Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Vonn Franckenland Francken land stoest vom mittemtag an die Schwaben vnd Bayrn. vom nidergang an den Rhein. vom orient ann die Beheim vnd Thuering. vnd von mitternacht an dieselben Thuering vnd an Hessen. Vnd wann aber hieuor in disem buoch von dem vrsprung vnd herkomen des Frenckischen namens vnd von seinen alten regirern. vnd sunderlich von den dreyen stetten Nuermberg Babenberg vnd Wuertzburg mit figuren vnd entwerffnussen irer gestalt meldung vnd beschreybung allermaist auß Enea silino an dem ort gezogen beschehen ist. so wil hiebey nicht wol schickerlich sein den leser mit zwifachunng der muee zebekuemern sunder auff die foerdern beschreybung yeder statt vnder irem tittel zeweisen vnnd alda von dem Franckenlannd nicht mer zeschreiben. dann souil das Eneas siluius in dem beschluss seiner beschreybung des Frenkkischen lands anzaigt das in disem land marggraff Friderich von Brandenburg kayser Sigmunden vnder andern seinen freuenden angeneme gewesen sey. dem weren vier suene geporn. als Johanns Friderich Albrecht vnd aber Friderich. Dem Johanßen het als dem eltern die chur gepuert. aber der vatter hette Friderichen den andern sune. den er darzu schickerlich achtet fuergezogen. vnd nicht vnbillich. dann derselb Friderich wer ein fuerderer vnd handhaber der gerechtigkeit vnd billichkeit vnd vnder andern Teuetschen fuersten in weißheit beruembt So wer Albrecht von iugent auff in ritterlicher vbung erzogen. also das er nicht allain in vil kriegs lewfften sunder auch mit scharpff rennen. stechen vnd prechen vil kuener behertzter vnd großmueetiger thate begangen hab zusambt den sunderlichen gnaden vnd gaben ime von der natur verlihen. Von Bayrnland center Blat CCLXXXII Bayrnland ist ein weytte vnd reiche gegent von mitternacht an Francken. vomm nydergang an schwaben gein mittag an das Welsch gepirg. vnnd gein dem orient an oesterreich vnnd Beheim stossennde. Die Thonaw fleueßt schier mitten durch diss Bayerland. Ettlich haben gesetzt das die yser. ettlich der yne die fluess oesterreich vnd Bayerland schaiden. Die schwaben schaydt der fluss des Lechs von den Bayern. Dise gegent haben ettwen die Norgkewer inngehabt. als dann nochmals die riefier zwischen Regenspurg vnnd Nuermberg von der Thonaw gein mitternachtwartzs gelegen das Norhkew genennt wirdt. Von dem herkomen vnd vrsprung des Bayrischen namens vnd volcks ist vnder den gschihtbschreibern mancherlay wone. Aber wiewol Strabo dise gegent als wueste nennet in massen sie dann villeicht zu seinen zeiten wueste gewesen mag sein. yedoch ist sie yetzo fast wol erpawt vnd mit grossen treffenlichen habehaftigen vnd beruembten stetten geziert. also dz wir nicht wissen welchen dise in gantzem Europa an scheinperlichkeit vbertreffen. In disem land sind fuenff bischoflich stett Der eine ist Saltzburg. vnnd daselbst ein ertzbisthumb. In dem Bayrischen lannd hat vor disen zeiten hertzog Ludwig der hoehgeert wider Ludwigen seinen vater den erwirdigen alten vnd treffenlichen man (der ettwendz Franckreichisch koenigreich geregirt het) boese krieg fuergenomen vnnd ine in einem festen Schloss belegert. aber auß erforderung goettlicher rachfale wardt er vor mit fieber begriffen vnd starb ee dann er den vater in seinen willen zohe. Darnach kome er in hertzog