Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
OSterreich an disem end zebeschreyben maynen wir nit not sein. von der wir ein sundere histori geschriben haben. Doch woellen wir hie kuertzlich die gelegenheit der oesterreichischen gegent erkleren. Osterreich ettwen oebern Pannonia genant hat vom auffgang Hungern. vom nydergang Bayern. von mitternacht Beheim vnnd Merheren. gein mittemtag das Steyrisch gepirg. oesterreich ist dreyer oder ein wenig mynder tagrays prayt vnd sechs tagrays lang. Diss ist ein edels ertreich mit wasser wol befeuechtigt. mit weingarten bepflanntzt. holtzreich agkerfruchtper. vol fisch. vnd an weingewachs also vberfluessig das oesterreich den Behem Merhern Schlesiern vnd Bayern weins genuog gibt vnd dar auß groß gelt vnd reichthuemer sammeln. Die Thonaw fleueßt mittten durch diss land. Wienn ist in disem land die fuernembst statt vnnd der Pannonier fast grosses kawffhaws. Mit mawren zwayer tausent schrit vmbgeben. Mit greben. ergkern. thuernen vnd mit grossen vorstetten geziert. In disem land haben sich die landseßen nach absterben koenig Albrechts hertzog Friderichen daselbst. darnach Roemischen kaiser befolhen. in der gestalt wo koenig Albrechts gelassene wittib einen knaben gepere das er sein vormund gerhab oder pfleger. oder so sie ein frewlein brecht ein herr des lands sein solt. Als nun die koenigin Ladislaum geporn het do vnderstund sich Friderich seiner pflegnus vnd vormundschaft. Die ritter vnd kriegs lewt die vnder koenig Albrechten gedient vnd iren sold nochmals nit empfangen hetten griffen die landschaft mit mord vnd prant an. von denen kawffet sich Friderich mit .xlm. gulden. Die elter koenig Laßlaws schwester wardt hertzog Wilheln zu sachßen vermahelt. Johannes huniades oder hunianisch begeret der kron zu Hungern von kaiser Friderichen. do er ime die versaget do vberzohe huniades mit .xijm. pferden oesterreich alles land zwischen Wienn vnd dem Steyrischen gepirg zerruedende vnd verprennende. Nw entstund zwischen kaiser Friderichen vnd den Hungern vnd Behmen also grosse auffruor vnd zwittrachtigkeit das deßhalben zu entschied der sachen ein tag gein Wienn bestimbt wardt. Daselbsthin komen Ludwig zu Bayeren vnd Wilhelm zu sachsen die hertzogen. vnd Albrecht zu Brandemburg vnd Karl zu Badaw die marggrafen. vil panyer herren auß Hungeren vnd vil auß Behem. So sendet der kaiser sein potschafter. der wir auch einer waren. vnd wiewol alda von aller tail gerechtigkeiten vil vnd mancherlay gehandelt wardt so wardt doch nichts entlichs beschlossen. In derselben versamlung erhuob koenig Laßlaw Johannem hunianisch der ime sein koenigreich vor den Tuercken behalten het zu fuerstlicher ere. vnd wiewol der graff von Cili nach seinem willen den koenig laytet vnd alle ding an sich reyssende den Eytzinger vnd die von Wienn verachtet vnd sein zuweib das er nach ertoedtung irs mans entfueeret schier mit eren eyner koenigin gepuerende erhuobe. yedoch fiel er zu letst in des koenigs vngnad vnd ward durch verfuegung des Eytzingers auß dem koenigclichen hoff vertriben. vnd auff das er durch verschmehung von dem volck nit verstainet wuerde so belaytet ine marggraff Albrecht von Brandemburg von sicherheit wegen bis zu dem thor der statt. Aber als schnoed vnd erbermdlich sein hinflucht was also herrlich hoffertig vnnd guenstig was sein widerkunft. dann vber ein iar darnach als der koenig von Behem wider gein Wienn komen was do wardt der graff auß anregen der oesterreichischen lantherren wider berueefft mit tawsent pferden gein Wienn reyttende. von dem koenig der ime fuer die thor entgegen gieng mit frolockung alles adels empfanngen. Darnach verlure der Eytzinger des koenigs huld vnd gnad vnd zoh haim in sein schloss vnd wardt gegen dem kaiser. den