Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
center erobert Bachonem den Pannonischen koenig vnd die Amantiner zwischen der Saw vnd Tran bestritten. Aber Traianus der kaiser hat daciam ihenßhalb der Thonaw. die so ein tayl des hungrischen lands ist gezemt vnd auff ein barbarischen erdpodem ein prouintzen gemacht. aber dise prouintz wardt nach verlust vnder Galieno durch aurelianum herwider gebracht. Nach den roemern haben yezuzeiten die Huni das Scitisch volck. zu zeiten die gothi auß den innseln des Baltheyschen oder Prewssischen meers. darnach die Sachßen auß Teuetschem land ziehende Pannoniam bekriegt vnd beseßen. Zu letst hat die hungrisch nation auß den letsten oertern der Scithier vberhand genomen bis in disen tag ein koenigreich habende vnd ihenßhalb vnd dißhalb der Thonaw weyt herrschende. Nicht verr vom vrsprung des fluss Thanay ist ein anders Hungerland diser hungrischen prouintzen muoter an gezuenge vnd sytten dise Hungrischen prouintzen schier gleich. wiewol dise als ein cristenliche anbetterin burgerlicher vnnd gezogner ist dann ihene die nach grobem Barbarischem sytten lebennde die abgoetter eret. In Hungern lannd durch das die Thonaw lawft hat kaiser Sigmund. kaisers Karls des vierden sum ein geporner Beheim des vrsprungs ein Teuetscher in wanckelm glueck vber .l. iar geregirt vnd Elizabethen sein tochter Albrechten dem hertzogen zu oesterreich zu der ee vermehelt vnd ime alle sein herrschung geschaft (in massen dann hieuor in disem buoch von ir yedem in seinem tittel das vnd anders nach der leng begriffen stet. deßhalb soelchs alles hiebey wider zemelden vermyden bleibt) Dieweil der benant Albrecht eins mals zu Ofen was do begabe sich alda ein soelche geschiht. Der richter der statt Ofen ein teuetscher man ertrencket einen Hungern von seiner verschuldung wegen das verschmahet den hungern die dann dem teuetschen namen fast gehessig sinnd gar sere. alßpald erhuob sich ein auffruor also das die Hungern zu der waffen griffen vnd was Teuetscher ine begegenten allenthalben zu tod schluogen. Es wardt ein flucht zum koenig in das schloss. der kawflewt hewßer der die maist anzal teuetsch was warden zerruedet. Zu derselben zeit prediget den zu Ofen Jacobus marchianus ein leßmaister parfueßer ordenns. an schriftlicher weißheit vnd heilligkeit des lebens beruembt. der zu stillung vnd vertempfung der auffruor die pildnus des gekreuetzigiten hailannds in der hand tragende dem wueettenden vnd gewappenten volck entgegen lieff vnd sie zuuermeydung des todschlahens vnd rawbs vnd zu hinlegung der waffen flehlich vermanet. aber sie verstunden seine wort nicht sunder maynten das sie Cristum als einen fuerer oder anlayter irs fuernemens hetten vnd huoben denselben Jacobum vnd das crucifix in die hoehe entpor auff vnnd tobten durch die statt yetzo diss denn ihenß hawß pluendrende doch enthielten sie sich vor todschlahen von gegenwertigkeit wegen des benanten bruder Jacobs. der dann allen fleiß fuerkeret yetzo mit bitte denn mit zehern den grymmen des angezuendten volcks zesenftigen. Vnlang darnach verschied koenig albrecht mit tod vnd ließ Elizabethen sein wittiben also geschwengert. Nw vermaynten die hungern vnzymmlich sein vnd geferlich das ein solch groß koenigreich dem gericht vnd herrschung einer frawen vnderligen solt. demnach vermaneten sie mit großem bitten ir Vladislaum den Polnischen koenig zu der ee