Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
DIe alten geschihtbschreiber haben gar wenig von Teuetschen landen. als ob dieselb nation außerhalb des vmbkrayss lege geschriben vnd als trawmsweise von teuetschen sachen meldung gethan. dann so wir von alten zeitten lesen so finden wir das die Teuetschen ettwen in Barbarischem grobem sytten gelebt. sich zerrißner schnoeder klaydunng gepraucht. vnnd des gefengs des willprets vnnd des feldgepews generet haben. frayssam vnd kriegs begierig menschen. aber golds mangelhaftig vnd keins weins gepreuechig. Teuetsch land zu latein germania genant wardt ettwen innerhalb dem meer vnd der Thonaw. vnd widerumb innerhalb dem Rhein vnd dem fluss Albis oder Elb begriffen. Wie verre aber die teuetschen nwmaln ire grenitz vbertretten haben das ist vnuerborgen. wann dess ist schier mer das sie in gallia. im oebern ryeß im Norgkew. im Lechfeld. vnnd in Polnischer art erobert denn dess das sie vormals inngehabt haben. Wenn wir der edeln hohberuembten vnd scheinpern stett. der reichen gotßhewßer. der großmechtigen gewaltigen fuersten vnd prelaten Teuetscher nation gedencken woellen so sehen wir kein land das in achtung aller ding teuetschs land vbertreffe. also wenn einer auß den teuetschen der zu den zeitten des kaisers Julij gelebt het erstuende vnd teuetsch land durchwanderet (als Arioiustus) so sprech er das es nit die erden wer die er ettwen gesehen het vnd kennet es nicht fuer sein vaterland. So er die besetzung vnd pflantzung der weingarten vnd fruchttragender pawmen. die beklaydung der menschen. die hoeflichkeit vnd huebschsytlichkeit der burger. die scheinperlichkeit der stett. vnd ein solche zierlichkeit der pollicey vnd gemaynes regiments bey den Teuetschen schawet. Aber dise verwandlung ist durch nichtz anders denn durch annemunng cristenlichs glawbens beschehen. dann der cristenlich glawb hat von den Teuetschen alle barbarische grobheyt vertriben vnd die Teuetschen also gehuebscht das yetzo die kriechischen grob vnd die Teuetschen billich lateinisch genent werden. So man nw newe ding betrachtet. oder alte ding herwider bedenckt so erscheint vnder allen nationen die zum krieg geschickt sind keine erfarner. keine hytziger denn die Teuetsch. dann in diser teuetschen nation wreden gefunden pferd. waffen vnd gelt. auch souil durchleuechtiger fuersten. souil hohgeporns adels. souil starcker rewtter vnd hoflewt. souil mechtiger stett. souil reichthuemer. souil golds. souil silbers. souil eysen ertze. so grosse menig volcks. so grosse manschaft. so große kuenmueetigkeit. so große kraft vnnd stercke. Vnnd wiewol ettwen die grenitz oerter vnnd ende teuetschs lannds. nemlich (als die alten setzen) vom orient der fluss weichsel. vom nyderganng oder occident der Rhein. von mittemtag die Thonaw. von mitternacht das Peruosisch meer gewest sinnd. yedoch sehen wir yetzo wie weyt sich die Teuetsche nation erpraytet hat. dann die teuetschen haben Engelland nach außtreibung der Brittannier erobert. vnd der nyderlender vnnd Schweytzer oder Elsasser gegennt nach außwerffung der Gallier oder Frantzosen erlangt. vnd das oeber rieß vnd Norgkew verfolgt vnd den fuoß bis in welsche land gestreckt. Die Teuetschen haben auch das volck Hulmigeros yetzo Preueßen genant auß der vnglawbigen gewalt gezogen. Allain die Beheim als die frembden sitzen in teuetschem ertreich. ein mechtigs hoh edels volck. aber sie sprechen das sie dem Teuetschen kaiserthumb gehorsam seyen. Ir koenig ist auß des reichs kurfuersten der fuernembst. Die teuetschen sind groß. starck. streytper vnd auch got angeneme lewt. die ire land vnd nation also erweytert. vnd ob allen