Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Von Hyspannia center HJspania ein fast weytte gegent am erdpoden den besten wol zeuergleichen an waffen mechtig ist zu vnßern zeiten in fuenf koenig getaylt. den ersten vnd den groesten nennt man den koenig Castelle. den andern zu Arrogon. den dritten zu Porthegalia. den vierden Nauerre. den fuenften Granate. den letsten setzen sie in Castella dem edeln vnd weytherrschenden koenigreich. Dess koenige auß dem pluot der Gothier gewachßen das geschlecht nye verwandelt haben. Vnnd wiewol Aluarius von Luna arrogonischer nation auß edelm geschlecht. doch außerhalb der ee geporn. dieweil ettwen Johanna dem koenig also verkuendet het. das er einiger des reichs vnnd des koenigs gewaltig gesehen wuerd. vnd Johannem den Nauerrischen koenig. vnd Heinrichen den maister sant Jacobs ritterschafft mit seinem gewalt vnnd das koenigreich zeregiren mit der waffen betrueebet het. yedoch lebet er darnach ettwielanng nach entsetzung seiner gueeter auß widerstand der koenigin vom hof vertriben in einem abgesuenderten stand. Vnlang darnach wardt mit den obgenanten Johanne vnd Heinrico ein ernstlicher streit darinn vil lewt auff beder seyten ernyderlagen. aber Aluarus behielt den obsyg. vnd Heinrich wardt in demselben streyt an einer hand wund vnd starb in kuortzen tagen darnach. Sein oeberkeit vnd herrschung erlanget aluarus vnd wardt ettwielang darnach als ein vater vnd anschicker des koenigreichs gehalten. doch gieng er zu letst auß neyd der gewaltigen ernyder. Dann dz er einen edeln der ime auß befelhe des koenigs nit angeneme ding verkuendet auß seinem hawß durch ein fenster abstuertzen hieß do wardt er alßpald gefangen vnd mitten auff dem margk enthawbt. ein man hohs gaists zu haws vnd zu feld beruembt. vnd dem alweg grosse ding in dem gemueet sassen. Darnach hat Johannes ettwieuil iar durch sie selbs das koenigreich geregirt. Nach seinem absterben empfieng sein sun Heinrich das koenigreich ein volmueetiger iungling vnd der auffrichligkeit girig. der dann sein vorige gemahel verlassend ein andere auß Portugalia der kaiserin schwester zu der ee name vnd in das koenigreich Granate mit hereßkraft ziehende einen grossen tail der feind landschaft zerruedet vnd verwueestet hat. In dem Nauarrischen koenigreich hat der sun wider den vater vnnd der vater wider den sun zu den waffen gegriffen. Zu letst wardt der sun auß dem reich vertriben vnd flohe zu Alphonso seinem vetter dem koenig zu arrogonia vnd sicilia. Nach der gepurt Cristi .M.cccc.xci. iar ist das gantz koenigreich Betice yetzo Granata genant nach vberwindung des haidnischen volcks vnd nach fangknus irs koenigs vnnd nach erobrung der statt Granata mit schwerer belegerung von den cristen bestritten vnd besetzt wardt. Blat CCLXXXV Portugalia center IN Portugalia ist Petrus mit dem zunamen der vnsprechend (dann also werden die suene der koenig ee sie regiren genennt) ein fuerst gross namens. der schier alles Europam die lere seiner tugennt zaigende durchwandert hat Als er in pflegnus weise des koenigreichs ettwielang mit grossem lobe gepflegen vnd nicht mit mynderm glawben Alphonso seinem vetter vnd tochterman widerstand gethan het vnd zu letst nach entstandnen zwittrechtigkeytten in wachsendem hass die sach zu einem streyt komen was mit geschoss verletzt gestorben. ein man grosser thate. der ettwen vnder kaiser Sigmunden mit fechten wider die Tuercken grossen ruom vnd lobe erlannget. Darnach hat Alphonsus ein aller senftmueetigster fuerst. hohs hertzens vnnd mit sundrer kluogheit begabt das koenigreich gerueesamlich inngehalten. Als ime sein allerliebste gemahel starb do mocht ine nymant vberreden ein andere zenemen. sunder er wendet alle sein sorg dahin das er ettwas handelte das ime lob vnd dem cristenlichen stand frucht brechte. Darumb nach berueffung vnd aufforderung des koenigs adels vnd mechtigkeit name er das creuetz an sich vnd verhieße wider die Tuercken einen heerzug. Als aber in nachfolgenden iaren Heinrich sahe das die gegent des Portugalischen koenigreichs in kleiner rifier beschlossen wardt also auß begirde das koenigreich zeerweittern do zohe er mit grossem gewalt in das Hispanisch meer vnnd funde auß rat vnd lere der ihenen die die gelegenhait der orden vnnd des meers kennen vil vnnd mancherlay innseln von den menschen nye bewonet. Vnder anndern schiffet er in ein innseln des meers von den menschen vnbewonet. aber doch an prunnen befeuechtet. faysts erdpodems. waldig. zu inwonunng vnnd besitzunng der menschen fuogsam. In dieselben innseln schicket er manncherlay geschlecht
