Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
des kriegs mit den Engellendern auff vil iar erlanget. Auff das nw nach beschluss diser ding der koenig yetzo anhayms sicher das frantzoesisch koenigreich mit kriegischem rawb vnd prand langzeit vermueedet ein weil ruoen ließe so schicket er den Delphin (als hieuor gemeldt ist) mit grossem volck vber die Schweitzer vnd Baseln. so zohe er mit dem vbrigen heer in das Lothringisch land die Metzischen vnd Tullensischen gegent bekuemmerende. vnd die statt Spinal genant auff vbergebung der inwoner dem Metzischen bistthumb abdringende. Darnach ward Franciscus aragonensis nach verstolner einnemung der statt Tosorsi. die in Normannia gelegen des hertzogen zu Brittannia was. als ein frid brecher der zwayen mechtigen koenig Franckreich vnd Engellannd geachtet. Diser sach halben warden vil botschaften hin vnnd her gesendet. Flothetus nit mit wenig raysigem gezeueg von dem koenig von franckreich gesendet hieß ettlich wegen mit hew geladen darinn weppner verborgen lagen auff die prugken des schloss fueeren vnd mitten der prugken vnd der pforten dess schloss still halten. die weil warttet er in der hinderhuot mit dem zeueg eins worzaichens. als er das empfieng vnnd die weppner auß dem hew fallende die pforten einnamen mit todschlagung der thorwartter. do hielten sie dasselb ort so lang innen bis das Flothetus zueyllende die prugken vnd das schloss in seinen gewalt bracht. Als solchs an den koenig gelanget do schicket er vber die selben prugken in Normanniam vil volcks. So fueeret Franciscus der fuerst von Brittannia auff der andern seyten ein heer. Der hertzog Somerceti het dieselben prouintzen von des koenigs von Engelland wegen innen. Als derselb hertzog verstund das soelcher krieg vnnd anschlag vber ine gienge do hieß er Talbotum den heerhawbtman zu Rothomago bey im seyn hoffende mit seinem rat vnd weer die statt die er wanckeln mercket bestendig zebehalten. aber sein rat was vergebens dann als die Rothomagensischen erlernet hetten das sich der koenig zunehnet do sendten sie ir botschaft zu ime vnd verhiessen im sein heer in die statt zelassen vnd seinen gescheften gehorsam zesein also wardt die statt dem koenig eingegeben. aber Talbotus fluhe mit dem hertzogen vnd allen den seinen in das schloss. als man nw dasselb schloss anfieng zestuermen da ließ der hertzog Somerseti Talbotum vnd zwen sein stiefsuen in dem schloss vnd zohe haymlich in Engelland. darnach wardt das schloss vbergeben vnd Talbotus mit des hertzogen stiefsuenen dem koenig in seinen gewalt vberantwurt. aber nach dem Talbotus bey menigclichem ein offenbares geschray nit mit boesen hendeln sunder mit kreft seins leibs vnd rechtschicklichkeit seins gemueets in offnem krieg erlanget het do wardt er ledig gelassen. doch mit verpflichtung hinfuero wider die frantzosen krieg zefueeren. Diser Talbotus kome in dem gnadenreichen iar gein Rom (als ettlich maynen) absolucion vnd entledigung seiner pflicht zesuchen. aber mir ist solchs nit glawblich. sunder das ist wissentlich als Talbotus wider in engelland komen was vnd der koenig zu franckreich yetzo nach vberwindung alles Normannia auch Burdegalem vnder sich gebracht het do ward er von seinem koenig nit one gross volck in Vaschoniam gesendet vnd hat Burdegalem wider erobret vnd vil andere castell. die von dem Engellendischen koenigreich abgetretten waren. eins tails mit gewalt erfochten. eins tails auß williger ergebung eingenomen. als soelchs der koenig von franckreich hoeret do richtet er eyllends zway heer zu. das ein heer hieß er mit .xvm. weppnern gestracks wegs auff die statt Burdegal zuziehen. das ander heer fueeret der koenig selbs. vnd als er syben meyl von Burdegal fuer ein kleins castell komen was do vnderstund er sich das zestuermen mit einnemung eins thurns zwischen burdegalia vnd demselben castell wesende. den er mit schuetzenn befestiget. Als aber Talbotus verstanden het das ime mit zwayen heern zefechten wer do maynet er das heer