voelckern dem roemischen gewalt vnd mechtigkeit widerstand gethan haben. dann wiewol der nydertretter aller erden vnnd der zemer des vmbkrays der werlt Julius der kayser nach verdruckung vnd bestreytung der Gallier vnd Franckreichischer gegent zu mermaln vber den Rhein gerayset vnd große ding in teuetschem land begangen hat. yedoch hat er das streitper fraydig vnnd festmueetig Schwebisch volck vngezemt vnnd vnuergeweltigt mueessen lassen. Augustus octauianus der ob allen roemischen kaisern der gluegklichst vnd werltseligst gehalten ward. dem auch die koenig Parthier vnd indier schanck vnd gabe sendeten ist nyndert ye in streyt ernider gelegen dann allain gegen den teuetschen. Es wer zelang hie zebeschreiben was vnfuog. beschwerde vnd verdriess die Teuetschen den roemern haben bewest. dann wiewol die teuetschen ye beweyln dem roemischen glueck gewichen haben so haben sie doch darnach die roemer. die Gallier. die Frontzosen. die Hispanier. die Hungern vnd andere mancherlay voeckere offtmal bestritten vnd syglich vberwunden. Die roemer haben auch nach erobrung irs gewalts grosse ding geuebt nit on hilff vnd beystand der teuetschen. die in kriegs sachen also fast tueglich. vnd in haymischen henndeln also glawbhaftig vnd getrew erschynen dz sie zu huetern vnd bewarern des kaiserlichen leibs vnd lebens vor menigclichen erkorn vnd außerlesen warden. Wir wißen auch dz hertzog Gotfrid zu lothringen allain mit dem Rheinischen teuetschen vnd ettlichen Galliern vnd wenig Walhen das Hungerisch land geschlagen Kriechisch land durchdrungen. Hellespontum durchzogen. Asiam durchrayset. Jherusalem auß der vnglawbigen gewalt erledigt vnnd alle voelcker vnderwegen ernidergelegt hat. wiewol die Tuercken vnnd Sarraceni sich in großer zal vnderstunden zewiderstreben. In seinem heer sollen zwaymal hunderttawsent streitper man gewesen sein aber teuetschs lannd allain vermag gar vil mer volcks zesammen zebringen. dann bey herrschung koenig Cunrats des schwaben als babst Eugenius die cristen wider die Sarracen zu hilff vnnd rettung des heilligen lands anraytzet vnnd nw die Preueßen mit andern hinhinter gelegnen voelckern die abgoetter ereten. vnnd die Sachßen oder andere ire nachpawrn als cristen vilfeltigclich vbezohen do ließ koenig Cunrat die Sachßen oder andere ire nachpawrn dahaymend sich der preueßen vnd andrer vnglawbigen auffzehalten vnd zohe er mit den Rheinlendischen Schwaben Francken vnd Bayern gein Jherusalem. Wielang aber vnd wie prayt. wie gotßdienstlich. wie warhaftig. wie gerecht. wie gelueebdhaltende. wie volckreich. wie habehaftig die Teuetsch nation sey. wie großer adel wie starck. vnnd der ritterschaft geuebt vnd erfaren. wie große zierd der kirchen. wie große ere vnd ruom der pfafheit. Wieuil großtetigkeit der fuersten. wie großer schein vnd glantz der stett. was amplicks des himels. was fruchtperkeit der erden. vnd was zierlichkeit der lender vnd gegent alda erscheynen das muogen wir vns ee verwundern denn das alles erzelen. Wann aber nw dises werck des buochs der historien genannt in der kaiserlichen reichßstatt Nuermberg außgeet. welche statt schier in dem mittel Teuetschs lannds gelegen ist so wollen wir in beschluoss diss buochs von Teuetschem land ein wenig meldung thun vnd damit die historien Enee siluii babsts Pii des andern von europa vnd den geschihten sich bey zeiten kaiser Friderichs des dritten darinn begeben. gemacht kuertzlich einziehen doch nicht allenthalben gantz gemess der maynung des lateins darauß es genomen ist sunder zu zeiten mit fuergeung ettlicher wort vnd maynung. auß vrsachen das an ettwieuil enden in der bemelten Eneischen histori meldung vnnd beschreibung beschiht von dingen dauon hieuor in disem buoch erklerung beschehen ist. Zu sambt dem auch das Teuetsch alles in dem spacio das zu dem Teuetschen nit weitter denn zu dem latein gelassen ist nicht hat muogen begriffen werden.
