Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
solcher grawsamkeit vnd wueetunng vber die vberwundnen feind also das sie an dem ende der nyderlag die todten coerper zusamen trugen tisch vnd pencke darauß machten. die coerper oeffneten. das pluot truncken. vnd die hertzen mit den zenen zerrissen. Vom Elsass ALs Ludwig der Vienensisch delphyn in das Elsas der gegent ettwen Gallischer yetzo Teuetscher nation in die Basilischen landschaft schier alle Gallische ritterschaft außgefueert ven den von Basel große forcht eingeiagt het do schickten die Schweytzer den von Basel als iren aydgenoßen viertawsent iung starck streytper mann zu hilff. Als nw an den Delphin gelanget das sie zu der statt zueyleten do leget sich der Delphyn mit seinem heer zwischen die statt vnd die Schweitzer. die sich doch zu fueßen an dreyssigtawsent geraysig mann zu streyt richteten also ward zu beder seytten mit grossen kreften gefochten. Zu letst lagen die Schweitzer vberwunden vnd vberwindende vermueedet ernyder also das ir gar wenig empfluhen vnd die andern alle erschlagen wurden. doch vergienge gar selten ein Schweitzer vngerochen. auß denen mer Gallischen oder Frantzosen gefunden warden die mit der Schweitzer lantzen oder spiessen durchstochen den feind zeschlahen mitten durch die spiess oder lantzen ein fallende rachsal empfangner wunden begerten. Von Sophoy AMedeus der erst hertzog zu Sophoy als er viertzig iar nach seins vaters tod das lnand mit grosser auffung vnd erkriegtem frid geregirt het verließ sein fuerstenthumb vnd werltlich ruom vnd ere vnnd zohe in die wueestnus mit sechß rittermessigen mannen. Zu letst wardt er zu bebstlicher hoehe erhebt in massen hieuor in dem buch von dem vnd andern meldung geschehen ist. Aber nit vil volcks erkennet ine als einen stathalter Cristi. außgenomen sein vndertanen. die Schweitzer. die von Basel. die von Straßburg. vnd die die hertzog Albrechten zu Bayern anhiengen. Nota einen zusatz ENeas siluius pius hat im anfang diss seins buechleins zugesagt das er die Europischen sachen an dz liecht bringen woel. aber dieweil er mit der außtaylung obers vnd nyders Teuetschs lands vmbgangen ist hat er den bluomen derselben nation vnderwegen gelassen. dann er hat nichts von dem allen eltisten volck teuetscher nation der Schwaben geschriben. die doch der gschihtbschreiber Strabo. vnnd Julius cesar in kriegs sachen mit wunderperlichem lobe erheben. Dann das Schwabenland ist yetzo mit vil bischoflichen kirchen vnd vil treffenlichen hohberuembten stetten wol besetzt. vnnd mit vil namhaftigen wasserfluessen befeuechtigt. fruchtper vnnd reich an getraydt vnd wein mit fast synnreichen wolkuendendem vnd streytschicklichem volck besetzt. Er hat auch fuergangen bede gestadt des Rheins von seinem vrsprung bis hinab gein Koeln. daran auff beden seytten hinab ein grosse loebliche zierde großer bischoflicher auch kaiserlicer vnd fuerstlicher stett erscheint in einem fruchtpern erdpodem an getrayd vnd vil andern fruechten. vnd suenderlich an wein also reich vnd vberfliessend das schier alle Teuetsche land vnd auch die mitternachtlich gegent sich des Rheinnischen weins ergetzen. Diss sind die bischoflichen stett Costnitz Basel Straßburg Speyer Wurms Maintz Coblentz alle mit vorwer zynnen. greben vnd hohen ergkern wolbefestigt. Alda ist ein holdselig freuentlich volck sich eins tayls seins fruchtpern erdpodens eins tayls der hantirung vnd kawffmanschatz nerende. so fleysset sich der adel des wildgefengs. den merern tail seins lebens in freueden vnd wollustperkeit verzerende. Er hat auch vbersehen die gegen Teuetsches land die der wasserfluss Lynttung genant befeuechtigt. der do entspringt in dem gepirg Glares vnd in den Zuercher see fleueßt vnd in den see rynnet. Dise gegent ist mit starcken stetten vnd schloessern. als Bern Lucern Zuerich Solutern vnd mit einem fast streitpern volck besetzt das man der Schweytzer pund nennet. vnd allen daselbst vmbgelegnen fuerstenthumen erschrockenlich ist vnd in kurtzer zeit seinen gewalt wunderperlicher weiss erweittert hat. Er hat auch fuergangen Flandern Hannogew Brafant an reichthuemern vnd kawfmanschatzen fast durchleuechtige gegent. darinn ligen Brugk Jhent Mecheln Antdorff. dann wiewol dieselben gegent ettwen dem nydern