francisco sforciam erwelter hertzog .ix. iar vnd .x. monat regiret. ein schnelsynnig man vnd großmueetiger fuerst. der vil gepewe in der statt zu Mayland auffgericht vnd die stat mit gehawen staynen zepflastern geschaft vnd sein veterliche außgeschoepfte schatzkamer sere mit reichthuemern gefuellet. vnd sundere begirde vnd fleiß der besten synnger zu goetlichem dienst gehabt vnd große kostung darauff gelegt hat. aber nach dem er sich vnmessiger begirigkeit der weiber geprauchet. vnd des adels vnd der wirdigkeit seiner maiestat vnd fuerstlichen hoehe nit verschonet darumb wardt er auß beschehner zusammen schwerung in angesihte alles volcks vnd alles seins hofgesinds in dem .xxxiii. iar seins alters erstochen vnd starb schentlich vnd wardt bey seinen eltern begraben. vnd ließ bey Bona seiner gemahel einer hertzogin von Sophoy zwen suen vnd ein tochter. Johannes maria sein sun wrd in dem .ix. iar seins alters an der heilligen dreyer koenig tag zu hertzogen gesetzt. Carolus hertzog zu Burgundi CArolus hertzog zu burgundi hertzogs Philipsen des guoten sun der letst auß dem durchleuechtigen vnd koenigclichen franckreichischen geschlecht geporn was ein starck ernsthaftig. großmueetig vnd erschroeckenlich man. aber gerecht. mylt. zu der gabe des almuosens vnd goetlicher ambt vnd dienst hohgeflißen. Als er das .xx. iar seins alters erraichet vnd die von Jhent von seinem vater ein freyheit außbracht hetten do sammlet er ein groß heer wider sie vnd erobret die statt vnd hieß die freyheiten am marck verprennen. Darnach hat er mit koenig Ludwigen zu franckreich vil widerspennigkeit gehabt. vnd nach hinlegung derselben die von Luettich mit heereßkraft vberzogen dieselben statt erobert vnd nach vil geuebten todschlegen vnd berawbung geschlayft. vnd nachfolgend von wegen Eduardi des koenigs zu Engelland seins schwestermans (der von graff Douerich vnd koenig Heinrichen von Portugalia auß Brittannia vertriben ward) ein gross heer gesammelt vnd wider dieselben vnd auch koenig Ludwigen einen krieg angefangen. vnd denselben Eduardum in kuertze haym geschickt vnd sich wider koenig Ludwigen zu krieg gerichtet vnd ime vil schadens vnd vnfuogs getan. aber nach befridung diser sachen zohe er mit großer mechtiger heereßkraft fuer die statt Newß am Rhein gelegen. Als aber kaiser Friderich derselben statt zu rettunng kome do zohe Carolus wider anhayms. als er ime nw vil lannd vnnd stett mit großer schlacht vndertenig gemacht het do zohe er fuer die statt Nansee in Lothringen gelegen des willens die Schweitzer zebekriegen. aber die Schweitzer fieln ime in sein heer vnd griffen ine also ernstlich an das er fluechtig vnnd in der flucht erschlagen vnd verlorn ward. vnd ließ ein einige tochter die erbet den vater. vnnd wardt darnach Maximiliano kaiser Friderichs sun yetzo roemischen koenig vermehelt. Disem hertzog Carln sind drey stett geferlich vnd schedlich gewesen. nemlich Gransee an den gueetern. Murtha am volck vnnd Nansee am leib. FErdinandus koenig zu Neapolis vnderstund sich den fridlichen stand welscher land in dem .M.cccc.lxxviii. iar zebetrueben. vnd schicket graff Jheronimum babsts Sixten oeheim vnnd Raphaelem den cardinal des selben grafen schwester sun. vnnd Franciscum Siluiatum den Pisanischen ertzbischoff mit dreyhundert mannen gein Florentz die machten mit irer anhangenden parthey ein auffruor. darinn wardt Julianus de medicis