Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sibend alter center Blat CCLX der werlt GOt hatt dise werlt (als hieuor in anfang diss buochs gemeldt ist) vnd diss wunderperlich werck der natur aller ding in maßen in den haimlichkeiten der heilligen schrift begriffen wirdt in sechs tagen volbracht vnd dannoch den sybenden tag daran er von seinen wercken ruoet gehailligt. Nw ist sybne ein volkome zal dann es sind syben tag der wochen. vnnd syben stern die nicht vndergeen. vnnd syben gestirne die irrenden genant. dero vngleich lawff vnd bewegnus mancherlay vnderschiedlichkeit der zeit vnd der ding vrsachen. vnnd so nw die sechs alter beschriben worden sind so woellen wir nwmaln erstlich von dem anticrist. zumm andern von dem tod vnd endschaft der ding. vnd zumm letsten von dem iungsten gericht vnd von dem sibenden alter der rueoe der selen meldung thun. Von dem Anticrist DIeweil yetzo der beschluoss der zeit vorhanden ist so haben wir zwuo gargewise anzaigung aber doch noch nit des gegenwuertigen gerichts. nemlich den glawben des Jsrahelischen volcks. vnnd das reich vnd die verfolgung Anticristi. Dieselb verfolgung wirdt (als der glawb der kirchen helt) vierdhalb iar weeren. Auff dz aber dieselb nicht vnfuersehen komende die ihenen die sie vnberayd findet einwickle. so werden (als man sagt) Enoch vnd Helyas die großen propheten vnnd lerer vor vrsprung desselben in die werlt komen vnnd das Jsrahelisch volck zu der gnaden des glawbens bederen. vnd den tail der außerwelten zu der bedrangknus so großer vngestuemigkeit vnueberwintlich machen. vnd wenn sie nw vierdhalb iar gepredigt. vnd (als der prophet Malachias von Helia geweyssagt hat) die hertzen der veter in die suene (das ist) den glawben der alten bekert. vnnd die lieb meiner heilligen die alßdenn leben in dem gemueet gepflantzt haben. so wirdet dise wueettend vnnd grawsame verfolgung dieselben Enoch vnd Heliam zum ersten mit der kraft vnd tugent der marter bekroenen. vnd darnach die andern glawbigen zerstoerende eintweders gloriwirdig martrer Cristi. oder verdambt abtruennib machen. Anticristus wirdt auß Syria. oder als die andern haben auß Babilone von dem geschlecht Dan vom boesen gaist geporn ein verkerer vnd zerrueder des menschlichen geschlechts. der allerergst mensch vnd ein prophet der luogen vnd sichselbs einen got setzen vnd nennen vnd als einen sun gottes zeeren gepieten. vnd ime gewalt gegeben zaichen vnd wunderwerck zethun damit er die menschen auß schwartzkuensterey mit teuefellischer vermischung zu seyner anbettung verlayten wirdt. Er wirdt gepietten fewr vom himel herab zesteigen. vnnd die sunnen still zesteen. vnd die pild zereden. vnd dise ding werden auff seine wort geschehen. vnd durch solche wunder gestaltnus vil weysen von ime angeraytzt werden. Denn wirdt er sich den tempel gottes zezerrueden vndersteen. vnd das gerecht volck verfolgen. vnd ein solche bedrangknus vnd zerknueschung werden der gleichen von anbegynne der werlt nicht gewesen ist. Welche an ine glawben vnd zu ime kummen die werden als das vihe gezaichnet. welche sich aber seins gemercks widern die mueeßen in die berg fliehen. oder begriffen mit außertrachten peynen getoedt werden. Er wirdt die gerechten mit den bueechern der propheten vmbschrencken vnnd verwickeln vnd ime gewalt gegeben. xlij. monat den vmbkrays der erden zeuerwueesten. Diss wirdt die zeit der verachtung vnd hinlegung aller gerechtigkeit vnd verhassung der vnschuld. vnd des streyts der boesen wider die guoten. alß denn wirt kein gesetz. kein ordnung. kein zucht der ritterschaft gehalten. sunder alle ding zerstrewer vnnd wider die zymlichkeit vnd natur vermischt. keins alters. keiner iugent. keiner kintheit. keins geschlechts. keiner wirdigkeit. keiner erberkeit. keins ambts verschont. sunder also alles ertreich als mit einem gemaynen mord vnd schacherey verheret vnnd veroesygt. Wenn nw dise