er schwerlich belaidigt het wider außgesoenet. Vnlang darnach tryben die auff koenig Laßlaws seyten souil gewalts vnnd stoltzmueetigkeit das sie sich die vorstett der Newenstat darinn die kaiserin in der kindelpet lage einzenemen vnd die statt zepluendern vnderstunden. vnnd do sie das nicht erlangen mochten die statt anzuendeten. Offt wardt vergebenlich von frid vnnd vertrag zwischen dem kaiser vnnd koenig gehandelt. So maynet der graff von Cidas die oesterreichischen fuersten von seinen wegen vnayns weren. aber als nach seinem absterben der Eytzinger auß Behem zum kaiser gesendet beden tailn angenemen frid vnnd vertrag außgesprochen het. yedoch als der koenig in mitler zeyt mit tod vergieng do wardt nicht allain solcher vertrag vnd ainigkeit zerruedet sunder auch die hoffnung grosser ding. vnd des gantzen gemainen cristenlichen stands abgestellet. Die oesterreicher warden von dem kaiser vnd hertzog Albrechten seinem bruder vmb auffgebung vnd einantwurtung des regiments ersucht. Die hielten ein versammlung der landseßen. Vor den ließ der kaiser fuerbringen das das land dem eltern fuersten zu oesterreich gepueeret. so maynet hertzog Albrecht das ime vnd seinem vetter hertzog Sigmunden die koenigclich erbschaft billich folgen solt. do antwurtet die landschaft. wenn sich die brueedere mit einander vertruegen so wolten sie sich zymmlicher vnd gepuerlicher weise halten. Dazwischen namen die rawber ihenßhalb der thonaw in oesterreich bey dem gestadt dess fluss Merheren ein wolbefestigte statt ein vnd vnderfiengen sich die gantzen gegent mit rawb vnd prant zebekuemmern. Gegen disen beschedigeren ruestet sich hertzog Albrecht vnd fienge sie mit gewalt. schluoge derselben vil zu tod. sechßthalbhundert gefangen hinfueerende. vnd .lxxx. auß denselben hengkende. Auß diser thate erlanget er ime bey den oesterreichern ein guots geschray vnnd gunnst. Als nw Vlrich eytzinger bey dem kayser zu der Newenstatt gewesen vnd am widerweg gein Wienn komen was do wardt er sich nichts args besorgende von hertzog Albrecht zu ime gefordert. alßpald von ime gefangen vnd in einen sundern kercker geschlossen. Die burgere Blat CCLXXVII achteten dise ding fuor vnbillich vnd wardt ein gross gemuermel aber nymant wolt dem armen gefangen helffen Der kaiser wardt gebetten gein Wienn zeziehen aber er verzohe ettwielang auß besorgknus ob vileicht argklistigkeit darhindter wer. Dazwischen kome hertzog Sigmund auß der Etstch hinab gein Wienn vnd fueroan zu der Newenstatt. daselbst empfienge er von dem kaiser lehen des fuerstenthumbs ime nach alter gewonheit schwerende in beywesen hertzog Albrechts. der vnlang darnach widerumb mit hertzog Sigmunden gein Wienne zohe. vnd bede machten sie puentnus wider den kaiser in fuersatz oesterreich vnder sich zebringen. Als der kaiser die ding vernomen het do beschlusse er sich gein Wienn zekomen. darzu berueffet er hertzog Ludwigen zu Bayern den grossen namhaftigen fuersten. der zohe mit dem kaiser vnd der kaiserin gein Wienn zu. dem kome das Wiennisch volck entgegen fuer die statt. deßgleichen auch Albrecht vnnd Sigmund die hertzogen mit irem adel. Hertzog Albrecht het bey .iijm. geraysiger mann zu der weer vnd waffen geruestet. die sich nicht verr von Wienn auff einer hoehe den kaiser sehen liessen vnd ime einen grossen schrecken machten. so meeret hertzog Albrecht den argkwon offt zu dem geraysigen zeueg reyttende vnd haymlich vnderred mit ine habende. Der hawbtman desselben geraisigen zeuegs solt zu hertzog Albrechten gesprochen haben. ist es dir gefellich so wil ich dich hewt leichtlich zu einem herren der statt wienn vnd oesterreich machen. nymants mags verhindern. ich wil den kaiser vnd sein mitgeferten auffahen aber hertzog Albrecht het sich ein wenig