Von Hispanien. Hispanien, eine sehr weite Gegend auf dem Erdboden, den besten wohl zu vergleichen, an Waffen mächtig, ist zu unseren Zeiten in fünf Königreiche geteilt. Den ersten und größten nennt man das Königreich Kastilien, den anderen Aragon, den dritten Portugal, den vierten Navarra, den fünften Granada. Den Letzten setzen sie in Kastilien, dem edlen und weitherreichenden Königreich. Dessen Könige sind aus dem Blut der Goten gewachsen, das Geschlecht hat sich nie verändert. Und wiewohl Alvaro de Luna, aragonesischer Nation, aus edlem Geschlecht, doch außerhalb der Ehe geboren, dieweil einst Johanna dem König also verkündet hatte, dass er allein des Reiches und des Königs mächtig gesehen würde, und Johann, den navarresischen König, und Heinrich, den Meister der Sankt-Jakobs-Ritterschaft, mit seiner Gewalt und das Königreich zu regieren mit den Waffen betrübt hatte, jedoch lebte er darnach etliche Zeit lang nach Entsetzung seiner Güter, aus Widerstand der Königin vom Hof vertrieben, in einem abgesonderten Stand. Unlang darnach ward mit den obgenannten Johann und Heinrich ein ernstlicher Streit, darin viele Leute auf beider Seiten niedergelagen. Aber Alvaro behielt den Obsieg, und Heinrich ward in demselben Streit an einer Hand wund und starb in kurzen Tagen darnach. Seine Oberkeit und Herrschaft erlangte Alvaro und ward etliche Zeit lang darnach als ein Vater und Anschicker des Königreichs gehalten. Doch ging er zuletzt aus Neid der Gewaltigen nieder. Dann dass er einen Edlen, der ihm auf Befehl des Königs nicht angenehme Dinge verkündet, aus seinem Haus durch ein Fenster abstürzen hieß, da ward er alsbald gefangen und mitten auf dem Markt enthauptet, ein Mann hohen Geistes, zu Haus und zu Feld berühmt, und dem allweg große Dinge in dem Gemüt saßen. Darnach hat Johann etliche Jahre durch sich selbst das Königreich regiert. Nach seinem Absterben empfing sein Sohn Heinrich das Königreich, ein vollmütiger Jüngling und der Aufrichtigkeit gierig. Der dann seine vorige Gemahlin verlassend eine andere aus Portugal, der Kaiserin Schwester, zur Ehe nahm und in das Königreich Granada mit Heereskraft ziehend einen großen Teil der Feindeslandschaft zerrüttet und verwüstet hat. In dem navarresischen Königreich hat der Sohn wider den Vater und der Vater wider den Sohn zu den Waffen gegriffen. Zuletzt ward der Sohn aus dem Reich vertrieben und floh zu Alfons, seinem Vetter, dem König zu Aragon und Sizilien. Nach der Geburt Christi 1491 Jahre ist das ganze Königreich Betica, jetzt Granada genannt, nach Überwindung des heidnischen Volkes und nach Gefangennahme ihres Königs und nach Eroberung der Stadt Granada mit schwerer Belagerung von den Christen bestritten und besetzt worden. Blatt 285. Portugal. In Portugal ist Peter mit dem Zunamen der Unsprechend (dann also werden die Söhne der Könige, ehe sie regieren, genannt) ein Fürst großen Namens. Der schier ganz Europa die Lehre seiner Tugend zeigend durchwandert hat. Als er in Pflegeweise des Königreichs etliche Zeit lang mit großem Lob gepflegt und nicht mit minderem Glauben Alfons, seinem Vetter und Tochtermann, Widerstand getan hatte und zuletzt nach entstandenen Zwieträchtigkeiten in wachsendem Hass die Sache zu einem Streit gekommen war, mit Geschoss verletzt gestorben, ein Mann großer Taten, der einst unter Kaiser Sigismund mit Fechten wider die Türken großen Ruhm und Lob erlangt. Darnach hat Alfons, ein allersanftmütigster Fürst, hohen Herzens und mit besonderer Klugheit begabt, das Königreich geruhsamlich innegehalten. Als ihm seine allerliebste Gemahlin starb, da mochte ihn niemand überreden, eine andere zu nehmen. Sondern er wendete alle seine Sorge dahin, dass er etwas handelte, das ihm Lob und dem christlichen Stand Frucht brächte. Darum nach Berufung und Aufforderung des Königs, Adels und der Mächtigkeit nahm er das Kreuz an sich und verhieß wider die Türken einen Heerzug. Als aber in nachfolgenden Jahren Heinrich sah, dass die Gegend des portugiesischen Königreichs in kleiner Riffier beschlossen ward, also aus Begierde das Königreich zu erweitern, da zog er mit großem Gewalt in das Hispanische Meer und fand aus Rat und Lehre derer, die die Gelegenheiten der Orden und des Meeres kennen, viele und mancherlei Inseln, von den Menschen nie bewohnt. Unter anderen schiffte er in eine Insel des Meeres, von den Menschen unbewohnt, aber doch an Brunnen befeuchtet, fetten Erdbodens, waldig, zur Inwohnung und Besitzung der Menschen fügsam. In dieselben Inseln schickte er mancherlei Geschlecht.