Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
KErnten ist auch ein gepirgige gegent an Crain stossende. gegen dem orient vnd mitternacht an Steyer gelegen. gegen dem nydergang vnd mittemtag an das welsch gepirg vnnd Foriaul rueerende hat in ir vil tal vnd puehel. waitzfruchtper. vil see. vil pech vnd fluess. vnder den die Trawn der fuernembst ist. der durch Steyer vnd Hungern in die Thonaw fleueßt. Dise gegent ist dem oesterreichischen hertzogthumb vndertenig. Als offt ein newer regirender fuerst angeet so haben die inwoner diss lands ein solche gewonheit das nit weit von der stat sant Veit in einem weitten tal auf einem weitten feld ein pawer auf einen marmorstain dasellbst aufgericht steiget. dem dz ambt auß erblicher gerechtigkeit zu gepuert. der hat auff der rechten seyten einen magern schwartzen ochßen. vnd auff der lincken seyten ein magers vngestalts pferdt. Aldaherumb stett das volck vnnd alle pawrschaft. So kumbt den der fuerst auff der andern seyten entgegen dorther. vnd der adel wol geklaid vnnd geziert mit einem panyer vnd wappen des fuerstenthumbs. So lawfft der graff von Goertz zwischen zwelff kleinen panyern vor her. der ander adel folgt hernach. nymant erscheint in diser versammlung vnachtperer den der fuerst. in gestalt eins pawrn. in einem groben pewrischen klaid vnder einem pewrischen huot mit pewrischem geschueehe vnd einem stab gleich einem hirtten tragende. vnd wenn der pawr auff dem stain sitzende des fuersten dort her komende ansihtig wirdt so schreyet er mit windischem gezuenge (dann die Kerrnter sind Winden) sprechende. Wer ist der der also hohfertigclich pranget dort her. so spricht das vmbsteend volck. der fuerst des lannds kuembt. so spricht der pawr. ist er auch ein gerechter richter vnd liebhaber des hails vnßers lands. freyer aigenschaft. der erwirdig. Ist er auch icht ein heyer vnd beschirmer cristenlichs glawbens. so antwurten sie alle. ia er ists vnnd wirds. So fragt den der pawr hinwiderumb. wie. oder mit wz gerechtigkeit wurd er mich von disem stuol bewegen. so spricht den der graff von Goertz man wirdt dich mit .lx. pfennigen von dannen kawffen. dise zway hawbt vihs der ochs vnnd das pferd werden dein. so wuerdestu des fuersten klaid nemen vnd dein haws frey vnd vnzinsper. als denn so gibt der pawr dem fuersten einen fenften packenschlack vnd gepeuet ime einen rechten richter zesein damit steet er auff vnd fueert sein vihe mit ime hinweg. so steygt der fuerst auff den stain mit außerzognem plossem schwert sich vmb vnd vmb kerende vnnd dem volck guote vnnd gleiche gericht gelobende. Man sagt auch das demselben pawrn kalts wasser zugepracht werdt das trincke er auß einem filtz huot gleich als ob er den geprauch des weins verachtet. darnach zewht der fuerst in sant Peters kirchen zu nehst auff einem perg gelegen vnd ettwen ein bischoflich kirch gewesen. alda er nach volbringung des goetlichen ambts pfligt die pewrischen klaider ab. vnd die fuerstenlichen anzeziehen vnd nach scheinperlicher wirtschaft mit seinem adel vnd ritterschaft widerumb in das feld zereyten vnd alda auff dem richter stuol sitzende den begerenden rechts zegestaten vnd lehen zeleyhen Man sagt dz nach der gepurt Cristi vnßers haylands .viic.xc. bey zeiten kaiser Karls des grossen. Igno der hertzog diss lands der landschaft vnd inwonern diser gegent ein grosse wirtschaft beraytet vnd dem pawrs volck das er nahent zu im sitzen ließ guldine vnd silberine gefeß. vnd den edeln vnd foerdersten weit von im gesetzt yrdine trinckgschier fuerzetragen geschaft hett. Als er nun gefragt wardt was er da mit mainet do antwurtet er. das die nit also rayn weren die in grossen