zenemen. also verwilliget sie mit dem geding so sie einen sun gepere dz ime solchs keinen nachtail bringen solte. dem nach warden des koenigreichs prelaten vnd fuersten von gepurt vnd an glawbwirdigkeit die foerdersten gein Poln gesendt. dieweil dieselben vnderwegen warn do wardt Ladislaus geporn zu Stuolweissenburg getawft. mit der guertel der ritterschaft begabt vnd mit der Hungerischen kron an einem einigen tag bekroenet. darnach zu kaiser Friderichen gebracht vnd zwelff iar bey ime gehalten mitsambt der kron. die mitsambt dem sun sein muoter demselben kaiser Friderichen befolhen het. Die Hungern schickten doch wider der koenigin willen ire botschafter gein Poln zu koenig Vladislao. den brachten sie durch grosse zusagung vnd verhaissung gein Hungern vnd gruesseten ine als einen koenig mit auffgesetztem dyadem. Als nw die muoter Ladislai mit demselben Vladislao in mancherlay gestalt mit waffen lang gezanckt. vnd graff Vlrich von Cili in zwipartheyschkeit der Hungern das koenigreich Ladislao zu guot beschuetzt het do wardt er von den polnischen gefangen vnd langzeit in fangknus gehelliget. Dionisius der ertzbischoff zu gran darnach mit cardinelischer ere begabt von geschlecht vnd an sytten ein durchleuechtig man hat yedem koenig das koenigclich dyadem auffgesetzt. einem willig den andern bezwungen. dann wiewol er gefordert auff offne vertroestung der sicherheit gein Ofen kome so wardt er doch vor nit frey gelassen ee denn er den Vladislaum zu Stuolweissenburg bekroenet. Alßpald er aber anhayms kome do vnderstund er sich mit hoehstem fleiß dem fuernemen der Poln zewiderstreben. Vnd wiewol Julianus der cardinal sancti angeli von babst Eugenio gein Hungern gesendt einen anstal des kriegs zwischen Vladislao vnnd Elizabethen auff ein nemliche zeit machet so kund er doch keinen frid finden. Nach absterben der koenigin wendeten sich schier alle des Hungerischen koenigreichs foerdersten vnd besten an die Poln. allain Gißkra der Beheim gar ein geuebter kriegßman hielt sich in Hungern auff des Laßlaws seyten. der dann oft mit wenig volcks ein grosse menig der hungern vnd poln vberwunden. zerstrewt. außgetilgt. vnd zwaymaln Johannem hunianisch mit grossen heeren vmbgeben hat. wagenburg. lose gemacht. Derselb Johannes was ein Walach nit von hoher gepurt aber doch guoter anschleg hoher synnschicklichkeit vnnd der tugennt ein liebhaber. vnnd het gegen den Tuercken vil gluecklicher streyt vnd reichet mit der feind rawb die Hungerischen gotzhewßer. vnnd was der. der erster bey den hungern anzaiget das der Tuercken spitzen geprochen vnnd vberwunden werden moechten. Auß disen dingen wardt Vladislaus geraytzt mit amurate dem Tuerckischen kaiser auch einen streyt fuerzenemen. Zwischen kaiser Friderichen vnd Vladislaum der sich einen Hungrischen koenig nennet wardt durch Julianum den cardinal ein puentnus vnnd vertrag gemacht dermaßen vnnd mit solcher beschaidenhait. das der kaiser die Hungern wo sie in oesterreich oder Steyer einicherlay schadens tetten straffen moecht. deßgleichen moecht auch Vladislaus gegen des kaisers vnderthanen thun die das Hungerisch land beschedigten. Ein stettlein Guontz genannt in Hungern an Steyer vnd oesterreich stossende hielten die rawber innen mitsambt ettlichen darumb gelegnen casteln auß denselben rayseten sie gein oesterreich. von dannen fueereten sie vil vihs vnd menschen hyn. der kaiser Friderich samlet
