Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter frid zway iar bestanden was do was ein volck von des hungerischen koenigs heer vber bliben die hießen das schwartz heer die taylten sich auß verdrieß des langen frids in mancherlay gegent des Hungerischen vnd oesterreichischen lands. vnd zohen bey .iim. an die Merherischen vnd oesterreichischen oerter vnd nachtpawrschaft vnd befestigten sich mit einem taber. auß dem beschedigten sie die vmbgelegnen gegennt. aber auß befelhe kayser friderichs warden sie belegert. der taber erstuermet vil auß inen erschlagen vnd bey .viic. gefangen. vnd derselben iiic. durch die von Wienne erhenckt. vnd die andern von dem Eytzinger angenomen. eins tails geschunden eins tails geroestet vnd eins teyls in den oefen ersteckt. Wo nw die vnglueckselig coplerey des franckreichischen koenigs mit der hertzogin von Brittannia. dauor disem koenig Maximiliano verheyrat nicht dar zwischen komen wer so het diser Maximilianus seinem heilligen fuersatz vngezweifelt volg getan. der almechtig gueetig got geruoche gnedigclich aller verhinderung diss koenigclichen cristenlichen fuernemens ein end zeschaffen. das sein koenigclich maiestat die kirchen. den cristenlichen stand vnd glawben vor den vnglawbigen beschirmen muog. dann wir sehen das die wueettenden tuercken schier alles Asiam von den Pheniciern vnd Mediern bis gein Hellespontum. vnnd gantz Traciam vnd Kriechenland. Etholos Epyrotas Windische marck bis in die ynnern Dalmaciam. vnnd schier alle innseln von dem adriatischen meer bis zu dem ponticischen meer vewueestet. verheret vnd in ir grawsam dienstperkeit gebracht haben in willen vnd fuersatz fueroan die teuetschen vnd hungerischen land vnnd lewt als nehst an sie stossende anzegreiffen vnd auch vnder sich zebringen. aber wir woellen hoffen das auß goetlicher wynckung der syg vnnd vberwindung vnßerm koenig Maximiliano vnzweifellich kuenftig sey so die andern nationen disem koenig vnd allerbestem heerfuerer nachfolgen. vnd das reich. Welsch land. das edel Gallia. das starck Hyspania vnd das streydsamm vnd volckreich teuetsch land hilff vnd beystand thun werden. die dann an waffen. an geraysigen gezeueg an gelt vnd an kreften die vnglawbigen vbertreffen. Darzu wirdt auch in got zehoffnen sein der vnzweiffellich seinerselbs sachen beysteen vnnd den die goetlichen hilff anruoffenden kempffern hilff raichen wirdt die feind muegen ernidergelegt werden. vnd sind auch mermals durch die foerdern fuersten vberwunden worden. dann der vnglawbigen gewalt vnd macht ist mynder dann man sagt. vnnd ist nicht zweifels wenn diser koenig in die orientischen gegennt komt so werden sich der voelcker souil mer an ine ergeben als vil sein heer stercker sein wirdt. Vnd so nw der vnueberwintlichst koenig Maximilianus nach erledigung Tracie vnd kriechischen lands vnd nach ernyderlegung vnd vndertruckung der Tuercken. vnd nach wider erobrung des heilligen gelobten lands wider herhaym keren wirdt so werden ime die teuetschen vor ime verschieden fuersten vntoedliche dancksagung bey dem vntoedlichen got sprechen O wie wird ime Welsch vnd Teuetsch land einen wagen berayten. was danckperkeit wirdt die kirch erzaigen. was hohzeitlicher frolockung wirdt alle cristenliche geselschaft außueben. Die koenige des nydergangs vnd mitternacht werden den widerkerenden großen Roemischen koenig als einen halter gemayns cristenlichs stands gruessen. vnd ime alle cardinel vnd bischoff der kirchen vnd der roemisch rat zu Rom weyt herauß fuer die statt heilligthumb tragende entgegen geen. ime am weg purpur vndergestrewet. Die edeln frawen vnd iunckfrawen rosen vnd lylien an ine werffen vnd krentz von mancherlay pluomen auff sein gesalbts hawbt setzen. so wirdt er hoh auff eim wagen sitzende guldein pfenning vnder das volck werffen vnnd an allen enden vnd merckten newe spil sehen. vnd alles volck dem vberwinder das leben vnd glori zuschreyen vnd er alßdenn triumphrende nicht in das capitolium vnd des falschen Jupiters tempel. sunder in sannt Peters des fuersten der appostel kirchen eyngelaytet vnd von babst Alexandro dem hoehsten briester als eim waren stathalter Cristi gueetigclich empfangen vnd gebenedeyet. vnnd darnach in das inner tayl