Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
der menschen daselbst zewonen. alda gefelt vnder andern fruechten souil zugkers das alles Europa vber die maß mit zucker begabt ist. Die innsel haist Madera. vnd von dannen her der zucker von Madera. Er hat auch mer ander innseln gefunden vnd zebewonen vnd mit namen zetawffen geschaft. als sant Georgen Fayal de pico. derselben innseln eine hat er mit Teuetschen lewten auß Flandern besetzt. die tregt waytz. Darnach im iar des herren M.cccc.lxxxiij. hat koenig Johannes zu Portugalia ein man gar hoher synn ettlich galeen mit allen zum leben nottuerftigen dingen angerichtet vnd hinder die seueln Herculs gegen mittemtag wartz Ethiopiam zeerforschen außgeschickt. vnd den selben schiffen oder galeen zwen patron gesetzt. Nemlich Jacobum canum einen Portugalier vnd Martin beheym einen teuetschen von Nuermberg auß einem guoten geschlecht daselbst geporn in erkanntnus des gelegers der erden hoherfarnn vnd dess meres wol geduldlich. der dann die lenge vnd prayte in dem occident auß erfarnus vnd langer schiffung gar aigentlich waißt vnd nach volbringung solcher schiffung sind sie in dem sechzehenden monat widerumb gein Portugalia komen vnd haben doch vil irer mitgeferten von des vberhitzigen luffts wegen tod hinder inen gelassen. Von welschem land center WIewol nw die gschihten in Welschen landen vnder kaiser Friderichen seligen loeblicher gedechtnus bey zeyten Enee siluij geuebt an disem ende zeuerleiben weren. Nach dem aber doch die fuernambsten vnnd beruembsten stet mit entwerffnus vnd auch die durchleuechtigen vnd nambhaftigen personen welscher lande mit anzaigung irer gethaten vnd geschihten nit allain bey zeitten Enee siluij sunder auch daruor vnd darnach begangen hieuor in disem buoch an manchen orten beschriben sind worden. Vnd so nw die geschihten welscher land in zeiten Enee verloffen von ime in fast langer schrift angezogen sind. auff das dann zwifachung der meldung. auch solche lengerung den lesern nit verdriess gepere. zusambt dem das nit allain die vile derselben schriften sunder auch die vngewoenlichen wortt vnd namen darinn manigfeltigclich begriffen. dem teuetschen menschen solchs lesende vnlust vnd beschwerde on nuotz bringen moecht. so ist die beschreibung solcher welscher geschihten als vnnottuerftig vnnd ettlicher maß von vorbeschehner meldung wegen vberfluessig an disem ende im besten vermyden bliben. in massen dann auch die verteuetschung diser Europe Enee siluij an vil enden nicht von wortten zu wortten sunder außzugs weise doch nicht on vrsach beschehen ist. Blat CCLXXXVI Bey erklerung der gelegenheit vnd pildnus Germanie oder Teuetscher nation hernach entworffen ist zemercken der spruch Strabonis also sagende. Die Teuetschen der Gallischen nation nachfolgende sind gerads leibs vnd weysser oder roeßleter farb. vnd in andern dingen an gestalt. geperde vnd sytten den Gallischen gleich. darumb haben inen die roemer disen namen billich gegeben do sye sie brueder der Gallier nennen wolten. dann nach roemischer rede haißen die Teuetschen Germani das ist souil als eelich oder recht brueedere. Nw ist Germania oder Teuetsche nation von den alten gschihtbschreibern vil versawmbt. dann dermals waren ire innere vnd haymliche gegent oder zugeng mit wasserfluessen verhindert. der welde vnd see halben vnwegsam in grobem hirttischem sytten vnd nyndert denn an beruembten namhaftigen fluessen erpawt. Aber nach hinlegunng der abgoettereischen anbettung vnd nach annemung cristenlichs wesens ist dise teuetsch nation zuechtiger worden vnd zu grosser auffung komen. Sie ist gar prayt vomb auffgang. Das Polnisch vnd nyderhungerisch land von mittemtag. das Algew oder gepirg. vom nydergang die Gallier. gegen mitternacht das Teuetsch meer habende. In Germania sind gantzer Europe die beruembtisten fluess der Rhein. die Thonaw. die Elbe vnd andere