Das Buch von guter Speise (Daz buoch von guoter spîse)
Swallenbergs Sauce (würziger Wein-Honig-Sud)
Moderne Übersetzung
Nimm Wein und Honigseim, setze es aufs Feuer und lass es sieden. Gib gestoßenen Ingwer dazu, mehr als Pfeffer, doch nicht allzu viel, und stoße Knoblauch dazu. Mache es kräftig und rühre es mit einem Stab um, lass es sieden, bis es zu bräunen beginnt. Diese Sauce isst man bei kaltem Wetter, und sie heißt Swallenbergs Sauce.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| win | 250 ml Rotwein | - | - |
| honicsaum | 2-3 EL Honigseim (ungeklärter Honig) | Imker, Supermarkt | Cremiger Honig |
| gestozzen ingeber | 10 g frischer Ingwer, gestoßen | - | - |
| pfeffers | Pfeffer (weniger als Ingwer) | - | - |
| knobelauch | 1 Zehe Knoblauch | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine süß-würzige Reduktionssauce aus Wein und Honigseim, kräftig mit Ingwer, Pfeffer und etwas Knoblauch abgeschmeckt und so weit eingekocht, bis sie zu bräunen beginnt - im Geiste eine mittelalterliche Gastrique, die das Buch von guter Speise ausdrücklich als Winter-Sauce empfiehlt und unter dem Eigennamen Swallenberges salse führt. Sie passt zu kräftigem Braten und Wild.
Honigseim. honicsaum ist nicht Honigwasser, sondern Honigseim - dickflüssiger, ungeläuterter Honig (DWDS: mhd. honecseim), nicht der industriell erhitzte und gefilterte Flüssighonig des Handels - dieselbe Zutat, die das Buch auch in bgs-002 und bgs-029 verwendet. Er liefert die Süße, die hier gegen die Schärfe von Ingwer und Pfeffer steht.
Mehr Ingwer als Pfeffer. gestozzen ingeber me denne pfeffers, doch niht al zvo vil gibt das Würzverhältnis vor: Ingwer führt, aber nicht zu viel, Pfeffer unterstützt nur; dazu kommt - nach der Stuttgarter Parallelfassung - etwas Knoblauch.
Rühren mit dem Stab. Der Text schreibt beim Einkochen ausdrücklich vor, mit schinen zu rühren - einer Holzschiene oder einem Rührspatel, wie das Wort auch anderswo im Buch verwendet wird (bgs-020, bgs-038, bgs-040). Die Stuttgarter Parallelfassung liest an dieser Stelle eyer schinen statt nur schinen - ein Unterschied zwischen beiden Handschriften, dessen genaue Bedeutung offenbleibt.
brinnen = bräunen, nicht anbrennen. laz ez sieden, biz daz ez brinnen beginne meint das Einkochen, bis die Sauce dunkler wird und der Honig karamellige Noten entwickelt - der Punkt der gewünschten Konzentration, nicht das Verbrennen.
Praxis. Etwa 250 ml Rotwein mit 2-3 EL Honigseim aufsetzen, ein daumengroßes Stück fein gestoßenen Ingwer, eine gute Prise Pfeffer und ein bis zwei zerdrückte Knoblauchzehen zugeben. Bei mittlerer Hitze einkochen, dabei mit einem Holzlöffel oder Stab rühren, damit nichts anbrennt, bis die Sauce sirupartig wird und am Boden leicht zu bräunen beginnt. Warm reichen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/bgs-049/
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