Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Die walachey center Walachey ist gar ein prayte gegent von den Sibenburgern anfahende bis zu dem Euxinischen meer raichende schier gantz eben vnd der wasser duerftig. gein mittag die Thonaw. vnd gein mitternacht die Rewssen vnd gegen dem fluss Thiram Nomades das Scitisch geschlecht die Tartern genant habende. In disem land haben ettwen gewonet das volck Gethe die den koenig Darium den sun Histaspis in flucht gepracht vnd das land Traciam mit vil erniderlegung bekuemert haben. Zu letst sind sie von den roemischen waffen ernydergetruckt vnd abgetilgt vnnd alda ein statt zu wonung der roemer (die die Dacos bezwunge) auffgericht. vnder dem Roemischen hawbtman Flacco. von dem sie Flaccia. vnd darnach vber lange verweylung der zeit auß verwandlung irs namens Walachia genant. vnd also fuer Flacci Walachi gehaissen worden. Diss volck sprache ist nochmals roemisch wiewol zum maisten tail verwandelt vnd einem welschen menschen kawm verstentlich. Zu vnßern zeiten sind vnder den Walachen zwuo auffruor gewesen. eine des volcks Danorum. die ander des volcks Dragularum. nach dem aber Dragule an der mechtigkeit den Danis vngleich waren vnnd mancherlay weiß von ine bedranngt warden do forderten sie ine die Tuercken zu hilff mit derselben beystanndt tilgten sie die danos schier gar ab. Aber Johannes huniades oder hunianisch raichet auß geprauch des hungrischen gewalts den danis hilff vnd bracht sie nit allain herwider sunder erlanget auch imeselbs daruon ruom vnd reichthuemer. Die walachen wonen auch bey den innseln der Thonaw. vnder welchen innseln ich Peuecen die innseln bey den alten gschihtbschreibern als nammhaftig gemerckt hab. Sie haben auch in Tracia wonung. Ein teil der Walachen sind den Tuercken. ein teil den Hungern vnderworffen. Mir ist vnuerborgen das gar mueesam ist die prouintzen zebeschreiben. so doch die gschihtbschreiber den man nachfolgen muoß nicht allain mancherlay sunder einander widerwertig vnd fast mißhellig gefunden. vnd die oerter der prouintzen nach gestalt vnnd gewalt irer herrscher zum dickern mal verwandelt werden. dann ettliche vor zeitten gar weyte prouintzen vnd land sind zu vnßern zeitten gar enng vnd klain. hin Blat CCLXXII widerumb die gar klein gewest ist die sehen wir yetzo weit vnd prayt in hoher plueung. Lombardiam Romandiolam Insubnam Emiliam vnd Flaminiam die Welschen gegent hat man ettwen als vnnamhaftig nicht erkent. So ist Macedonia ettwen vnder dem koenig Emathione von ime Emathia zugenambt gar ein kleins dinng gewest. aber nachfolgend hat die kraft irer herrscher vnnd die geschicklichkeit irs volcks mit ansichziehung irer nachpawrn ire gegent weit vnd prayt erstreckt. darumb ob die ihenen die dise mein schrift lesen die ende oder oertter der gegent nicht also erfarn wie sie inen die in irem getrechte fuernemen oder bey andern finden so woellen sie mir (bit ich) nicht zum ergsten zumessen sunder obgemeldt vrsach der wandelperlichkeit vor awgen haben. Tracia center TRacia ist (als vil treffenliche gschihtbschreiber setzen gar ein fast weytte vnd prayte prouintz oder land. vom orient das Euxinisch meer. von mittag das Egeysch meer vnd den fluss Strimon vnd das Macedonisch feld. von mitternacht die Thonaw. vnd vom occident oder nydergang das Peonisch gepirg. hungern vnd die Saw. Diser maynung sind gewest die gschihtbschreiber Plinius. vnd Strabo. der sagt dz der berg Hemus dz land Traciam myten tayle vnd dz die voelcker Dardani. tribali. mysi in tracia wonen. So sind die tribali in den feldern gewont darinn yetzo die Rasciani oder raytzen. oder Syruen wonen. aber die mysi erstrecken sich nach den tribalos gein orient bis in das Euxinisch