erstlich anzegreiffen das er mit mynder muee zeueberwinden getrawet. Demnach zohe er mit heereßkraft auß vnd kome yetzo am abent zu dem benanten eingenomnem thurn. den erobret er in dem ersten sturm alle schuetzen als bey fuenfhunderten erschlahende. Als er nw darnach des morgens fruoe fueroan zohe vnd vernomen het das das koenigclich heer sich zu der flucht richtet do besorget Talbotus ime moecht villeicht der rawb empfliehen darumb hieße er die andern hernach ziehen. aber er eylet mit .vc. kuerbissern vnd .viiic. schuetzen zu den feinden zu vnd fieng mit inen einen auffrurigen streit an. die feind berieten sich ettwielang vndereinander ob sie sich in die flucht geben wolten. aber sie entschlussen sich auß scham des nahenden koenigs des gluecks streittende zewarten. Sie hetten bey .iiic. karrenbuechssen die sie an dem ort doher Talbotus kumen solt entgegen stelleten mit vil anderm kriegs zewg hin vnd her setzende do mit die feind verletzt werden moechten. als nw die Engellender vnwissende des schosgezewgs in die wagenburg der frantzosen grimmende lieffen do warden die buechssen angezuendt also das in dem ersten anlawff schier dreyhundert engellendischer ritter von dem geschoss vergiengen. vnd als aber Talbotus des berichtet ward do vermanet er seinen sun bey im wesende abzetretten vnd sich auff bessere zeit zeenthalten. aber der sun sprach das ime auß dem streyt nit zefliehen wer darinn der vater fechten woelt. do sprach der vater. liber sun von meiner manigfeltigen hohberuembten thate wegen mag ich on ruom nit sterben noch on schand fliehen. aber dich als einen anfaher ritterlicher vbung machet weder die flucht erloße noch der todt beruembt. aber der sun wolt vom vater nit fliehen darumb wardt er mit ime erschlagen. Blat CCLXXXIIII Engelland IN Engelland hat koenig Heinrich der ainoedigkeit vnd muessigkeit ein giriger man mer auß frembder denn aigner maynung das koenigreich geregirt. Hertzog Sopholti was zumal mechtig vnd gewaltig bey disem koenig dann er regiret das gemain volck vnd auch den adel nach seinem willen. als aber die Engellendisch sach bey den frantzosen gemyndert wardt vnd der frantzosisch gewalt sich zeforigem stand auffrichtet do kam der Eboracensisch hertzog nicht mit klainem volck. auch nicht mit wenig adels gein Lundon in willen des koenigs rat zewandeln vnnd den stand des koenigs vnd des coenigreichs in besser wesen zebringen. aber Sopfulti wolt seiner zukunft nit erharren sunder er setzet sich eylend auff ein schiff vnd flohe von dannen. aber wer kan seinem gesetzten todt empfliehen. denn ettlich warden ime nachzeeylen gesand die ergriffen ine todschlahend. Der hertzog Somerseti der nach verlorner Normannia wider gein Engelland keret was auch mechtig vnd gewaltig bey dem koenig aber wardt gefangen vnd vil adels getoedt vnd auch der briesterschaft nit verschonet. vnd vnder denselben vnser freuend Adam molynes des koenigs secretari enthawbtet. Vnlang darnach als der Eboracensisch hertzog wider anhayms komen was do begunde Somerseti der fuerst auß gefengknus gelassen mit verhengknus des koenigs das koenigreich zeregirn. das kome im zu grossem toedtlichen schaden dann er wardt von dem Eboricensischen hertzog erschlagen. Von Schotten land SChotten land ist in der innseln darinn Engelland ist das letst ort gegen mitternacht hinein mit klainen wasser flueßen vnd einem perg von Engelland vnderschieden. Daselbst sind wir zu winterzeit gewesen als die sunn ein wenig mer dann drey stund das erdreich beleuechtet. Zu der selbigen zeit regiret einer Jacobus genant. ein vieregketer vnd mit vil leibs faiste beschwerter man. der dann ettwen in Engelland gefangen aylf iar in huot gehalten vnd darnach ledig gelassen. Zu letst einer engellendischen frawen vermehlet. wider anhayms keret vnnd vil gewaltig ertoedtet. Zu letst auch von seinen hawßgenoßen erschlagen wardt. Wir hetten ettwen gehoert das in Schottenland ein pawm wer der am gestadt eins fluss fruechte entten gestalt habennde prechte. wenn