Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
eylends ein heer mit dem zohe er in Hungern vnd gewunne die teber vnd befestigung der rawber vnd erhienge .lxxx. auß inen. Als nw Vladislaus in dem tuerckischen streyt gefallen was do ward Ladislaus koenig Albrechts sun mit gemaynem rat der landherren zu koenig erwelet. vnd Johannes hunianisch zu eim gubernator des koenigreichs Hungern auffgenomen. Der regiret (als man sagt) dasselb koenigreich in abwesen des koenigs mit einer eyßnin ruoten. vnd wardt auch in gegenwuertigkeit des koenigs nit mynder dann derselb koenig gehalten. derselb Johannes starb nach erniderlegung der tuercken bey Weyssenburg in kuertze auß einer kranckheit. Man sagt von ime dz er also kranck den heilligen fronleichnam dess herren nit het woellen zu ime laßen tragen. vnd gesprochen das vnzymmlich wer das der koenig in des knechts haws geen solt. dem nach het er sichselbs also schwachen in die kirchen haissen tragen alda het er nach cristenlicher ordnung gebeychtet. das heillig sacrament darauff empfangen. vnd sein sele zwischen der briester hend got dem herren auffgegeben. Wol ein seliger gaist der die botschaft so grosser bey Weyssenburg begangner thate selbs in den himel gebracht hat. Als aber nachfolgend der graff von Cili von Ladislao dem eltern des hunianisch sun ertoed. vnd darumb auch derselb Ladislaus auß befelhe des koenigs Ladislai zu Ofen enthawbtet vnnd Mathias sein bruder gefangen wardt. vnnd auch derselb koenig Ladislaus zu Prag verschiede inmaßen hieuor in dem buoch von demselben Ladislao vnder seinem titel gemeldet ist do versamelten sich die Hungern gein Ofen einen andern koenig zeerwelen. Vnder andern lantherren kome auch daselbst hin Michel zylagi mit .xiiim. geraysiger vnd .viim. fuoßknechten. derselb Michel was des hunianischs weibs pruder vnd des Mathias oeheim. der het gegen vil hungrischen herren von Ladislai seiner schwester suns ertoedtung wegen grosse feintschaft. des gewalt vnd mechtigkeit bracht den hungern nit kleinen schrecken also dz sie besorgten das kein freye wal eins koenigs beschehen moecht. do giennge Michel fuer die versamlung vnnd sprach das er solch gewappent volck dargefueert het in mit fuersatz der versammlung einiche vergewaltigung zebeweisen. sunder die ihenen die villeicht die freyheit der fuersten vnd des volcks in auffnemung eins koenigs betrueeben wolten zeerschrecken. vnd allain des zeuermanen das sie ingedenck weren der guottaten Johannis hunianisch. der einiger aller tuercken waffen von dem hungrischen koenigreich vertriben vnd die obsygung des hungrischen volcks beruembt gemacht het. dar gegen ime dann belonung seinen verdiensten vnwirdig vnd vngleich beschehen so seiner suene eyner grawsammlich ertoedt vnd der ander in Beheim gefangen wer. vnd darumb solten die lantherren die gedechtnus Johannis hunianisch billich erheben vnd Mathiam seinen sun auß der fangknus erledigen vnd in die hoehe des hungerischen koenigreichs setzen. das dann sein vater mit seiner machte vnnd tugent behalten het. denn es wer ye nicht zeleyden das solcher koenigclicher gewalt an die eueßern gelanngen solt. ob das also beschehe so woelt er aller der ihenen die Mathie seinem schwestersun widerwertig gewesen weren verschonen. vnd wiewol die sach ettwielang zweifellich vnd wanckelper was nach dem sich ein yeder lantherr besorget. So wardt doch Mathias ein iungling .xviii. iar alt. am .xxiiii. tag des monats Januarii vnder .xlm. mannen die mitten in der Thonaw mit eyse gezwengt des außgangs der wale vngedultigclich wardtende als ein koenig außgeschryen. Hie ist sich wunderperlicher wanckelheit menschlicher vnbestendigkeit zeuerwundern. Auß zwayen iunglingen gleichs alters vnd schier gleicher sytten ward einer (als koenig Laßlaw) auß dem koenigclichen sale nach newer heyrat zum grab