Franckreich zugezelt worden sind so reden sie doch yetzo nach erweytterung der Teuetschen nation mit Teuetscher zungen. Blat CCLXXXIII Franckreich IN dem koenigreich zu Franckreich (das zu vnßern zeitten Johanna die Lothringisch iunckfrawe goetlicher weyse (als man glawbt) vermanet in manlichen klaidern vnd waffen gallische spitzen fueerende von dem gewalt der Engellender zum groeßisten tayl die erst vnder den ersten fechtende erlediget) als Philippus der hertzog zu Burgundi nach verzihner gewaltsamen vetterlichs tods sich von den Engellendern an die Frantzosen gewendet het sind zwischen koenig Karln vnd seinem sun dem Vienensischen delphin grosse zwittrechtigkeit vnd feindschaft erwachßen. Carolus der andogauensisch hertzog des Delphins vetter was zu derselben zeit bey dem koenig gar mechtig vnd gewaltig. Nw mocht Johannes der Aluernisch hertzog desselben Karls mechtigkeit nit tragen. so sahen der Borbonisch fuerst vnd sein bruder die Andogauensischen herrschung mit argkwon an. demnach rieten sie dem Delphin sich von seinem vater zethun. dann also moecht es den weg erlangen das der koenig auß naygung des suns den Karln von ime thun vnd das koenigreich mit besserm rat geregirt wuerd. Auß diser bewegnus thet sich der Delphin vnbegrueßt des vaters zu den Nuternensischen. Als soelchs der koenig erfuore do sammlet er eylends ein heer vnd zohe fuer Alanconium vnd erobret nicht mit großer muoe vil befestigung. vnd empfieng den hertzog in ergebung. Darnach rayset er wider den sun. aber nach dem die Minernischen stett den Delphin wider seins vaters gewalt nicht schuetzen getorsten do baten sie ine von inen zeziehen. also kome er gein Borbonium. Vnlang darnach auß besorgknus des Borbonischen fuersten zorns den sun dem vater versoenende. Dise sach gelanget seinem bruder nit zu guotem. dann in kurtzer zeit darnach wardt er gefangen vnd ertrenckt. In kurtzer weil darnach hat Renatus auß dem Sicilischem koenigreich vertriben sein tochter koenig Heinrichen zu engelland zu der ee vermehlet. nicht mit widerwillen des franckreichischen koenigs. der auß derselben heyrat ime vnd seinem koenigreich haylpern anstal vnd auffschuobe
Solcher Grausamkeit und Wut über die überwundenen Feinde, sodass sie am Ende der Niederlage die toten Körper zusammentrugen, Tische und Bänke daraus machten, die Körper öffneten, das Blut tranken und die Herzen mit den Zähnen zerrissen. Vom Elsass: Als Ludwig, der Vienensische Delphin, in das Elsass, die Gegend einst gallischer, jetzt deutscher Nation, in die Basler Landschaft, fast alle gallische Ritterschaft ausgeführt und den von Basel große Furcht eingejagt hatte, da schickten die Schweizer den von Basel als ihren Eidgenossen viertausend junge, starke, streitbare Männer zu Hilfe. Als nun an den Delphin gelangte, dass sie zu der Stadt zueilten, da legte sich der Delphin mit seinem Heer zwischen die Stadt und die Schweizer, die sich doch zu Fuß an dreißigtausend gerüstete Männer zum Streit richteten. Also wurde zu beider Seiten mit großen Kräften gefochten. Zuletzt lagen die Schweizer überwunden und überwindend ermüdet darnieder, sodass ihrer gar wenige entflohen und die anderen alle erschlagen wurden. Doch verging gar selten ein Schweizer ungerochen, aus denen mehr Gallier oder Franzosen gefunden wurden, die mit der Schweizer Lanze oder Spießen durchstochen, den Feind zu erschlagen, mitten durch die Spieße oder Lanzen eine fallende Rache empfangener Wunden begehrten. Von Savoyen: Amadeus, der erste Herzog zu Savoyen, als er vierzig Jahre nach seines Vaters Tod das Land mit großer Aufopferung und erkämpftem Frieden regiert hatte, verließ sein Fürstentum und weltlichen Ruhm und Ehre und zog in die Wüstnis mit sechs rittermäßigen Männern. Zuletzt ward er zu päpstlicher Höhe erhoben, in Maßen hievor in dem Buch von dem und anderen Meldung geschehen ist. Aber nicht viel Volk erkannte ihn als einen Statthalter Christi, ausgenommen seine Untertanen, die Schweizer, die von Basel, die von Straßburg und die, die Herzog Albrecht zu Bayern anhingen. Nota einen Zusatz: Aeneas Silvius Pius hat im Anfang dieses seines Büchleins zugesagt, dass er die europäischen Sachen an das Licht bringen wolle. Aber dieweil er mit der Austeilung oberen und niederen deutschen Landes