Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das letst alter Won dem iungsten gericht vnnd ende der werlt AUß schickung des hoehsten gottes ist es also geordnet das dise vngerecht werlt nach verscheynung der zeit ein ende nemen vnd nach außtilgung aller boßheit vnd nach berueffung der guetigen gemueete zum seligen leben ein geruoigs stills fridsamms vnd guldeins reich vnder got dem herren anfahen vnd plueen soll. darumb nach erfuellung der zeit die got dem tod gesetzt hat wirdt der tod geendet. vnd wann nw der zeitlich tod dem zeitlichen leben nachfolgt so ist beschließlich das die selen zu eim ewigen leben auffersteen. dann der zeitlich tod nymbt ein end. Hinwiderumb gleicherweiß als das leben der sel ewig ist in dem sie die goetlichen vnnd vnaußsprechlichen frucht irer vntoedlichkeit nymbt. also ist auch not das ir tod ewig sey in dem sie ewige peyn vnd vnentliche marter vnd quelung vnd die suend leyde. Wenn nw sich das ende diser werlt herzu nahnen wirdt so werden sich vil wundergestalte ding an allen elementen der werlt erewgen zu anzaigung vnd verstentnus des alßdenn gegen wurtigen ends aller volcker. Sant Jheronimus erzelt. xv. zaichen die vor dem tag des iungsten gerichts an. xv. tagen kuenftig seyen. Anm ersten tag wirdt sich das meer. xl. elnbogen vber die hoehe der berg auffrichten vnd an seiner statt als ein mawr steen. Vnd am andern tag also fast absteygen das es kawm gesehen werden mag. Anm dritten tag werden die vngehewren meerthier ob dem meer erscheinen vnd ire geschray vnd hewln bis gein hymel geben. Anm vierdten tag meer vnd wasser prynnen. Anm fuenften die krewter vnd pawmen pluotige tawe raychen. Anm sechsten die gepew nyderfallen. Am sibenden die felßen sich aneinander zerknueschen. Am achten gemainer erdpidem komen. Am newndten das erdreich geebnet. Am zehenden die menschen auß den hoelen geen vnd geparen als absynnig vnd vnredende. Am aylften die gepayne der todten auffersteen vnd auff den grebern steen. Am zwelften die stern nyderfallen. Am. xiij. die lebendigen sterben das sie mit den todten auffersteen. Am. xiiij. himel vnd erde prynnen. Am. xv. himel vnnd erde sich vernewen vnd alle menschen widerauffersteen. alßdenn wird der sun des hoehsten gottes komen vnd die lebendigen vnd todten richten. Der herr wirdt erscheinen in dem luft ob der statt von dannen er auffgestigen ist. vnd bey ime die zaichen seiner marter vnd tods als panyer des obsygs. das creuetz. die nagel dos sper. so werden auch die narben seiner fuenff wunden gesehen. vnnd in dem tal Josaphat wirdt aller mensch geurtailt werden. Aber wenn das gericht der werlt vnd der toedtlichen komen. vnd got die gueetigen vnnd die vngueetigen richten wirdet so wirdt er zu letst die vngueetigen in das fewr vnnd in die finsternus senden vnd den gueetigen ere vnd leben geben. das dann nicht allain die propheten kuenftig sein auß dem gaist gottes. sunder auch ettlich naturlich maister. als Hidaspes auß einsprechen der teuefel gesagt haben. aber nymant sol fragen in welcher weys solchs geschehen mueg dann man kan nicht vrsach goetlicher werck erzelen. sunder die weil vonm anfang got der herr den menschen in vnaußsprechenlicherweiß geschoepfft hat. so sollen wir glawben das der der den menschen new beschaffen hat den alten menschen herwider bringen mueg. Aber die vnglawbigen schreyen vnd sprechen. wie mag das verfawlt flaisch so es entloeset oder in pulfer vnd aschen gekert oder in die tiffe des meers versenckt vnd in den wasserwellen zerstrewt wirdt. hinwiderumb versammlet vnnd in einen leib wider gegentzet werden vnnd auß der vorigen sele des menschen wuercken. das woellen wir auß den reden Pauli verantwurten. Derselb spricht. Du vnweyser was du saest das wird nit lebendig es sterbe dann vor. vnd was du seest das ist kuenftig. du seest aber ein ploss korn des waytzs oder eins andern samens. aber