Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Won polnischem land NW woellen wir an dem ort die gegent Teuetscher land ruoen lassen und die Sarmaticischen oder Polnischen lewt gegen dem oriennt vnnd mitternacht wesende besyhtigen. Polnisch lannd ist ein grosse weyte gegent gegen dem nydergang zu negst an Schlesien. auch an Hungern Littaw vnd Prewßen stossende. Alda ist Cracaw die fuernembst statt des koenigreichs. Außerhalb diser statt sind die andern Polnischen stett wenig scheinper vnd schier alle hewßer von holtz gepawt vnd mit laym geklaibt mit andern aigenschaften hieuor in disem buoch angezaigt. Diss koenigreich haben die vorfarenden koenig in vier tail getailt. darinn zewhet der koenig alle iar vmb vnnd yeder tail helt den koenig vnd seinen hoff drey monat mit gepuerlicher verlegung. vnd wo der koenig an einem ort lenger denn drey monat bleibt so muss er seinselbs zerung vnnd kosten leiden. Als der Polnisch koenig vor vnßern zeitten sterbennde ein tochter hinder im ließ do wardt sie hertzog Wilhelmen von oesterreich vermehlet vnnd er in das koenigreich gesetzt. Aber den Poln gefiele der Teuetsch koenig nicht. Dem nach wardt Vladislaus auß der Littaw von den Poln gefordert. Wilhelm außgeworffen vnd sein gemahele vnd das koenigreich dem newen koenig eingeben. Nw was Vladislaus ein hayd vnd anpetter der abgoetter. aber er empfieng den tawff mit dem koenig reich vnd hielt sich nach seiner bekerung zu Cristo als ein gaistlicher fuerst vil Littawer zu dem hailligen ewangelium ziehende. ettlich bischoflich kirchen auffrichtende. die bischoff mit grosser ere begabende. Als oft er reytende einen kirch thurn ansahe so nayget er mit abgezognem huot sein hawbt got erende. er hat mit den Tarttern vnd an der vnglawbigen gluecklich gefochten vnd die Preueßen mit großem krieg vberwunden. Diser Vladislaus het auß seyner andern schier newntzig ierigen gemahel zwen suen Vladislaum vnd Casimirum. Nach seinem absterben empfieng Vladislaus das polnisch koenigreich so erlanget Casimirus das Littawisch hertzogthum. der doch dauor zu dem Hungrischen koenigreich gefordert vnd in einem streyt wider die Tuercken erschlagen wardt. Die Polnischen lantherren forderten marggraff Friderichen von Brandemburg zu einem koenig. dann er het die tag seiner kintheit in dem polnischen koenigreich verzert vnd weßte des volcks gezuenge vnd ire sytten. do wardt geantwurtet. dieweil Casimirus hertzog zu Littaw des gestorben koenigs bruder als ein erb vorhanden wer so gepueret sich seins willens vnd gemueets darinn zeerkuendigen dann wo derselb Casimirus soelch koenigreich als brueederlich vnd vetterlich erb anzenemen willens wer so maynet marggraff Friderich ime nicht zymmlich sein Casimiro daran verhinderung zethun. Der gleichen beschaidenheit geprauchet sich auch hertzog Albrecht von Bayern gegen koenig Laßlawen sich des Behmischen koenigreichs das ime angetragen wardt widerende. Als auch kaiser Friderich von den Hungern vnd Beheim zu annemung koenigs Laßlaws verlaßner erbschaft gefordert wardt do wolt er nye dauon hoeren reden. Aber wiewol Casimirus nicht gern von den Littawrn gelassen wardt yedoch empfienng er in Poln komende das koenigreich mit fridsamer gubernierung. vnd ließ ime vnlanng darnach koenig Laßlaws schwester vermeheln vnd het vil auffruor wider die Teuetschen brueeder. Blat CCLXXVIII Littaw center LIttaw ist auch ein weitte gegennt gegen dem auffgang an die Poln stossende schier alle seeig