getragen. vnd der ander (als Mathias) dieweil er des tods in fangknus forchtsam warttet auß dem kercker zum koenigreich gefordert. Ein wunderlich ding das ein solche vrberlinge gehe freued die muoter nicht gesterbt hat da sie mit souil iamers vnd bekemmernus betrueebt iren sun eer hat einen koenig hoeren nennen denn auß fangknus ledig wesen. Auf dem hungrischen gemercke ihenßhalb der thonaw gein mitternacht wartzs yetzo Sepusium genant alda dann ettwen das volck Gepide geseßen ist het ein beruembter rawber Examites genant ein Beheim vnd hussitischer ketzer die rawber woher die komen gueetlich auffgenomen vnd sie brueeder genennt vnd dieselben gegent alle ine zinßper gemacht mit erpawung vnd auffrichtung ettlicher befestigung vnd teber an gelegnen enden. auß denen er yetzo daher yetzo dorthin außlawffen vnd die lewt angreiffen moecht. der taylet den rawb alle monat von personen zu personen auß. Vnder denen name einer der einen gantzen in der anzal der brueeder gewesen was nit mer dann der der einigen tag gedient het. Er sprach solchs wer ime auß dem ewangelio gepotten. dann der herr hette den arbaitern in seinem vater die zu der ersten ore vnnd zu der aylften ore komen waren einen gleichen lone verhaissen. Als nw dise geselschaft weyt vnd prayt gerawbt het vnd derselben bey .vm. worden waren vnd sich teglich mereten do mochten sie nicht anders zertrennt werden dann ir hawbtman Examites wuerd in koenig Laßlaws sold gefordert. Die gegent in den sibenbuergen genant ist ihenßhalb der Thonaw gelegen. darinn ettwen Daci die frayssamen vnd mit obsygungen gegen den roemern beruembt lewt gewonet haben. Zu vnßern zeyten wonen in diser gegennt dreyerlay voelcker. als Teuetsch Siculi vnd Walachen. Die Teuetschen haben auß Sachsen land vrsprung gar starck vnd des kriegs geuebt mann. von den syben stetten darinn sie wohnen die Sybenburger genant. Siculi sind der Hungern die eltisten vnd die allerersten die auß alten Hungern in dise gegent komen sind von der vrsach wegen wiewol sie sich mit iren henden des agkers neren vnd auff dem gew wonende des vihs wartten so werden sie doch edel gehaissen. vnnd so ir einer dem andern begegnet so grueeßen sie aneinander als wolgeporn herrn. Sie geben nymant zinss denn so ein koenig zu Hungern gekroent wirdt. als vil denn hawßueter sind souil ochßen geben sie dem koenig. derselben zal sollen ob .lxm. sein. Wenn sie aber in den krieg zeziehen gefordert werden vnd nicht gehorsam erscheynen so werden sie mit peen des tods gestraft vnd ire gueeter dem gemaynen seckel zugeaygnet. Die Walachen sind ein Welchs geschlecht als wir schier hernach sagen werden. doch findest du bey den Sybenbuergern wenig geuebter mann des hungerischen gezuengs vnkuendig. In diser gegent ist ein stettlein gewesen Bistricium genant vnnd der kuenigclichen kron vnderworffen das het koenig Laßlaw dieweil er zu Wienne was Johanni hunianisch zu eigen ergeben. dess empfiengen die innwoner desselben stettleins verdrieß sich widersetzende. doch warden sie bezwungen vndertanig zesein. aber nach absterben desselben hunianisch vnd nach ertoedtung seins suns Ladislai zu Ofen haben sie Michaeln zylagi der fuer Mathias den andern des hunianisch sun des koenigreichs begeret schnoedigclich außgeworffen. alßpald er aber den tod koenig Laßlaws vername do keret er mit eim heer wider daselbsthin vnd bestryt das stettlein mit gewalt der widerspennigen burgere ettlichen die awgen außgrabende. disen ire hend abhawende den andern ire hawbt abschlahende vnd das stettlein mit prunst außtilgende. Vnlang darnach komen bey .iiim. Tuercken in dise gegent vnd brachten einen großen rawb darauß. den eylten die Sybinienser vnd die Teuetschen nach vnd schluogen sie gar tod vnd kereten syglich mit widerbringung des rawbs anhayms. Sie warn kawm in die statt komen do was Michael nit mit wenig volcks auff der andern seyten gegenwuertig der statt außtilgung suchende. die dann den von Bistricio wider ine hilff vnd beystand gethan het. aber als sich die Sabinienser innerhalb irer wolbewarten statt enthielten do ward er seins fuernemens berawbt vnd schiede mit grossen bedroungen von dannen.
