Schedelsche Weltchronik · Blatt 280

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 280, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 280, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

NAch den Preueßen erhebt sich der Sechsisch nam ein starcks vnd praytz volck das sich vom nydergang an dem fluss Wesera endet. Ettlich haben gemaynt das sich die Sachßen bis an den Rhein erstrecken. Sachsen stoest gein mitternacht an Tennmarck. Gein mittentag Francken Bayern vnd Beheim. gein dem auffgang die Schlesier vnd Prewssen. In diser rifier sind beschlossen die Thuering Lausitzer vnd Pomern. doch sollen die thuering vor vnd eer denn die Sachsen in disem land gesessen sein. dann man sagt das sie Kriechen gewesen vnnd mit Macedonischer schiffung in dise land gefuert worden seyen. die die Thuering mit vil kriegen vermueedet auß irem vetterlichen land vertriben haben. das mich doch der warheit nit gemess beduenckt. dann der Sechsisch nam ist im Teuetschen lannd fast alt. dess die alten gschihtbschreiber alle gedencken. Aber welcher die Teuetschen voelcker erzelet der gedenckt der Thuering nicht. In der ersten zukunft der Francken die zu den zeiten des kaisers Valentiniani in Teuetsche land komen sind find ich die Thuering genent. Kaiser Karl der gross hat wider die Sachssen ee sie zu cristenlichem glawben bekehrt warden vil krieg gefueert vnnd sie mit grosser schlacht betrueebt. Als aber nach abgang kaiser Karls geschlechts das roemisch kaiserthumb an die orientalischen Teuetschen gelanget do hat sich der Sachsen wirdigkeit gemeret. vnder denen vil kaiser gewesen sind. an sundrer kluogheit vnd großtetigkeit der geschihten beruembt. In dem land zu Pomern gegen den auffgang an Sachsen stossende sind treffenlich nammhaftig stett Wismar Smidis Grisuold Stettin vnd Rostecke. do ist ein hohe schuol vnd ligt zu nehst am meer. vnd wonen daselbst vil reicher kawflewt. In der sechsischen rifier ist ein bischofliche statt Camyn genant. dero bistthumb ist fast weyt vnd prayt vnd nicht klainer dann das Mayntzisch. der bischoff daselbst ist nymant dann dem Roemischen stuol vnderworffen. Die Brandenburgischen werden in zwu marck getaylt. eine die alt. die ander die new genant. durch die alten marck rynnet die Elb. daran ligen die stett Stendl. Gadeln. Soltwedel vnd Ostroburg Die newen marck taylet der fluss Ader genant. daran ligt Franckfurt ein reiche kawfmansstatt. Ein andrer fluss Spredo genant befeuechtigt auch dise gegent. daran ligt die statt Berlyn. Item ein andrer fluss Hortel genannt tailt die statt Brandemburg von dannen die marck iren namen hat in zwue stett. der eine haist die alt vnd die ander die new. alda ist ein bischoflicher stuol vnnd der marggrafen gerichtßzwang. An dem gestadt diss fluss ligt Auelburg die bischoflich statt vnd herumb ein edler erdpodem Prignitz gehaißen vol stett vnd streytgirigs volcks Der Meichßner hawbtstatt ist Meichßen von dannen die gegent den namen hat. an derselben statt rynnet die Elb hin. alda ist ein fests schloss vnd darinn ein bischofliche kirch. In diser prouintz sind vol stett. vil streytschicklichs volcks. vnd nemlich die statt Merseburg. deßgleichen die statt Leibtzk. alda dann ein gross kawffmans gewerb vnd ein hohe schuol ist. In Thueringen ist ein edle hawbtstatt Erffurt genant. dem