got gibt ime einen leib als er wil. was du nw in den same die du in das ertreich geseet wirdt nicht kuenftig sein. wie bist du so ein schwacher achter des goetlcihen gewalts vnnd mechtigkeit das du nicht glawbst das er das zerstrewt pulfer eins yeden flaischs in seinem stand zusammen bringen vnd herwieder machen muog. Aber so nw die toedlich menschlich synnschicklichkeit den adern des metalls in die tieffe des ertreichs versenckt nach grebt. vnd in der gestalt des ertreichs den vnderschaid aller metall erkennet. vnd yedes metall von dem andern abzesundern waißt. wer wil denn nicht glawben das die goetlich kraft eins yeden flaischs aigen zerstrewten leib wider finden vnd vnderschayden muog. Solchs ist auch auß naturlichen vrsachen zebegreiffen. dann so ymant mancherlay samen in seiner hand vermischt vnd vngesuendert oder bey aintzling in das ertreich seet wahin denn das samkorn geworffen wirdt so bringt es zu gepuerlicher zeit nach gestaltnus seiner natur ein frucht zu widerbringung des stands vnd wesens seiner gestalt vnd seins leibs. also wirdt auch der leib vnd substantz eins yeden flaischs in dem nach dem willen gottes als des ersten seers. die vernunft vntödlich ist herwider in die gestaltnus die der todt ettwen entlöset hat versammelt vnd verainigt. vnd alßdenn ein yedes flaisch mit seiner sele eintweders vmb verdienstnus bekroenet. oder vmb verschuldung gepeynigt. aber sie werden nicht widergeporn sunder aufersteen. vnd darumb mit leiben beklaidt vnd des vorigen lebens vnd aller geschihten gedechtig sein. vnd in den himlichen gueetern mit vnaußsprechlicher frolockung den gegenwertigen got vmb abtilgung alles vbels vnd einlaytung in dz ewig leben dancksagen. Dise ding sind (als die propheten sagen) alle kuenftig dero gezeuegknus hie zesetzen nicht not ist die dann die maß eins buochs nicht begreiffen moecht. welcher Blat CCLXII der werlt
Das letzte Zeitalter. Vom Jüngsten Gericht und dem Ende der Welt. Aus der Anordnung des höchsten Gottes ist es so bestimmt, dass diese ungerechte Welt nach dem Ablauf der Zeit ein Ende nehmen und nach der Auslöschung aller Bosheit und nach der Berufung der guten Gemüter zum seligen Leben ein ruhiges, stilles, friedliches und goldenes Reich unter Gott dem Herrn anfangen und blühen soll. Darum, nach Erfüllung der Zeit, die Gott dem Tod gesetzt hat, wird der Tod beendet. Und wenn nun der zeitliche Tod dem zeitlichen Leben nachfolgt, so ist es schlüssig, dass die Seelen zu einem ewigen Leben auferstehen. Denn der zeitliche Tod nimmt ein Ende. Wiederum, gleichermaßen wie das Leben der Seele ewig ist, indem sie die göttlichen und unaussprechlichen Früchte ihrer Unsterblichkeit empfängt, so ist es auch notwendig, dass ihr Tod ewig sei, indem sie ewige Pein und unendliche Marter und Quälung und die Sünde leidet. Wenn nun das Ende dieser Welt sich nahen wird, so werden sich viele wundergestaltete Dinge an allen Elementen der Welt ereignen, zur Anzeige und zum Verständnis des alsdann gegenwärtigen Endes aller Völker. Der heilige Hieronymus erzählt fünfzehn Zeichen, die vor dem Tag des Jüngsten Gerichts an fünfzehn Tagen kommen werden. Am ersten Tag wird sich das Meer vierzig Ellen über die Höhe der Berge aufrichten und an seiner Stelle wie eine Mauer stehen. Und am anderen Tag so schnell absteigen, dass es kaum gesehen werden kann. Am dritten Tag werden die ungeheuren Meerestiere über dem Meer erscheinen und ihre Schreie und ihr Heulen bis zum Himmel geben. Am vierten Tag Meer und Wasser brennen. Am fünften die Kräuter und Bäume blutigen Tau reichen. Am sechsten die Gebäude niederfallen. Am siebten die Felsen sich aneinander zerknirschen. Am achten ein allgemeines Erdbeben kommen. Am neunten das Erdreich geebnet. Am zehnten die Menschen aus den Höhlen gehen und sich gebärden als absinnig und unredend. Am elften die Gebeine der Toten auferstehen