erstochen. vnd Laurencius de medicis sere verwundet. vnd doch zu letst mit kluogheit die auffruor ein wenig gestillet. Darnach warden vil vrsacher soelcher auffruor erschlagen vnd vil mitsambt dem pisanischen bischoff erhenckt. vnd der cardinal Raphael bis zu stillung vnd hinlegung der ding von den Florentinern enthalten. left HEwschrecken haben desselben iars durch welsch land fliegende die lantschaft vmb Brixen verwueestet vnd wo marggraf Ludwig zu Mantua nicht fuerkomen het so hetten sie die saet in gantz Lombardia abgefretzt. EIn großer grawsamer sterben der pestilenntz hat diss iars durch alles Welsch land gewebert also das zu Brixen ob .xxm. vnnd zu Venedig ob xxxm. menschen vergiengen. auß vrsachen soelcher hewschrecken vnd finsternus der sunnen die desselben iars in dem monat Julio gewesen was. DIe Venediger warden mit schwerem krieg des ethrurischen lands vnd in Macedonia vnd Foriaul durch großen vberzuog Othomanni beladen. vnd als sie aber den babst in langer zeit nicht erwaichen mochten vnnd bey. xxvii. iaren mit großen teglichen vnd langen kriegen in kriechen land Macedonia vnd Foriaul von den Tuercken bekuemmert warden do machten sie mit dem Mahmetischen kaiser ein puentnus vnd gaben ime wider alles das das vormals sein vnd der seinen gewesen was mit verpflichtung ime zway iar hundert tawsent guldein zegeben. der werlt Blat CCLVI WIewol die rhodiser nicht kleine beschwerde von den Tuercken gehabt haben so haben sie doch nach bestreyttunng vnnd nyderlag der statt Constantinopel vil schwerer krieg empfunnden. dann als die Tuercken in xxiiii. iaren ettwieuil ine nahendgelegne stett vnd land vnderworffen hetten do empfieng der Machomet verdrieß in hoehmuet das die statt Rhodis also nahend gelegen noch frey vnd ime nicht vndertenig solt sein. dem nach schiffet der Machometisch kaiser mit großer mechtiger heereßkraft fuer Rhodis vnd stellet sein heergeleger am .xxiii. tag des monats may des iars Cristi .M.cccc.lxxx. auff sant Stephans berg vnd darumb. vnd beschusse die stat drey monat aneinander on vnderlaß. Aber Petrus dabuson der hohmaister zu Rhodis ein kluog vnd starckmueetig man erzaiget die kraft seiner festmueetigkeit mit der tat manlichs vnnd vnerschrockens widerstands. dardurch auß goettlicher mithilff die Tuercken von den cristenlichen rittern zertrennt. abgetriben. geschlagen vnd mit solcher vngestuome in die flucht gebracht warden das sie sichselbs in dem gedrenge ertoedten. Man sagt das die tuercken ein gesyhte eins wunderzaichens gesehen vnd darob ein solchen großen schrecken empfangen hetten dz sie fluechtig worden werden. darumb ist gueetigclich zeueriehen das solcher syge vnd vberwindung von hymel den cristenlichen rittern gegeben worden sey. die dann in so klainer zal den mechtigen feind der bis auff die mawr komen was widerstand gethan haben. Vnd der machometisch kaiser zohe am .lxxxix. tag nach anfang seiner belegerung der statt Rhodis mit seiner schiffung vnerlich vnnd schentlich von dannen. Aber Petrus der hohmaister het von babst Sixto vnd andern cristglawbigen menschen in Europa mit gelt hilff vnd beystand damit er die verheerten vnd verwueesten inseln wider besseret. Bruder Niclas DIser zeit enthielt sich bey den Schweytzern nciht verrne von Lucern in einer vngehewren aynoede ein alt man gar in gelaßnem vnd abgezognem leben bey .xx. iarn an alle leipliche speys. den nennten sie bruoder