umgangen ist, hat er den Blumen derselben Nation unterwegen gelassen, denn er hat nichts von dem ältesten Volk deutscher Nation, der Schwaben, geschrieben, die doch der Geschichtsschreiber Strabo und Julius Caesar in Kriegssachen mit wunderbarem Lob erheben. Dann das Schwabenland ist jetzt mit viel bischöflichen Kirchen und viel trefflichen, hochberühmten Städten wohl besetzt und mit viel namhaften Wasserflüssen befeuchtet, fruchtbar und reich an Getreide und Wein, mit fast sinnreichen, wohlkundigen und streitschicklichen Volk besetzt. Er hat auch übergangen beide Gestade des Rheins von seinem Ursprung bis hinab gen Köln, daran auf beiden Seiten hinab eine große, lobliche Zierde großer bischöflicher, auch kaiserlicher und fürstlicher Städte erscheint in einem fruchtbaren Erdboden an Getreide und viel anderen Früchten und sonderlich an Wein, also reich und überfließend, dass schier alle deutsche Lande und auch die mitternächtliche Gegend sich des Rheinischen Weines ergetzen. Dies sind die bischöflichen Städte Konstanz, Basel, Straßburg, Speyer, Worms, Mainz, Koblenz, alle mit Vorwerk, Zinnen, Gräben und hohen Erkern wohlbefestigt. Alda ist ein holdseliges, freudiges Volk, sich eines Teils seines fruchtbaren Erdbodens, eines Teils der Hantierung und des Kaufmannsschatzes nährend. So befleißigt sich der Adel des Wildfangs, den mehreren Teil seines Lebens in Freuden und Wollustbarkeit verzehrend. Er hat auch übersehen die Gegend deutschen Landes, die der Wasserfluss Linth genannt befeuchtet, der da entspringt in dem Gebirge Glarus und in den Zürichsee fließt und in den See rinnt. Diese Gegend ist mit starken Städten und Schlössern, als Bern, Luzern, Zürich, Solothurn und mit einem fast streitbaren Volk besetzt, das man der Schweizer Bund nennt und allen daselbst umgelegenen Fürstentümern erschrecklich ist und in kurzer Zeit seinen Gewalt wunderbarer Weise erweitert hat. Er hat auch übergangen Flandern, Hennegau, Brabant, an Reichtümern und Kaufmannschätzen fast durchleuchtige Gegend. Darin liegen Brügge, Gent, Mecheln, Antwerpen. Dann wiewohl dieselben Gegenden einst dem niederen Frankreich zugezählt worden sind, so reden sie doch jetzt nach Erweiterung der deutschen Nation mit deutscher Zunge. Blatt 283. Frankreich: In dem Königreich zu Frankreich (das zu unseren Zeiten Johanna, die lothringische Jungfrau, göttlicher Weise (als man glaubt) ermahnt, in männlichen Kleidern und Waffen gallische Spitzen führend, von dem Gewalt der Engländer zum größten Teil, die erste unter den ersten fechtend, erledigt) als Philipp, der Herzog zu Burgund, nach Verzicht gewaltsamen väterlichen Todes sich von den Engländern an die Franzosen gewendet hatte, sind zwischen König Karl und seinem Sohn, dem Vienensischen Delphin, große Zwieträchtigkeit und Feindschaft erwachsen. Karl, der Andegavensische Herzog, des Delphins Vetter, war zu derselben Zeit bei dem König gar mächtig und gewaltig. Nun mochte Johann, der Auvergnische Herzog, desselben Karls Mächtigkeit nicht tragen. So sahen der Bourbonische Fürst und sein Bruder die Andegavensische Herrschaft mit Argwohn an. Demnach rieten sie dem Delphin, sich von seinem Vater zu tun. Dann also mochte es den Weg erlangen, dass der König aus Neigung des Sohnes den Karl von ihm tun und das Königreich mit besserem Rat regiert würde. Aus dieser Bewegung tat sich der Delphin unbegrüßt des Vaters zu den Nivernais. Als solches der König erfuhr, da sammelte er eilends ein Heer und zog vor Alençon und eroberte nicht mit großer Mühe viel Befestigungen und empfing den Herzog in Ergebung. Darnach reiste er wider den Sohn. Aber nachdem die Nivernaisischen Städte den Delphin wider seines Vaters Gewalt nicht schützen durften, da baten sie ihn, von ihnen zu ziehen. Also kam er gen Bourbon. Unlang darnach aus Besorgnis des Bourbonischen Fürsten Zorns den Sohn dem Vater versöhnend. Diese Sache gelangte seinem Bruder nicht zu Gutem, dann in kurzer Zeit darnach ward er gefangen und ertränkt. In kurzer Weile darnach hat Renatus, aus dem Sizilischen Königreich vertrieben, seine Tochter König Heinrich zu England zur Ehe vermählt, nicht mit Widerwillen des französischen Königs, der aus derselben Heirat ihm und seinem Königreich heilsamen Anstalt und Aufschub ----