des pallaciums gefueert werden alda sie dann bede von der obsygung vnd von den Teuetschen vnd welschen hendeln vnd sachen lange red miteinander haben werden. Alßdenn wirdt das getichte Conradi celtis des gekroenten poeten als von den todten auffersteen vnd .M. Antonius sabellicus dauon hystorien schreiben. vnd den toedlichen koenig in die vntoedlichkeit angeben. Zu beschreibung mer gschihten oder kuenftiger ding sinn hernach ettliche pletter lere gelassen. der werlt Blat CCLIX NAch dem wir mit beschreibung der historien vnd gschihten die sich in den sechs altern der werlt bis in dz .liii. iar des kaiserthumbs Friderichs des dritten. vnd in das sybend des roemischen reichs seins durchleuechtigen suns koenigs Maximiliani begeben haben mit beystand der kraft goetlicher gnaden komen sind so wil sich nwmaln zu loeblichem volkomnem beschluss diss buochs gepueren ein wenig von dem sibenden vnd letsten alter vnd ende diser werlt zemelden. BEy dem anfang diss wercks haben wir gesagt. als vns dann dess auch die heillig schrift vnderrichtung gibt das die werlt ein end haben werd. Aber wiewol Plato der fuerst der naturlichen maister mit hoher weißheit vnd verstentnus der schriften vnd sunderlich der naturlichen kunst erleuechtet was so wz ime doch dise himlische verborgne bedeuetnus (die dann allain von den propheten vnd von got gelernet wirdt) vnbekant. darumb sprach er die werlt in kuenftige ewigkeit gepawt sein. aber es ist vil anders gestalt. dann wz eins festen vnd schweren leibs ist das muoß von not wegen also ein end nemen als es sich angefengt hat. Als aber arestotiles nicht erkennen kunde wie ein soelche groeße der ding vergeen moecht vnd doch der vorigen maynung Platonis nicht gantz gehellen wolt do sprach er die werlt alweg gewesen sein vnd alweg bleiben werden. wiewol erd. wasser. vnd fewr vergeet verzert vnd außgeloescht werden die doch tayl der werlt sind. das ding wirdt ganntz toedlich verstanden des tayle oder glidere toedlich sind. vnd was geporn ist das mag vergeen. vnd alles das vnder das gesyhte der awgen kombt das ist leiplich. vnnd (als Plato spricht) entloeslich. Darumb hat der maister Epicurus (als Demetritus setzt) die warheit in disem ding gesagt sprechende. das die werlt ettwen vrsprung gehabt hab vnd ettwen end nemen werdt. Wenn sich nw die endschaft diser werlt nehnen wirdt so muoß sich von not wegen der stand menschlicher ding verwandeln. vnd nach vberhandnemung der boßheit in abfal komen. also das yetzo dise vnßer zeit darinn doch die suend vnd boßheit bis in den hoehsten grad gestigen sind in achtung gegen den selben vnhaylpern zeiten fuer selig vnd schier guldein geschatzt werden moechten. dann also seltsamm wirdt sein die gerechtigkeit. also wirdt sich die vngueetigkeit. die geitzigkeit. begirlichkeit vnd flaischgirigkeit manigfeltigen vnd erprayten das die frummen gerechten menschen (ob villeicht einiche gefunden werden den boßhaftigen ein rawb sein vnd allenthalben von den vngerechten geengstigt werden. allain die boßhaftigen werden es guot haben. aber die frummen in schmah vnd duerftigkeit gequelet. alßdenn wird kein recht. kein gesetz. kein billichkeit stat haben. auch nymant ichtzit behalten noch eroberen dann mit gewalt freuel oder tuerftigkeyt kein glawb in den menschen. kein frid kein gueetigkeit. kein erbermde. kein scham kein zucht. kein warheit. kein trew. vnd auch also kein sicherheit. kein ordnung. kein regirung vnd kein ruoe noch rast vor den boßhaftigen menschen. die gantz werlt wird zu der auffruor. zu den kriegen vnd zu den waffen greiffen vnd sich aneinander erstuermen. vnd ein statt die andern bekriegen vnd außstretein. vnd das schwert durch die werlt dringen vnd alle ding verwueesten. vnd als einen schnyt erniderlegen. Aber zum letsten ein soelche iemerliche grawsamme vnd erschroeckenliche zeit werden das keinen menschen zeleben geluestet. Die stett werden von grund auf vmbgekert werden vnd vergeen. nicht allain vom fewr vnd schwert sunder auch von stettigen erdpidnen. wasserguossen. manigfeltigen seuechen. sterben vnd hunger. dann der luft wirdt yetzo mit vngestuemen guoßregen. denn mit vnnuetzer trueckne. yetzo mit kelte. den mit vberschwencklicher hitze vergiftet