Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
grossen Theodosii geher vnd vnuersueenlicher zorn beruembtt gemacht haben. dann wiewol er yezuzeiten der allergueetigst kaiser was yedoch erzuernet er von der richter wegen die in derselben statt erschlagen warden also grimmigclich das er alles volck der statt ertoedten hieß. vnd bey .xim. mannen erschlagen warden. Ambrosius der maylendisch bischoff geduldet solche vnmenschliche gethate nit vngestraft. sunder verpote dem kaiser den eingang in die kirchen vnd bezwunge ine darumb buoß anzenemen. Von dannen her ward ein gesetz gemacht das ein gefalne vrteil des tods vber den menschen vor .xxx. tagen nit volzogen werden solt. Plinius setzt das dise statt ein freye gewesen sey. So sagt Strabo Philippus der vater des grossen Alexanders hab sie gepawt. Bede schreyben dise statt der Macedonischen gegent zu. Andronicus emanuelis des Constantinopolitanischen kaisers sun hat dise statt zu seinem erblichen tayl empfangen gehabt. vnd darnach auß hass Johannis seins bruders. der des vaters nachkomen am kaiserthumb was den Venedigern vbergeben. die wardt den Venedigern von Amurate dem Tuerckischen kaiser wider abgedrungen. Derselb Tuerckisch kaiser bracht die vbrigen Macedonischen gegent bis an das peonisch gepirg so man yetzo Albaniam nennt vnder seinen gewalt. O was wunderlicher wandelperlichkeit werltlicher ding. vnd hinflissige ruomretigkeit menschlichs gewalts. Ettwen hat sich dise Macedonisch gegent vnder den zweyen koenigen philippo vnd alexandro nach vnderdruckung des Kriechischen vnd Tracischen lands bis hinein in asiam. armeniam. hiberiam. albaniam. capadociam. syriam. egyptum vnd bis an die berg Thaurum vnd caucasum. vnd auch vber die Bactros Medos vnd Persos erstreckt. Aber zu disen vnsern zeiten ist es layder dem aller schnoedisten tuerckischen volck vnderwuerffig. zinßper vnnd dienstper worden. Von Magnesia vnnd Thessalia MAgnesiam vnd Thessaliam haben die Tuercken zu vnßern zeiten verfolgt. die aller edelsten berge Olimpius Pieris Pindus Ossa vnd Othris ettwen des Laphitischen volcks sind yetzund dem tuerckischen gewalt vnderworffen. alda dann vor zeiten als Plinius setzt sibentzig stett gewesen sind. Vnder den thessalischen wasserfluessen ist der aller beruembtist Justeagoniphos. der entspringt zwischen den bergen Ossam vnd Olimpum in einem waldigen tal. an ettlichen enden schiffreich. dar durch hin fleueßt auch der fluss Peneus ob einem gruenen griess. am gestad von grass wunnsam vnd sueeßgedoenig von fogel gesang. der berueert den bach Orchon aber er nymbt den nit in sich. In dem thessalischen land ist ettwen gewest ein koenig Grecus genant. von dem Grecia das kriechisch land den namen hat. Auch ein koenig Helenus von dem Helena genant ist. Homerus der poet vnnd gschihtbschreiber hat das thessalonisch volck mit dreyen namen genennt. als Mirmidonas Helenas vnd acheos. Vnnd wiewol dises volck ettwen dem gewalt der Persier widerstanden hat so haben sie doch den waffen der tuercken die durch den philarischen engen weg gegangen sind nit verhinderung thun muegen. Von Boecia Nach thessaliam kuembt Boecia vom aufgang in den nidergang sich streckende. das Euboisch meer vnd den Crisenichen winckel berueerende ist schier bey allen gschihtbschreibern an ruomrettigkeit nammhaftig. alda ist ettwen des vaters Liberi vnd Herculis vaterland gewesen. vnd alda ein statt Epamimuida genant nit mynder dann athenis hohberuembt. dieselb statt ist zu vnßern zeiten ein kleins castellein vnd von den tuercken mit andrem Boecischem lannd besessen. Von dem land Hellis oder Actica HEllis von den vnßern Grecia genant haben vnßer vorfarn acten genent vnd nach verwandeltem namen darnach acticam gehaissen. Homerus hat alle inwoner in actica athenienser genant dieweil die statt Megra nochmals nit gepawt wz. Nw erstreckt sich actica auß Boecia bis in dz Corinthisch gepirg an dem end dz Megaris haist. Bey demselben Corinthischen gepirg was ein sewl dar an stunnd geschriben an dem ort gein Peloponesum