Mayntzischen bischoff vnderworffen vnd mit einer loeblichen hohenschuol gezieret. Auch die statt Newmburg dem hertzogen zu sachßen gehorsam. Die alle geprauchen sich der sechsischen recht. zungen vnd sytten. Aber die rechten sachsen sind die Madeburgischen. auch die von Bremen Halberstatt Hildeßheim Werdun Prawnßweigk Hamburg Limeburg vnd Luebeck. Zu Halberstatt hat kaiser Otto der erst ertzgruben oder bergwerck gefunnden. Sachßenlannd hat auch vil gesaltzner oder sawrer prunnen. darauß man weyss saltz seuedet. Bey Limeburg sinnd auch vberfluessig vnnd reich saltzgruoben. von denen vil ebbt vnnd prelaten ire narunng gehabt haben. Die hetten die von Limeburg mit gewalt vnder sich gebracht. Von Tennmarck GEgen mitternacht sind drey koenigreich aneinnder stossende. als Tennmarck Schweden vnnd Norweden. Tennmarck einen tail Teuetscher nation haben ettwen die Sachßen inngehabt. Von dannen her der vberzug der Barbarischen enntsprungen was. die in willen welsche lannd zeueberziehen vnd die Roemer zeuertilgen von Mario arpimo auß getilgt wardt. Von Schweden SChweden ist allenthalben mit dem meer vmbgeben. vil innsel in sich begreiffennde. Vnder denen ist eine Scandania genant bey den alten geschihtbschreibern langer gedechtnus. von dannen ein vnzalliche menig voelcker außgeende ettwen alles Europam mit waffen bekuemert. die Gothas oder Hunos bestritten. Pannoniam Misiam Macedoniam vnd alle Illirische gegent belegert. Teuetsche auch Welsche vnnd Gallische lannd zerruedet vnnd sich zu letst in Hispania nydergelassen hat. von dannen her was der vrsprung. Von Norweden NOrweden (die von mitternacht iren namen hat) sich gein mitternacht hinab erstreckende raichet an ein vnbekants land. oder (als ettlich fabuliern in das gefroren meer. Gegen dem auffgang wartz vnd gegen dem mittag an das Teuetsch meer. vnd gegen dem nydergang an das Brittannisch meer. Man maynnt das die auß Norweden komen seyen die der Sachßen stet vnd gegent eingenomen haben. Vor disen zeiten hat in disem land geregirt Voldimarius in Schweden. Der gross Aquinus in Norweden. von dem man sagt das er ein goetlicher mensch gewesen vnd mit wunderperlicher liebe vnd dienstperlicher vndertanigkeit seiner landseßen geeret worden sey. Der het ein gemahele Margaretha genant ein tochter Voldimari. auß der wardt geporn Olaus ein nachkomen seins vaters. der lebet nit lang vnd ließ der muoter das koenigreich. dar zu erlanget sie auch nach absterben irs vaters sein koenigreich. Als aber Aquinus in Schweden mit tod vergienge do empfienge Albertus der Naupolensisch hertzog die kron auff forderung des volcks. Der verachtet die herrschung der frawen seiner nachpewrin vnd vnderstund sich Tennmarck vnd Norweden zebekriegen. do sammlet Margaretha ir volck vnnd kome alberto in einem weitten feld entgegen manlich vnd kuenmueetigclich fechtende. also das sie Albertum vberwunde fienge vnd des reichs entsetzet. Dise durchleuechtige fraw Margaretha regiret drey iar bis in ir alter gar loeblich Als sie aber yetzo mit alter beschwert dem regiment allain nicht vor sein mocht do erwelet sie ir hertzog Heinrichen zu Pomern .xiiii. iar alt zu einem zugewuenschten sun ime die koenigreich befelhende. vnnd Philippam des koenigs zu Engelland tochter vermehlende. Als disem Heinrich sein gemalhe on erben gestorben was vnd