Heinrichs gewalt vnd starb kuertzlich. so lebet auch Heinrich nit lanng darnach dann als er seinen vnderthanen verspotten hett in dem gnadenreichen iar gein Rom zewallen. das das lannd des gelts nit entschoepfft wuerde do verschiede er in demselben iar. dem folget in der erbschaft des fuerstenthumbs nach Ludwig sein sun auß der schwester koenig Albrechts geporn ein iungling gross gemueets der eren vnd ruoms begirig. ein verschmeher des gelts. der alle iuden mit offenlichem gepot auß seinen herrschaften vertribe. Er vermehlet ime eine auß Sachßen kaiser Friderichs schwester tochter vnd verrichtet vil krieg vnd zancks teuetscher land. Von den Rheinlendern Bey dem Rhein (do dann zu vnßern zeitten die pluom gesehen wirdt) sinnd zwischen bischoff Dietrichen zu Mayntz vnd hertzog Ludwigen pfaluegrafen bey Rhein stettige zwittrechtigkeit vnd auffruo gewesen. vnd ist offt zu der waffen gegriffen vnd die gantz gegent daselbst vmb mit rawb vnd prand zerruedet worden. Die marggrafen zu Baden vnnd Brandenburg theten dem von Mayntz beystand. vnd der bischoff von Trier vnd ettliche stett dem pfaltzgrafen. Als nw pfaltzgraff Ludwig mit tod verschiede (der dann koenig Ludwigs von Sicilia gelaßne wittib zu der ee name) do vnderstund sich hertzog Friderich sein bruder mit verwilligung der landschaft vnd des adels desselben seins bruders vnmuendigen suns die regirung des lands als ein herr annemende sich einen churfuersten haissende mit zusagung on ein eeliche gemahele zebleiben damit dem angenomnen sun nicht nachtail beschehe. Solche zuwuenschung bestettiget babst Nicolaus der fuenft gebetten. Aber kaiser Friderich offt hoh darumb ersucht widersetzet sich dess. In Schwaben hat hertzog Albrecht kaiser Friderichs bruder mit vil stetten in wanckelm syge krieg gefuert. In dem marggrafthumb zu Baden hat marggraff Jacob ein fuerst vn der den Teuetschen an gerechtigkeit vnd kluogheit hohberumbt. der do erkennet das ime zu menschlicher seligkeyt nichtz dann schriftlicher kunst gepreche hat sein suene zu lernung der schrift angehalten. Als er nw derselben seiner suene einen Carolus genant dem iugling sundrer tapfferheit kaiser Friderichs schwester zu der er ee vermehlet het. do starb er vol iar nit vnwillig. Von dem Thirolischen volck Als die Thirolischen (die in den talen des yns vnd der Etsch wonen) hertzog Sigmunds irs fuersten in kayser Friderichs vormundschaft vnd pflegnus wesende begerten das inen den der kaiser schicken solt. vnd aber der kaiser inen solchs abschluoge do griffen sie zu der waffen vnd vertriben die ambtlewt die der kaiser gesetzt het. Vnd nach dem aber die von Trient auß gehaiße irs bischoffs des vnderthanen sie waren dem kaiser trew vnd glawben hielten do komen sie mit einem heer daselbsthin eroberten die statt vnd bezwungen auch dz schloß mit belegerung zu ergebung. Darnach komen sie mit dem kaiser zu vertrag vnd erlangten iren herren mit myndter glueckseligkeit dann sie geglawbt hetten. Von den Schweitzern Die Schweitzer (ein pirgigs vnd frayssams volck) vbezohen mit heerßkraft die von Zuerch. die wider die puentnus mit inen gehandelt hetten vnd verwuesteten ire landschaft vnd felde. Vnd als sich die vun Zuerch eins streits mit den Schweitzernn vermessen hetten do warden sie schier alle erschlagen vnd die Schweytzer tobten in
