Schedelsche Weltchronik · Blatt 257

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 257, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 257, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Antonius rosellus ein iurist ANtonius rosellus auß ethruria puertig beder bebstlicher vnd kaiserlicher rechten vnd aller anderer guoter kunst hoherfaren ist diser zeit nach dem er vil iar in großem ruom das gaistlich recht zu Padua gelesen vnd geleret het mit tod verschieden vnd daselbst in sant Antoni kirchen begraben worden vnd hat als ein hohgelert ettliche bueecher begriffen vnd hinder ime gelassen. MArsilius ficinus von Florentz ein man fuertreffenlicher synnreichigkeit beder kriechischer vnd lateinischer zungen gegruendt vnd vil kunstreich vnd vnder den platonischen doctoren ein fuerst hat diser zeit. xxxiij. bueecher Platonis (die man dauor bey den kriechischen nicht leichtlich finden mocht) mit grossem fleiß in latein gebracht. vnd daran kein benuogen gehabt sunder auch da bey die maynung vnd wone desselben Platonis mit ettlichen argumenten vnd erklerung außgelegt vnd vil nuetzs dings beschriben. Machomet der Türcken kayser MAchomet der gross der acht Tuerckisch kaiser auß dem geschlecht Othomannorum geporn Amurati des fuersten sun regiret in asia vnd kriechischem land. xxxij. iar. vnd in dem heerzug den er wider die hungern fuergenomen het in dem. lviij. iar seins alters. nach der gepurt vnßers haylands. iar in dem mayen in seinem heergeleger nicht on argkwon des gifts gestorben gein Constantinopel gefueert vnd daselbst begraben. Als er nach seinem vater in dz reich asie kome do was er. xxiiij. iar alt vnd vnderstund sich in allen dingen seinen vater zeuebertreffen. demnach hat er anfengklich auß seiner großmueetigkeit sein vaterlichs reich an mechtigkeit vnd gewalt gesterckt vnd mit großer heereßkraft auß asia durch Hellespontum in Europam geschiffet vnd vil kriechischer stett bedrangt vnd erobert vnd nicht weyt von dem Boßphorischen gestadt ein castell gepawt. vnd darnach auß gepruch vnnd mangel der hilff von geitzigkeit wegen der kriechen die statt Constantinopel bestritten vnd als ein kriechischer erklerter kaiser alßpald alles peloponesum eingenomen. vnd alles cristenlich volck zu dienstperkeit bedrañgt vnd hingefueert. vnd darnach Achaiam vnd Acharaiam vnnd Cipern vnd den groeßern tayl Macedonie. Auch Bulgariam Rasciam vnd die Syrfey. vnd was von der stat Andrinopoli zwischen der Saw vnd Thonaw ligt verfolget. auch die Walachey zu forcht bracht. vnd darnach Boßen vberzogen vnd verheeret. vnd die edeln der Genueser innseln Mithilenem eingenomen. vnd darnach die fast alten statt Sinopem vnd Trapesuncium zerruedet vnd ire inwoner mitsambt irem kaiser gefanngen hingefueert. vnd der Venediger innseln Euboiam vnd ire statt Calcidem außgestuermt. vnd also in Asia. xij. koenigreich erobert. Nemlich Pontum Bithimiam Capadociam Phaphlagoniam Ciliciam Pamphiliam Liciam Cariam Lidiam Frigiam vnd schier alles Hellespontum oder Moream vnd vil anders got erbarms. BAissetus der erstgeporn des benanten Tuerckischen kaisers sun ist im iar vnßers hayls. zu kaiser gesetzt vnd regiret noch. Zaliabus sein bruder machet in Asia vil auffruor vmb erobrung des reichs vnnd name Bursiam ein vnd ordnet sich daselbst zu eim koenig. aber Baissetus hat ine vberwunden. vnnd das reich asie erlangt vnd behabt vnd sich gantzen in flaischgirigkeit vnd trunckenheit gesenckt. als er aber in dem. iar Cristi vnderstanden het das koenigreich zu Hungern anzegreiffen vnd zeuerwuesten do begegnet ime vil widerstands. schadens vnd nyderlage. Zaliabus sein bruder wirdt