die zeytig wuerden so fieln die ab. eins tails auff die erden. eins tails in das wasser. die auff die erden gefalnen verfauleten. die aber in das wasser fielen die wuerden als lebendig vnd schwuemmen vnder das wasser vnnd fluegen darnach in die luft. als wir aber den sachen begirlicher nachfragten do erlerneten wir das solcher pawn nit in Schottenland sunder bey Olchadischen innseln gefunden wuerde. aber ein soelchs wunder haben wir in Schottenland gesehen. das die armen nackenten lewt bey den kirchen petlende almusens weise stein empfiengen vnd darumb fleissigclich dancketen. dann dieselben stain waren schweflicher oder faister materi. die prauchten sie fuer holtz. des grosser mangel in Schotten land ist. Von Hybernia WIewol wir yetzo von Hybernia ettwas schreiben solten die mit einem kleinen meer von Brittannia vnderschieden ist. yedoch nach dem wir nichts gedechtnus wirdigs in der zeit beschehen vernummen haben so eylen wir zu den Hyspanischen sachen.
des Krieges mit den Engländern auf viele Jahre erlangt. Damit nun nach Abschluss dieser Dinge der König, der das französische Königreich durch kriegerischen Raub und Brand lange Zeit ermüdet hatte, eine Weile ruhen ließe, schickte er den Dauphin (wie zuvor gemeldet ist) mit großem Volk über die Schweizer und Basel. So zog er mit dem übrigen Heer in das Lothringische Land, die Metzer und Toulouser Gegend bekümmernd, und die Stadt Spinal genannt, nach Übergabe der Einwohner, dem Metzer Bistum abdringend. Danach wurde Franciscus Aragonensis, nach heimlicher Einnahme der Stadt Tosorsi, die in der Normandie gelegen und dem Herzog der Bretagne gehörte, als ein Friedensbrecher der zwei mächtigen Könige Frankreich und England geachtet. Dieser Sache halben wurden viele Botschaften hin und her gesendet. Flothetus, nicht mit wenig reisigem Zeug vom König von Frankreich gesendet, ließ etliche Wagen mit Heu beladen, darin Wappner verborgen lagen, auf die Brücken des Schlosses führen und mitten auf den Brücken und vor den Pforten des Schlosses stillhalten. Derweil wartete er in der Nachhut mit dem Zeug auf ein Wahrzeichen. Als er das empfing und die Wappner aus dem Heu fallend die Pforten einnahmen, indem sie die Torwächter totschlugen, da hielten sie denselben Ort so lange inne, bis Flothetus zueilend die Brücken und das Schloss in seinen Gewalt brachte. Als solches an den König gelangte, da schickte er über dieselben Brücken in die Normandie viel Volk. So führte Franciscus, der Fürst von Bretagne, auf der anderen Seite ein Heer. Der Herzog von Somerset hatte dieselben Provinzen von des Königs von England wegen inne. Als derselbe Herzog verstand, dass solcher Krieg und Anschlag über ihn ginge, da hieß er Talbot, den Heerhauptmann, zu Rouen bei ihm sein, hoffend, mit seinem Rat und Wehr die Stadt, die er wankeln merkte, beständig zu behalten. Aber sein Rat war vergebens, denn als die Bewohner Rouens erfahren hatten, dass sich der König näherte, da sandten sie ihre Botschaft zu ihm und verhießen ihm, sein Heer in die Stadt zu lassen und seinen Geschäften gehorsam zu sein. Also ward die Stadt dem König eingegeben. Aber Talbot floh mit dem Herzog und allen den Seinen in das Schloss. Als man nun dasselbe Schloss anfing zu stürmen, da ließ der Herzog von Somerset Talbot und zwei seiner Stiefsöhne in dem Schloss und zog heimlich nach England. Danach ward das Schloss übergeben und Talbot mit des Herzogs Stiefsöhnen dem König in seinen Gewalt überantwortet. Aber nachdem Talbot bei jedermann ein offenkundiges Geschrei, nicht mit bösen Handlungen, sondern mit Kraft seines Leibes und Rechtschaffenheit seines Gemütes in offenem Krieg erlangt hatte, da ward er ledig gelassen, doch mit Verpflichtung, hinfort wider die Franzosen Krieg zu führen. Dieser Talbot kam in dem gnadenreichen Jahr gen Rom (wie etliche meinen), Absolution und Entledigung seiner Pflicht zu suchen. Aber mir ist solches nicht glaublich, sondern das ist wissentlich: als Talbot wieder in England gekommen