vnzallich vnd gedechtnuswirdig. Der Rhein hat seinen vrsprunng in dem sybenden berg auff eim allerhoehsten gipffel des gepirgs. in des nehe entspringen die fluess Rhodanus. die Lyonische vnd Narbonensischen gallischen gegent. vnd Padus oder der pfat Welschßland befeuechtigende. Tranus. der bey Papiam einflewßt. Die Etsch die durch das Trientisch vnnd Bernnisch land zu letst in das Adriatisch meer rynnet. aber der Rhein fleueßt gegen mitternacht mit girigem lawff durch die tale vnd gehe perg. vnd so er durch die Curiensischen landschaft komt so wirdt er schiffreich. Alßpald darnach macht er zwen see (die man bodensee vnd zellersee nennt) die statt Constentz in dem mittel lassende. vnd fueroan mit widerwendigem vmbreyssen der gestadt von manchen spitzigen gehen felsen der berg gezwenngt ershroeckenlich sawßende vnd seine gestadt stettigclich außhoelerende. vnd rynnet dann fuerohin durch Basel. die ime widersteende gestadt hynreyssende vnd newe genng mit grossem schaden der anwoner suchende. vnd fuer Straßburg Speyr Wurms Mayntz Coblentz vnd Coelne die edeln stett Teuetscher nation fließende. mit auffnemung in sich vil schiffreicher fluess. als des Mayns Neckers Lymag Musel Masa vnd andrer. vnd geueßt sich dann auß on vil oerttern in das Teuetsch meer innseln machende. dero ettlich von den Friesen. ettlich von den Gellrischen. ettlich von den Hollendern bewonet werden. Zumb andern ereueget sich die Thonaw der beruembtist fluss Europe. entspringt auß dem Arnobischen berg bey anfanng des Schwartzwalds in eim dorff Doneschingen genant. vnd fleueßt vom nydergang gein dem orient oder aufgang erstlich auff zwu tagrayss bis gein Vlme langksamm. alda mit der Plaw. yler vnd andern flueßen gesterckt wirdt sie schiffreich vnd rynnet von dannen hin durch vil land vnd neben vil stetten mit vberschwencklicher auffung der wasser. Sechtzig des mereren tayls schifreiche fluess in sich nemende. Zu letst an sechs grossen oerttern in das Euximsch meer. Zum dritten begegnet die Elbe entspringende in den bergen die Schlesier land von Beheim tayln. Die fleueßt mit der Multa durch Behmer land von dannen durch den Behmischen wald. fueroan durch Meichßen Maydeburg vnd andere stett der Marck vnd des Sechsischen lannds bis hinab bey Hamburg in das Teuetsch meer. Sunst sind andere namhaftige fluess der ich hie von der kuertze wegen geschweigen wil. Zum vierden erscheint ein wald Hercinia genat. den hewtbeytag bey anfanng vnnd vrsprunng der Thonaw die vmbsessen daselbst den Schwartz waldt nennen. Der ist (als Pomponius mella setzt) sechtzig tagrays lang vnd grosser vnd bekantter denn andere weld. vnd hat mancherlay namen. auch vil est. hoerner vnd außstreckung. den die innlender andere vnd andere namen geben. dann von anfang seins vrsprungs bis zu dem Necker behelt er den namen Schwartzwald. vnnd vom Necker bis an den Mayn haißt er Ottenwald. aber vom Mayn bis an den fluss Lonam bey Coblentz Westerwaldt. Darnach wendet er sich gegen dem orient vnd taylt Franckenland von Hessen vnd Thueringen. vnd darnach thut er sich in der mittel wider auff vnd vmbrinnget zirckels weyse das Behmisch land vnd strecket sich fueran in dem Merherrischem gepirg durch mittel der Hungern auff der rechten vnd der Poln auff der lingken seyten bis zu dem Dacischen vnd Getischen volck ye andere vnd andere namen empfahende. Nw ist Germania gar ein grosse gegent europe. die dann auß nachpawrschaft vnd geselschaft der roemer vnd auch mit dem heilligen glawben zu senftmueetigkeit vnd guotsyttigkeit gebracht worden ist. Germania ist ein edle gegent vornemlich da sie mit fluessen befeuechtigt wirdt. dann alda ist grosse vnd selige wolluestigkeit. gemassigter luft. fruchtpere felldung. wunnsame berg. dicke welde vnd allerlay getrayds vberflussigkeit. weinrebtragende puehel. gnuogsammkeit der fluess vnnd prunnen die gantzen gegent durchgießende. allenthalben