er sich nicht mer vermeheln wolt vnd yetzo .lv. iar geregirt het do wardt er zu letst in einer gemainen auffruor von dem koenigclichen stuol entsetzet vnd Cristoferus ein hertzog von Bayern seiner schwester sun an sein stat erkorn. Der ließ seinen vetter dannoch .x. iar die er regiret in der Gottischen innseln regiern. Als aber Cristoferus mit tod verschiede do empfieng Cristigerus die kron in Tennmarck vnd Norweden. Nach dem aber die Schweden in der wale eins koenigs mißhellende ettlich Carolum einen gar reitterischen man. vnd ettlich Canutum seinen bruder der iar den iungern in das koenigreich zefuerdern vermaynten. do schicket Carolus in hangenndem hanndel der wale ettliche weppner in die statt Stockhalm vnd name die ein. alda dann der koenigclich stuol ist. So verfolget Canutus durch sein freuend vnd guenner das schloss. do erhuob sich ein krieg zwischen den brueedern vnd was der streyt langzeyt zweifellich vnd warden auff beden taylen vil lewt erschlagen. vnd zu letst ein anstal also gemacht. das die wale einen koenig zeerkiesen an dem gemainen volck außgeschloßen den adel steen solt. vnd also wardt Carolus der dem volck angenemer was zum koenigreich erkorn. So fueeret Canutus ein abgesuenderts leben. vnnd Carolus vertribe darnach Heinrichen auß seiner eingegebnen innseln. aber an demselben Carolo bliben sein vntatten auch nicht vngerochen. dann er wardt in einem streyt vberwunden vnnd auß dem koenigreich vertriben vnnd ellende lange zeyt in einer klainen innseln nicht weit von dem meer an dem ende do dann die Weichsel darein fellet.

Moderne Übersetzung

Nach den Preußen erhebt sich der sächsische Name, ein starkes und breites Volk, das sich vom Westen her am Fluss Weser endet. Etliche haben gemeint, dass sich die Sachsen bis an den Rhein erstrecken. Sachsen stößt gegen Mitternacht an Dänemark, gegen Mittag an Franken, Bayern und Böhmen, gegen den Aufgang an die Schlesier und Preußen. In dieser Region sind die Thüringer, Lausitzer und Pommern eingeschlossen. Doch sollen die Thüringer vor und eher als die Sachsen in diesem Land gesessen sein, denn man sagt, dass sie Griechen gewesen und mit mazedonischer Schiffung in diese Länder geführt worden seien, die die Thüringer mit vielen Kriegen ermüdet aus ihrem väterlichen Land vertrieben haben. Das dünkt mich doch der Wahrheit nicht gemäß, denn der sächsische Name ist im deutschen Land fast alt, dessen die alten Geschichtsschreiber alle gedenken. Aber welcher die deutschen Völker aufzählt, der gedenkt der Thüringer nicht. In der ersten Ankunft der Franken, die zu den Zeiten des Kaisers Valentinian in deutsche Lande gekommen sind, finde ich die Thüringer genannt. Kaiser Karl der Große hat wider die Sachsen, ehe sie zu christlichem Glauben bekehrt wurden, viele Kriege geführt und sie mit großer Schlacht betrübt. Als aber nach Abgang Kaiser Karls Geschlechts das römische Kaisertum an die orientalischen Deutschen gelangte, da hat sich der Sachsen Würdigkeit gemehrt, unter denen viele Kaiser gewesen sind, an besonderer Klugheit und Großtätigkeit der Geschichten berühmt. In dem Land zu Pommern, gegen den Aufgang an Sachsen stoßend, sind trefflich namhafte Städte: Wismar, Smidis, Greifswald, Stettin und Rostock. Dort ist eine hohe Schule und liegt zunächst am Meer, und wohnen daselbst viele