zweifellich gestelt vnd darnach gesprochen. Hettestu yetzit on mein wissen gethan das moecht ich dir vbersehen han aber mir gezymmt nicht dir vngepuerliche dinng zegepietten. Hertzog Albrecht vnd Sigmund lagen in einer herberg in dem Praghof genant. so het der kaiser sein wonung in sundern burgers herwßern. aber die landschaft hueetet des schloss. Die hertzogen machten ein puentnus mit ayds pflicht in der nacht das schloss anzegreiffen vnd nicht wider anhayms zekomen sie hetten dann vor das schloss erobert Solcher anschlag gelanget an die burgere die griffen zu der weer vnd besetzten das schloss stercker. Nw was sich eins grossen streyts vnd grawsamer schlacht vnd darinn der fuersten nyderlag vnnd nachtayl zeuermuoeten. die sach stund lang zweifellich. die burgere waren bestendigs fuersatzs das schloss zebeschuetzen. So maynten die fuersten inen schmalich sein wo sie wider ire aids pflicht vor erobrung des schloss wider zu hawß zekeren. Zu letst wardt die sach getaydingt das die fuersten in das schloss geen vnd ein weil bis sie den wein truencken darinn verharren moechten vnd darnach wider herauß geen solten. Am drytten tag darnach wardt das schloss in drey teil getaylt. die zwen tayl den zwayen hertzogen vnd der drit tail dem kaiser von der landschaft eingeantwurtet. Alda warden ettlich landsessen zu entschied vnd hinlegung der zwittracht vnd spenn der brueedere erkorn. vnd inen darinn gantz volkomner gewalt vnd macht gegeben. aber es ist schwer wider die mechtigen zeurtailn. Der adel vnnd die fuersten der kirchen waren dem kaiser guenstiger. so hienge das gemain volck hertzog Albrechten an. Von Merheren land VOn oesterreich gegen mitternacht wartz ligt das Merherisch land. darinn ist ein fraysams vnd rawbgirigs volck zwischenn den hungern vnnd behmen von mittem tag vber die Thonaw. In disem lannd halten die stett vnd doerffer die gewonheit der roemischen kirchen vnd gehellen dem cristenlichen rechten glawben. Der adel vnd die landharrn sind schier alle mit der hussitischen mackel befleckt. Dieweil Johannes capistranus daselbst das goetlich wort prediget vnd die irrung der hussen hitzigclich schendet. do bekeret sich nicht ein klainer landßherr Ezernaboram genant mit .ijm. vnderthanen von der ketzereyschen irrung zu der warheit der roemischen kirchen Prothasius sein sun an schriftlicher weißheit vnnd gueten sytten ein beruembt mensch erobert nicht lang darnach das bistthumb zu Olmuentz. Die ist ein einige bischofliche statt der Merhern. Ettwen ist die herrschunng vnder den Merheren fast prayt vnd mechtig gewesen bis auff den sun Snatocupi. dess wesen vnd hendel wir in der behmischen histori beschriben haben. Als aber der sun Snatocupi anfieng die kierchen gottes zeuerachten do ward die herrschung von disem volck genomen. vnd darnach durch die roemischen kaiser in Beheim gewendet. In diser gegent sind vil stett vol volcks vnd reichthuemer. vnder den ist Pruenn die fuernembst. Dess volcks gezueng ist gemischt Teuetsch vnd Behmisch. doch ist das Behmisch gewoenlicher. Von Schlesien land SChlesier land nach Merhern folgende ist nicht ein vnedle gegent. durch die der beruembt fluss die Ader genant in den Hungrischen bergen die gegen dem orient an Schlesier lannd stoßende entspringen in dz baltisch oder teuetsch meer fleueßet. Die leng diser gegent ist bey .lxxx. roßlawffen. Die hawbtstatt diss volcks ist Preßlaw an der Adern gelegen. Der erben vnd herrscher diss land sind vil gewesen. vnd ist das land in vil tayl gesundert. vnd deßhalb zu mermaln gar schwerlich beschedigt worden. Vnder den selben herrscheren was einer hertzog Bulco genant. der zu Glogaw sitzende zu leibs lustperkeit vnd flaischgirigkeit also geflissen was das er vnsynnende sprach. das weder engel noch teuefel weren. sunder leib vnd sele miteinander abstuerben vnd vergiengen. Er gienge nymmer oder selten in die kirchen. vnd enthielte sich vor den cristenlichen sacramenten. dann allain dz er auß mißbrauch des eelichen stands seine gemahle die ime vnangenemme was verließ vnd ein andere nam. Dz gezueng diss volcks ist merers tails Teuetsch. wiewol ihenßhalb der Adern die Polnisch sprach fuertrift. darumb haben ettlich nit vnbillich gemaynt das die adern an dem ort Teuetsche nation ende.
