Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
versehen. Vnd wiewol vnßere eltern die polnischen fuer grob rohe vnnd vngeschickt volck gehalten haben. yedoch leben die inwoner diser statt nicht nach polnischem sytten. dann daselbst sind gar erbere guotsyttig burgere. an tugenten kluogheit vnd hoflichkeit scheinper sich gein menigclichem daselbsthin komenden miltygclich. dienstperlich vnd freuendlich erzaigende. In speysung leben sie scheinperlicher dann ander poln. Auß allem lustperlichen geschlecht der speyss ist inen das getranck gewoenlicher. das wasser mit gersten vnd hopffen gesotten. Wenn dz selb getranck als die notturft ertragen mag genomen wirdt so mag der menschlichen natur vnd zu narung des leibs nichtz bequemlichers gefunden werde. Vnder dem schloß der statt ist ein andere loebliche versammlung der schuol darinn die lere der rechten reichßnet. An der seyten diser statt gein mitternacht ligt ein kleins stettlein mit keiner zynnen vmbfangen Clepardium genant. darinn ist nichtz beschreibens wirdigs dann ein treffenlicher heilliger stuol sant Florians des cristenlichen ritters. So der heillig Vladislaus vorgenant mit chorherrlicher vnd andrer wirdigkeit vnd begabung begnad vnd den lerern der kunst eingegeben hat. Daselbst vmb sind geh. spitzig vnd also hoh felsen das ymant beduenckt sie halten den himel auff. darnach mit sand vnnd zusammen getragner erden bedeckt einen großen mechtigen puehel machende. der ligt an der statt gein orient. vnd syht auß der andern seyten den schneeigen hohen berg Carpathum an. an demselben puehel fleueßt die weichsel hin. die entspringt vnden an demselben berg Carpatho auß einem klainen prunnen vnd wechst denn in die verre ye mer vnd mer also das sie mit den wassern die auß den hungerischen bergen darein fallen gesterckt. grosse palcken hawffen vnnd puerde holtzs vnd anders tregt. So sie sich aber fueroan mit regen vnd andern flueßen mer stercket so tregt sie denn große geladne schiffe mit ir hin bis in das teuetsch meer. daselbst verleueset sie iren namen sich schawmig an dreyen oertern mit weyttem schlund in dasselb meer senckende. Auff demselben puehel ist ein grosser tempel in sant Wentzlaws des hertzogen zu Beheim ere gepawt. alda dann aller durchleuechtiger mann gedechtnus vnd begrebnus vorhan- den sind mit grosser kostung vnd mancherlay kunst erpawt. vnd in marmor vnnd alabasterstain ergraben. die man dann mit grossem geprengk vnnd zierlichkeit pfligt zebegeen. Enmitten desselben tempels ist ein loeblichs grab In demselben rastet der hohberuembt ritter Cristi sant Florian. Auff demselben puehel oder berg sind auch zwue heillig kirchen sant Michels vnd sant Georgen. darnach schoene hoefe der edellewt vnd hewßer der briester. die der gotzhewßer tags vnd nachts wartten. Darnach ein koenigclicher grosser stuol mit grossen vnd mancherlay gepewen auffgerichtet. des gantzen koenigreichs ein capittelhaws alda der gantz schatzstock des koenigreichs zusammen getragen wirdt. Daselbst wirdt den fuersten der gewalt erklert. vnd die koenigclichen kron von grossen hueetern bewaret. Aber außerhalb des bueehels ist ein closter parfuoßer ordens der obseruantz. vnd nit verre dauon ein iunckfraw closter. Dargegen vber an der prugk ein namhaftigs spital vnd tempel der heilligen sant Hedwigis Am andern gestadt der Weichsel ligt die statt Casimirus genant. von dem koenig Casimiro gepawt. vmb die die weichsel als sie sich vnder dem koenigclichen schloss taylt fleueßt. In derselben statt ist sant Katherinen kirch der brueeder sant Augustins ordens. Auch ein kirch zu dem fronleichnam cristi genant. dabey sind geregelt chorherren vnd andere mer gotzhewßer. Auch sunst vil anzaygung alter treffenlicher geschihten vnnd gethaten durch die durchleuechtigen koenig vnd fuersten geuebt. die alle zeerzelen hie nit stat haben wil. krackaw
