Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das letst alter aber dise ding fleissiger wissen wolt der mag die auß dem prunnen schoepffen vnnd mer dann wir in disem buoch begreiffen muegen wunderperlicher ding suchen. vnd wenn nw solche zerstrewung auff dem ertreich beschiht. vnd der almechtig komen wirdt in dem stuol vnd thron seiner maiestat alle selen vnd die gantzen werlt zerichten so wirdt in derselben zeit ein offenbare gemayne vrstend aller menschen. alßdenn wirdt der leichnam der do auff ersteet von den todten vnzerstoerlich vnd vntoedlich. nicht allain der gerechten sunder auch der suender. doch der gerechten das sie alweg bey Cristo bleyben muegen. aber der suender das sie on ir vergencknus verschuoldte straff vnd peyn leyden. zu letst wirdt der gerecht richter die gerechten mit ewigkeit der glori begaben. vnnd den vngueetigen lange schmah vnd peyn auflegen. derselben leichname werden in ewigkeit bleiben zu geduldung ewiger creuetzigung. marter vnd peyn des fewrs. das vil anders genaturt ist dann das vnßer. das doch wo es mit einicher materi nicht enthalten wuerdt erlischet. aber ihens ewig fewr lebt vnd schwebt durch sich selbs alweg on einiche materliche ernerung vnd gibt ime selbs ewige fuorung vnd enthaltung vnd bringt peylichkeit des schmertzens. Was vnaußsprechenlicher freued vnd frolockung werden aber die gerechten vnd gueetigen haben so sie nach empfliehung des ewigen iamers. ellends vnd quals zu disem gerechsten richter vnd allergueetigsten vater tretten vnd ruoe fuer arbait. das leben fuer den tod. die klarheit fuer die finsternus. die ewigen vnd himlischen gueetere fuer die irdischen vnd kuortzen empfahen werden. darumb sollen alle menschen fleiß an keren sich auff das schierst zu dem rechten weg zeschicken oder in angenomner vbung der tugent vnd in volbringung des arbaitsamen lebens gedultigclich zebeharren vnd also goetliches trosts vnd lons zeerwarten. dann vnßer vater vnd herr (der den himel gezymmert vnd befestigt. die sunnen mit anderm gestirne erleuechtet. das ertreich mit bergen vmbfangen. mit dem meer vmbgeben. vnd mit wasserflueßen vnderschaiden. vnd alle ding in diser werlt auß nichtem beschaffen hat) der hat auch in betrachtung der irrung der menschen vns einen fueerer layter vnd anweiser auff den weg der gerechtigkeit gesendet. dem woellen wir alle nachfolgen. den woellen wir hoeren. dem woellen wir fleißigclich vnd andechtigclich gehorsam sein vnd woellen mit dem alten feind des menschlichen hayls (denn wir kennen) manlichlich vnd kuenlich in den kampff tretten vnd nach vberwindung desselben vnßers widersachers triumphirende vnd obsigende der versprochen belonung der tugent von got vnzweifellich gewarten vnd durch die grossen pforten vber den gestirnten himel auff in den hoehsten himel eingeen. Alda dann die statt der selligen burgere vnd gottes vnßer muoter Jherusalem in den mytteln feldern des hymels erscheinen wirdt. Dise statt gottes hat ein liecht gleich eim costenlichen stayn. Ir mawr ist gross vnd hoh mit. xij. pforten. vnd geschriben namen der. xij. geschlecht der kinder israhel. vier seyten. als do sinnd die vier tayl der werlt. die mawr der statt die do vieregket ist hat. xij. grundfest vnd darinn die. xij. namen der. xij. appostel. vnd die grundfest der mawr der statt sinnd mit allen koestlichen stayn geziert. darumb wenn wir in diss war vaterland wider eingeen so werden wir mit vnaußsprechlicher freued iubel vnd frolockung durchgossen. in welchem vaterland wir entsprungen vnd darauß puertig sind. O wie werden wir frolocken so wir nach disem langem iamerigem vnd geferlichem ellend vnßer freuedenreichs vaterland ewiger seligkeit glori vnd ere anplicken vnd sehen werden. darumb sollen wir bitten das der herr vns vnd allen den die diss hoeren verleyhe mit bewartem von vns empfangnem glawben nach verscheynung der zeit der hinderlegten vnd berayten kron der gerechtigkeit zeerharren. vnd vnder den ihenen die in das ewig leben auff ersteen gefunden vnd von ewiger schand vnnd peyn geledigt zewerden durch Jhesum cristum vnßern herrñ. durch den sey got vater dem almechtigen mit dem heilligen gaist ewigs