ding also sein werden so werden sich die gerechten vnnd nachfolger der warheit von den boesen absundern vnd in die aynoede vnd wueestnus fliehen. vnd wenn Anticristus gein Jherusalem koembt so wird er sich beschneiden vnd den iuden erzaigen als er cristus sey. die werden ime anhangende den tempel widerauffrichten. Er wird den betrognen vil gabe raichen vnd ettliche mit geitzigkeit vnder sich bringen. vnd legaten vnd botschafter in die werlt auß senden so werden Enoch vnd Helyas die bis an dieselben zeit in dem paradys gelebt haben zur selben zeit als hieuor steet die schuld des tods bezalen. zu letst wirdt nach dem gesyhte Danielis diser Anticristus auff die hoehe des oelbergs komen vnd alda vergeen. von dannen der haylmacher der werlt zu den himeln gestigen ist. Vnd wenn nw also diser sun der verdamnus von dem herren. oder als ettlich sagen von Michaele dem ertzengel geschlagen vnd zu ewiger rachsale verdambt wirdt. So ist nicht zeglawben das der tag des gerichts alßpald darnach kuenftig sey. dann sunst moechten die menschen die zeit desselben gerichts wissen so das nach vierdhalb iarn angefengter verfolgung des anticrists alßpald komen solt. aber nach wielanger zeit volbrachter verwueestung diser tag des gerichts kuenftig sey das ist nymant zewissen verlihen. Die stund derselben zukunft lieben billich alle heilligen vnd begern die pald zekomen. aber die handeln geferlich gnuog die sich vndersteen zemaynen oder zepredigen das dieselb stund nahend oder verne sey so doch der sun gottes Cristus vnßer hayland von dem iungsten tag oder stund gesprochen hat das die nymant. vnd auch die engel des himels nicht wissen dann allain der vater. So spricht der heillig Jheronimus. Selig wird der der nach erschlahung des anticrists vber tawsent zwayhundert vnd newntzig das ist vierdhalb iar. xlv. tag harren wirdt darinn der herr vnd haylmacher in seiner maiestat kuenftig ist.
Das siebte Zeitalter, mittleres Blatt 260 der Welt. Gott hat diese Welt (wie zuvor am Anfang dieses Buches erwähnt ist) und dieses wunderbare Werk der Natur aller Dinge, wie es in den Geheimnissen der Heiligen Schrift begriffen wird, in sechs Tagen vollbracht und doch den siebten Tag, an dem er von seinen Werken ruhte, geheiligt. Nun ist Sieben eine vollkommene Zahl, denn es sind sieben Tage der Woche, und sieben Sterne, die nicht untergehen, und sieben Gestirne, die „die Irrenden“ genannt werden, deren ungleicher Lauf und Bewegung mancherlei Unterschiede der Zeit und der Dinge verursachen. Und da nun die sechs Zeitalter beschrieben worden sind, so wollen wir nunmehr erstlich vom Antichrist, zum anderen vom Tod und der Endschaft der Dinge, und zum letzten vom Jüngsten Gericht und vom siebten Zeitalter der Ruhe der Seelen Meldung tun. Vom Antichrist. Dieweil jetzt der Beschluss der Zeit vorhanden ist, so haben wir zwei ganz gewiss Anzeichen, aber doch noch nicht des gegenwärtigen Gerichts, nämlich den Glauben des israelitischen Volkes und das Reich und die Verfolgung Anticristi. Dieselbe Verfolgung wird (wie der Glaube der Kirche hält) dreieinhalb Jahre währen. Damit aber dieselbe nicht unversehens kommend jene, die sie unbereitet findet, verstricke, so werden (wie man sagt) Enoch und Helyas, die großen Propheten und Lehrer, vor ihrem Ursprung in die Welt kommen und das israelitische Volk zur Gnade des Glaubens bekehren und den Teil der Auserwählten zur Bedrängnis so großer Ungestümigkeit unüberwindlich machen. Und wenn sie nun dreieinhalb Jahre gepredigt und (wie der Prophet Malachias von Helia geweissagt hat) die Herzen der Väter zur Sühne (das ist) den Glauben der Alten bekehrt und die Liebe meiner Heiligen, die alsdann leben, in das Gemüt gepflanzt haben, so wird diese wütende und grausame Verfolgung dieselben Enoch und Heliam zum ersten mit der Kraft und Tugend der Marter bekrönen und darnach die anderen Gläubigen zerstörend entweder glorwürdige