Vom Frankenland. Frankenland stößt vom Mittag an die Schwaben und Bayern, vom Niedergang an den Rhein, vom Orient an die Böhmen und Thüringer und von Mitternacht an dieselben Thüringer und an Hessen. Und wann aber hievor in diesem Buch von dem Ursprung und Herkommen des fränkischen Namens und von seinen alten Regierern, und sonderlich von den drei Städten Nürnberg, Bamberg und Würzburg mit Figuren und Entwerfnissen ihrer Gestalt Meldung und Beschreibung allermeist aus Enea Silvio an dem Ort gezogen geschehen ist, so will hierbei nicht wohl schicklich sein, den Leser mit zweifacher Mühe zu bekümmern, sondern auf die vordere Beschreibung jeder Stadt unter ihrem Titel zu weisen und allda von dem Frankenland nicht mehr zu schreiben, dann soviel, dass Eneas Silvius in dem Beschluss seiner Beschreibung des fränkischen Landes anzeigt, dass in diesem Land Markgraf Friedrich von Brandenburg Kaiser Sigismund unter anderen seinen Freunden angenehm gewesen sei. Dem waren vier Söhne geboren: als Johann, Friedrich, Albrecht und aber Friedrich. Dem Johann hätte als dem Älteren die Kur gebührt, aber der Vater hätte Friedrich, den anderen Sohn, den er dazu schicklich achtete, vorgezogen, und nicht unbillig, dann derselbe Friedrich war ein Förderer und Handhaber der Gerechtigkeit und Billigkeit und unter anderen deutschen Fürsten in Weisheit berühmt. So war Albrecht von Jugend auf in ritterlicher Übung erzogen, also dass er nicht allein in viel Kriegsläufen, sondern auch mit scharfen Rennen, Stechen und Brechen viel kühner, beherzter und großmütiger Taten begangen hat, zusammen mit den sonderlichen Gnaden und Gaben, die ihm von der Natur verliehen waren. Vom Bayernland (Blatt CCLXXXII). Bayernland ist eine weite und reiche Gegend, von Mitternacht an Franken, vom Niedergang an Schwaben, gegen Mittag an das welsche Gebirge und gegen den Orient an Österreich und Böhmen stoßend. Die Donau fließt schier mitten durch dies Bayernland. Etliche haben gesetzt, dass die Isar, etliche der Inn die Flüsse Österreich und Bayernland scheiden. Die Schwaben scheidet der Fluss des Lechs von den Bayern. Diese Gegend haben ettwen die Noriker innegehabt, als dann nochmals die Reviere zwischen Regensburg und Nürnberg von der Donau gegen Mitternachtwärts gelegen, das Norhkew genannt wird. Von dem Herkommen und Ursprung des bayerischen Namens und Volkes ist unter den Geschichtsschreibern mancherlei Meinung. Aber wiewohl Strabo diese Gegend als wüste nennt, inmaßen sie dann vielleicht zu seinen Zeiten wüste gewesen mag sein, jedoch ist sie jetzt fast wohl erbaut und mit großen, trefflichen, habehaftigen und berühmten Städten geziert, also dass wir nicht wissen, welchen diese in ganz Europa an Scheinbarkeit übertreffen. In diesem Land sind fünf bischöfliche Städte. Der eine ist Salzburg, und daselbst ein Erzbistum. In dem bayerischen Land hat vor diesen Zeiten Herzog Ludwig der Hochgeehrte wider Ludwig, seinen Vater, den ehrwürdigen, alten und trefflichen Mann (der ettwendz das französische Königreich regiert hatte), böse Kriege unternommen und ihn in einem festen Schloss belagert. Aber aus Erfordernung göttlicher Rachfale ward er zuvor mit Fieber begriffen und starb, ehe dann er den Vater in seinen Willen zog. Darnach kam er in Herzog Heinrichs Gewalt und starb kürzlich. So lebte auch