Die alten Geschichtsschreiber haben nur sehr wenig über deutsche Länder geschrieben, als ob diese Nation außerhalb des Erdkreises läge, und haben nur traumweise von deutschen Angelegenheiten Meldung getan. Denn wenn wir von alten Zeiten lesen, so finden wir, dass die Deutschen einst in barbarischen, groben Sitten lebten, sich zerrissener, schäbiger Kleidung bedienten und sich vom Fang, dem Wildbret und dem Feldbau ernährten. Sie waren furchtsame und kriegsbegierige Menschen, aber goldarm und ohne Weingenuss. Deutschland, zu Latein Germania genannt, war einst innerhalb des Meeres und der Donau und wiederum innerhalb des Rheins und des Flusses Albis oder Elb begriffen. Wie weit aber die Deutschen heutzutage ihre Grenzen überschritten haben, das ist unverborgen. Denn es ist schier mehr, was sie in Gallien, im oberen Rätien, im Noricum, im Lechfeld und auf polnische Art erobert haben, als das, was sie vormals innegehabt haben. Wenn wir der edlen, hochberühmten und prächtigen Städte, der reichen Gotteshäuser, der großmächtigen, gewaltigen Fürsten und Prälaten deutscher Nation gedenken wollen, so sehen wir kein Land, das in Achtung aller Dinge Deutschlands übertreffe. Also wenn einer aus den Deutschen, der zu den Zeiten des Kaisers Julius gelebt hätte, auferstünde und Deutschland durchwanderte (als Ariovist), so spräche er, dass es nicht die Erde wäre, die er einst gesehen hätte, und kennte es nicht für sein Vaterland. So er die Besetzung und Pflanzung der Weingärten und fruchttragender Bäume, die Bekleidung der Menschen, die Höflichkeit und Hübschheit der Bürger, die Scheinbarkeit der Städte und eine solche Zierlichkeit der Polizei und des gemeinen Regiments bei den Deutschen schaute. Aber diese Verwandlung ist durch nichts anderes als durch Annahme christlichen Glaubens geschehen. Denn der christliche Glaube hat von den Deutschen alle barbarische Grobheit vertrieben und die Deutschen also gehübscht, dass jetzt die Griechen grob und die Deutschen billig lateinisch genannt werden. So man nun neue Dinge betrachtet oder alte Dinge wieder bedenkt, so erscheint unter allen Nationen, die zum Krieg geschickt sind, keine erfahrener, keine hitziger als die deutsche. Denn in dieser deutschen Nation werden gefunden Pferde, Waffen und Geld, auch so viel durchlauchtiger Fürsten, so viel hochgeborenen Adels, so viel starker Ritter und Hofleute, so viel mächtiger Städte, so viel Reichtümer, so viel Gold, so viel Silber, so viel Eisenerze, so große Menge Volkes, so große Mannschaft, so große Kühnmutigkeit, so große Kraft und Stärke. Und wiewohl einst die Grenzorte und Enden Deutschlands, nämlich (als die Alten setzen) vom Orient der Fluss Weichsel, vom Niedergang oder Okzident der Rhein, von Mittag die Donau, von Mitternacht das Peruosische Meer gewesen sind, jedoch sehen wir jetzt, wie weit sich die deutsche Nation verbreitet hat. Denn die Deutschen haben England nach Austreibung der Britannier erobert und die Niederländer und Schweizer oder Elsässer Gegend nach Auswerfung der Gallier oder Franzosen erlangt und das obere Rätien und Noricum verfolgt und den Fuß bis in welsche Länder gestreckt. Die Deutschen haben auch das Volk Hulmigeros, jetzt Preußen genannt, aus der ungläubigen Gewalt gezogen. Allein die Böhmen als die Fremden sitzen in deutschem Erdreich, ein mächtiges, hochedles Volk, aber sie sprechen, dass sie dem deutschen Kaisertum gehorsam