mit hanttirungen vnd kawffhandlungen mechtig. den gesten guot. den bittenden senftmueetig vnnd an synnschicklichkeiten. syttlichkeit. kreften vnnd mannen zuuoran in kriegs sachen keiner nation weichende. Sie weicht auch an reichthuemern aller metall keinem ertreich. dann alle Welsche Gallische Hispanische vnd andere nation haben schier alles silber auß den Teuetschen kawflewten. Dise Teuetsch nation vermag allain on eueßere hilff souil manschaft zu roß vnd zu fueß das sie eueßern nationen leichtigclich widersteen mag. Mer grosse treffenliche ding weren zesagen von dem cristenlichen wesen. gerechtigkeit. glawben vnd trew die ich doch von kuertze wegen fuergeen muoß.
der Menschen daselbst zu wohnen. Dort gedeiht unter anderen Früchten so viel Zucker, dass ganz Europa über die Maßen mit Zucker versorgt ist. Die Insel heißt Madeira, und von dort kommt der Zucker von Madeira. Er hat auch mehr andere Inseln gefunden und bewohnbar gemacht und mit Namen taufen lassen, wie Sankt Georgen, Fayal, de Pico. Eine dieser Inseln hat er mit deutschen Leuten aus Flandern besetzt, die Weizen trägt. Danach, im Jahr des Herrn 1483, hat König Johannes von Portugal, ein Mann von sehr hohem Verstand, etliche Galeeren mit allen zum Leben notwendigen Dingen ausgerüstet und hinter die Säulen des Herkules gegen Mittag, in Richtung Äthiopien, zur Erforschung ausgeschickt. Und er hat diesen Schiffen oder Galeeren zwei Patrone gesetzt, nämlich Jacobus Canus, einen Portugiesen, und Martin Behaim, einen Deutschen aus Nürnberg, aus einem guten Geschlecht daselbst geboren, in Erkenntnis der Lage der Erde hocherfahren und des Meeres wohl geduldig. Der dann die Länge und Breite im Okzident aus Erfahrung und langer Schifffahrt sehr genau weiß. Und nach Vollendung solcher Schifffahrt sind sie im sechzehnten Monat wieder nach Portugal gekommen und haben doch viele ihrer Mitgefährten wegen der überhitzten Luft tot hinter sich gelassen. Von welchem Lande. Obwohl nun die Geschichten in welschen Ländern unter Kaiser Friedrich seligen, löblicher Gedächtnis, zu Zeiten des Enea Silvio Piccolomini an diesem Ende zu verbleiben wären, nachdem aber doch die vornehmsten und berühmtesten Städte mit Entwurf und auch die durchlauchtigsten und namhaftesten Personen welscher Länder mit Anzeige ihrer Taten und Geschichten nicht allein zu Zeiten des Enea Silvio, sondern auch davor und danach begangen, hiervor in diesem Buch an manchen Orten beschrieben worden sind. Und so nun die Geschichten welscher Länder, die in Zeiten des Enea Silvio verlaufen sind, von ihm in fast langer Schrift angezogen sind, auf dass dann Zweifachung der Meldung, auch solche Längerung den Lesern nicht Verdruss bereite, zusammen mit dem, dass nicht allein die Fülle derselben Schriften, sondern auch die ungewöhnlichen Worte und Namen darin mannigfaltiglich begriffen, dem deutschen Menschen solches lesend Unlust und Beschwerde ohne Nutzen bringen möchte, so ist die Beschreibung solcher welschen Geschichten als unnötig und etlichermaßen von vorbeschienener Meldung wegen überflüssig an diesem Ende im besten vermieden geblieben. In Maßen dann auch die Verdeutschung dieser Europa des Enea Silvio an vielen Enden nicht von Wort zu Wort, sondern auszugsweise, doch nicht ohne Ursache, geschehen ist. Blatt 286. Bei Erklärung der Gegebenheit und Bildnis Germaniens oder deutscher Nation, hiernach entworfen, ist zu merken der Spruch Strabos, also sagend: „Die Deutschen, der gallischen Nation nachfolgend, sind geraden Leibes und weißer oder rötlicher Farbe, und in anderen Dingen an Gestalt, Gebärde und Sitten den Galliern gleich. Darum haben ihnen die Römer diesen Namen billig gegeben, wo sie sie Brüder der Gallier nennen wollten, denn nach römischer Rede heißen die Deutschen Germani, das ist so viel als eheliche oder rechte Brüder.