Und obwohl unsere Vorfahren die Polen für ein grobes, rohes und ungeschicktes Volk hielten, leben die Einwohner dieser Stadt doch nicht nach polnischen Sitten. Denn dort sind sehr ehrbare, gutgesittete Bürger, die sich in Tugenden, Klugheit und Höflichkeit jedem, der dorthin kommt, offen, gütig, dienstbereit und freundlich zeigen. In ihrer Ernährung leben sie vornehmer als andere Polen. Von allen angenehmen Speisen ist ihnen das Getränk gewöhnlicher: Wasser, mit Gerste und Hopfen gesotten. Wenn dieses Getränk, soweit es die Notwendigkeit erlaubt, genossen wird, so kann nichts Bequemlicheres für die menschliche Natur und zur Nahrung des Leibes gefunden werden. Unter dem Schloss der Stadt befindet sich eine weitere lobenswerte Versammlung der Schule, in der die Lehre der Rechte gedeiht. An der Nordseite dieser Stadt liegt ein kleines Städtchen, von keinen Zinnen umgeben, genannt Clepardium. Darin ist nichts Beschreibenswertes außer einem hervorragenden heiligen Stuhl des heiligen Florian, des christlichen Ritters. Diesen hat der vorgenannte heilige Vladislaus mit chorherrlicher und anderer Würdigkeit und Begabung begnadet und den Lehrern der Kunst übergeben. Dort ringsum sind steile, spitze und so hohe Felsen, dass man meinen könnte, sie hielten den Himmel auf. Danach, mit Sand und zusammengetragener Erde bedeckt, bilden sie einen großen, mächtigen Hügel, der an der Stadt gegen Osten liegt und von der anderen Seite den schneebedeckten hohen Berg Carpathum überblickt. An diesem Hügel fließt die Weichsel entlang, die unten an diesem Berg Carpathum aus einer kleinen Quelle entspringt und dann immer weiter wächst, sodass sie, gestärkt durch die Wasser, die aus den ungarischen Bergen hineinfallen, große Balken, Haufen und Lasten von Holz und anderes trägt. Wenn sie sich aber weiterhin mit Regen und anderen Flüssen mehr stärkt, so trägt sie dann große, beladene Schiffe mit sich bis in das Deutsche Meer. Dort verliert sie ihren Namen, indem sie sich schaumig an drei Stellen mit weitem Schlund in dasselbe Meer senkt. Auf diesem Hügel ist ein großer Tempel zu Ehren des heiligen Wenzels, des Herzogs von Böhmen, erbaut. Dort sind die Gedenkstätten und Gräber aller durchlauchtigsten Männer vorhanden, mit großem Aufwand und vielfältiger Kunst erbaut und in Marmor und Alabasterstein gehauen, die man dann mit großem Prunk und Zierlichkeit zu besuchen pflegt. Inmitten desselben Tempels ist ein lobenswertes Grab. In diesem ruht der hochberühmte Ritter Christi, der heilige Florian. Auf diesem Hügel oder Berg sind auch zwei heilige Kirchen, die des heiligen Michael und die des heiligen Georg. Danach schöne Höfe der Edelleute und Häuser der Priester, die die Gotteshäuser Tag und Nacht warten. Danach ein königlicher großer Stuhl, mit großen und vielfältigen Gebäuden errichtet, ein Kapitelhaus des gesamten Königreichs, wo der gesamte Schatz des Königreichs zusammengetragen wird. Dort wird den Fürsten die Gewalt erklärt und die königliche Krone von großen Hütern bewahrt. Aber außerhalb des Hügels ist ein Kloster des barfüßigen Ordens der Observanz, und nicht weit davon ein Jungfrauenkloster. Gegenüber, an der Brücke, ein namhaftes Spital und ein Tempel der heiligen Hedwig. Am anderen Ufer der Weichsel liegt die Stadt namens Casimirus, von König Casimir erbaut, um die die Weichsel fließt, indem sie sich unter dem königlichen Schloss teilt. In derselben Stadt ist die Kirche der heiligen Katharina des Ordens der Brüder des heiligen Augustinus. Auch eine Kirche, die Fronleichnam Christi genannt wird. Daneben sind regulierte Chorherren und weitere Gotteshäuser. Auch sonst viele Anzeichen alter, bemerkenswerter Geschichten und Taten, die von den durchlauchtigsten Königen und Fürsten vollbracht wurden, die alle hier aufzuzählen keinen Platz hätte. Krakau.