Niclaßen. der wz duerrs magers außgeschoepfts leibs. allain von hawt. geeder vnd gepeyn zusamen geschmuckt. Vnnd wiewol die aynsydler von wegen irs muessigen wesens am schatten. vnd darumb auch das von irer vnuerdewung wegen vil feuechter kalter vnd roher vberfluessigkeit in inen gesammelt werden destlenger fasten muogen. yedoch so hat diser mensch in gantzem abzug so langerzeit als ein himlisch leben auf erden on vnbefleckte vermayligung gefueert. vnd wiewol ettlich menschen disen bruder Niclasen einen ruomgirigen man zesein beschuldigt vnd sein leben zu ruomretigkeit außgelegt vnnd gesagt haben das er damit seinen lon hab empfangen. so sind doch dieselben menschen vngerecht richter. dann warumb reden sie dem menschen vbel nach der so ein langs leben in so großer armuot vnd aynoede gefueert der so vil iar in guotem wandel sein haymsucher troestende verzert. vnd in der allereueßersten vnd gestrengsten gelassenheit vnd demuot verharret. der nichtz begert vnnd nymants beschwert hat. Het er nw vmb solche große arbait menschlichs lobs begeret so het ein große muee einen kleinen lon. der ist ein thoret mensch der vmb menschlichs ruoms willen seinen leib peynigt. Aber diser ist ein heilliger vnd gerechter man. der die geitzigkeit vndergetrueckt. die ere der werlt verschmaht. geduldt gehalten. vnd keinen funcken der hohfart erzaigt. sunder sein hoffnung zu kuenftiger seligkeit gesetzt vnd der widergeltung vnd belonung seins gestrengen lebens bey den vnzergengklichen reichthuemern der himlischen schetze gewartet. Die stet freued seins hertzens zaigt an die vnzweyfellichen gewißheit seiner vnuerwenckten hoffnung. dann er ward nye trawrig sunder alweg froelicher gestalt gesehen. Er weßte sich toedlicher schuld ledig vnd zu guoten wercken vnd beschewlichkeiten geflißen. also das er mit sant paulßen sprechen mocht. Vnßer glori vnd ruom ist die gezeuegknus vnßers gewißens. Mir ist berayt die kron der gerechtigkeit die wird mir geben der gerecht richter zu meiner zeit. Diser Niclas wardt auch durch den bischof zu Costnitz bewert. Zu letst starb er vor alter vnd ein waycher schlaff entloeset sein alte sele. vnd der leichnam ward in seins pfarrers kirchen bestattet. daselbst rastet er nit an wunderzaichen. Er hat auch dem volck daselbst vmb ettliche kuenftige ding fuergekuendet vnd einen grossen wone der heilligkeit hinder ime gelaßen. Hydruntum ein grosse meerstatt in apulia wardt in disem .M.cccc.lxxx. iar von dem Tuerckischen heer belegert beschoßen vnd zu letst erobert. der ertzbischof daselbst erschlagen. alles volck enthawbtet. Franciscus lurgus der hertzog daselbst gefangen vnd mytten von einander gesegt. ob .xiim. menschen getoedt. vnd komen nicht mer dann .xxii. daruon. darumb wer es vbel vmb Apulia gestannden wo der Tuerckisch kayser lennger gelebt het. Aber als derselb kayser starb do belegeret Alphonsus der hertzog zu Calabria die statt. Als aber die Tuercken hoerten das ir kaiser gestorben wer do ergaben sie sich an den hertzogen vnd erlangten sicherung von ime.