warts dise wort. Diss ist Peloponesus vnnd nit Jonia. Aber auff dem ort gein Megra warts dise wort. Diss ist nit Peloponesus sunder Jonia. Dann actici vnnd Jones sinnd ein volck. Als dieselben mit den Peloponensischen gar offt irer gegent halben zwittracht vneinigkeit vnnd widerwillen hetten. do erlanngten sie zu letst mit gemainer folg dieselben Sewln auffzerichten. Vnnd wiewol diss land actica felsig. staynnig. Blat CCLXXIIII vnd vnfruchtper ist. yedoch haben ettliche dise gegent mit wunderperlichem preise vnd lob erhebt. vnd der got der behawßung gehaißen. In diser gegent ist ettwen die aller edelst statt Athenis gewest. die an preiß vnd ruomretigkeit keinen mangel het. Dieselb statt hat zu disen vnßern zeiten ein gestalt eins kleinen vnachtpern stettleins Doch auff dem felsen da der alt tempel Minerue gewest ist yetzo ein schloss oder purg durch alles Kriechisch land namhaftig von groesse wegen ires gepewes vnd wolbewarnus vor sturm vnd gewalt. Dise statt hat ein Florentinischer man dem Tuerckischen kaiser eingeben. als er nach angerueeffter hilff der lateinischen von nymant beystand finden molht. darumb warden ime ettliche doerffer eingegeben darinn vnadelliche zeit zefueeren. Von Peloponeso PEloponesus ligt an der Atticischen gegent ettwen ein schloss gantzes Kriechischen lands. dann außerhalb des adels vnnd der mechtigkeit des volcks darinn zaiget die gelegenheit der oertter vnnd gegent ein fuerstenthumb vnd herrschaft an. In disem land sind vil tale vnnd berg. vom nydergang in den auffgang begreifft es M.cccc. roßlawff. vnd im vmbkraiss .iiiim. Zway meer das Ionisch vnnd Egeisch geen vmb dises lannd. Als Anthemidorus spricht. In diser gegent ist die edel statt Corinthus gewesen. Diss land wirdt hewt von den Lateinischen Morea genant. darinn ist Achaia Messania Laconia Argos vnd Archadia schier in der mitte gelegen. Somirates ist nach bestreitung Thessalonica Boecia vnd Actica außerhalb Athenas bis an die statt Examilium gezogen vnnd hat die mawrn derselben statt zerruedet vnnd ein ierliche zinsperkeit auß ergebung der Peloponeser auff sie geschlagen. Als aber darnach die hungern auß bewegnus Juliani des cardinals wider die Tuercken zu der waffen griffen vndt ettlich gluecklich zeit wider sie eroberten do wardt der Kriechisch kaiser Constantinus daselbst ertoedt. Der Dispot diser prouintzen vnderstund sich den Tuercken den tribut nit zegeben vnnd die statt Examilium wider auffzerichten. Von derselben sach wegen wardt er darnach vmb ein grosse summ geltts gestraft. Achaia AChaia die gegent hat (als Ptolomeus schreibt) vom nidergang epirum. von mitternacht Macedoniam vnd einen teyl des Egeische meers gegen dem aufgang desselben meers sich endende bis hin an dz hoehst gepirg. gegen mittem tag adriatisch meer vnd wo dz also war ist so begreift achaia die land vnd gegent acticam. boeciam. phadem. thessaliam. magnesiam etholiam vnd acarnaniam. doch an einem andern ende setzt Ptolomeus das die stett Elix Bura Helena vnd Pherecia in achaia seyen. Die gegent acarnania zwischen Epirum vnd Boeciam ist der gegent Etholie vermischt das ist yetzo ein hertzogthumb. Johannes vintinulius auß Sicilia puertig hat sein tochter dem dispoten diser gegent acarnanie zu der ee vermehelt. Darnach als die Tuercken die gegent acarnaniam bekuemmerten vnd den tochterman belegerten do kame er mit einem kleinen geraisigen zewg vber meer vnd verfolget die belegerer vnd erlanget gegen den Tuercken ein gedechtnus wirdige erniderlegung mit klainer anzal volcks ein grosse menig der tuerken fluechtig machende vnd seinen tochterman erloesende. der doch darnach vnlang durch heimliche verretterey von den Tuercken gefangen vnd seiner herrschaft berawbt wardt. Von Epiro der gegent EPirus die gegent fahet sich an vom nidergang an dem acroceraunischen gepirg vnd erstreckt sich hin gegen dem auffgang bis in das ambrachinisch tal tawsent vnnd dreyhundert roßlawff. Gegen mitternacht an Macedoniam vnd gegen dem auffgang an achaiam stossende bis hin an