vnnd weldig Vitoldus ein bruder Vladislai hat daselbst geregirt vnnd nach verlassung der abgoetterey das sacrament Cristi mit dem Polnischen koenigreich empfangen vnd zu seinen zeitten ein grossen namen gehabt. Den fuerchteten seine vnderthanen also sere wenn sie von ime gehaissen warden sich zeerhencken. so wolten sie ime lieber gehorsam erscheinen denn in sein vngnad fallen. Welche ime widerspennig waren die ließ er in ein bernhawt neen vnd den lebendigen bern zezerreissen fuerwerffen vnd auch mit andern grawsamen peynen verfolgen. wo er ritte so fueeret er alweg einen gespannten bogen wenn er dann ymant ersahe der anderst geparet denn ime gefielle so schosse er ine alßpald mit einem pfeil. vnnd toedtet vil menschen durch spil diser pluotig wueettrich. Sindrigal sein nachkomen neret ein berin die was gewenet prot auß seinen henden zenemen. offt in die welde zelawffen vnd widerkomende bis an des fuersten schlafkamer zegeen vnd an allen thueren zekratzen vnnd mit den fueeßen anzeklopffen so yne hungret so tete ime denn der fuerst auff vnd gab ime die speyss. Ettlich edel iungling macheten einen anschlag vber disen fuersten vnd komen mit gewappenter hand fuer des fuersten schlafkamer an der thuer nach weise der berin anklopffende. Sindrigal mainet die berin wer da vnd eroeffnet die thuer vnnd wardt alßpald von den edel lewten erstochen Darnach gelanget die herrschung diss lands an Casimirum. Zu sumer zeiten ist vor wassern zu den Littawern nit leichtigclich zekomen. zu wintterzeit fert man vber die gefrornen see. Die kawflewt zyhen auff dem eyse vnd schne vnd fueeren speyss auf vil tag mit ine Alda ist kein rechter gepanter weg so sind auch alda selten stett vnd wenig doerffer. Bey den littawrn
Vom polnischen Land: Nun wollen wir an diesem Ort die Gegend des deutschen Landes ruhen lassen und die sarmatischen oder polnischen Leute, die gegen Osten und Mitternacht wohnen, besichtigen. Das polnische Land ist eine große, weite Gegend gegen den Westen, am nächsten an Schlesien, auch an Ungarn, Litauen und Preußen stoßend. Dort ist Krakau die vornehmste Stadt des Königreichs. Außerhalb dieser Stadt sind die anderen polnischen Städte wenig ansehnlich und fast alle Häuser aus Holz gebaut und mit Lehm verputzt, mit anderen Eigenschaften, die zuvor in diesem Buch aufgezeigt wurden. Dieses Königreich haben die vorhergehenden Könige in vier Teile geteilt, darin zieht der König jedes Jahr um, und jeder Teil unterhält den König und seinen Hof drei Monate lang mit gebührender Verpflegung. Und wo der König an einem Ort länger als drei Monate bleibt, so muss er seine eigene Verpflegung und Kosten tragen. Als der polnische König vor unserer Zeit sterbend eine Tochter hinterließ, da wurde sie Herzog Wilhelm von Österreich vermählt und er in das Königreich eingesetzt. Aber den Polen gefiel der deutsche König nicht. Demnach wurde Vladislaus aus Litauen von den Polen gefordert, Wilhelm ausgeworfen und seine Gemahlin und das Königreich dem neuen König übergeben. Nun war Vladislaus ein Heide und Anbeter der Abgötter, aber er empfing die Taufe mit dem Königreich und hielt sich nach seiner Bekehrung zu Christus als ein geistlicher Fürst, viele Litauer zum heiligen Evangelium ziehend, etliche bischöfliche Kirchen aufrichtend, die Bischöfe mit großer Ehre begabend. Sooft er reitend einen Kirchturm ansah, so neigte er mit abgezogenem Hut sein Haupt, Gott ehrend. Er hat mit den Tataren und anderen Ungläubigen