war und der König von Frankreich jetzt nach Überwindung ganz Normandiens auch Bordeaux unter sich gebracht hatte, da ward er von seinem König nicht ohne großes Volk in die Gascogne gesendet und hat Bordeaux wieder erobert und viele andere Kastelle, die von dem englischen Königreich abgetreten waren, teils mit Gewalt erfochten, teils aus williger Ergebung eingenommen. Als solches der König von Frankreich hörte, da richtete er eilends zwei Heere zu. Das eine Heer hieß er mit 15.000 Wappnern geraden Weges auf die Stadt Bordeaux zuziehen. Das andere Heer führte der König selbst. Und als er sieben Meilen vor Bordeaux vor ein kleines Kastell gekommen war, da unternahm er es, das zu stürmen mit Einnahme eines Turmes, der zwischen Bordeaux und demselben Kastell war, den er mit Schützen befestigte. Als aber Talbot verstanden hatte, dass ihm mit zwei Heeren zu fechten wäre, da meinte er, das Heer erstlich anzugreifen, das er mit minder Mühe zu überwinden getraute. Demnach zog er mit Heereskraft aus und kam jetzt am Abend zu dem benannten eingenommenen Turm. Den eroberte er in dem ersten Sturm, alle Schützen, etwa fünfhundert, erschlagend. Als er nun danach des Morgens früh voran zog und vernommen hatte, dass das königliche Heer sich zur Flucht richtete, da besorgte Talbot, ihm möchte vielleicht der Raub entfliehen, darum hieß er die anderen hernach ziehen. Aber er eilte mit 500 Kürbissern und 800 Schützen zu den Feinden zu und fing mit ihnen einen aufrührerischen Streit an. Die Feinde berieten sich etwelang untereinander, ob sie sich in die Flucht geben wollten. Aber sie entschlossen sich aus Scham des nahenden Königs, des Glücks streitend zu warten. Sie hatten bei 300 Karrenbüchsen, die sie an dem Ort, daher Talbot kommen sollte, entgegenstellten, mit viel anderem Kriegszeug hin und her setzend, damit die Feinde verletzt werden mochten. Als nun die Engländer, unwissend des Schusszeugs, in die Wagenburg der Franzosen grimmend liefen, da wurden die Büchsen angezündet, also dass in dem ersten Anlauf schier dreihundert englischer Ritter von dem Geschoss vergingen. Und als aber Talbot des berichtet ward, da ermahnte er seinen Sohn, bei ihm seiend, abzutreten und sich auf bessere Zeit zu enthalten. Aber der Sohn sprach, dass ihm aus dem Streit nicht zu fliehen wäre, darin der Vater fechten wollte. Da sprach der Vater: „Lieber Sohn, von meiner mannigfaltigen, hochberühmten Taten wegen mag ich ohne Ruhm nicht sterben noch ohne Schande fliehen. Aber dich als einen Anfänger ritterlicher Übung machet weder die Flucht erlöse noch der Tod berühmt.“ Aber der Sohn wollte vom Vater nicht fliehen, darum ward er mit ihm erschlagen. Blatt 284. England. In England hat König Heinrich, ein der Einsamkeit und Müßigkeit gieriger Mann, mehr aus fremder denn eigener Meinung das Königreich regiert. Herzog Suffolk war zumal mächtig und gewaltig bei diesem König, denn er regierte das gemeine Volk und auch den Adel nach seinem Willen. Als aber die englische Sache bei den Franzosen gemindert ward und die französische Gewalt sich zu vorigem Stand aufrichtete, da kam der Herzog von York nicht mit kleinem Volk, auch nicht mit wenig Adel gen London in Willen, des Königs Rat zu wandeln und den Stand des Königs und des Königreichs in besseres Wesen zu bringen. Aber Suffolk wollte seiner Zukunft nicht harren, sondern er setzte sich eilend auf ein Schiff und floh von dannen. Aber wer kann seinem gesetzten Tod entfliehen? Denn etliche wurden ihm nachzueilen gesandt, die ergriffen ihn, totschlagend. Der Herzog von Somerset, der nach verlorener Normandie wieder gen England gekehrt war, auch mächtig und gewaltig bei dem König, aber ward gefangen und viel Adel getötet und auch der Priesterschaft nicht verschont. Und unter denselben unser Freund Adam Molynes, des Königs Sekretär, enthauptet. Unlang danach, als der Herzog von York wieder heimgekommen war, da begann Somerset, der Fürst, aus Gefängnis gelassen mit Verhängnis des Königs, das Königreich zu