Das sechste Zeitalter. Bachon, den pannonischen König, und die Amantiner zwischen der Save und Drau wurden von den Römern besiegt. Aber Kaiser Trajan hat Dakien jenseits der Donau, das ein Teil des ungarischen Landes ist, unterworfen und aus einem barbarischen Erdboden eine Provinz gemacht. Diese Provinz wurde jedoch nach dem Verlust unter Galienus durch Aurelianus wiederhergestellt. Nach den Römern haben zuweilen die Hunnen, das skythische Volk, zuweilen die Goten von den Inseln des Baltischen oder Preußischen Meeres, danach die Sachsen aus deutschem Land ziehend, Pannonien bekriegt und besetzt. Zuletzt hat die ungarische Nation aus den letzten Orten der Skythen überhandgenommen, bis auf den heutigen Tag ein Königreich besitzend und jenseits und diesseits der Donau weit herrschend. Nicht weit vom Ursprung des Flusses Thanay ist ein anderes Ungarnland, die Mutter dieser ungarischen Provinz, an Zunge und Sitten dieser ungarischen Provinz fast gleich. Wiewohl diese als eine christliche Anbeterin bürgerlicher und gezogener ist als jene, die nach groben barbarischen Sitten lebend die Abgötter ehrt. Im Land Ungarn, durch das die Donau läuft, hat Kaiser Sigmund, Kaiser Karls des Vierten Sohn, ein geborener Böhme, des Ursprungs ein Deutscher, in wankelmütigem Glück über 50 Jahre regiert und Elisabeth, seine Tochter, Albrecht, dem Herzog zu Österreich, zur Ehe vermählt und ihm alle seine Herrschaft verschafft (in der Weise, wie zuvor in diesem Buch von jedem in seinem Titel das und anderes ausführlich beschrieben steht, weshalb solches alles hierbei wieder zu melden vermieden bleibt). Während der benannte Albrecht einmal zu Ofen war, da begab sich allda eine solche Geschichte: Der Richter der Stadt Ofen, ein deutscher Mann, ertränkte einen Ungarn wegen seiner Verschuldung. Das verschmähte die Ungarn, die dann dem deutschen Namen fast gehässig sind, gar sehr. Alsbald erhob sich ein Aufruhr, sodass die Ungarn zu den Waffen griffen und was Deutsche ihnen begegneten, allenthalben zu Tode schlugen. Es ward eine Flucht zum König in das Schloss. Die Häuser der Kaufleute, deren die meiste Anzahl deutsch war, wurden zerruettet. Zu derselben Zeit predigte den zu Ofen Jacobus Marchianus, ein Lesemeister des Barfüßerordens, an schriftlicher Weisheit und Heiligkeit des Lebens berühmt. Der zur Stillung und Vertempfung des Aufruhrs die Bildnis des Gekreuzigten Heilands in der Hand tragend dem wütenden und gewappneten Volk entgegenlief und sie zur Vermeidung des Totschlagens und Raubes und zur Hinlegung der Waffen flehentlich ermahnte. Aber sie verstanden seine Worte nicht, sondern meinten, dass sie Christus als einen Führer oder Anleiter ihres Vorhabens hätten und hoben denselben Jacobus und das Kruzifix in die Höhe empor auf und tobten durch die Stadt, jetzt dies, dann jenes Haus plündernd, doch enthielten sie sich vor Totschlagen von Gegenwärtigkeit wegen des benannten Bruder Jacobs, der dann allen Fleiß vorkehrte, jetzt mit Bitte, dann mit Tränen den Grimm des angezündeten Volkes zu besänftigen. Unlang danach verschied König Albrecht mit Tod und ließ Elisabeth, seine Witwe, also geschwängert. Nun meinten die Ungarn unziemlich sein und gefährlich, dass ein solch großes Königreich dem Gericht und der Herrschaft einer Frau unterliegen sollte. Demnach ermahnten sie mit großem Bitten ihre Vladislaus, den polnischen König, zur Ehe zu