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Galeazzo Maria, Herzog von Mailand. Galeazzo Maria, Herzog von Mailand, wurde im Jahr Christi 1477 von dem edlen Mailänder Giovanni Andrea Lampugnani am Tag des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers, in derselben Sankt-Stephans-Kirche beim Hochaltar unvermutet erstochen. Er hatte dann nach Francesco Sforza als erwählter Herzog neun Jahre und zehn Monate regiert. Ein schnellsinniger Mann und großmütiger Fürst, der viele Gebäude in der Stadt Mailand aufrichten ließ und die Stadt mit behauenen Steinen zu pflastern veranlasste und seine väterliche, ausgeschöpfte Schatzkammer sehr mit Reichtümern füllte. Er hatte auch besondere Begierde und Fleiß für die besten Sänger zum Gottesdienst und große Kosten dafür aufgewendet. Aber nachdem er sich einer unmäßigen Begierde nach Frauen bediente und den Adel und die Würdigkeit seiner Majestät und fürstlichen Höhe nicht schonte, darum wurde er aufgrund einer geschehenen Verschwörung angesichts des ganzen Volkes und seines gesamten Hofgesindes im 33. Jahr seines Alters erstochen und starb schändlich und wurde bei seinen Eltern begraben. Er hinterließ bei Bona, seiner Gemahlin, einer Herzogin von Savoyen, zwei Söhne und eine Tochter. Gian Galeazzo Maria, sein Sohn, wurde im 9. Jahr seines Alters am Tag der Heiligen Drei Könige zum Herzog eingesetzt. Karl, Herzog von Burgund. Karl, Herzog von Burgund, Herzog Philipps des Guten Sohn, der Letzte, der aus dem durchlauchtigen und königlichen französischen Geschlecht geboren war, war ein starker, ernsthafter, großmütiger und furchterregender Mann, aber gerecht, milde, zur Gabe des Almosens und göttlicher Ämter und Dienste hochbeflissen. Als er das 20. Jahr seines Alters erreichte und die von Gent von seinem Vater eine Freiheit (Privileg) erlangt hatten, da sammelte er ein großes Heer gegen sie und eroberte die Stadt und ließ die Freiheiten auf dem Markt verbrennen. Darnach hatte er mit König Ludwig von Frankreich viele Konflikte. Und nach Beilegung derselben überzog er die von Lüttich mit Heereskraft, eroberte dieselbe Stadt und schleifte sie nach vielen verübten Totschlägen und Beraubung. Und nachfolgend, wegen Eduard, des Königs von England, seines Schwagermannes (der von Graf Warwick und König Heinrich von Portugal aus Britannien vertrieben wurde), sammelte er ein großes Heer und begann einen Krieg gegen dieselben und auch König Ludwig. Und denselben Eduard schickte er in Kürze heim und richtete sich wieder zum Krieg gegen König Ludwig und tat ihm viel Schaden und Unfug an. Aber nach Befriedung dieser Sachen zog er mit großer, mächtiger Heereskraft vor die Stadt Neuss am Rhein gelegen. Als aber Kaiser Friedrich zur Rettung derselben Stadt kam, da zog Karl wieder heimwärts. Als er nun viele Länder und Städte mit großer Schlacht untertänig gemacht hatte, da zog er vor die Stadt Nancy in Lothringen gelegen, des Willens, die Schweizer zu bekriegen. Aber die Schweizer fielen ihm in sein Heer und griffen ihn so ernstlich an, dass er flüchtig und in der Flucht erschlagen und verloren wurde. Und er hinterließ eine einzige Tochter, die den Vater beerbte und darnach Maximilian, Kaiser Friedrichs Sohn, jetzt römischem König, vermählt wurde. Diesem Herzog Karl sind drei Städte gefährlich und schädlich gewesen: nämlich Grandson an den Gütern, Murten am Volk und Nancy am Leib. Ferdinand, König von Neapel, unternahm es, den friedlichen Zustand der wälschen Länder im Jahr 1478 zu trüben. Und schickte Graf Girolamo, Papst Sixtus' Neffen, und Raffaele, den Kardinal, des selben Grafen Schwestersohn, und Francesco Salviati, den pisanischen Erzbischof, mit dreihundert Mann nach Florenz. Die machten mit ihrer anhängenden Partei einen Aufruhr. Darin wurde