reiche Kaufleute. In der sächsischen Region ist eine bischöfliche Stadt, Cammin genannt, deren Bistum ist fast weit und breit und nicht kleiner als das Mainzer. Der Bischof daselbst ist niemandem als dem römischen Stuhl unterworfen. Die Brandenburger werden in zwei Marken geteilt: eine, die alte, die andere, die neue genannt. Durch die alte Mark rinnt die Elbe, daran liegen die Städte Stendal, Gardelegen, Salzwedel und Osterburg. Die neue Mark teilt der Fluss Oder genannt, daran liegt Frankfurt, eine reiche Kaufmannsstadt. Ein anderer Fluss, Spree genannt, befeuchtet auch diese Gegend, daran liegt die Stadt Berlin. Item ein anderer Fluss, Havel genannt, teilt die Stadt Brandenburg, von dannen die Mark ihren Namen hat, in zwei Städte: die eine heißt die alte und die andere die neue. Alda ist ein bischöflicher Stuhl und der Markgrafen Gerichtszwang. An dem Gestade dieses Flusses liegt Avelburg, die bischöfliche Stadt, und herum ein edler Erdboden, Prignitz geheißen, voll Städte und streitfertigen Volkes. Die Meißner Hauptstadt ist Meißen, von dannen die Gegend den Namen hat. An derselben Stadt rinnt die Elbe hin, alda ist ein festes Schloss und darin eine bischöfliche Kirche. In dieser Provinz sind viele Städte, viel streitschickliches Volk, und namentlich die Stadt Merseburg, desgleichen die Stadt Leipzig, alda dann ein großes Kaufmannsgewerbe und eine hohe Schule ist. In Thüringen ist eine edle Hauptstadt, Erfurt genannt, dem Mainzer Bischof unterworfen und mit einer loblichen Hochschule geziert. Auch die Stadt Naumburg, dem Herzog zu Sachsen gehorsam. Die alle gebrauchen sich der sächsischen Rechte, Zungen und Sitten. Aber die rechten Sachsen sind die Magdeburger, auch die von Bremen, Halberstadt, Hildesheim, Verden, Braunschweig, Hamburg, Lüneburg und Lübeck. Zu Halberstadt hat Kaiser Otto der Erste Erzgruben oder Bergwerke gefunden. Sachsenland hat auch viele gesalzene oder saure Brunnen, daraus man weißes Salz siedet. Bei Lüneburg sind auch überflüssige und reiche Salzgruben, von denen viele Äbte und Prälaten ihre Nahrung gehabt haben. Die hatten die von Lüneburg mit Gewalt unter sich gebracht. Von Dänemark: Gegen Mitternacht sind drei Königreiche aneinanderstoßend, als Dänemark, Schweden und Norwegen. Dänemark, einen Teil deutscher Nation, haben etwann die Sachsen innegehabt. Von dannen her der Überzug der Barbaren entsprungen war, die in Willen welsche Lande zu überziehen und die Römer zu vertilgen, von Marius Arpinum aus getilgt ward. Von Schweden: Schweden ist allenthalben mit dem Meer umgeben, viele Inseln in sich begreifend. Unter denen ist eine, Scandania genannt, bei den alten Geschichtsschreibern langer Gedächtnis, von dannen eine unzählige Menge Völker ausgehend etwann ganz Europa mit Waffen bekümmert, die Goten oder Hunnen bestritten, Pannonien, Mösien, Mazedonien und alle illyrische Gegend belagert, deutsche auch welsche und gallische Lande zerrüttet und sich zuletzt in Hispanien niedergelassen hat, von dannen her war der Ursprung. Von Norwegen: Norwegen (die von Mitternacht ihren Namen hat), sich gegen Mitternacht hinab erstreckend, reicht an ein unbekanntes Land, oder (als etliche fabulieren) in das gefrorene Meer. Gegen dem Aufgang wärts und gegen dem Mittag an das deutsche Meer, und gegen dem Niedergang an das