Österreich an diesem Ende zu beschreiben, meinen wir, ist nicht nötig, da wir eine besondere Geschichte darüber geschrieben haben. Doch wollen wir hier kurz die Lage der österreichischen Gegend erklären. Österreich, einst Oberpannonien genannt, grenzt im Osten an Ungarn, im Westen an Bayern, im Norden an Böhmen und Mähren, und im Süden an das steirische Gebirge. Österreich ist drei oder etwas weniger Tagesreisen breit und sechs Tagesreisen lang. Dies ist ein edles Erdreich, reichlich mit Wasser versorgt, mit Weingärten bepflanzt, waldreich, fruchtbar an Ackerfrüchten, voller Fische und so überflüssig an Wein, dass Österreich den Böhmen, Mähren, Schlesiern und Bayern genug Wein gibt und daraus großes Geld und Reichtümer sammelt. Die Donau fließt mitten durch dieses Land. Wien ist in diesem Land die vornehmste Stadt und das fast größte Kaufhaus der Pannonier. Mit Mauern von zweitausend Schritten umgeben, mit Gräben, Erkern, Türmen und großen Vorstädten geziert. In diesem Land haben sich die Landeseinwohner nach dem Ableben König Albrechts dem Herzog Friedrich dort, danach dem Römischen Kaiser, anvertraut, in der Gestalt, dass, wenn König Albrechts hinterlassene Witwe einen Knaben gebäre, er dessen Vormund, Gerhab oder Pfleger sein sollte, oder wenn sie ein Fräulein brächte, ein Herr des Landes sein sollte. Als nun die Königin Ladislaus geboren hatte, da unterstand sich Friedrich seiner Pflegschaft und Vormundschaft. Die Ritter und Kriegsleute, die unter König Albrecht gedient und ihren Sold noch nicht empfangen hatten, griffen die Landschaft mit Mord und Brand an. Von denen kaufte sich Friedrich mit 40.000 Gulden frei. Die ältere Schwester König Ladislaus' wurde Herzog Wilhelm zu Sachsen vermählt. Johannes Huniades oder Hunyadi begehrte die Krone zu Ungarn von Kaiser Friedrich. Als er ihm diese versagte, da überzog Huniades mit 12.000 Pferden Österreich, alles Land zwischen Wien und dem steirischen Gebirge zerstörend und verbrennend. Nun entstand zwischen Kaiser Friedrich und den Ungarn und Böhmen so große Aufruhr und Zwietracht, dass deshalb zur Entscheidung der Sachen ein Tag nach Wien bestimmt wurde. Dorthin kamen Ludwig zu Bayern und Wilhelm zu Sachsen, die Herzöge, und Albrecht zu Brandenburg und Karl zu Baden, die Markgrafen, viele Bannerherren aus Ungarn und viele aus Böhmen. So sendet der Kaiser seine Botschafter, der wir auch einer waren. Und obwohl dort von allen Seiten viel und mancherlei Gerechtigkeiten verhandelt wurde, so wurde doch nichts Endgültiges beschlossen. In derselben Versammlung erhob König Ladislaus Johannes Hunyadi, der ihm sein Königreich vor den Türken bewahrt hatte, zu fürstlicher Ehre. Und obwohl der Graf von Cilli nach seinem Willen den König leitete und alle Dinge an sich reißend den Eytzinger und die von Wien verachtete und seine Ehefrau, die er nach der Ermordung ihres Mannes entführt hatte, schier mit Ehren einer Königin gebührend erhob, fiel er doch zuletzt in des Königs Ungnade und wurde durch Verfügung des Eytzingers aus dem königlichen Hof vertrieben. Und damit er durch Verschmähung von dem Volk nicht gesteinigt würde, so begleitete ihn Markgraf Albrecht von Brandenburg der Sicherheit wegen bis zu dem Tor der Stadt. Aber so schnöde und erbärmlich