Giuliano de' Medici erstochen und Lorenzo de' Medici schwer verwundet. Und doch zuletzt mit Klugheit der Aufruhr ein wenig gestillt. Darnach wurden viele Urheber solchen Aufruhrs erschlagen und viele mitsamt dem pisanischen Bischof erhängt. Und der Kardinal Raffaele bis zur Stillung und Beilegung der Dinge von den Florentinern festgehalten. Heuschrecken haben desselben Jahres durch welsches Land fliegend die Landschaft um Brixen verwüstet. Und wo Markgraf Ludovico von Mantua nicht zuvorgekommen wäre, so hätten sie die Saat in ganz Lombardei abgefressen. Ein großes, grausames Sterben der Pestilenz hat dieses Jahres durch alles welsche Land gewütet, also dass zu Brixen über 20.000 und zu Venedig über 30.000 Menschen vergingen. Aus Ursachen solcher Heuschrecken und Finsternis der Sonne, die desselben Jahres im Monat Juli gewesen war. Die Venezianer wurden mit schwerem Krieg des etrurischen Landes und in Mazedonien und Friaul durch großen Überzug der Osmanen beladen. Und als sie aber den Papst lange Zeit nicht erweichen konnten und bei 27 Jahren mit großen, täglichen und langen Kriegen in Griechenland, Mazedonien und Friaul von den Türken bekümmert wurden, da machten sie mit dem mahometischen Kaiser ein Bündnis und gaben ihm wieder alles das, was vormals sein und der Seinen gewesen war, mit Verpflichtung, ihm zwei Jahre lang hunderttausend Gulden zu geben. Der Welt Blatt 256. Obwohl die Rhodier nicht kleine Beschwerde von den Türken gehabt haben, so haben sie doch nach Bestreitung und Niederlage der Stadt Konstantinopel viel schwerere Kriege empfunden. Denn als die Türken in 24 Jahren etliche ihnen nahegelegene Städte und Länder unterworfen hatten, da empfing der Mahomet Verdruss in Hochmut, dass die Stadt Rhodos, so nahe gelegen, noch frei und ihm nicht untertänig sein sollte. Demnach schiffte der mahometische Kaiser mit großer, mächtiger Heereskraft vor Rhodos und stellte sein Heerlager am 23. Tag des Monats Mai des Jahres Christi 1480 auf Sankt Stephans Berg und darum herum. Und beschoss die Stadt drei Monate aneinander ohne Unterlass. Aber Pierre d'Aubusson, der Hochmeister zu Rhodos, ein kluger und starkmütiger Mann, zeigte die Kraft seiner Festmütigkeit mit der Tat männlichen und unerschrockenen Widerstands. Dadurch, aus göttlicher Mithilfe, wurden die Türken von den christlichen Rittern zertrennt, abgetrieben, geschlagen und mit solcher Ungestüm in die Flucht gebracht, dass sie sich selbst in dem Gedränge ertöteten. Man sagt, dass die Türken eine Gesichte eines Wunderzeichens gesehen und darüber einen so großen Schrecken empfangen hätten, dass sie flüchtig geworden wären. Darum ist gütiglich zu verstehen, dass solcher Sieg und Überwindung vom Himmel den christlichen Rittern gegeben worden sei, die dann in so kleiner Zahl dem mächtigen Feind, der bis auf die Mauer gekommen war, Widerstand getan haben. Und der mahometische Kaiser zog am 89. Tag nach Anfang seiner Belagerung der Stadt Rhodos mit seiner Schiffung unehrenhaft und schändlich von dannen. Aber Petrus, der Hochmeister, hatte von Papst Sixtus und anderen christgläubigen Menschen in Europa mit Geld, Hilfe und Beistand, damit er die verheerten und verwüsteten Inseln wieder besserte. Bruder Niklaus. Dieser Zeit enthielt sich bei den Schweizern, nicht ferne von Luzern, in einer ungeheuren Einöde ein alter Mann, ganz in gelassenem und abgezogenem Leben, bei 20.