Die Walachei ist eine sehr breite Gegend, die von den Siebenbürgern anfängt und bis zum Euxinischen Meer reicht, schier ganz eben und des Wassers bedürftig. Gegen Mittag liegt die Donau und gegen Mitternacht die Reußen und gegen den Fluss Thiram die Nomaden, das skythische Geschlecht, die Tataren genannt. In diesem Land haben einst das Volk der Geten gewohnt, die den König Darius, den Sohn des Hystaspes, in die Flucht gebracht und das Land Thrakien mit viel Erniedrigung bekümmert haben. Zuletzt sind sie von den römischen Waffen niedergedrückt und ausgelöscht worden, und dort wurde eine Stadt zur Wohnung der Römer (die die Daker bezwungen hatten) unter dem römischen Hauptmann Flaccus errichtet. Von ihm wurde sie Flaccia und danach, nach langer Zeit und Namensänderung, Walachia genannt, und so wurden aus Flacci Walachi. Die Sprache dieses Volkes ist noch immer römisch, wiewohl zum größten Teil verändert und einem welschen Menschen kaum verständlich. Zu unseren Zeiten sind unter den Walachen zwei Aufruhre gewesen: einer des Volkes der Danorum, der andere des Volkes der Dragularum. Nachdem aber die Dragule an Macht den Danis ungleich waren und auf mancherlei Weise von ihnen bedrängt wurden, forderten sie die Türken zu Hilfe. Mit deren Beistand tilgten sie die Danos schier ganz aus. Aber Johannes Huniades oder Hunyadi reichte aus Gebrauch der ungarischen Gewalt den Danis Hilfe und brachte sie nicht allein wieder, sondern erlangte auch selbst Ruhm und Reichtümer. Die Walachen wohnen auch bei den Inseln der Donau, unter welchen Inseln ich Peuecen, die Inseln, bei den alten Geschichtsschreibern als namhaftig gemerkt habe. Sie haben auch in Thrakien Wohnung. Ein Teil der Walachen ist den Türken, ein Teil den Ungarn unterworfen. Mir ist unverhohlen, dass es sehr mühsam ist, die Provinzen zu beschreiben, da doch die Geschichtsschreiber, denen man nachfolgen muss, nicht allein mancherlei, sondern einander widerwärtig und fast misshellig gefunden wurden, und die Orte der Provinzen nach Gestalt und Gewalt ihrer Herrscher zum öfteren Mal verwandelt werden. Denn etliche vor Zeiten gar weite Provinzen und Länder sind zu unseren Zeiten gar eng und klein. Hingegen, was gar klein gewesen ist, das sehen wir jetzt weit und breit in hoher Blüte. Lombardiam, Romandiolam, Insubnam, Emiliam und Flaminiam, die welschen Gegenden, hat man einst als unnamhaftig nicht erkannt. So ist Makedonien einst unter dem König Emathion, von ihm Emathia zugenannt, gar ein kleines Ding gewesen. Aber nachfolgend hat die Kraft ihrer Herrscher und die Geschicklichkeit ihres Volkes mit Anziehung ihrer Nachbarn ihre Gegend weit und breit erstreckt. Darum, ob diejenigen, die diese meine Schrift lesen, die Enden oder Orte der Gegend nicht also erfahren, wie sie ihnen die in ihrem Gedächtnis vornehmen oder bei anderen finden, so wollen sie mir (bitte ich) nicht zum ärgsten zumessen, sondern obgemeldte Ursache der Wandelbarkeit vor Augen haben. Thrakien ist (wie viele treffliche Geschichtsschreiber setzen) eine sehr weite und breite Provinz oder Land. Vom Orient das Euxinische Meer, von Mittag das Ägäische Meer und den Fluss Strimon und das Makedonische Feld. Von Mitternacht die Donau und vom Okzident oder Niedergang das Peonische Gebirge, Ungarn und die Save. Dieser Meinung sind gewesen die Geschichtsschreiber Plinius und Strabo, der sagt, dass der Berg Hemus das Land Thrakien mitten teile und dass die Völker Dardani, Tribali, Mysi in Thrakien wohnen. So sind die Tribali in den Feldern gewohnt, darin jetzt die Rasciani oder Raizen oder Serben wohnen. Aber die Mysi erstrecken sich nach den Tribalos gegen Orient bis in das Euxinische Meer.