sein Hinflug war, so herrlich, hoffärtig und günstig war seine Wiederkehr. Denn über ein Jahr danach, als der König von Böhmen wieder nach Wien gekommen war, da wurde der Graf auf Anregen der österreichischen Landherren wieder berufen, mit tausend Pferden nach Wien reitend, von dem König, der ihm vor die Tore entgegen ging, mit Frohlocken alles Adels empfangen. Danach verlor der Eytzinger des Königs Huld und Gnade und zog heim in sein Schloss und wurde gegen den Kaiser, den er schwerlich beleidigt hatte, wieder ausgesöhnt. Unlängst danach trieben die auf König Ladislaus' Seite so viel Gewalt und Stolzmütigkeit, dass sie sich die Vorstädte der Neustadt, darin die Kaiserin im Kindbett lag, einzunehmen und die Stadt zu plündern unterstanden. Und da sie das nicht erlangen mochten, zündeten sie die Stadt an. Oft wurde vergeblich von Frieden und Vertrag zwischen dem Kaiser und König gehandelt. So meinte der Graf von Cilli, die österreichischen Fürsten wären seinetwegen uneins. Aber als nach seinem Ableben der Eytzinger aus Böhmen zum Kaiser gesendet, beiden Teilen angenehmen Frieden und Vertrag ausgesprochen hatte, jedoch als der König in mittlerer Zeit mit dem Tod verging, da wurde nicht allein solcher Vertrag und Einigkeit zerstört, sondern auch die Hoffnung großer Dinge und des ganzen gemeinen christlichen Standes abgestellt. Die Österreicher wurden von dem Kaiser und Herzog Albrecht, seinem Bruder, um Aufgebung und Einantwortung des Regiments ersucht. Die hielten eine Versammlung der Landeseinwohner. Vor denen ließ der Kaiser vorbringen, dass das Land dem älteren Fürsten zu Österreich gebühre. So meinte Herzog Albrecht, dass ihm und seinem Vetter Herzog Sigmund die königliche Erbschaft billig folgen sollte. Da antwortete die Landschaft: Wenn sich die Brüder miteinander vertrügen, so wollten sie sich ziemlicher und gebührender Weise verhalten. Dazwischen nahmen die Räuber jenseits der Donau in Österreich bei dem Gestade des Flusses Mähren eine wohlbefestigte Stadt ein und unternahmen es, die ganze Gegend mit Raub und Brand zu bekümmern. Gegen diese Beschädiger rüstete sich Herzog Albrecht und fing sie mit Gewalt, schlug deren viele zu Tod, sechseinhalbhundert gefangen hinwegführend und 80 aus denselben hängend. Aus dieser Tat erlangte er bei den Österreichern einen guten Ruf und Gunst. Als nun Ulrich Eytzinger bei dem Kaiser zu der Neustadt gewesen und am Rückweg nach Wien gekommen war, da wurde er, sich nichts Arges besorgend, von Herzog Albrecht zu ihm gefordert, alsbald von ihm gefangen und in einen besonderen Kerker geschlossen. Die Bürger (Blatt 277) erachteten diese Dinge für unbillig und es entstand ein großes Gemurmel, aber niemand wollte dem armen Gefangenen helfen. Der Kaiser wurde gebeten, nach Wien zu ziehen, aber er verzog etwelang aus Besorgnis, ob vielleicht Arglist dahinter wäre. Dazwischen kam Herzog Sigmund aus der Etsch herab nach Wien und fortan zu der Neustadt. Daselbst empfing er von dem Kaiser Lehen des Fürstentums, ihm nach alter Gewohnheit schwörend, in Beisein Herzog Albrechts, der unlängst danach wiederum mit Herzog Sigmund nach Wien zog. Und beide machten sie Bündnis wider den Kaiser in Vorsatz, Österreich unter sich zu bringen. Als der Kaiser die Dinge vernommen hatte, da beschloss er, nach Wien zu kommen. Dazu berief er Herzog Ludwig zu Bayern, den großen namhaften Fürsten, der zog mit dem Kaiser und der Kaiserin nach Wien zu. Dem kam das Wiener Volk entgegen vor die Stadt, desgleichen auch Albrecht und Sigmund, die Herzöge, mit ihrem Adel. Herzog Albrecht hatte bei 3.000 gerüstete Männer zu Wehr und Waffen, die sich nicht fern von Wien auf einer Höhe dem Kaiser sehen ließen und ihm einen großen Schrecken machten. So mehrte Herzog Albrecht