stetten vnd koestlichen pallasten woneten als die auf dem gew vnd in demueetigen hewßlein die pawrn hetten nach annemung des euangeliums mit dem heilligen tawff geraynigt schoen sele. so wern die sele der vnd mechtigen mit der vermayligung abgoettereischer anbettung befleckt vnnd verschwertzt. Nw het er solche wirtschaft nach gestalt vnd weise der selen fuergenomen. In kurtzer zeit darnach hetten die edeln von Virgilio vnd Arnone den Saltzburgischen bischoffen schares weise den prunnen des heilligen tawfs vnnd den cristenlichen glawben empfangen. von dannen her wer die ere der einsatzng eins fuersten der pawrschaft zugeaignet. Ein hertzog zu Kernten ist ein ieger des reichs gewest fuer den alle irrig sachen der ieger zu entschied geschoben warden. So dann er vor dem kaiser in gericht den clagern antworten solt so was er das zethun nit schuldig anders dann in windischer zungen. In disem land ist in einer statt Clagenfurt genant wider die dieb gar ein harte gewonheit. dann so ymant in einen argkwon einicher dieberey felt so wirdt er alßpald gefangen vnd zu tod erhangen. vber drey tag darnach fragen die von Clagenfuert den sachen der dieberey nach vnd so sie denn finden dz er der dieberey vnd des tods schueldig gewesen sey so lassen sie den leichnam hangen bis er gar verzert wuerdt. Erfindet sich aber das dem erhangnen vnrecht beschehen ist so nemen sie den leichnam wider von dem galgen vnd halten der selen ein offne begencknus. In disem land hat graff Vlrich von Goertz ein man zerruedter denn ein weib seine iunge vnzeitige tochter zu mitternacht zum getranck auffgewecket. vnnd mer wandels vnnd gemainschaft mit den hirten denn mit den edellewten gehabt. vnd spilet also alter mit den kindern auff dem eyse. vnd sein wonung was vil bey gemaynen weybern. gar selten name er die speyse zu hoff. Er gieng allain zum koch vnnd frass suppen in der kuchen. Er truog schnoede vnd vnsawbere klaider an vnd plecket im die prust. So waren ime seine awgen alweg zeherfeuecht. Wenn yezuzeiten diser graff zu kaiser Friderichen komen wolt vnd so denn der kaiser desselben grafen ansihtig wardt so fordret er mich zu ime vnd sprach. Enea kum her vnnd schawe den fuersten der dort her zu uns eylet. Hastu ye einen raynern vnnd huebschern fuersten gesehen so sags. Diser graff het ein Hungerin zu einem weib die bracht ine auß tuerstigkeit zu gefangknus. Auß der wardt er durch hilff graff Vlrichs von Cili erledigt. darumb veriaget er sein weib von im vnnd starb vnlang darnach vnnd ließ wolgeschickt suene als erben des lands. die waren an guotsittigkeit der muoter gleicher dann dem vater. Von Steyer einer gegent Teutsch lands STeyer ettwen Valeria genant stoest gegen dem auffgang an Hungern. von mitternacht oesterreich. vnd gein dem nydergang vnd mittemtag Krayn vnd Kernten ansehende. Dise gegent ist auch pirgig. wiewol die gegen dem auffgang nit klaine ebne hat. Trawn vnd Mur die beruembten zwen fluess befeuechtigen dise gegennt. die Mur fleueßt in die Trawn vnd die Trawn in die Thonaw. das volck in den stetten ist gewonlich Teuetsch. vnd das pawrfuolck herdißhalb der Trawn windisch. Dise gegent gehoert vnder das haws zu oesterreich. Hier innen ist ein altes stettlein das ettlich Cili nennen. alda erscheinen vil anzaigung alter ding. auch namen vnd marmorstainini greber der roemischen fuersten. Zu vnßern zeitten hat alda geherrschet graff Friderich. der dann in vnkeuescher flaischgirigkeit gegen einem zuweib entzuendet seine eeliche gemahele ein geporne greffin von Croacien mit seiner hannd ertoetet. So ertrencket sein vater. als der mechtigen gerechtigkeit ist das zuweib. So name der Blat CCLXXVI