bis auff disen hewtigen tag zu Rom in huot vnd verwarung gehalten. den vberblibnen tayl Europe ettwen mit ime von der grawsammen dienstperkeit der vnglawbigen zeledigen. EJn grosse pestilentz regiret schier in allem Welschem vnd Teuetschem land. in dem. vnnd in dem. iar. also das in eim halben iar zu Nuermberg bey viertawsent menschen. vnnd zu Venedig ettlich ratßherren vnd der hertzog sturben. FRiderich der roemisch kaiser het in dem iar zu Nuermberg einen großen kaiserlichen tag vmb hilff wider sein feind vnd fuer den cristenlichen glawben. daselbst wardt von mancherlay sachen gehandelt. Vnder andern loeblichen geschihten so der kaiser alda vbet so bekroenet er Conradum celtis der schriften eynen hoherfarnen man. Diser zeit ward auch der krieg zwischen Sigismunden dem ertzhertzoeg zu oesterreich vnd den Venedigern gericht. So hat auch vnßer allergnedigster herr der roemisch koenig Maximilianus ein große versammlung zu Nuermberg gehalten in dem iar. MEles der koenig morn geschlechts vnd machometisch glawbens hat diser vnßrer zeit in dem land Granata genant bis hieher geregiret. Jn demselben land find man gold. silber. getrayd. wunn vnd wayd vnd alles dz zu menschlichem geprauch nottuorftig ist. Darinn ligt ein statt auch Granata genant die wardt durch Alphonsum den koenig zu Portugalia vnd Hispania mit Elizabeth seiner gemahel belegert vnd auff ergebung der innhaber in dem. iar mit. mannen zu roß vnd mit. zu fuoß eingenomen. Blat CCLVII der werlt Nach der gepurt Cristi vnßers haylands. iar am. xij. tag des monats Julij kome in der koenigclichen statt Constantinopel ein grosses vormals vngehoerts vngewitter. vnnd als sich das fewr der oebern dreyer gestirne (das man den fallenden fewrstral nennt) in vermischung der feuechtigkeit vnd der hitze beweget vnd die versammelt feuechtigkeit in dem trueben luft vberhannd genomen het. vnd der wind oder tunst sich in dem gewuolcke arbaytet do warden erstlich große thonrslege gehoert vnd darnach prinnend wetterplitzen mit langen fewrstraln gesehen. vnd wiewol die vnglawbigen maynten das soelchs von dem gistirne des planeten Saturn herkoeme (als dann ettwen in tuscia ein reiche statt von dem gestirne des planeten martis mit den plitzen gantz verprennt ward) yedoch schreiben die cristen solchs der goetlichen fuersichtigkeit vnd rachsale zu. dann der thonrslag plitzen vnd vngestueme wetter hat nicht allain einen teil der sewln des pilds des kaiser Constantini ernider geworffen: sunder auch (als dann glawbwirdig Venedigisch vnd andere kawflewt gesagt haben) bey achthundert hewßern verprent. vnd bey dreytawsent menschen ertoedt in einem zirckel. wie dann die hernachgesetzt figur zeergennen gibt. center right ALs hieuor an manchen enden von vil vnd mancherlay seltsamen dingen die sich amm himel ereuegt haben gemeldt worden ist vnd sunderlich dz ein stayn mit eim creuetz gezaichnet zu den zeiten kaiser Friderichs des andern von oben herab gefallen sey also ist zu den zeiten kaiser Friderichs des dritten in dem iar cristi. am. tag des monats nouembris in mytten tag ein großer stayn bey eim zentner schwer. ein wenig kleiner dann ein saltzscheyb. gestalt wie ein kriechisch D. vnd dreyegket von oben herab auß den lueften bey Ensißheim in dem Suntgew nider gefallen vnnd zu anzaigung seltsamer geschihten noch vorhanden. DJser zeit sind zwischen Maximiliano dem roemischen koenig vnd dem koenig zu Franckreich von der hertzogin zu brittannia wegen vil kriegischer auffruor entstanden vnd gewest vnd doch durch wilheln beschoffen zu Aystet vnd andere darnach mit gueetlichem vertrag hingelegt.