den fluss acheloum. Gegen dem nidergang an das Ionicisch meer raichende. In diser gegent schreibt Theopompus .xxiiii. voelcker gewesen sein. Die gschihtbschreiber setzen das diss ertreich am meer glueckselig vnd fruchtper vnd ettwen darinn vil vester stett vnd schloeßer gewesen seyen. aber von widerspenigkeit wegen des volcks gegen den Roemern ist dise prouintz zerstoeret. Vnd als Polibius setzt .lxx. epirotisch stett von Paulo emilio dem kaiser von grund auff vmbgekert worden nach vberwindung der Macedonier vnd des koenigs Persarum. In diser Epirischer gegent ist der weytgedechtig actizisch streit beschehen. darinn der kaiser augustus marcum anthonium durch einen schifstreit vnnd auch Cleopatram die koenigin Egipti deßmals gegenwuertig bestritten vnd vberwunden hat. darumb hat augustus in dem ambrochinischen tal ein statt Nicopolim das ist souil als vberwindung gepawt.
Das sechste Zeitalter. Wien ist eine weithin berühmte Stadt, die der große Theodosius durch seinen unversöhnlichen Zorn berühmt gemacht hat. Denn obwohl er zuweilen der gütigste Kaiser war, erzürnte er sich doch wegen der Richter, die in derselben Stadt erschlagen wurden, so grimmig, dass er befahl, alles Volk der Stadt zu töten. Und es wurden etwa 11.000 Männer erschlagen. Ambrosius, der Mailänder Bischof, duldete solche unmenschliche Tat nicht ungestraft, sondern verbot dem Kaiser den Eingang in die Kirche und zwang ihn, dafür Buße anzunehmen. Von da an wurde ein Gesetz gemacht, dass ein gefälltes Todesurteil über einen Menschen nicht vor 30 Tagen vollzogen werden sollte. Plinius schreibt, dass diese Stadt eine freie gewesen sei. So sagt Strabo, Philipp, der Vater des großen Alexanders, habe sie gebaut. Beide schreiben diese Stadt der mazedonischen Gegend zu. Andronikos, der Sohn des konstantinopolitanischen Kaisers Manuel, hatte diese Stadt als seinen erblichen Anteil empfangen und sie danach aus Hass auf Johannes, seinen Bruder, der dem Vater im Kaisertum nachfolgte, den Venezianern übergeben. Diese wurde den Venezianern von Murad, dem türkischen Kaiser, wieder abgedrungen. Derselbe türkische Kaiser brachte die übrigen mazedonischen Gegenden bis an das päonische Gebirge, das man jetzt Albanien nennt, unter seinen Gewalt. Oh, was für eine wunderliche Wandelbarkeit weltlicher Dinge und hinfließende Ruhmredigkeit menschlichen Gewalts! Einst hat sich diese mazedonische Gegend unter den zwei Königen Philipp und Alexander nach Unterdrückung des griechischen und thrakischen Landes bis hinein nach Asien, Armenien, Iberien, Albanien, Kappadokien, Syrien, Ägypten und bis an die Berge Taurus und Kaukasus und auch über die Baktrier, Meder und Perser erstreckt. Aber zu diesen unseren Zeiten ist es leider dem allerschändlichsten türkischen Volk unterwürfig, zinsbar und dienstbar geworden. Von Magnesia und Thessalien. Magnesia und Thessalien haben die Türken zu unseren Zeiten verfolgt. Die edelsten Berge Olymp, Pieris, Pindus, Ossa und Othrys, einst des lapithischen Volkes, sind jetzt dem türkischen Gewalt unterworfen. Dort waren vor Zeiten, wie Plinius schreibt, siebzig Städte gewesen. Unter den thessalischen Wasserflüssen ist der berühmteste Justeagoniphos. Er entspringt zwischen den Bergen Ossa und Olymp in einem waldigen Tal, an etlichen Enden schiffreich. Dadurch fließt auch der Fluss Peneus über einem grünen Gries, am Gestade von Gras wundersam und süßtönend vom Vogelgesang. Er berührt den Bach Orchon, aber er nimmt ihn nicht in sich auf. Im thessalischen Land war einst ein König namens Graecus, von dem Graecia, das griechische Land, den Namen hat. Auch ein König Helenus, von dem Helena genannt ist. Homer, der Poet und Geschichtsschreiber, hat das thessalische Volk mit drei Namen genannt: als Myrmidonen, Hellenen und Achaier. Und obwohl dieses Volk einst dem Gewalt der Perser widerstanden hat, so konnten sie doch den Waffen der Türken, die durch den philarischen engen Weg gegangen sind, keine Verhinderung tun. Von Boiotien. Nach Thessalien kommt