sun die weiber von iren mennern. zucket die iunckfrawen gein hof. fienge das land volck zu dienstperkeit. zerruedet der kirchen gueeter vnd samlet allenthalben zu ime die muentzfelscher. vbeltetter. warsager. schwartzkuenster. vnd wiewol er in dem gnadenreichen iar yetzo newntzig ierig er von ablaß wegen gein Rom zohe so erschyne doch nach seiner widerkunft kein besserung an ime. vnd als er gefragt wardt war zu ime die romfart nuetz gewesen wer so er sie doch seiner alten sytten nit masset. do antwurter er vnd sprach. Mein schuster macht nach seiner widerfart von Rom auch noch stifel. Nach diss grafen absterben erbet ine Vlrich sein sun ime in andern dinngen an synnen gleich. aber redgesprecher. Als derselb erschlagen wardt do waren .xxiiii. ansprecher seiner verlassen erbschaft Also wie er in seinem leben allenthalben krieg vnd auffruor bewegt also erwecket er auch sterbende zwittracht vnd widerwertigkeit. aber die oebern vnd foerdern des lands vermaynten die besitzung desselben lands kaiser Friderichen einzegeben mit dem geding das sie den ansprechern nach gewonheit des lands in gericht antwurteten So vnderstund sich graff Vlrichs gelaßne wittib das das sie inn het zebeschirmen. Aber kaiser Friderich wardt nach erobrung vil schloesser mit gewalt zu letst zu Cili auffgenomen auß vbergebung eins Beheims der wz des grafen rittermaister vnd empfienge gelt von dem kaiser vnd wendet sich von der grefin ab Aber er empfienng des pald rewen vnd vnderstund sich einer groben vbeltat vbel mit vbel zebedecken. vnd den kaiser mit wenig volcks zu Cili wesende bey nachtlicher weil zebehemmen. dann er wardt mit anschlag ettwen vil burger daselbst mit achthundert rewttern eingelassen vnd zu der waffen gegriffen. aber die goetlich gueetigkeit gestund kaiser Friderichen bey. die ime wider die gewonheit in dem oebern schloss an diser nacht zeschlaffen geraten het. Das hofgesind so in dem stettlein bliben waren alle gefangen. vnd Johannes vngnadius der allerreichst in Steyrn mit seinem bruder Jorgen hingefuort mitsambt Vlrichen dem oesterreichsichen cantzler. der doch ein bischoff vnd in die kirchen geflohen was. Man sagt das in Steyern ein edel man gewesen wer dem wer oft eingefallen sich zeerhencken darumb het er bey einem gelertenn mann wider soelche anfechtung rats sie pflegen vnd in rat gefunden das er einnen aigen briester bestellen solt der ime alle tag mess lese dem het der edel man also folg gethan vnd ime schier ein gantz iar mess lassen halten vnd derselben weil keinen einfallenden gedancken des erhengkens gehabt. Zu letst wardt der edelman von seinem bestelten priester gebetten ime zeuerguennen einem pfarrer auff der kierchweyhe in der nehe zedienen. das het ime der edel man nachgegeben in willen auch alßpald hinach zefolgen vnd bey den heilligen ambten zesein. vnd wiewol er darnach lang wanckelmueetig gewesen wer so wer er doch schier vmb mittentag gegangen vnd einem pawrn in dem wald begegnet der het ime gesagt wie dz goetlich ambt auff der kirchweyhe volbracht vnd alles volck abgegangen wer. dess het sich der edelmann gar ser betrueebt vnnd gesprochen. Er wer vnselig das er desselben tags den heilligen fronleichnam Cristi nit gesehen het. darumb het er den pawrn angemuotet. ob er ime das das er mit beywesen in dem goetlichen ambt verdient het verkawffen wolt do het der pawr eins schlechten klaidleins vom edelman begert. Nach beschehnem kawff wer der edel man nichts destminder in die kirchen gegangen vnd het gebettet. als er nw auff dem widerweg anhaims het woellen geen do het er den pawrn an einem pawm hangende gefunden. vnnd darnach nit mer schwerer gedancken empfunden. In diser gegent seuedet man vil saltz. das fueeret man von dannen in andere land. Daselbst ist auch vil reichs eysen ertze vnd silber gruoben. Von osterreich