Anmerkungen

sechst alter
historische Periodisierung, hier: das sechste Zeitalter der Weltgeschichte
Galeacius maria hertzog zu Mayland
Galeazzo Maria Sforza (1444–1476), Herzog von Mailand
.M.cccc.lxxvii.
römisch für 1477
Johanne andrea lamprogniano
Giovanni Andrea Lampugnani, Anführer der Verschwörung gegen Galeazzo Maria Sforza
sant Stephans des ersten martrers tag
Stephanstag, 26. Dezember
hohaltar
Hochaltar
vngewarnt
unvermutet, unvorbereitet
Francisco sforciam
Francesco Sforza (1401–1466), Vater von Galeazzo Maria Sforza
.ix.
römisch für 9
.x.
römisch für 10
schnelsynnig
schnellsinnig, schnell entschlossen, aber auch impulsiv
großmueetiger
großmütig, aber im Kontext auch hochmütig, stolz
gepewe
Gebäude
zepflastern geschaft
zu pflastern veranlasst
außgeschoepfte
ausgeschöpft, geleert
sere
sehr
sundere begirde vnd fleiß
besondere Begierde und Eifer
kostung
Kosten, Aufwendungen
vnmessiger begirigkeit der weiber geprauchet
sich einer unmäßigen Begierde nach Frauen bediente
wirdigkeit
Würdigkeit, Ansehen
verschonet
geschont, Rücksicht genommen
zusammen schwerung
Verschwörung
angesihte
Angesicht, Anwesenheit
hofgesinds
Hofgesinde, Gefolge
.xxxiii.
römisch für 33
schentlich
schändlich, unehrenhaft
Bona seiner gemahel einer hertzogin von Sophoy
Bona von Savoyen (1449–1503), Gemahlin von Galeazzo Maria Sforza
Johannes maria sein sun
Gian Galeazzo Maria Sforza (1469–1494), Sohn von Galeazzo Maria Sforza
heilligen dreyer koenig tag
Dreikönigstag, 6. Januar
Carolus hertzog zu Burgundi
Karl der Kühne (1433–1477), Herzog von Burgund
Philipsen des guoten
Philipp der Gute (1396–1467), Herzog von Burgund, Vater Karls des Kühnen
durchleuechtigen vnd koenigclichen franckreichischen geschlecht
durchlauchtig und königlich französisches Geschlecht (Valois-Burgund, eine Nebenlinie des französischen Königshauses)
ernsthaftig
ernsthaft
erschroeckenlich
erschrecklich, furchterregend, formidable
mylt
milde
hohgeflißen
hochbeflissen, sehr bemüht, eifrig
.xx.
römisch für 20
Jhent
Gent, Stadt in Flandern
freyheit außbracht
eine Freiheit (ein Privileg) erlangt
heer
Heer, Armee
am marck verprennen
auf dem Markt verbrennen
koenig Ludwigen zu franckreich
Ludwig XI. (1423–1483), König von Frankreich
widerspennigkeit
Widerspenstigkeit, Konflikt, Feindseligkeit
hinlegung
Beilegung
Luettich
Lüttich, Stadt im heutigen Belgien
heereßkraft vberzogen
mit Heereskraft überzogen, militärisch angegriffen
geuebten todschlegen vnd berawbung geschlayft
verübten Totschlägen und Beraubung geschleift (zerstört, dem Erdboden gleichgemacht)
Eduardi des koenigs zu Engelland
Eduard IV. (1442–1483), König von England
schwestermans
Schwagermannes
graff Douerich
Richard Neville, 16. Earl of Warwick (1428–1471), genannt 'Warwick the Kingmaker'
koenig Heinrichen von Portugalia
Hier liegt eine historische Ungenauigkeit vor. Eduard IV. wurde 1470 von Warwick vertrieben und Heinrich VI. (nicht von Portugal) wieder eingesetzt. Es handelt sich wohl um eine Verwechslung oder einen Fehler im Originaltext.