nehmen. Also verwilligte sie mit dem Beding, so sie einen Sohn gebäre, dass ihm solches keinen Nachteil bringen sollte. Demnach wurden des Königreichs Prälaten und Fürsten von Geburt und an Glaubwürdigkeit die vordersten gen Polen gesandt. Dieweil dieselben unterwegs waren, da ward Ladislaus geboren zu Stuhlweißenburg, getauft, mit dem Gürtel der Ritterschaft begabt und mit der ungarischen Krone an einem einzigen Tag gekrönt. Darnach zu Kaiser Friedrich gebracht und zwölf Jahre bei ihm gehalten mitsamt der Krone, die mitsamt dem Sohn seine Mutter demselben Kaiser Friedrich befohlen hatte. Die Ungarn schickten doch wider der Königin Willen ihre Botschafter gen Polen zu König Vladislaus. Den brachten sie durch große Zusagung und Verheißung gen Ungarn und grüßten ihn als einen König mit aufgesetztem Diadem. Als nun die Mutter Ladislai mit demselben Vladislaus in mancherlei Gestalt mit Waffen lang gezankt und Graf Ulrich von Cilli in Zweipartigkeit der Ungarn das Königreich Ladislaus zugut beschützt hatte, da ward er von den polnischen gefangen und lange Zeit in Gefangenschaft gehalten. Dionysius, der Erzbischof zu Gran, darnach mit kardinalischer Ehre begabt, von Geschlecht und an Sitten ein durchlauchtiger Mann, hat jedem König das königliche Diadem aufgesetzt, einem willig, den anderen bezwungen. Dann wiewohl er gefordert auf offene Vertröstung der Sicherheit gen Ofen kam, so ward er doch vor nicht frei gelassen, ehe denn er den Vladislaus zu Stuhlweißenburg gekrönt. Alsbald er aber heimkam, da unternahm er sich mit höchstem Fleiß dem Vorhaben der Polen zu widerstreben. Und wiewohl Julianus, der Kardinal Sancti Angeli, von Papst Eugenius gen Ungarn gesandt, einen Anstalt des Krieges zwischen Vladislaus und Elisabeth auf eine nämliche Zeit machte, so konnte er doch keinen Frieden finden. Nach Absterben der Königin wendeten sich schier alle des ungarischen Königreichs Vordersten und Besten an die Polen. Allein Gißkra, der Böhme, gar ein geübter Kriegsmann, hielt sich in Ungarn auf des Ladislaus Seite. Der dann oft mit wenig Volks eine große Menge der Ungarn und Polen überwunden, zerstreut, ausgetilgt und zweimal Johann Hunyadi mit großen Heeren umgeben hat, Wagenburg lose gemacht. Derselbe Johannes war ein Walache, nicht von hoher Geburt, aber doch guter Anschläge, hoher Sinnesgeschicklichkeit und der Tugend ein Liebhaber. Und hatte gegen die Türken viel glücklicher Streit und reicherte mit der Feindesraub die ungarischen Gotteshäuser. Und war der, der erster bei den Ungarn anzeigte, dass der Türken Spitzen gebrochen und überwunden werden könnten. Aus diesen Dingen ward Vladislaus gereizt, mit Amurat, dem türkischen Kaiser, auch einen Streit vorzunehmen. Zwischen Kaiser Friedrich und Vladislaus, der sich einen ungarischen König nennt, ward durch Julianum, den Kardinal, ein Bündnis und Vertrag gemacht dermaßen und mit solcher Bescheidenheit, dass der Kaiser die Ungarn, wo sie in Österreich oder Steiermark irgendeinen Schaden täten, strafen mochte. Desgleichen mochte auch Vladislaus gegen des Kaisers Untertanen tun, die das ungarische Land beschädigten. Ein Städtlein, Güns genannt, in Ungarn, an Steiermark und Österreich stoßend, hielten die Räuber inne mitsamt etlichen darum gelegenen Kastellen. Aus denselben reisten sie gen Österreich. Von dannen führten sie viel Vieh und Menschen hin. Der Kaiser Friedrich sammelte ----