lob. ere. benedeyung. preys. klarheit. weißheit. gewalt. hayl. kraft. tugent vnd glori zu ewiger danckperkeit gesagt in die ewigkeit der ewigkeit Amen. ::Auß goetlichem beystand endet sich alhie das buoch von den geschihten der alter der werlt vnd von beschreibung der beruembtisten vnd namhaftigisten stett sagende durch Georgium alt deßmals losungschreiber der kaiserlichen reichßstatt Nuermberg auß latein in teuetsch gebracht vnd beschloßen nach der gepurt Cristi Jhesu vnßers haylands. M. cccc. xciij. iar am fuenften tag des monats Octobris. Altithrono sint perpetue landes. ag. alt. Blat CCLXIII WIewol allererst nach beschluss des buochs vns die nachfolgenden beschreybungen des Polnischen lannds Auch der stett Kraka Luebeck vnd Neyss zu komen sind yedoch haben wir dieselben als neben andern guoter gedechtnus wol wirdig im ende diss buochs nit vnbegriffen laßen woellen. Von der gegent Europe Sarmacia oder Polen genant center Vonm koenigreich Poln vnd seinem vrsprung center NAch dem von Boleslao (der der dritt Sarmatisch oder Polnisch koenig gewest ist) pald hernach meldung beschehen wirdt so hab ich mir fuergesetzt von dem land Sarmacia oder Poln. vnd in was gestalt es das koenigcklich scepter erlangt hab kuertzlich anzaigung zethun. Nw ist Sarmacia ein fast weyte vnd große aber doch vnerpawte vnd in aynoede gelegne gegent vnder eim gar herten luft. vnd hat vonm orient die Mosthos vnd den fluss Thanaym von mittemtag. Dacos vnd die Hungern vonm nydergang. Die Beheim Merhern Schlesier vnd Teuetschen von mitternacht. Das teuetsch meer mare germanicum genant. aber das das allain den namen des koenigreichs taylt das nennen sie Poln. vnd hat zwen namen. dann der tayl des lands da Crackaw gelegen ist wirdt das kleiner Poln. vnnd bey Boßna das großer genannt. Nw regirten von Craco dem ersten hertzogen bis zu den zeiten Boleslai des ersten allain hertzogen daselbst. Aber in zeiten kaisers Otten des ersten was Boleslaus der hohberuembst hertzog. doch nit der von dem wir in sant Stanislaus leben sagen werden. dann derselb was
Wer aber diese Dinge genauer wissen wollte, der mag sie aus der Quelle schöpfen und mehr wunderbarer Dinge suchen, als wir in diesem Buch begreifen können. Und wenn nun solche Zerstörung auf Erden geschieht und der Allmächtige kommen wird auf dem Stuhl und Thron seiner Majestät, um alle Seelen und die ganze Welt zu richten, so wird in derselben Zeit eine offenbare, allgemeine Auferstehung aller Menschen sein. Alsdann wird der Leichnam, der von den Toten aufersteht, unzerstörlich und unsterblich sein, nicht allein der Gerechten, sondern auch der Sünder. Doch der Gerechten, damit sie allezeit bei Christus bleiben mögen; aber der Sünder, damit sie ohne ihre Vergänglichkeit verschuldete Strafe und Pein leiden. Zuletzt wird der gerechte Richter die Gerechten mit Ewigkeit der Glorie begaben und den Ungütigen lange Schmach und Pein auferlegen. Deren Leichname werden in Ewigkeit bleiben zur Erduldung ewiger Kreuzigung, Marter und Pein des Feuers, das viel anders geartet ist als das unsere, das doch, wo es mit irgendeiner Materie nicht enthalten wird, erlischt. Aber jenes ewige Feuer lebt und schwebt durch sich selbst allezeit ohne irgendeine materielle Ernährung und gibt sich selbst ewige Führung und Erhaltung und bringt Peinlichkeit des Schmerzes. Was unaussprechlicher Freude und Frohlockung werden aber die Gerechten und Gütigen haben, wenn sie nach Entfliehung des ewigen Jammers, Elends und Quals zu diesem gerechtesten Richter und allgütigsten Vater treten und Ruhe für Arbeit, das Leben für den Tod, die Klarheit für die Finsternis, die ewigen und himmlischen Güter für die irdischen und kurzen empfangen werden. Darum sollen alle Menschen Fleiß anwenden, sich auf das schnellste zum rechten Weg zu schicken oder in angenommener Übung der Tugend und in Vollbringung des arbeitsamen Lebens geduldig zu beharren und also göttlichen Trostes und Lohnes zu erwarten. Denn unser Vater und Herr (der den Himmel gezimmert und befestigt, die Sonne mit anderem Gestirn erleuchtet, das Erdreich mit Bergen umfangen, mit dem Meer umgeben und mit Wasserflüssen unterschieden und alle Dinge in dieser