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Antonius Rosellus, ein Jurist. Antonius Rosellus, gebürtig aus Etrurien, hoch erfahren in beiden, dem päpstlichen und kaiserlichen Recht, sowie in allen anderen guten Künsten, ist zu dieser Zeit, nachdem er viele Jahre in hohem Ansehen das geistliche Recht zu Padua gelesen und gelehrt hatte, gestorben und daselbst in der Kirche des Heiligen Antonius begraben worden. Und er hat als Hochgelehrter etliche Bücher verfasst und hinterlassen. Marsilius Ficinus aus Florenz, ein Mann von hervorragender Gelehrsamkeit, bewandert in beiden, der griechischen und lateinischen Sprache, sehr kunstfertig und unter den platonischen Doktoren ein Fürst, hat zu dieser Zeit 33 Bücher Platos (die man zuvor bei den Griechen nicht leicht finden konnte) mit großem Fleiß ins Lateinische übersetzt. Und er hat sich damit nicht begnügt, sondern auch dabei die Meinung und Lehre desselben Platos mit etlichen Argumenten und Erklärungen ausgelegt und viel Nützliches beschrieben. Machomet, der Kaiser der Türken. Machomet der Große, der achte türkische Kaiser, geboren aus dem Geschlecht der Osmanen, der Sohn des Fürsten Amurat, regierte in Asien und im griechischen Land 32 Jahre. Und in dem Feldzug, den er gegen die Ungarn unternommen hatte, im 58. Jahr seines Alters, im Jahr [1481] nach der Geburt unseres Heilands, im Mai, starb er in seinem Heerlager, nicht ohne Argwohn des Giftes, wurde nach Konstantinopel überführt und dort begraben. Als er nach seinem Vater in das Reich Asiens kam, da war er 24 Jahre alt und unternahm es, seinen Vater in allen Dingen zu übertreffen. Demnach hat er anfänglich aus seiner Großmütigkeit sein väterliches Reich an Macht und Gewalt gestärkt und mit großer Heereskraft aus Asien durch den Hellespont nach Europa übergesetzt und viele griechische Städte bedrängt und erobert und nicht weit von der bosporischen Küste ein Kastell gebaut. Und danach, aufgrund des Mangels an Hilfe und der Geizigkeit der Griechen, die Stadt Konstantinopel belagert und als ein erklärter Kaiser der Griechen sogleich den gesamten Peloponnes eingenommen. Und alles christliche Volk zur Dienstbarkeit bedrängt und weggeführt. Und danach Achaia und Akarnanien und Zypern und den größeren Teil Mazedoniens. Auch Bulgarien, Raszien und Serbien. Und was von der Stadt Adrianopel zwischen der Save und Donau liegt, verfolgt. Auch die Walachei in Furcht versetzt. Und danach Bosnien überzogen und verheert. Und die edle genuesische Insel Mytilene eingenommen. Und danach die sehr alten Städte Sinope und Trapezunt zerstört und ihre Einwohner samt ihrem Kaiser gefangen weggeführt. Und die venezianische Insel Euböa und ihre Stadt Chalkis gestürmt. Und so in Asien 12 Königreiche erobert. Nämlich Pontus, Bithynien, Kappadokien, Paphlagonien, Kilikien, Pamphylien, Lykien, Karien, Lydien, Phrygien und fast den gesamten Hellespont oder Morea und vieles andere, Gott erbarme sich. Bayezid, der erstgeborene Sohn des genannten türkischen Kaisers, ist im Jahr [1481] unseres Heils zum Kaiser eingesetzt worden und regiert noch. Cem, sein Bruder, machte in Asien viele Aufstände um die Eroberung des Reiches und nahm Bursa ein und setzte sich dort als König ein. Aber Bayezid hat ihn überwunden und das Reich Asiens erlangt und behauptet und sich ganz der Fleischeslust und Trunkenheit hingegeben. Als er aber im Jahr [1492] Christi unternommen hatte, das Königreich Ungarn anzugreifen und zu verwüsten, da begegnete ihm viel Widerstand, Schaden und Niederlage. Cem, sein Bruder, wird bis auf diesen heutigen Tag zu Rom in Obhut und Verwahrung gehalten, um den verbliebenen Teil Europas irgendwann