Kärnten ist auch eine gebirgige Gegend, die an Krain stößt, gegen den Orient und Mitternacht an Steiermark gelegen, gegen den Niedergang und Mittag an das welsche Gebirge und Friaul rührend. Es hat in sich viele Täler und Bühel, ist weizenfruchtbar, hat viele Seen, viele Bäche und Flüsse, unter denen die Traun der vornehmste ist, der durch Steiermark und Ungarn in die Donau fließt. Diese Gegend ist dem österreichischen Herzogtum untertänig. Sooft ein neuer regierender Fürst antritt, haben die Einwohner dieses Landes eine solche Gewohnheit, dass nicht weit von der Stadt Sankt Veit in einem weiten Tal auf einem weiten Feld ein Bauer auf einen Marmorstein, der daselbst aufgerichtet ist, steigt, dem das Amt aus erblicher Gerechtigkeit zukommt. Der hat auf der rechten Seite einen mageren schwarzen Ochsen und auf der linken Seite ein mageres, ungestaltes Pferd. Ringsherum steht das Volk und die ganze Bauerschaft. Dann kommt der Fürst auf der anderen Seite entgegen, und der Adel, wohl gekleidet und geziert mit einem Panier und Wappen des Fürstentums. Dann läuft der Graf von Görz zwischen zwölf kleinen Paniern voran, der andere Adel folgt danach. Niemand erscheint in dieser Versammlung unachtbarer als der Fürst, in Gestalt eines Bauern, in einem groben bäuerischen Kleid, unter einem bäuerischen Hut, mit bäuerischem Schuhwerk und einen Stab gleich einem Hirten tragend. Und wenn der Bauer, auf dem Stein sitzend, den Fürsten dort herkommend ansichtig wird, so schreit er mit windischem Zungen (denn die Kärntner sind Winden) sprechend: „Wer ist der, der also hochfertiglich prangt dort her?“ So spricht das umstehende Volk: „Der Fürst des Landes kommt.“ So spricht der Bauer: „Ist er auch ein gerechter Richter und Liebhaber des Heils unseres Landes, freier Eigenschaft, der Ehrwürdige? Ist er auch ein Heger und Beschirmer christlichen Glaubens?“ So antworten sie alle: „Ja, er ist es und wird es sein.“ So fragt dann der Bauer wiederum: „Wie, oder mit welcher Gerechtigkeit wird er mich von diesem Stuhl bewegen?“ So spricht dann der Graf von Görz: „Man wird dich mit 60 Pfennigen von dannen kaufen. Diese zwei Hauptvieh, der Ochse und das Pferd, werden dein. So würdest du des Fürsten Kleid nehmen und dein Haus frei und zinsfrei.“ Als dann gibt der Bauer dem Fürsten einen sanften Backenschlag und gebietet ihm, ein rechter Richter zu sein. Damit steht er auf und führt sein Vieh mit sich hinweg. So steigt der Fürst auf den Stein, mit ausgezogenem, bloßem Schwert sich um und um kehrend und dem Volk gute und gleiche Gerichte gelobend. Man sagt auch, dass demselben Bauern kaltes Wasser zugebracht wird, das trinkt er aus einem Filzhut, gleich als ob er den Gebrauch des Weins verachtet. Danach zieht der Fürst in Sankt Peters Kirche, die nächst auf einem Berg gelegen und ehedem eine bischöfliche Kirche gewesen ist. Alda er nach Vollbringung des göttlichen Amtes pflegt die bäuerischen Kleider abzulegen und die fürstlichen anzuziehen und nach scheinbarer Wirtschaft mit seinem Adel und Ritterschaft wiederum in das Feld zu reiten und alda auf dem Richterstuhl sitzend den Begehrenden Recht zu gestatten und Lehen zu verleihen. Man sagt, dass nach der Geburt Christi, unseres Heilands, 790, bei Zeiten Kaiser Karls des Großen, Igno, der Herzog dieses Landes, der Landschaft und den Einwohnern dieser Gegend eine große Wirtschaft bereitet und dem Bauernvolk, das er nahe zu sich sitzen ließ, goldene und silberne Gefäße, und den Edlen und Vordersten, weit