werden. vnd das ertreich vnnd die pawmen vnd die weinstoeck nicht frucht bringen vnd doch in iren plueeden grosse hoffnung geben. aber in den fruechten betriegen. Die prunnen mit den fluessen werden beseyhen vnd verdorren. vnd die wasser in pluot oder pitterkeit gekert. vnd darumb das vihe der erden vnd die foegel des lufts vnd die fische des meers verderben. vnd wundergestaltnus vnd zaichen an dem himel zu grosser forcht vnd erpidmung der menschen erscheinen. O ir hohen regirer. ir prelaten. ir kaiser. ir koenig. ir fuersten. ir herren. ir knecht. ir oebern. ir vnderthanen. ir alten. ir iungen. ir reichen. ir armen. ir menschen kinder alle thuot auff ewre awgen vnd oeffnet ewre oren vnnd bedenket die vergangnen vnd auch die kuenftigen zeit das euch der tod tragend schlaff nicht verzugk. noch der gehe stral des wanckln gluecks verletze so doch die menschlichen rete vnd anschleg nymant dawider fuortragen muogen. Ir werltkinder betrachtend wie so gar auf eim schluepferigen weg ist ewer fuoßpfat. massent euch der geitzigkeit. der vnlawterheit des grymmens. der ruomretigkeit vnd werltlicher eregirichkeit. vnd darumb o ir toedlichen menschen die ir den tag daran ir von hinnen schaiden mueeßt herzu nahnen seht ir sollent den hoehsten got eren vnd auß gantzer begirde lieb haben. der weißheit nachfolgen vnd tugent an euch nemen. die wirdigen erlich halten. die freuend in hohem vertrawen vnd glawben haben. den reten der kluogen vnd vernueftigen folgen. vnd guot sytten. barmhertzigkeit. gerechtigkeit an euch lassen erscheinen das ir vnschuldige fuer gericht komen vnd die belonung den gerechter vnd tugentsamen versprochen von got dem gerechten richter erlangen muogent.
Das sechste Zeitalter. Nachdem zwei Jahre Frieden bestanden hatte, war ein Volk vom Heer des ungarischen Königs übrig geblieben, das sich das Schwarze Heer nannte. Diese teilten sich aus Verdruss über den langen Frieden in mancherlei Gegenden des ungarischen und österreichischen Landes auf und zogen etwa 2000 Mann in die mährischen und österreichischen Orte und Nachbarschaften. Sie befestigten sich mit einem Lager, von dem aus sie die umliegenden Gegenden schädigten. Aber auf Befehl Kaiser Friedrichs wurden sie belagert, das Lager erstürmt, viele von ihnen erschlagen und etwa 700 gefangen. Davon wurden 300 von den Wienern erhängt, und die anderen vom Eytzinger angenommen, teils geschunden, teils geröstet und teils in den Öfen erstickt. Wäre nun die unglückselige Verbindung des französischen Königs mit der Herzogin von Bretagne, die zuvor diesem König Maximilian verheiratet war, nicht dazwischen gekommen, so hätte dieser Maximilianus seinem heiligen Vorsatz unzweifelhaft Folge geleistet. Der allmächtige, gütige Gott geruhe gnädiglich, aller Verhinderung dieses königlichen, christlichen Vorhabens ein Ende zu schaffen, damit seine königliche Majestät die Kirche, den christlichen Stand und Glauben vor den Ungläubigen beschützen möge. Denn wir sehen, dass die wütenden Türken fast ganz Asien, von den Phöniziern und Medern bis zum Hellespont, und ganz Thrakien und Griechenland, Aitolien, Epirus, die Windische Mark bis in das innere Dalmatien, und fast alle Inseln vom Adriatischen Meer bis zum Pontischen Meer verwüstet, verheert und in ihre grausame Dienstbarkeit gebracht haben, in der Absicht und dem Vorsatz, fortan die deutschen und ungarischen Länder und Leute, die ihnen am nächsten liegen, anzugreifen und auch unter sich zu bringen. Aber wir wollen hoffen, dass aus göttlicher Fügung der Sieg und die Überwindung unserem König Maximilian unzweifelhaft bevorsteht, wenn die anderen Nationen diesem König und allerbesten Heerführer folgen. Und das Reich, Welschland, das edle Gallien, das starke Hispanien und das streitbare und volkreiche deutsche Land Hilfe und Beistand leisten werden, die dann an Waffen, an reisigem Zeug, an Geld und an Kräften die Ungläubigen übertreffen. Dazu wird auch auf Gott zu hoffen sein, der unzweifelhaft seiner eigenen Sache beistehen und den die göttliche Hilfe anrufenden Kämpfern Hilfe reichen wird, damit die Feinde niedergeworfen werden können. Und sie sind auch mehrmals durch die früheren Fürsten überwunden worden, denn die Gewalt und Macht der