britannische Meer. Man meint, dass die aus Norwegen gekommen seien, die der Sachsen Städte und Gegend eingenommen haben. Vor diesen Zeiten hat in diesem Land regiert Waldemar in Schweden, der große Aquinus in Norwegen, von dem man sagt, dass er ein göttlicher Mensch gewesen und mit wunderbarer Liebe und dienstbarer Untertänigkeit seiner Landsassen geehrt worden sei. Der hatte eine Gemahlin, Margaretha genannt, eine Tochter Waldemars, aus der ward geboren Olaf, ein Nachkomme seines Vaters. Der lebte nicht lang und ließ der Mutter das Königreich, dazu erlangte sie auch nach Absterben ihres Vaters sein Königreich. Als aber Aquinus in Schweden mit Tod verging, da empfing Albert, der Herzog von Mecklenburg, die Krone auf Forderung des Volkes. Der verachtet die Herrschaft der Frauen seiner Nachbarin und unternahm sich, Dänemark und Norwegen zu bekriegen. Da sammelte Margaretha ihr Volk und kam Albert in einem weiten Feld entgegen, männlich und kühnmutig kämpfend, also dass sie Albert überwand, fing und des Reichs entsetzte. Diese durchlauchtige Frau Margaretha regierte drei Jahre bis in ihr Alter gar loblich. Als sie aber jetzt mit Alter beschwert dem Regiment allein nicht vor sein mocht, da erwählte sie ihren Herzog Heinrich zu Pommern, 14 Jahre alt, zu einem zugewünschten Sohn, ihm die Königreiche befehlend und Philippa, des Königs zu England Tochter, vermählend. Als diesem Heinrich seine Gemahlin ohne Erben gestorben war und er sich nicht mehr vermählen wollte und jetzt 55 Jahre regiert hatte, da ward er zuletzt in einer gemeinen Aufruhr von dem königlichen Stuhl entsetzt und Christoph, ein Herzog von Bayern, seiner Schwester Sohn, an seine Statt erkoren. Der ließ seinen Vetter dennoch 10 Jahre, die er regierte, in der gotischen Insel regieren. Als aber Christoph mit Tod verschied, da empfing Christigerus die Krone in Dänemark und Norwegen. Nachdem aber die Schweden in der Wahl eines Königs misshellend, etliche Karl, einen gar ritterischen Mann, und etliche Knut, seinen Bruder, der Jahre den jüngeren, in das Königreich zu fördern vermeinten.

Anmerkungen

Preueßen
Preußen, hier die Region Preußen
Sechsisch nam
Sächsischer Name, das sächsische Volk
nydergang
Westen, Sonnenuntergang
Wesera
Weser, Fluss in Deutschland
Tennmarck
Dänemark
Francken
Franken, hier die Region Franken
Beheim
Böhmen, hier die Region Böhmen
auffgang
Osten, Sonnenaufgang
Schlesier
Schlesier, Bewohner Schlesiens
Prewssen
Preußen, hier die Bewohner Preußens
rifier
Region, Gebiet
Thuering
Thüringer, Bewohner Thüringens
Lausitzer
Lausitzer, Bewohner der Lausitz
Pomern
Pommern, Bewohner Pommerns
Kriechen
Griechen
Macedonischer schiffung
Mazedonische Seefahrt/Schifffahrt
Teuetschen lannd
Deutsches Land
gschihtbschreiber
Geschichtsschreiber
Valentinian
Valentinian I. (321–375), römischer Kaiser
Kaiser Karl der gross
Karl der Große (747/748–814), fränkischer König und römischer Kaiser
cristenlichem glawben
christlichem Glauben
abgang kaiser Karls geschlechts
Ende der Dynastie Kaiser Karls
roemisch kaiserthumb
römisches Kaisertum
orientalischen Teuetschen
östlichen Deutschen
Smidis
wahrscheinlich Stralsund oder eine andere pommersche Stadt, die genaue Zuordnung ist unsicher. Könnte auch eine Verwechslung oder alte Schreibweise für Greifswald sein, das direkt danach genannt wird.