von ihm gesetzt, irdene Trinkgeschirre vorzutragen geschafft hatte. Als er nun gefragt wurde, was er damit meinte, da antwortete er, dass die nicht also rein wären, die in großen Städten und köstlichen Palästen wohnten, als die auf dem Gewand und in demütigen Häuslein, die Bauern hätten nach Annahme des Evangeliums mit dem heiligen Taufe gereinigte, schöne Seelen. So wären die Seelen der und Mächtigen mit der Vermählung abgöttischer Anbetung befleckt und verschwärzt. Nun hatte er solche Wirtschaft nach Gestalt und Weise der Seelen vorgenommen. In kurzer Zeit danach hatten die Edlen von Virgil und Arno, den Salzburger Bischöfen, scharenweise den Brunnen des heiligen Taufes und den christlichen Glauben empfangen. Von dannen her wäre die Ehre der Einsetzung eines Fürsten der Bauerschaft zugeeignet. Ein Herzog zu Kärnten ist ein Jäger des Reichs gewesen, für den alle irrigen Sachen der Jäger zu entscheiden geschoben wurden. So dann er vor dem Kaiser in Gericht den Klägern antworten sollte, so war er das zu tun nicht schuldig, anders als in windischer Zungen. In diesem Land ist in einer Stadt, Klagenfurt genannt, wider die Diebe gar eine harte Gewohnheit. Dann so jemand in einen Argwohn einiger Dieberei fällt, so wird er alsbald gefangen und zu Tod erhängt. Über drei Tage danach fragen die von Klagenfurt den Sachen der Dieberei nach, und so sie dann finden, dass er der Dieberei und des Todes schuldig gewesen sei, so lassen sie den Leichnam hängen, bis er ganz verzehrt wird. Erfindet sich aber, dass dem Erhängten Unrecht geschehen ist, so nehmen sie den Leichnam wieder von dem Galgen und halten der Seele eine offene Begängnis. In diesem Land hat Graf Ulrich von Görz, ein Mann zerrütteter denn ein Weib, seine junge, unzeitige Tochter zu Mitternacht zum Getränk aufgeweckt und mehr Wandels und Gemeinschaft mit den Hirten denn mit den Edelleuten gehabt und spielte also Alter mit den Kindern auf dem Eise. Und seine Wohnung war viel bei gemeinen Weibern. Gar selten nahm er die Speise zu Hof. Er ging allein zum Koch und fraß Suppen in der Küche. Er trug schnöde und unsaubere Kleider an und bleckte ihm die Brust. So waren ihm seine Augen allweg tränenfeucht. Wenn zuzeiten dieser Graf zu Kaiser Friedrich kommen wollte und so dann der Kaiser desselben Grafen ansichtig ward, so forderte er mich zu ihm und sprach: „Aeneas, komm her und schaue den Fürsten, der dort her zu uns eilet. Hast du je einen reineren und hübscheren Fürsten gesehen, so sag es.“ Dieser Graf hatte eine Ungarin zu einem Weib, die brachte ihn aus Dürstigkeit zu Gefangenschaft. Aus der ward er durch Hilfe Graf Ulrichs von Cilli erledigt. Darum verjagte er sein Weib von ihm und starb unlängst danach und ließ wohlgeschickte Söhne als Erben des Landes. Die waren an Gutsittigkeit der Mutter gleicher denn dem Vater. Von Steiermark, einer Gegend Deutschlands. Steiermark, ehedem Valeria genannt, stößt gegen den Aufgang an Ungarn, von Mitternacht an Österreich und gegen den Niedergang und Mittag an Krain und Kärnten ansehend. Diese Gegend ist auch gebirgig, wiewohl die gegen den Aufgang nicht kleine Ebene hat. Traun und Mur, die berühmten zwei Flüsse, befeuchten diese Gegend. Die Mur fließt in die Traun und die Traun in die Donau. Das Volk in den Städten ist gewöhnlich Deutsch, und das Bauernvolk diesseits der Traun windisch. Diese Gegend gehört unter das Haus zu Österreich. Hierin ist ein altes Städtlein, das etliche Cilli nennen. Alda erscheinen viele Anzeichen alter Dinge, auch Namen und marmorsteinene Gräber der römischen Fürsten. Zu unseren Zeiten hat alda geherrscht Graf Friedrich, der dann in unkeuscher Fleischgierigkeit