mit ihm von der grausamen Dienstbarkeit der Ungläubigen zu befreien. Eine große Pestilenz herrschte fast im gesamten welschen und deutschen Land in den Jahren [1492] und [1493]. So dass in einem halben Jahr in Nürnberg etwa viertausend Menschen und in Venedig etliche Ratsherren und der Herzog starben. Friedrich, der römische Kaiser, hatte im Jahr [1487] zu Nürnberg einen großen kaiserlichen Tag abgehalten, um Hilfe gegen seine Feinde und für den christlichen Glauben zu erhalten. Daselbst wurde über mancherlei Sachen verhandelt. Unter anderen lobenswerten Taten, die der Kaiser dort vollbrachte, krönte er Konrad Celtis, einen in den Schriften hoch erfahrenen Mann. Zu dieser Zeit wurde auch der Krieg zwischen Sigismund, dem Erzherzog von Österreich, und den Venezianern beigelegt. So hat auch unser allergnädigster Herr, der römische König Maximilian, eine große Versammlung zu Nürnberg gehalten im Jahr [1491]. Muley, der König maurischen Geschlechts und mohammedanischen Glaubens, hat zu unserer Zeit in dem Land, das Granada genannt wird, bis hierher regiert. In demselben Land findet man Gold, Silber, Getreide, Wein und Weide und alles, was zum menschlichen Gebrauch notwendig ist. Darin liegt eine Stadt, ebenfalls Granada genannt, die wurde durch Alfons, den König von Portugal und Spanien, mit Isabella, seiner Gemahlin, belagert und nach Übergabe der Inhaber im Jahr [1492] mit [Anzahl] Mann zu Ross und mit [Anzahl] zu Fuß eingenommen. Blatt 257 der Weltchronik. Nach der Geburt Christi, unseres Heilands, im Jahr [1490], am 12. Tag des Monats Juli, kam in der königlichen Stadt Konstantinopel ein großes, vormals unerhörtes Unwetter. Und als sich das Feuer der oberen drei Gestirne (das man den fallenden Feuerstrahl nennt) in Vermischung der Feuchtigkeit und der Hitze bewegte und die angesammelte Feuchtigkeit in der trüben Luft überhandgenommen hatte, und der Wind oder Dunst sich in den Wolken regte, da wurden erstlich große Donnerschläge gehört und danach brennende Wetterblitze mit langen Feuerstrahlen gesehen. Und obwohl die Ungläubigen meinten, dass solches vom Gestirn des Planeten Saturn herkäme (wie dann einst in der Toskana eine reiche Stadt vom Gestirn des Planeten Mars mit den Blitzen ganz verbrannt wurde), jedoch schreiben die Christen solches der göttlichen Fürsichtigkeit und Rachsucht zu. Denn der Donnerschlag, Blitze und ungestüme Wetter haben nicht allein einen Teil der Säulen des Bildes des Kaisers Konstantin niedergerissen, sondern auch (wie glaubwürdige venezianische und andere Kaufleute gesagt haben) etwa achthundert Häuser verbrannt und etwa dreitausend Menschen in einem Umkreis getötet, wie dann die nachfolgende Figur zu erkennen gibt. Wie zuvor an manchen Stellen von vielen und mancherlei seltsamen Dingen, die sich am Himmel ereignet haben, berichtet worden ist, und besonders, dass ein Stein mit einem Kreuz gezeichnet zu den Zeiten Kaiser Friedrichs des Zweiten von oben herab gefallen sei, so ist zu den Zeiten Kaiser Friedrichs des Dritten im Jahr Christi [1492], am [7.] Tag des Monats November, mittags, ein großer Stein von etwa einem Zentner Gewicht, ein wenig kleiner als eine Salzscheibe, geformt wie ein griechisches D und dreieckig, von oben herab aus den Lüften bei Ensisheim im Sundgau niedergefallen und als Zeichen seltsamer Begebenheiten noch vorhanden. Zu dieser Zeit sind zwischen Maximilian, dem römischen König, und dem König von Frankreich wegen der Herzogin von Bretagne viele kriegerische Unruhen entstanden und gewesen, und doch durch Wilhelm, Bischof zu Eichstätt, und andere danach mit gütlichem Vertrag beigelegt worden.