Eilends zog er mit einem Heer nach Ungarn und eroberte die Befestigungen und Raubnester der Räuber und erhängte achtzig von ihnen. Als nun Vladislaus im Türkenkrieg gefallen war, wurde Ladislaus, König Albrechts Sohn, mit allgemeinem Rat der Landherren zum König erwählt. Und Johannes Hunyadi wurde zum Gouverneur des Königreichs Ungarn ernannt. Dieser regierte (wie man sagt) dasselbe Königreich in Abwesenheit des Königs mit eiserner Rute und wurde auch in Gegenwart des Königs nicht weniger als dieser König selbst geachtet. Derselbe Johannes starb nach der Niederlage der Türken bei Weißenburg kurz darauf an einer Krankheit. Man sagt von ihm, dass er, so krank er war, den heiligen Fronleichnam des Herrn nicht zu sich hatte bringen lassen wollen und gesprochen, dass es unziemlich wäre, dass der König in das Haus des Knechts gehen sollte. Demnach hatte er sich selbst, so schwach er war, in die Kirche tragen lassen. Dort hatte er nach christlicher Ordnung gebeichtet, das heilige Sakrament darauf empfangen und seine Seele zwischen den Händen der Priester Gott dem Herrn übergeben. Wohl ein seliger Geist, der die Botschaft so großer, bei Weißenburg begangener Taten selbst in den Himmel gebracht hat. Als aber nachfolgend der Graf von Cilli von Ladislaus, dem älteren Sohn des Hunyadi, getötet wurde und darum auch derselbe Ladislaus auf Befehl des Königs Ladislaus zu Ofen enthauptet und Mathias, sein Bruder, gefangen wurde, und auch derselbe König Ladislaus zu Prag verschied, inmaßen hievor in dem Buch von demselben Ladislaus unter seinem Titel gemeldet ist, da versammelten sich die Ungarn gen Ofen, einen anderen König zu erwählen. Unter anderen Landherren kam auch dorthin Michael Szilágyi mit dreizehntausend Reitern und siebentausend Fußknechten. Derselbe Michael war der Bruder von Hunyadis Frau und der Onkel von Mathias. Er hatte gegen viele ungarische Herren wegen der Tötung von Ladislaus, dem Sohn seiner Schwester, große Feindschaft. Dessen Gewalt und Mächtigkeit brachte den Ungarn nicht kleinen Schrecken, sodass sie besorgten, dass keine freie Wahl eines Königs geschehen möchte. Da ging Michael vor die Versammlung und sprach, dass er solch bewaffnetes Volk dargeführt hatte, nicht mit dem Vorsatz, der Versammlung irgendeine Vergewaltigung zu beweisen, sondern diejenigen zu erschrecken, die vielleicht die Freiheit der Fürsten und des Volkes bei der Annahme eines Königs trüben wollten. Und allein des zu ermahnen, dass sie eingedenk wären der Wohltaten Johannis Hunyadi, der als Einziger alle Waffen der Türken aus dem ungarischen Königreich vertrieben und die Obsiegung des ungarischen Volkes berühmt gemacht hatte. Dagegen ihm dann Belohnung seinen Verdiensten unwürdig und ungleich geschehen sei, so seiner Söhne einer grausamlich getötet und der andere in Böhmen gefangen sei. Und darum sollten die Landherren die Gedächtnis Johannis Hunyadi billig erheben und Mathias, seinen Sohn, aus der Gefangenschaft erledigen und ihn in die Höhe des ungarischen Königreichs setzen, das dann sein Vater mit seiner Macht und Tugend behalten hatte. Denn es wäre ja nicht zu leiden, dass solcher königlicher Gewalt an die Äußeren gelangen sollte. Ob das also geschehe, so wollte er aller derjenigen, die Mathias, seinem Schwesterssohn, widerwärtig gewesen wären, verschonen. Und wiewohl die Sache etliche Zeit lang zweifelhaft und wankelmütig war, nachdem sich ein jeder Landherr besorgte, so wurde doch Mathias, ein Jüngling achtzehn Jahre alt, am