und auf den Gräbern stehen. Am zwölften die Sterne niederfallen. Am dreizehnten die Lebendigen sterben, damit sie mit den Toten auferstehen. Am vierzehnten Himmel und Erde brennen. Am fünfzehnten Himmel und Erde sich erneuern und alle Menschen wiederauferstehen. Alsdann wird der Sohn des höchsten Gottes kommen und die Lebendigen und Toten richten. Der Herr wird erscheinen in der Luft über der Stadt, von dannen er aufgestiegen ist, und bei ihm die Zeichen seiner Marter und seines Todes als Banner des Sieges: das Kreuz, die Nägel, das Speer. So werden auch die Narben seiner fünf Wunden gesehen. Und im Tal Josaphat wird aller Mensch geurteilt werden. Aber wenn das Gericht der Welt und der Sterblichen kommt, und Gott die Guten und die Unguten richten wird, so wird er zuletzt die Unguten in das Feuer und in die Finsternis senden und den Guten Ehre und Leben geben. Das haben dann nicht allein die Propheten aus dem Geist Gottes zukünftig gesagt, sondern auch etliche natürliche Meister, als Hidaspes aus Einsprechen der Teufel gesagt haben. Aber niemand soll fragen, in welcher Weise solches geschehen möge, denn man kann nicht die Ursache göttlicher Werke erzählen. Sondern da von Anfang Gott der Herr den Menschen in unaussprechlicher Weise geschaffen hat, so sollen wir glauben, dass der, der den Menschen neu geschaffen hat, den alten Menschen wiederherbringen möge. Aber die Ungläubigen schreien und sprechen: Wie mag das verfaulte Fleisch, so es entlöst oder in Pulver und Asche gekehrt oder in die Tiefe des Meeres versenkt und in den Wasserwellen zerstreut wird, wiederum versammelt und in einen Leib wieder eingesetzt werden und aus der vorigen Seele des Menschen wirken? Das wollen wir aus den Reden Pauli verantworten. Derselbe spricht: Du Unweiser, was du säst, das wird nicht lebendig, es sterbe denn zuvor. Und was du säst, das ist zukünftig. Du säst aber ein bloßes Korn des Weizens oder eines anderen Samens. Aber Gott gibt ihm einen Leib, als er will. Was du nun in den Samen, die du in das Erdreich gesät wird, nicht zukünftig sein wird. Wie bist du so ein schwacher Achter des göttlichen Gewalts und der Mächtigkeit, dass du nicht glaubst, dass er das zerstreute Pulver eines jeden Fleisches in seinem Stand zusammenbringen und wiederherstellen mag? Aber so nun die tödliche menschliche Sinnesgeschicklichkeit die Adern des Metalls in die Tiefe des Erdreichs versenkt nachgräbt und in der Gestalt des Erdreichs den Unterschied aller Metalle erkennt und jedes Metall von dem anderen abzusondern weiß, wer will denn nicht glauben, dass die göttliche Kraft eines jeden Fleisches eigenen zerstreuten Leib wiederfinden und unterscheiden mag? Solches ist auch aus natürlichen Ursachen zu begreifen. Denn so jemand mancherlei Samen in seiner Hand vermischt und ungesondert oder einzeln in das Erdreich sät, wohin denn das Samenkorn geworfen wird, so bringt es zu gebührender Zeit nach der Gestalt seiner Natur eine Frucht zur Wiederbringung des Stands und Wesens seiner Gestalt und seines Leibes. Also wird auch der Leib und die Substanz eines jeden Fleisches, in dem nach dem Willen Gottes als des ersten Säers die Vernunft unsterblich ist, wieder in die Gestalt, die der Tod einst entlöst hat, versammelt und vereinigt. Und alsdann ein jedes Fleisch mit seiner Seele entweder um Verdienst gekrönt oder um Verschuldung gepeinigt. Aber sie werden nicht wiedergeboren, sondern auferstehen. Und darum mit Leibern bekleidet und des vorigen Lebens und aller Geschichten gedenkt sein. Und in den himmlischen Gütern mit unaussprechlicher Frohlockung den gegenwärtigen Gott um Auslöschung alles Übels und Einleitung in das ewige Leben danksagen. Diese Dinge sind (wie die Propheten sagen) alle zukünftig, deren Zeugnis hier zu setzen nicht nötig ist, da es die Maße eines Buches nicht begreifen möchte. Blatt CCLXII der Weltmitte.