Anmerkungen

ethruria
Etrurien (historische Region in Italien)
puertig
gebürtig
beder bebstlicher vnd kaiserlicher rechten
beider, des päpstlichen und kaiserlichen Rechts
hoherfaren
hoch erfahren
ruom
Ruhm, Ansehen
gaistlich recht
geistliches Recht, Kirchenrecht
Padua
Stadt in Italien
mit tod verschieden
gestorben
sant Antoni kirchen
Kirche des Heiligen Antonius (vermutlich die Basilika des Heiligen Antonius in Padua)
begriffen
verfasst, geschrieben
MArsilius ficinus
Marsilius Ficinus (italienischer Humanist und Philosoph, 1433–1499)
Florentz
Florenz (Stadt in Italien)
fuertreffenlicher synnreichigkeit
hervorragender Gelehrsamkeit/Sinnreichigkeit
gegruendt
bewandert, fundiert
kunstreich
kunstfertig, gelehrt
platonischen doctoren
platonische Doktoren/Philosophen (hier: Neoplatoniker)
fuerst
Fürst, führende Persönlichkeit
xxxiij.
römisch für 33
Platonis
Platos (griechischer Philosoph)
benuogen gehabt
sich begnügt
maynung vnd wone
Meinung und Lehre
nuetzs dings
nützliche Dinge
Machomet der gross
Mehmed II. der Große (osmanischer Sultan, 1432–1481)
Othomannorum
Osmanen (Dynastie)
Amurati
Murad II. (osmanischer Sultan, Vater von Mehmed II.)
xxxij. iar
römisch für 32 Jahre
heerzug
Feldzug
hungern
Ungarn
lvij. iar seins alters
römisch für 58. Jahr seines Alters
iar
im Original fehlende Jahreszahl, kontextuell ergänzt: 1481
heergeleger
Heerlager
argkwon des gifts
Argwohn des Giftes, Giftverdacht
Constantinopel
Konstantinopel (heute Istanbul)
xxiiij. iar alt
römisch für 24 Jahre alt
großmueetigkeit
Großmütigkeit, Ehrgeiz
Hellespontum
Hellespont (Meerenge, heute Dardanellen)
Europam
Europa
Boßphorischen gestadt
bosporische Küste (Meerenge des Bosporus)
castell
Kastell, Festung
gepruch vnnd mangel der hilff von geitzigkeit wegen der kriechen
aufgrund des Mangels an Hilfe und der Geizigkeit der Griechen
bestritten
belagert, bekämpft
peloponesum
Peloponnes (Halbinsel in Griechenland)
dienstperkeit
Dienstbarkeit, Sklaverei
Achaiam vnd Acharaiam
Achaia und Akarnanien (Regionen in Griechenland)
Cipern
Zypern (Insel)
Macedonie
Mazedonien (Region)
Bulgariam
Bulgarien
Rasciam
Raszien (historische Region, Teil des heutigen Serbien)
Syrfey
Serbien
Andrinopoli
Adrianopel (heute Edirne, Stadt in der Türkei)
Saw
Save (Fluss)
Thonaw
Donau (Fluss)
Walachey
Walachei (historische Region, heute Teil Rumäniens)
Boßen
Bosnien
Genueser innseln Mithilenem
genuesische Insel Mytilene (heute Lesbos)
Sinopem
Sinope (Stadt in der Türkei)
Trapesuncium
Trapezunt (Stadt in der Türkei)
zerruedet
zerstört, verwüstet
Venediger innseln Euboiam
venezianische Insel Euböa (Insel in Griechenland)
Calcidem
Chalkis (Stadt auf Euböa)
xij. koenigreich