Grisuold
Greifswald
Rostecke
Rostock
Camyn
Cammin, heute Kamień Pomorski in Polen
Mayntzisch
Mainzer, zum Erzbistum Mainz gehörend
Roemischen stuol
Römischer Stuhl, der Heilige Stuhl, der Papst
Brandenburgischen
Brandenburger, Bewohner Brandenburgs
marck
Mark, hier eine Grenzregion oder Verwaltungseinheit
Elb
Elbe, Fluss
Stendl
Stendal
Gadeln
Gardelegen
Soltwedel
Salzwedel
Ostroburg
Osterburg
Ader
Oder, Fluss
Franckfurt
Frankfurt (Oder)
Spredo
Spree, Fluss
Berlyn
Berlin
Item
Ebenso, ferner
Hortel
Havel, Fluss
Brandemburg
Brandenburg (Stadt)
Alda
Dort, an diesem Ort
Gerichtßzwang
Gerichtsbarkeit, Hoheitsgebiet
gestadt
Gestade, Ufer
Auelburg
Avelburg, heute Havelberg
erdpodem Prignitz
Erdboden Prignitz, die Region Prignitz
streytgirigs volcks
streitfertiges, kriegerisches Volk
Meichßner hawbtstatt
Meißner Hauptstadt, die Hauptstadt von Meißen
Meichßen
Meißen
prouintz
Provinz
streitschicklichs volcks
kriegstüchtiges, kampfbereites Volk
Merseburg
Merseburg
Leibtzk
Leipzig
kawffmans gewerb
Kaufmannsgewerbe, Handel
Erffurt
Erfurt
loeblichen hohenschuol
lobenswerten Hochschule
Newmburg
Naumburg
gehorsam
untertan, unterstellt
Zungen
Sprachen
Sytten
Sitten, Gebräuche
Madeburgischen
Magdeburger, Bewohner Magdeburgs
Werdun
Verden (an der Aller)
Prawnßweigk
Braunschweig
Limeburg
Lüneburg
Luebeck
Lübeck
Kaiser Otto der erst
Otto I. der Große (912–973), römisch-deutscher Kaiser
ertzgruben oder bergwerck
Erzgruben oder Bergwerke
gesaltzner oder sawrer prunnen
gesalzene oder saure Brunnen (Salzquellen)
weyss saltz seuedet
weißes Salz siedet (gewinnt)
ebbt vnnd prelaten
Äbte und Prälaten
ire narunng
ihren Lebensunterhalt
koenigreich
Königreich
Norweden
Norwegen
ettwen
einst, früher
inngehabt
innegehabt, besessen
vberzug der Barbarischen
Überfall der Barbaren
welsche lannd
romanische Länder, hier Italien
Roemer zeuertilgen
Römer zu vertilgen
Mario arpimo
Gaius Marius (157–86 v. Chr.), römischer Feldherr und Staatsmann. 'Arpinum' ist sein Geburtsort, hier als Beiname verwendet.
allenthalben
überall
innsel
Inseln
Scandania
Skandinavien, hier als Insel bezeichnet, was der antiken Vorstellung entsprach
vnzalliche menig voelcker
unzählige Menge Völker
Europam
Europa
Gothas oder Hunos
Goten oder Hunnen
Pannoniam
Pannonien, römische Provinz
Misiam
Mösien, römische Provinz
Macedoniam
Mazedonien
Illirische gegent
Illyrische Gegend, Illyrien
belegert
belagert, besetzt
Welsche vnnd Gallische lannd
romanische und gallische Länder (Italien und Frankreich)
zerruedet
zerrüttet, verwüstet
Hispania
Hispanien, die Iberische Halbinsel
vrsprung
Ursprung, Herkunft
mitternacht
Norden
fabuliern
fabulieren, erzählen
gefroren meer
gefrorenes Meer, Arktischer Ozean
Teuetsch meer
Deutsches Meer, Nordsee
Brittannisch meer
Britannisches Meer, Atlantik oder Ärmelkanal
Voldimarius
Waldemar, hier Waldemar IV. Atterdag (ca. 1320–1375), König von Dänemark, Vater Margarethes
Aquinus
Albrecht von Mecklenburg (ca. 1338–1412), König von Schweden und Herzog von Mecklenburg. Die Bezeichnung 'Aquinus' ist hier ungewöhnlich und könnte eine Verwechslung oder eine Anspielung sein, die nicht direkt auf Albrecht verweist, sondern vielleicht auf eine idealisierte Figur. Im Kontext des Textes ist es jedoch klar, dass Albrecht gemeint ist.