seien. Ihr König ist aus des Reichs Kurfürsten der vornehmste. Die Deutschen sind groß, stark, streitbar und auch Gott angenehme Leute, die ihr Land und ihre Nation also erweitert und ob allen Völkern dem römischen Gewalt und Mächtigkeit Widerstand getan haben. Denn wiewohl der Niedertreter aller Erden und der Zähmer des Umkreises der Welt, Julius der Kaiser, nach Unterdrückung und Bestreitung der Gallier und französischer Gegend zu mehrmalen über den Rhein gereist und große Dinge in deutschem Land begangen hat, jedoch hat er das streitbare, freudige und festmütige schwäbische Volk ungezähmt und unüberwältigt lassen müssen. Augustus Octavianus, der ob allen römischen Kaisern der glücklichste und weltseligste gehalten ward, dem auch die Könige Parther und Indier Schenk und Gabe sendeten, ist nirgend je im Streit niedergelagen, dann allein gegen den Deutschen. Es wäre zu lang hier zu beschreiben, was Unfug, Beschwerde und Verdruss die Deutschen den Römern bewiesen haben. Denn wiewohl die Deutschen je weiland dem römischen Glück gewichen haben, so haben sie doch darnach die Römer, die Gallier, die Franzosen, die Spanier, die Ungarn und andere mancherlei Völker oftmals bestritten und siegreich überwunden. Die Römer haben auch nach Eroberung ihres Gewalts große Dinge geübt, nicht ohne Hilfe und Beistand der Deutschen, die in Kriegssachen also fast tauglich und in heimischen Händeln also glaubhaftig und getreu erschienen, dass sie zu Hütern und Bewahrern des kaiserlichen Leibes und Lebens vor männiglich erkoren und auserlesen wurden. Wir wissen auch, dass Herzog Gottfried zu Lothringen allein mit den Rheinischen Deutschen und etlichen Galliern und wenig Walen das ungarische Land geschlagen, griechisches Land durchdrungen, Hellespontum durchzogen, Asien durchreist, Jerusalem aus der ungläubigen Gewalt erledigt und alle Völker unterwegs niedergelagen hat, wiewohl die Türken und Sarazenen sich in großer Zahl unterstanden zu widerstreben. In seinem Heer sollen zweimal hunderttausend streitbare Mann gewesen sein, aber Deutschlands Land allein vermag gar viel mehr Volkes zusammenzubringen. Denn bei Herrschaft König Konrads des Schwaben, als Papst Eugenius die Christen wider die Sarazenen zu Hilfe und Rettung des heiligen Lands anreizte und nun die Preußen mit anderen dahinter gelegenen Völkern die Abgötter ehrten und die Sachsen oder andere ihre Nachbarn als Christen vielfältiglich überzogen, da ließ König Konrad die Sachsen oder andere ihre Nachbarn daheim sich der Preußen und anderer Ungläubigen aufzuhalten und zog er mit den Rheinländern, Schwaben, Franken und Bayern gen Jerusalem. Wie lang aber und wie breit, wie gottesdienstlich, wie wahrhaftig, wie gerecht, wie gelübdehaltend, wie volkreich, wie habehaftig die deutsche Nation sei, wie großer Adel, wie stark und der Ritterschaft geübt und erfahren, wie große Zier der Kirchen, wie große Ehre und Ruhm der Priesterschaft. Wie viel Großtätigkeit der Fürsten, wie großer Schein und Glanz der Städte, was Anblick des Himmels, was Fruchtbarkeit der Erde und was Zierlichkeit der Länder und Gegenden allda erscheinen, das mögen wir uns eher verwundern, denn das alles erzählen. Wenn aber nun dieses Werk des Buches der Historien genannt in der kaiserlichen Reichsstadt Nürnberg ausgeht, welche Stadt schier in dem Mittel Deutschlands gelegen ist, so wollen wir im Beschluss dieses Buches von deutschem Land ein wenig Meldung tun und damit die Historien des Enea Silvio, Papst Pius des Zweiten, von Europa und den Geschichten, die sich bei Zeiten Kaiser Friedrichs des Dritten darin begeben, gemacht, kürzlich einziehen, doch nicht allenthalben.