römisch für 12 Königreiche
Pontum Bithimiam Capadociam Phaphlagoniam Ciliciam Pamphiliam Liciam Cariam Lidiam Frigiam
Pontus, Bithynien, Kappadokien, Paphlagonien, Kilikien, Pamphylien, Lykien, Karien, Lydien, Phrygien (historische Regionen in Anatolien)
Moream
Morea (historischer Name für den Peloponnes)
got erbarms
Gott erbarme sich (Ausruf)
BAissetus
Bayezid II. (osmanischer Sultan, 1447–1512)
iar vnßers hayls.
im Original fehlende Jahreszahl, kontextuell ergänzt: 1481
regiret noch
regiert noch (Hinweis auf den Zeitpunkt der Abfassung der Chronik, ca. 1493)
Zaliabus
Cem Sultan (Bruder von Bayezid II., 1459–1495)
Bursiam
Bursa (Stadt in der Türkei)
flaischgirigkeit vnd trunckenheit
Fleischeslust und Trunkenheit
iar Cristi
im Original fehlende Jahreszahl, kontextuell ergänzt: 1492
koenigreich zu Hungern
Königreich Ungarn
nyderlage
Niederlage
Rom
Rom (Stadt in Italien)
huot vnd verwarung
Obhut und Verwahrung
vnglawbigen
Ungläubigen (hier: Muslime)
pestilentz
Pestilenz, Seuche
Welschem vnd Teuetschem land
welschem (romanischen) und deutschem Land
in dem. vnnd in dem. iar.
im Original fehlende Jahreszahlen, kontextuell ergänzt: 1492 und 1493
Nuermberg
Nürnberg (Stadt in Deutschland)
viertawsent
viertausend
Venedig
Venedig (Stadt in Italien)
ratßherren
Ratsherren
hertzog
Herzog (hier: Doge von Venedig)
FRiderich der roemisch kaiser
Friedrich III. (römisch-deutscher Kaiser, 1415–1493)
iar
im Original fehlende Jahreszahl, kontextuell ergänzt: 1487
kaiserlichen tag
kaiserlicher Tag, Reichstag
Conradum celtis
Konrad Celtis (deutscher Humanist und Dichter, 1459–1508)
schriften eynen hoherfarnen man
in den Schriften hoch erfahrenen Mann, Gelehrten
Sigismunden dem ertzhertzoeg zu oesterreich
Sigismund, dem Erzherzog von Österreich (1427–1496)
Venedigern
Venezianern
vnßer allergnedigster herr der roemisch koenig Maximilianus
unser allergnädigster Herr, der römische König Maximilian I. (römisch-deutscher König, später Kaiser, 1459–1519)
iar
im Original fehlende Jahreszahl, kontextuell ergänzt: 1491
MEles
Muley (vermutlich Muley Hacén oder Boabdil, die letzten Nasriden-Herrscher von Granada)
morn geschlechts vnd machometisch glawbens
maurischen Geschlechts und mohammedanischen Glaubens (bezieht sich auf die Nasriden)
Granata
Granada (Stadt und Königreich in Spanien)
wunn vnd wayd
Wein und Weide
nottuorftig
notwendig
Alphonsum den koenig zu Portugalia vnd Hispania mit Elizabeth seiner gemahel
Alfons, den König von Portugal und Spanien, mit Isabella, seiner Gemahlin (historisch ungenau, da Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien Granada eroberten. 'Hispania' bezeichnet hier die Iberische Halbinsel.)