goetlicher mensch
göttlicher Mensch, hier im Sinne von 'herausragend', 'tugendhaft'
dienstperlicher vndertanigkeit
dienstbarer Untertänigkeit, treuer Ergebenheit
landseßen
Landsassen, Untertanen
gemahele Margaretha
Gemahlin Margaretha, Margarethe I. von Dänemark (1353–1412), Königin von Dänemark, Norwegen und Schweden
Olaus
Olaf II. (1370–1387), König von Dänemark und Norwegen, Sohn Margarethes
absterben irs vaters
Absterben ihres Vaters (Waldemar IV.)
Albertus der Naupolensisch hertzog
Albert, der Herzog von Mecklenburg. 'Naupolensisch' ist hier eine Verballhornung oder alte Bezeichnung für Mecklenburg, möglicherweise abgeleitet von Neapel oder einer ähnlichen Verwechslung, da Albrecht von Mecklenburg auch Herzog von Mecklenburg war.
auff forderung des volcks
auf Forderung des Volkes
nachpewrin
Nachbarin (Margarethe)
vnderstund sich
unternahm es
zebekriegen
zu bekriegen
kuenmueetigclich
kühnmutig, mutig
entsetzet
abgesetzt
durchleuechtige fraw
durchlauchtige Frau, erhabene Frau
regiret drey iar bis in ir alter gar loeblich
regierte drei Jahre bis in ihr Alter sehr lobenswert. (Margarethe regierte tatsächlich länger, die Angabe 'drei Jahre' könnte sich auf eine bestimmte Phase beziehen oder eine Vereinfachung sein.)
dem regiment allain nicht vor sein mocht
der Regierung allein nicht mehr vorstehen konnte
hertzog Heinrichen zu Pomern
Herzog Heinrich von Pommern, hier Erik VII. von Dänemark (ca. 1381–1459), der von Margarethe adoptiert und als Erbe eingesetzt wurde. Er war Herzog von Pommern-Stolp.
.xiiii. iar alt
römisch für 14 Jahre alt
zugewuenschten sun
gewünschten Sohn, Adoptivsohn
Philippam des koenigs zu Engelland tochter
Philippa von England (1394–1430), Tochter Heinrichs IV. von England, Gemahlin Eriks VII.
on erben
ohne Erben
.lv. iar
römisch für 55 Jahre
gemainen auffruor
allgemeinen Aufruhr
Cristoferus ein hertzog von Bayern
Christoph III. von Bayern (1416–1448), König von Dänemark, Schweden und Norwegen
seiner schwester sun
seiner Schwester Sohn (Neffe)
.x. iar
römisch für 10 Jahre
Gottischen innseln
Gotischen Inseln, hier Gotland
Cristigerus
Christian I. (1426–1481), König von Dänemark, Norwegen und Schweden
mißhellende
uneinig, zerstritten
Carolum einen gar reitterischen man
Karl VIII. Knutsson (1408–1470), König von Schweden und Norwegen
Canutum seinen bruder der iar den iungern
Knut, seinen Bruder, der Jahre jünger war. (Karl VIII. hatte einen Bruder namens Bengt, aber keinen Knut, der als Thronkandidat bekannt wäre. Dies könnte eine Verwechslung oder eine ungenaue historische Angabe sein.)
vermayn
meinten