glücklich gefochten und die Preußen mit großem Krieg überwunden. Dieser Vladislaus hatte aus seiner zweiten, fast neunzigjährigen Gemahlin zwei Söhne, Vladislaus und Casimir. Nach seinem Absterben empfing Vladislaus das polnische Königreich, so erlangte Casimir das litauische Herzogtum, der doch zuvor zu dem ungarischen Königreich gefordert und in einem Streit wider die Türken erschlagen wurde. Die polnischen Landherren forderten Markgraf Friedrich von Brandenburg zu einem König, denn er hatte die Tage seiner Kindheit in dem polnischen Königreich verbracht und kannte die Sprache des Volkes und ihre Sitten. Da wurde geantwortet: „Dieweil Casimir, Herzog zu Litauen, des gestorbenen Königs Bruder, als ein Erbe vorhanden wäre, so gebührt es sich, seinen Willen und Gemüt darin zu erkundigen, denn wo derselbe Casimir solch Königreich als brüderliches und väterliches Erbe anzunehmen willens wäre, so meint Markgraf Friedrich, ihm nicht ziemlich zu sein, Casimir daran Verhinderung zu tun.“ Dergleichen Bescheidenheit gebrauchte sich auch Herzog Albrecht von Bayern gegen König Ladislaus, sich des böhmischen Königreichs, das ihm angetragen wurde, weigernd. Als auch Kaiser Friedrich von den Ungarn und Böhmen zur Annahme König Ladislaus’ verlassener Erbschaft gefordert wurde, da wollte er nie davon hören reden. Aber wiewohl Casimir nicht gern von den Litauern gelassen wurde, jedoch empfing er, in Polen kommend, das Königreich mit friedlicher Regierung und ließ ihm unlängst darnach König Ladislaus’ Schwester vermählen und hatte viel Aufruhr wider die deutschen Brüder. Blatt 278. Litauen. Litauen ist auch eine weite Gegend gegen den Aufgang, an die Polen stoßend, fast alle seenreich und waldig. Vitoldus, ein Bruder Vladislaus’, hat daselbst regiert und nach Verlassung der Abgötterei das Sakrament Christi mit dem polnischen Königreich empfangen und zu seinen Zeiten einen großen Namen gehabt. Den fürchteten seine Untertanen also sehr: Wenn sie von ihm geheißen wurden, sich zu erhängen, so wollten sie ihm lieber gehorsam erscheinen, denn in seine Ungnade fallen. Welche ihm widerspenstig waren, die ließ er in eine Bärenhaut nähen und den lebendigen Bären zerreißen vorwerfen und auch mit anderen grausamen Peinen verfolgen. Wo er ritt, so führte er allweg einen gespannten Bogen; wenn er dann jemand ersah, der anders gebärdete, denn ihm gefiel, so schoss er ihn alsbald mit einem Pfeil und tötete viele Menschen durch Spiel, dieser blutige Wüterich. Sindrigal, sein Nachkomme, nährte eine Bärin, die war gewohnt, Brot aus seinen Händen zu nehmen, oft in die Wälder zu laufen und wiederkommend bis an des Fürsten Schlafkammer zu gehen und an allen Türen zu kratzen und mit den Füßen anzuklopfen. So ihn hungert, so tat ihm denn der Fürst auf und gab ihm die Speise. Etliche edle Jünglinge machten einen Anschlag über diesen Fürsten und kamen mit gewappneter Hand vor des Fürsten Schlafkammer, an der Tür nach Weise der Bärin anklopfend. Sindrigal meinte, die Bärin wäre da und eröffnete die Tür und ward alsbald von den edlen Leuten erstochen. Darnach gelangte die Herrschaft dieses Landes an Casimir. Zu Sommerzeiten ist vor Wassern zu den Litauern nicht leichtlich zu kommen. Zu Winterzeit fährt man über die gefrorenen Seen. Die Kaufleute ziehen auf dem Eis und Schnee und führen Speise auf viele Tage mit ihnen. Dort ist kein rechter gepflasterter Weg, so sind auch dort selten Städte und wenig Dörfer. Bei den Litauern ...