Welt aus Nichts geschaffen hat), der hat auch in Betrachtung der Irrung der Menschen uns einen Führer, Leiter und Anweiser auf den Weg der Gerechtigkeit gesendet. Dem wollen wir alle nachfolgen, den wollen wir hören, dem wollen wir fleißiglich und andächtiglich gehorsam sein und wollen mit dem alten Feind des menschlichen Heils (denn wir kennen ihn) männlich und kühn in den Kampf treten und nach Überwindung desselben, unseres Widersachers, triumphierend und obsiegend der versprochenen Belohnung der Tugend von Gott unzweifelhaft gewarten und durch die großen Pforten über den gestirnten Himmel auf in den höchsten Himmel eingehen. Allda dann die Stadt der seligen Bürger und Gottes, unser Mutter Jerusalem, in den mittleren Feldern des Himmels erscheinen wird. Diese Stadt Gottes hat ein Licht gleich einem kostbaren Stein. Ihre Mauer ist groß und hoch mit zwölf Pforten und den geschriebenen Namen der zwölf Geschlechter der Kinder Israels, vier Seiten, als da sind die vier Teile der Welt. Die Mauer der Stadt, die viereckig ist, hat zwölf Grundfesten und darin die zwölf Namen der zwölf Apostel. Und die Grundfesten der Mauer der Stadt sind mit allen köstlichen Steinen geziert. Darum, wenn wir in dies wahre Vaterland wieder eingehen, so werden wir mit unaussprechlicher Freude, Jubel und Frohlockung durchgossen, in welchem Vaterland wir entsprungen und daraus gebürtig sind. O wie werden wir frohlocken, wenn wir nach diesem langen, jammerigen und gefährlichen Elend unser freudenreiches Vaterland ewiger Seligkeit, Glorie und Ehre anblicken und sehen werden. Darum sollen wir bitten, dass der Herr uns und allen, die dies hören, verleihe, mit bewahrtem, von uns empfangenem Glauben nach Erscheinung der Zeit der hinterlegten und bereiteten Krone der Gerechtigkeit zu harren und unter denjenigen, die in das ewige Leben auferstehen, gefunden und von ewiger Schmach und Pein erledigt zu werden durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch den sei Gott Vater, dem Allmächtigen, mit dem Heiligen Geist ewiges Lob, Ehre, Benedeiung, Preis, Klarheit, Weisheit, Gewalt, Heil, Kraft, Tugend und Glorie zu ewiger Dankbarkeit gesagt in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen. Aus göttlichem Beistand endet sich allhier das Buch von den Geschichten der Zeitalter der Welt und von der Beschreibung der berühmtesten und namhaftesten Städte, sagend durch Georg Alt, desmals Losungsschreiber der kaiserlichen Reichsstadt Nürnberg, aus Latein ins Deutsche gebracht und beschlossen nach der Geburt Christi Jesu, unseres Heilands, im Jahre 1493, am fünften Tag des Monats Oktober. Altithrono sint perpetue landes. ag. alt. Blatt 263. Wiewohl uns allererst nach Beschluss des Buches die nachfolgenden Beschreibungen des polnischen Landes, auch der Städte Krakau, Lübeck und Neisse zugekommen sind, jedoch haben wir dieselben als neben anderen guter Gedächtnis wohl würdig am Ende dieses Buches nicht unbegriffen lassen wollen. Von der Gegend Europas, Sarmatien oder Polen genannt. Vom Königreich Polen und seinem Ursprung. Nachdem von Boleslaus (der der dritte sarmatische oder polnische König gewesen ist) bald hiernach Meldung geschehen wird, so habe ich mir vorgenommen, von dem Land Sarmatien oder Polen und in welcher Gestalt es das königliche Zepter erlangt hat, kürzlich Anzeige zu tun. Nun ist Sarmatien eine sehr weite und große, aber doch unbebaute und in Einöde gelegene Gegend unter einem sehr harten Klima. Und hat vom Orient die Mosthos und den Fluss Tanais, von Mittag die Daker und die Ungarn, vom Niedergang die Böhmen, Mährer, Schlesier und Deutschen, von Mitternacht das deutsche Meer, mare germanicum genannt. Aber das, was allein den Namen des Königreichs teilt, das nennen sie Polen. Und es hat zwei Namen: denn der Teil des Landes, da Krakau gelegen ist, wird das Kleinpolen genannt, und bei Bosna das Großpolen. Nun regierten von Craco, dem ersten Herzog, bis zu den Zeiten Boleslaus' des Ersten allein Herzöge daselbst. Aber in Zeiten Kaiser Ottos des Ersten war Boleslaus der hochberühmteste Herzog, doch nicht der, von dem wir in Sankt Stanislaus' Leben sagen werden, denn derselbe war ----