Boiotien, sich vom Aufgang in den Niedergang erstreckend. Das Euböische Meer und den Krisäischen Winkel berührend, ist es bei fast allen Geschichtsschreibern an Ruhmredigkeit namhaft. Dort war einst das Vaterland des Vaters Liber und des Herkules, und dort war eine Stadt namens Epaminonda, nicht weniger als Athen hochberühmt. Dieselbe Stadt ist zu unseren Zeiten ein kleines Kastell und von den Türken mit anderem boiotischen Land besessen. Von dem Land Hellas oder Attika. Hellas, von den Unseren Graecia genannt, haben unsere Vorfahren Akte genannt und nach verwandeltem Namen danach Attika geheißen. Homer hat alle Einwohner in Attika Athener genannt, weil die Stadt Megara noch nicht gebaut war. Nun erstreckt sich Attika aus Boiotien bis in das Korinthische Gebirge an dem Ende, das Megaris heißt. Bei demselben Korinthischen Gebirge war eine Säule, daran stand geschrieben an dem Ort gen Peloponnesos hin diese Worte: „Dies ist Peloponnesos und nicht Ionien.“ Aber auf dem Ort gen Megara hin diese Worte: „Dies ist nicht Peloponnesos, sondern Ionien.“ Denn Attiker und Ionier sind ein Volk. Als dieselben mit den Peloponnesiern gar oft ihrer Gegend halben Zwietracht, Uneinigkeit und Widerwillen hatten, da erlangten sie zuletzt mit gemeinsamer Folge, dieselben Säulen aufzurichten. Und obwohl dieses Land Attika felsig, steinig, Blatt 274 und unfruchtbar ist, so haben doch etliche diese Gegend mit wunderbarem Preis und Lob erhoben und den Gott der Behausung geheißen. In dieser Gegend war einst die edelste Stadt Athen, die an Preis und Ruhmredigkeit keinen Mangel hatte. Dieselbe Stadt hat zu diesen unseren Zeiten die Gestalt eines kleinen, unachtbaren Städtleins. Doch auf dem Felsen, wo der alte Tempel der Minerva gewesen ist, ist jetzt ein Schloss oder Burg, durch alles griechische Land namhaft wegen der Größe ihres Gebäudes und der guten Bewahrung vor Sturm und Gewalt. Diese Stadt hat ein florentinischer Mann dem türkischen Kaiser eingegeben, als er nach angerufener Hilfe der Lateiner von niemand Beistand finden mochte. Darum wurden ihm etliche Dörfer eingegeben, darin er unadelige Zeit zu führen. Von Peloponnes. Peloponnes liegt an der attischen Gegend, einst ein Schloss des ganzen griechischen Landes. Denn außerhalb des Adels und der Mächtigkeit des Volkes darin zeigt die Lage der Orte und Gegenden ein Fürstentum und Herrschaft an. In diesem Land sind viele Täler und Berge. Vom Niedergang in den Aufgang begreift es 1400 Rossläufe und im Umkreis 4000. Zwei Meere, das Ionische und Ägäische, gehen um dieses Land, wie Anthemidorus spricht. In dieser Gegend ist die edle Stadt Korinth gewesen. Dieses Land wird heute von den Lateinern Morea genannt. Darin ist Achaia, Messenien, Lakonien, Argos und Arkadien fast in der Mitte gelegen. Somirates ist nach Bestreitung Thessalonikas, Boiotiens und Attikas außerhalb Athens bis an die Stadt Hexamilion gezogen und hat die Mauern derselben Stadt zerstört und eine jährliche Zinsbarkeit aus Ergebung der Peloponnesier auf sie geschlagen. Als aber danach die Ungarn aus Bewegung Julians des Kardinals wieder zu den Waffen griffen und etliche glückliche Zeiten wider sie eroberten, da wurde der griechische Kaiser Konstantin daselbst getötet. Der Despot dieser Provinzen unternahm es, den Türken den Tribut nicht zu geben und die Stadt Hexamilion wieder aufzurichten. Von derselben Sache wegen wurde er danach um eine große Summe Geldes gestraft. Achaia. Achaia, die Gegend, hat (wie Ptolemäus schreibt) vom Niedergang Epirus, von Mitternacht Mazedonien und einen Teil des Ägäischen Meeres gegen den Aufgang desselben Meeres sich endend bis hin an das höchste Gebirge, gegen Mittag das Adriatische Meer. Und wo das also wahr ist, so begreift Achaia die Länder und Gegenden Attika, Boiotien, Phokis, Thessalien, Magnesia, Ätolien und Akarnanien. Doch an einem anderen Ende setzt Ptolemäus, dass die Städte Elis, Bura, Helena und Pherecia in Achaia seien. Die Gegend Akarnanien zwischen Epirus und Boiotien ist die Gegend...