vierundzwanzigsten Tag des Monats Januar unter vierzigtausend Männern, die mitten in der Donau mit Eis gezwängt des Ausgangs der Wahl ungeduldiglich warteten, als ein König ausgeschrien. Hier ist sich wunderbarer Wankelheit menschlicher Unbeständigkeit zu verwundern. Aus zwei Jünglingen gleichen Alters und schier gleicher Sitten wurde einer (als König Ladislaus) aus dem königlichen Saal nach neuer Heirat zum Grab getragen, und der andere (als Mathias), dieweil er des Todes in Gefangenschaft furchtsam wartete, aus dem Kerker zum Königreich gefordert. Ein wunderlich Ding, dass eine solche urberlinge gehe Freued die Mutter nicht gestorben hat, da sie mit so viel Jammers und Bekümmernis betrübt ihren Sohn eher hat einen König nennen hören denn aus Gefangenschaft ledig gewesen. Auf dem ungarischen Grenzgebiet jenseits der Donau gegen Mitternacht, jetzt Sepusium genannt, wo dann etwann das Volk der Gepiden gesessen ist, hatte ein berühmter Räuber namens Examites, ein Böhme und hussitischer Ketzer, die Räuber, woher die kamen, gütlich aufgenommen und sie Brüder genannt und dieselben Gegend alle ihm zinsbar gemacht mit Erbauung und Aufrichtung etlicher Befestigungen und Teber an gelegenen Enden, aus denen er jetzt daher, jetzt dorthin auslaufen und die Leute angreifen mochte. Der teilte den Raub jeden Monat von Personen zu Personen aus. Unter denen nahm einer, der einen ganzen in der Anzahl der Brüder gewesen war, nicht mehr als der, der einen einzigen Tag gedient hatte. Er sprach, solches wäre ihm aus dem Evangelium geboten, denn der Herr hätte den Arbeitern in seinem Weinberg, die zu der ersten Stunde und zu der elften Stunde gekommen waren, einen gleichen Lohn verheißen. Als nun diese Gesellschaft weit und breit geraubt hatte und derselben bei fünftausend geworden waren und sich täglich mehrten, da konnten sie nicht anders zertrennt werden, als ihr Hauptmann Examites würde in König Ladislaus' Sold gefordert. Die Gegend, die Siebenbürgen genannt wird, ist jenseits der Donau gelegen. Darin haben etwann die Daker, die furchtsamen und mit Obsiegungen gegen die Römer berühmten Leute, gewohnt. Zu unseren Zeiten wohnen in dieser Gegend dreierlei Völker, als Deutsche, Szekler und Walachen. Die Deutschen haben aus Sachsenland Ursprung, sind gar stark und des Kriegs geübte Männer. Von den sieben Städten, darin sie wohnen, werden sie Siebenbürger genannt. Szekler sind die ältesten der Ungarn und die allerersten, die aus alten Ungarn in diese Gegend gekommen sind. Von der Ursache wegen, wiewohl sie sich mit ihren Händen des Ackers nähren und auf dem Vieh weidend des Viehs warten, so werden sie doch edel geheißen. Und so ihr einer dem anderen begegnet, so grüßen sie einander als wohlgeborene Herren. Sie geben niemand Zins, denn so ein König zu Ungarn gekrönt wird. Als viel denn Hausväter sind, so viel Ochsen geben sie dem König. Derselben Zahl sollen über sechzigtausend sein. Wenn sie aber in den Krieg zu ziehen gefordert werden und nicht gehorsam erscheinen, so werden sie mit Pein des Todes gestraft und ihre Güter dem gemeinen Säckel zugeeignet. Die Walachen sind ein welsches Geschlecht, als wir schier hernach sagen werden. Doch findest du bei den Siebenbürgern wenig geübter Männer des ungarischen Zungen unkundig. In dieser Gegend ist ein Städtlein gewesen, Bistritz genannt und der königlichen Krone unterworfen. Das hatte König Ladislaus, dieweil er zu Wien war, Johann Hunyadi zu eigen ergeben. Dessen empfingen die Einwohner desselben Städtleins Verdrieß sich widersetzend. Doch wurden sie bezwungen, untertänig zu sein. Aber nach Absterben desselben Hunyadi und nach Tötung seines Sohnes Ladislaus zu Ofen haben sie Michael Szilágyi, der für Mathias, den anderen Sohn des Hunyadi, des Königreichs begehrte, schnödiglich ausgeworfen. Alsbald er aber de