Brittannia
Britannien, hier: England
haym geschickt
heimgeschickt
zu krieg gerichtet
sich zum Krieg gerüstet
vnfuogs
Unfug, Schaden
befridung diser sachen
Befriedung dieser Angelegenheiten, Beilegung der Konflikte
mechtiger heereßkraft
mächtiger Heereskraft
Newß am Rhein
Neuss am Rhein, Stadt in Deutschland
kaiser Friderich
Friedrich III. (1415–1493), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
rettunng kome
zur Rettung kam
wider anhayms
wieder heimwärts
vndertenig gemacht het
untertänig gemacht hatte
Nansee
Nancy, Stadt in Lothringen
Lothringen
Lothringen, historische Region in Frankreich
des willens die Schweitzer zebekriegen
mit der Absicht, die Schweizer zu bekriegen
fieln ime in sein heer
fielen ihm in sein Heer (griff sein Heer an)
fluechtig vnnd in der flucht erschlagen vnd verlorn ward
flüchtig und in der Flucht erschlagen und verloren wurde
ein einige tochter die erbet den vater
eine einzige Tochter, die den Vater beerbte (Maria von Burgund, 1457–1482)
Maximiliano kaiser Friderichs sun yetzo roemischen koenig vermehelt
Maximilian I. (1459–1519), Sohn Kaiser Friedrichs III., später römisch-deutscher Kaiser, heiratete Maria von Burgund
geferlich vnd schedlich
gefährlich und schädlich
Gransee an den gueetern
Grandson, Stadt in der Schweiz, Ort der Schlacht bei Grandson (1476), wo Karl der Kühne seine Güter verlor
Murtha am volck
Murten, Stadt in der Schweiz, Ort der Schlacht bei Murten (1476), wo Karl der Kühne viele Männer verlor
Nansee am leib
Nancy, Ort der Schlacht bei Nancy (1477), wo Karl der Kühne selbst fiel
FErdinandus koenig zu Neapolis
Ferdinand I. von Neapel (1423–1494), König von Neapel
vnderstund sich
unternahm es
welscher land
welsche Länder, hier: Italien
.M.cccc.lxxviii.
römisch für 1478
zebetrueben
zu trüben, zu stören
graff Jheronimum babsts Sixten oeheim
Girolamo Riario (1443–1488), Neffe von Papst Sixtus IV.
Raphaelem den cardinal des selben grafen schwester sun
Raffaele Riario (1461–1521), Kardinal, Neffe von Girolamo Riario
Franciscum Siluiatum den Pisanischen ertzbischoff
Francesco Salviati (1443–1478), Erzbischof von Pisa
Florentz
Florenz, Stadt in Italien
anhangenden parthey
anhängenden Partei, Gefolgschaft
auffruor
Aufruhr, Verschwörung (Pazzi-Verschwörung)
Julianus de medicis
Giuliano de' Medici (1453–1478), Bruder von Lorenzo de' Medici
Laurencius de medicis
Lorenzo de' Medici (1449–1492), genannt 'der Prächtige'
gestillet
gestillt, beruhigt
vrsacher
Urheber, Anstifter
mitsambt
mitsamt
erhenckt
erhängt
enthalt
festgehalten
HEwschrecken
Heuschrecken
lantschaft vmb Brixen
Landschaft um Brixen, Stadt in Südtirol, Italien
verwueestet
verwüstet
marggraf Ludwig zu Mantua
Ludovico III. Gonzaga (1412–1478), Markgraf von Mantua
fuerkomen het
zuvorgekommen wäre
saet
Saat, Aussaat
Lombardia
Lombardei, Region in Italien
abgefretzt
abgefressen
grawsamer sterben der pestilenntz
grausames Sterben der Pestilenz (Pest)
gewebert
gewütet, sich ausgebreitet
.xxm.
römisch für 20.000
xxxm.
römisch für 30.000
vergiengen
vergingen, starben
vrsachen
Ursachen
finsternus der sunnen
Finsternis der Sonne, Sonnenfinsternis
monat Julio
Monat Juli
Venediger
Venezianer
ethrurischen lands
etrurisches Land, Etrurien (historische Region in Mittelitalien)
Macedonia
Mazedonien, Region auf dem Balkan
Foriaul
Friaul, Region in Nordostitalien
vberzuog Othomanni
Überzug der Osmanen, Angriff der Osmanen
erwaichen mochten
erweichen konnten
.xxvii.