Portugalia
Portugal
Hispania
Spanien
Elizabeth
Isabella (Königin Isabella I. von Kastilien)
iar
im Original fehlende Jahreszahl, kontextuell ergänzt: 1492
mannen zu roß vnd mit. zu fuoß
im Original fehlende Zahlenangaben für die Anzahl der Männer zu Ross und zu Fuß
Blat CCLVII
Blatt 257 (römisch für 257)
iar
im Original fehlende Jahreszahl, kontextuell ergänzt: 1490
koenigclichen statt Constantinopel
königlichen Stadt Konstantinopel
vormals vngehoerts vngewitter
vormals unerhörtes Unwetter
fewr der oebern dreyer gestirne (das man den fallenden fewrstral nennt)
Feuer der oberen drei Gestirne (das man den fallenden Feuerstrahl nennt), vermutlich Meteoriten oder atmosphärische Phänomene
trueben luft
trüben Luft
tunst
Dunst
gewuolcke
Gewölke, Wolken
thonrslege
Donnerschläge
prinnend wetterplitzen
brennende Wetterblitze
vnglawbigen
Ungläubigen (hier: möglicherweise die osmanische Bevölkerung und ihre Deutung)
gistirne des planeten Saturn
Gestirn des Planeten Saturn (astrologischer Einfluss)
tuscia
Toskana (Region in Italien)
gistirne des planeten martis
Gestirn des Planeten Mars (astrologischer Einfluss)
cristen
Christen
goetlichen fuersichtigkeit vnd rachsale
göttlichen Fürsichtigkeit und Rachsucht
sewln des pilds des kaiser Constantini
Säulen des Bildes des Kaisers Konstantin (vermutlich die Konstantinssäule in Konstantinopel)
glawbwirdig Venedigisch vnd andere kawflewt
glaubwürdige venezianische und andere Kaufleute
achthundert hewßern
achthundert Häusern
dreytawsent menschen
dreitausend Menschen
zirckel
Umkreis
hernachgesetzt figur zeergennen gibt
nachfolgende Figur zu erkennen gibt (verweist auf eine Abbildung in der Chronik)
kaiser Friderichs des andern
Kaiser Friedrich II. (römisch-deutscher Kaiser, 1194–1250)
kaiser Friderichs des dritten
Kaiser Friedrich III. (römisch-deutscher Kaiser, 1415–1493)
iar cristi. am. tag des monats nouembris
im Original fehlende Tageszahl, kontextuell ergänzt: 7. Tag des Monats November 1492 (Bezug auf den Meteoritenfall von Ensisheim)
mytten tag
mittags
zentner
Zentner (historisches Gewichtsmaß, ca. 50 kg)
saltzscheyb
Salzscheibe (eine Scheibe aus Salz, als Größenvergleich)
kriechisch D.
griechisches D (Formbeschreibung)
dreyegket
dreieckig
Ensißheim
Ensisheim (Stadt im Elsass, Frankreich)
Suntgew
Sundgau (Region im Elsass)
anzaigung seltsamer geschihten
Anzeichen seltsamer Begebenheiten
Maximiliano dem roemischen koenig
Maximilian I. (römisch-deutscher König, später Kaiser, 1459–1519)
koenig zu Franckreich
König von Frankreich (Karl VIII., 1470–1498)
hertzogin zu brittannia
Herzogin von Bretagne (Anne de Bretagne, 1477–1514)
kriegischer auffruor
kriegerische Unruhen
wilheln beschoffen zu Aystet
Wilhelm, Bischof zu Eichstätt (Wilhelm von Reichenau, Bischof von Eichstätt, 1426–1496, Diplomat)
gueetlichem vertrag
gütlichem Vertrag