“ Nun ist Germanien oder deutsche Nation von den alten Geschichtsschreibern viel versäumt, denn damals waren ihre inneren und heimlichen Gegenden oder Zugänge mit Wasserflüssen verhindert, der Wälder und Seen halben unwegsam, in grobem, hirtischem Sitten und nirgends denn an berühmten, namhaften Flüssen erbaut. Aber nach Hinlegung der abgöttischen Anbetung und nach Annahme christlichen Wesens ist diese deutsche Nation züchtiger geworden und zu großer Auffassung gekommen. Sie ist sehr breit vom Aufgang. Das polnische und niederungarische Land vom Mittag, das Allgäu oder Gebirge, vom Niedergang die Gallier, gegen Mitternacht das deutsche Meer habend. In Germanien sind ganz Europas die berühmtesten Flüsse der Rhein, die Donau, die Elbe und andere unzählige und gedenkwürdig. Der Rhein hat seinen Ursprung in dem siebten Berg auf einem allerhöchsten Gipfel des Gebirges, in dessen Nähe entspringen die Flüsse Rhodanus, die Lyonische und Narbonensischen gallischen Gegenden, und Padus oder der Po, Welschland befeuchtigend. Tranus, der bei Pavia einfließt. Die Etsch, die durch das Trientische und Berner Land zuletzt in das Adriatische Meer rinnt. Aber der Rhein fließt gegen Mitternacht mit gierigem Lauf durch die Täler und steilen Berge, und so er durch die Churer Landschaft kommt, so wird er schiffbar. Alsbald danach macht er zwei Seen (die man Bodensee und Zellersee nennt), die Stadt Konstanz in der Mitte lassend. Und fortan mit widerwendigem Umreißen der Gestade von manchen spitzigen, steilen Felsen der Berge gezwängt, erschrecklich sausend und seine Gestade stetiglich aushöhlend. Und rinnt dann fortan durch Basel, die ihm widerstehenden Gestade hinreißend und neue Gänge mit großem Schaden der Anwohner suchend. Und fließt vor Straßburg, Speyer, Worms, Mainz, Koblenz und Köln, die edlen Städte deutscher Nation. Mit Aufnahme in sich vieler schiffbarer Flüsse, als des Mains, Neckars, Lymags, Mosel, Maas und anderer. Und ergießt sich dann aus an vielen Orten in das deutsche Meer, Inseln machend, deren etliche von den Friesen, etliche von den Geldern, etliche von den Holländern bewohnt werden. Zum anderen ergießt sich die Donau, der berühmteste Fluss Europas. Entspringt aus dem Arnobischen Berg bei Anfang des Schwarzwaldes in einem Dorf namens Donaueschingen. Und fließt vom Niedergang gegen den Orient oder Aufgang, erstlich auf zwei Tagesreisen bis nach Ulm langsam. Dort, mit der Blau, Iller und anderen Flüssen gestärkt, wird sie schiffbar und rinnt von dannen hin durch viele Länder und neben vielen Städten mit überschwänglicher Aufnahme der Wasser. Sechzig, des größeren Teils schiffbare Flüsse, in sich nehmend. Zuletzt an sechs großen Orten in das Euxinische Meer. Zum dritten begegnet die Elbe, entspringend in den Bergen, die Schlesier Land von Böhmen teilen. Die fließt mit der Mulde durch Böhmen, von dannen durch den Böhmischen Wald. Fortan durch Meißen, Magdeburg und andere Städte der Mark und des sächsischen Landes bis hinab bei Hamburg in das deutsche Meer. Sonst sind andere namhafte Flüsse, derer ich hier der Kürze wegen schweigen will. Zum vierten erscheint ein Wald, Hercynia genannt. Den heutzutage bei Anfang und Ursprung der Donau die Umsassen daselbst den Schwarzwald nennen. Der ist (als Pomponius Mela setzt) sechzig Tagesreisen lang und größer und bekannter denn andere Wälder. Und hat mancherlei Namen, auch viele Äste, Hörner und Ausstreckungen, denen die Inländer andere und andere Namen geben. Dann von Anfang seines Ursprungs bis zu dem Neckar behält er den Namen Schwarzwald. Und vom Neckar bis an den Main heißt er Odenwald. Aber vom Main bis an den Fluss Lahn bei Koblenz Westerwald. Danach wendet er sich gegen den Orient und teilt Frankenland von Hessen und Thüringen. Und danach tut er sich in der Mitte wieder auf und umringt kreisförmig das böhmische Land und streckt sich fortan in dem mährischen Gebirge durch Mittel der Ungarn auf der