römisch für 27
kriechen land
Griechenland
bekuemmert warden
bekümmert wurden, bedrängt wurden
Mahmetischen kaiser
mahometischer Kaiser, Sultan Mehmed II. (1432–1481)
puentnus
Bündnis
vormals
vormals, zuvor
guldein
Gulden, eine Goldmünze
der werlt Blat CCLVI
der Welt Blatt 256 (Seite 256 der Schedelschen Weltchronik)
rhodiser
Rhodier, Bewohner von Rhodos
beschwerde
Beschwerde, Mühe, Bedrängnis
bestreyttunng vnnd nyderlag der statt Constantinopel
Bestreitung und Niederlage der Stadt Konstantinopel (Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453)
.xxiiii.
römisch für 24
Machomet
Sultan Mehmed II.
verdrieß in hoehmuet
Verdruss in Hochmut, ärgerlicher Hochmut
vndertenig solt sein
untertänig sein sollte
schiffet
schiffte, fuhr mit dem Schiff
heergeleger
Heerlager
.xxiii.
römisch für 23
monats may
Monat Mai
.M.cccc.lxxx.
römisch für 1480
sant Stephans berg
Sankt Stephans Berg (auf Rhodos)
beschusse
beschoss
on vnderlaß
ohne Unterlass
Petrus dabuson der hohmaister zu Rhodis
Pierre d'Aubusson (1423–1503), Großmeister des Johanniterordens auf Rhodos
starckmueetig
starkmütig, standhaft
erzaiget die kraft seiner festmueetigkeit mit der tat manlichs vnnd vnerschrockens widerstands
zeigte die Kraft seiner Festmütigkeit (Standhaftigkeit) mit der Tat männlichen und unerschrockenen Widerstands
goettlicher mithilff
göttlicher Mithilfe
zertrennt. abgetriben. geschlagen vnd mit solcher vngestuome in die flucht gebracht warden das sie sichselbs in dem gedrenge ertoedten
zertrennt, abgetrieben, geschlagen und mit solcher Ungestüm (Heftigkeit) in die Flucht gebracht wurden, dass sie sich selbst in dem Gedränge ertöteten
gesyhte eins wunderzaichens
Gesichte eines Wunderzeichens, Vision eines Wunders
darob ein solchen großen schrecken empfangen hetten dz sie fluechtig worden werden
darüber einen so großen Schrecken empfangen hätten, dass sie flüchtig geworden wären
gueetigclich zeueriehen
gütiglich zu verstehen, wohlwollend anzunehmen
syge vnd vberwindung von hymel
Sieg und Überwindung vom Himmel
cristenlichen rittern
christlichen Rittern (Johanniterorden)
klainer zal
kleiner Zahl
bis auff die mawr komen was
bis auf die Mauer gekommen war
.lxxxix.
römisch für 89
vnerlich vnnd schentlich von dannen
unehrlich und schändlich von dannen, unehrenhaft abgezogen
babst Sixto
Papst Sixtus IV. (1414–1484)
cristglawbigen menschen
christgläubigen Menschen
verheerten vnd verwueesten inseln wider besseret
verheerten und verwüsteten Inseln wieder besserte
Bruder Niclas
Bruder Niklaus (Niklaus von Flüe, 1417–1487), Schweizer Einsiedler und Heiliger
enthielt sich
enthielt sich, lebte zurückgezogen
nciht verrne
nicht ferne, nicht weit
Lucern
Luzern, Stadt in der Schweiz
vngehewren aynoede
ungeheuren Einöde, abgelegene Wildnis
gelaßnem vnd abgezognem leben
gelassenem und abgezogenem Leben, kontemplatives, zurückgezogenes Leben
.xx.
römisch für 20 (Satz ist im Originaltext abgeschnitten)