Heinrich nicht lange darnach, dann als er seinen Untertanen verspotten hätte, in dem gnadenreichen Jahr gen Rom zu wallen, dass das Land des Geldes nicht entschöpft würde, da verschied er in demselben Jahr. Dem folgte in der Erbschaft des Fürstentums nach Ludwig, sein Sohn, aus der Schwester König Albrechts geboren, ein Jüngling großen Gemüts, der Ehren und Ruhms begierig, ein Verschmäher des Geldes, der alle Juden mit öffentlichem Gebot aus seinen Herrschaften vertrieb. Er vermählte sich mit einer aus Sachsen, Kaiser Friedrichs Schwestertochter, und verrichtete viel Kriege und Zank deutscher Lande. Von den Rheinländern. Bei dem Rhein (wo dann zu unseren Zeiten die Blume gesehen wird) sind zwischen Bischof Dietrich zu Mainz und Herzog Ludwig, Pfalzgraf bei Rhein, stetige Zwieträchtigkeit und Aufruhr gewesen, und ist oft zu den Waffen gegriffen und die ganze Gegend daselbst um mit Raub und Brand zerrüttet worden. Die Markgrafen zu Baden und Brandenburg taten dem von Mainz Beistand, und der Bischof von Trier und etliche Städte dem Pfalzgrafen. Als nun Pfalzgraf Ludwig mit Tod verschied (der dann König Ludwigs von Sizilien gelassene Witwe zu der Ehe nahm), da unterstand sich Herzog Friedrich, sein Bruder, mit Verwilligung der Landschaft und des Adels desselben seines Bruders unmündigen Sohnes die Regierung des Landes als ein Herr annehmend, sich einen Kurfürsten heißend, mit Zusage, ohne eine eheliche Gemahlin zu bleiben, damit dem angenommenen Sohn nicht Nachteil geschehe. Solche Zuwünschung bestätigte Papst Nikolaus der Fünfte, gebeten. Aber Kaiser Friedrich, oft hoch darum ersucht, widersetzte sich dessen. In Schwaben hat Herzog Albrecht, Kaiser Friedrichs Bruder, mit viel Städten in wankelm Siege Krieg geführt. In dem Markgrafentum zu Baden hat Markgraf Jakob, ein Fürst unter den Deutschen an Gerechtigkeit und Klugheit hochberühmt, der da erkannte, dass ihm zu menschlicher Seligkeit nichts dann schriftlicher Kunst gebreche, hat seine Söhne zu Lernung der Schrift angehalten. Als er nun derselben seiner Söhne einen, Carolus genannt, dem Jüngling besonderer Tapferkeit, Kaiser Friedrichs Schwester zu der Ehe vermählt hatte, da starb er voll Jahre, nicht unwillig. Von dem Tirolischen Volk. Als die Tiroler (die in den Tälern des Inn und der Etsch wohnen), Herzog Sigmunds, ihres Fürsten, in Kaiser Friedrichs Vormundschaft und Pflegschaft wesend, begehrten, dass ihnen den der Kaiser schicken sollte, und aber der Kaiser ihnen solches abschlug, da griffen sie zu den Waffen und vertrieben die Amtleute, die der Kaiser gesetzt hatte. Und nachdem aber die von Trient aus Geheiß ihres Bischofs, dessen Untertanen sie waren, dem Kaiser Treue und Glauben hielten, da kamen sie mit einem Heer daselbsthin, eroberten die Stadt und bezwangen auch das Schloss mit Belagerung zur Ergebung. Darnach kamen sie mit dem Kaiser zu Vertrag und erlangten ihren Herrn mit minderer Glückseligkeit, als sie geglaubt hätten. Von den Schweizern. Die Schweizer (ein bergiges und freisames Volk) überzogen mit Heereskraft die von Zürich, die wider die Bündnis mit ihnen gehandelt hatten, und verwüsteten ihre Landschaft und Felder. Und als sich die von Zürich eines Streits mit den Schweizern vermessen hatten, da wurden sie schier alle erschlagen, und die Schweizer tobten in ----