Märtyrer Christi oder verdammte Abtrünnige machen. Anticristus wird aus Syrien, oder wie andere es haben, aus Babylon, vom Geschlecht Dan, vom bösen Geist geboren, ein Verkehrer und Zerstörer des menschlichen Geschlechts, der allerärgste Mensch und ein Prophet der Lügen, und wird sich selbst einen Gott setzen und nennen und gebieten, ihn als einen Sohn Gottes zu verehren. Und ihm wird Gewalt gegeben, Zeichen und Wunderwerke zu tun, damit er die Menschen aus Schwarzkünsterei mit teuflischer Vermischung zu seiner Anbetung verleiten wird. Er wird gebieten, Feuer vom Himmel herabzusteigen und die Sonne stillzustehen und die Bilder zu reden, und diese Dinge werden auf seine Worte geschehen. Und durch solche Wundergestaltnis werden viele Weise von ihm angereizt werden. Dann wird er sich unterstehen, den Tempel Gottes zu zerstören und das gerechte Volk verfolgen, und es wird eine solche Bedrängnis und Zerknüschung geben, dergleichen von Anbeginn der Welt nicht gewesen ist. Welche an ihn glauben und zu ihm kommen, die werden als das Vieh gezeichnet. Welche sich aber seinem Zeichen widerstehen, die müssen in die Berge fliehen oder, wenn sie ergriffen werden, mit außerordentlichen Peinen getötet werden. Er wird die Gerechten mit den Büchern der Propheten umschrenken und verwickeln, und ihm wird Gewalt gegeben, xlij. Monate den Erdkreis zu verwüsten. Dies wird die Zeit der Verachtung und Hinlegung aller Gerechtigkeit und Verhassung der Unschuld und des Streits der Bösen wider die Guten sein. Alsdann wird kein Gesetz, keine Ordnung, keine Zucht der Ritterschaft gehalten, sondern alle Dinge zerstreut und wider die Schicklichkeit und Natur vermischt. Keines Alters, keiner Jugend, keiner Kindheit, keines Geschlechts, keiner Würdigkeit, keiner Ehrbarkeit, keines Amtes wird verschont, sondern also alles Erdreich als mit einem gemeinen Mord und Schächerei verheert und verwüstet. Wenn nun diese Dinge also sein werden, so werden sich die Gerechten und Nachfolger der Wahrheit von den Bösen absondern und in die Einöde und Wüstnis fliehen. Und wenn Anticristus gen Jerusalem kommt, so wird er sich beschneiden und den Juden erzeigen, als sei er Christus. Die werden ihm anhangend den Tempel wiederaufrichten. Er wird den Betrogenen viele Gaben reichen und etliche mit Geizigkeit unter sich bringen. Und Legaten und Botschafter in die Welt aussenden, so werden Enoch und Helyas, die bis an dieselbe Zeit im Paradies gelebt haben, zur selben Zeit, wie hievor steht, die Schuld des Todes bezahlen. Zuletzt wird nach dem Gesicht Danielis dieser Anticristus auf die Höhe des Ölbergs kommen und allda vergehen, von dannen der Heilmacher der Welt zu den Himmeln gestiegen ist. Und wenn nun also dieser Sohn der Verdammnis von dem Herrn, oder wie etliche sagen, von Michaele dem Erzengel geschlagen und zu ewiger Rachsal verdammt wird: So ist nicht zu glauben, dass der Tag des Gerichts alsbald darnach künftig sei, denn sonst könnten die Menschen die Zeit desselben Gerichts wissen, wenn es nach dreieinhalb Jahren angefangener Verfolgung des Antichrists alsbald kommen sollte. Aber nach wie langer Zeit vollbrachter Verwüstung dieser Tag des Gerichts künftig sei, das ist niemandem zu wissen verliehen. Die Stunde derselben Zukunft lieben billig alle Heiligen und begehren, dass sie bald komme. Aber die handeln gefährlich genug, die sich unterstehen zu meinen oder zu predigen, dass dieselbe Stunde nahend oder ferne sei, so doch der Sohn Gottes, Christus unser Heiland, von dem Jüngsten Tag oder der Stunde gesprochen hat, dass die niemand, und auch die Engel des Himmels nicht wissen, denn allein der Vater. So spricht der heilige Jheronimus: „Selig wird der, der nach Erschlagung des Antichrists über tausendzweihundertneunzig, das ist dreieinhalb Jahre und fünfundvierzig Tage, harren wird, darin der Herr und Heilmacher in seiner Majestät künftig ist.“