Ungläubigen ist geringer, als man sagt. Und es ist kein Zweifel, wenn dieser König in die orientalischen Gegenden kommt, so werden sich der Völker so viel mehr ihm ergeben, als sein Heer stärker sein wird. Und wenn nun der unüberwindlichste König Maximilianus nach Befreiung Thrakiens und des griechischen Landes und nach Niederwerfung und Unterdrückung der Türken und nach Wiedereroberung des Heiligen Gelobten Landes wieder heimkehren wird, so werden ihm die Deutschen und die vor ihm verstorbenen Fürsten unsterblichen Dank beim unsterblichen Gott aussprechen. O wie wird ihm Welsch- und Teutschland einen Wagen bereiten! Welche Dankbarkeit wird die Kirche zeigen! Welche hochzeitliche Frohlockung wird die ganze christliche Gesellschaft ausüben! Die Könige des Abendlandes und des Nordens werden den wiederkehrenden großen Römischen König als einen Bewahrer des allgemeinen christlichen Standes grüßen. Und ihm werden alle Kardinäle und Bischöfe der Kirche und der römische Rat zu Rom weit vor die Stadt, Heiligtümer tragend, entgegengehen, ihm auf dem Weg Purpur untergestreut. Die edlen Frauen und Jungfrauen werden Rosen und Lilien auf ihn werfen und Kränze von mancherlei Blumen auf sein gesalbtes Haupt setzen. So wird er hoch auf einem Wagen sitzend goldene Pfennige unter das Volk werfen und an allen Orten und Märkten neue Spiele sehen. Und alles Volk wird dem Überwinder das Leben und die Glorie zuschreien, und er wird alsdann triumphierend nicht in das Kapitol und den Tempel des falschen Jupiters, sondern in die Kirche des heiligen Petrus, des Fürsten der Apostel, eingeleitet und von Papst Alexander, dem höchsten Priester, als einem wahren Stellvertreter Christi gütiglich empfangen und gesegnet. Und darnach wird er in den inneren Teil des Palastes geführt werden, wo sie dann beide von dem Sieg und von den deutschen und welschen Angelegenheiten und Sachen lange Reden miteinander haben werden. Als dann wird das Gedicht Konrad Celtis', des gekrönten Poeten, wie von den Toten auferstehen, und Marcus Antonius Sabellicus wird davon Historien schreiben und den sterblichen König in die Unsterblichkeit erheben. Zur Beschreibung weiterer Geschichten oder zukünftiger Dinge sind hiernach etliche Blätter leer gelassen. Der Welt, Blatt 259. Beim Anfang dieses Werkes haben wir gesagt, wie uns denn auch die Heilige Schrift Unterrichtung gibt, dass die Welt ein Ende haben wird. Aber obwohl Platon, der Fürst der natürlichen Meister, mit hoher Weisheit und Verständnis der Schriften und besonders der natürlichen Kunst erleuchtet war, so war ihm doch diese himmlische, verborgene Bedeutung (die dann allein von den Propheten und von Gott gelernt wird) unbekannt. Darum sprach er, die Welt sei in künftige Ewigkeit gebaut. Aber es ist viel anders beschaffen, denn was eines festen und schweren Leibes ist, das muss notwendigerweise so ein Ende nehmen, wie es sich angefangen hat. Als aber Aristoteles nicht erkennen konnte, wie eine solche Größe der Dinge vergehen mochte, und doch der vorherigen Meinung Platons nicht ganz zustimmen wollte, da sprach er, die Welt sei allweg gewesen und werde allweg bleiben, obwohl Erde, Wasser und Feuer vergehen, verzehrt und ausgelöscht werden, die doch Teile der Welt sind. Das Ding wird ganz tödlich verstanden, dessen Teile oder Glieder tödlich sind. Und was geboren ist, das mag vergehen. Und alles, das unter das Gesicht der Augen kommt, das ist leiblich und (wie Platon spricht) auflöslich. Darum hat der Meister Epikur (wie Demetrios sagt) die Wahrheit in diesem Ding gesagt, sprechend, dass die Welt einst Ursprung gehabt habe und einst ein Ende nehmen werde. Wenn sich nun die Endschaft dieser Welt nähern wird, so muss sich notwendigerweise der Stand menschlicher Dinge verwandeln und nach Überhandnahme der Bosheit in Abfall geraten, sodass jetzt diese unsere Zeit, darin doch die Sünde und Bosheit bis in den höchsten Grad gestiegen sind, in Achtung gegen dieselben unheilvollen Zeiten für selig und schier golden geschätzt werden könnten. Denn so seltsam wird die Gerechtigkeit sein, so wird sich die Ungütigkeit, die Geizigkeit, Begierlichkeit und Fleischesgierigkeit mannigfaltigen und ausbreiten, dass die frommen Gerechten