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Kochbuch Meister Eberhards (Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1))

Bayern (Landshut), Mitte 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (bairisch, 15. Jh.)

Stockfisch mit Ingwer und Safran

Moderne Übersetzung

Willst du einen guten Stockfisch zubereiten, so lass ihn sieden wie Kalbfleisch und sieden, bis er auf das halbe Maß eingekocht ist. Seihe dann die Brühe ab und nimm den Stockfisch heraus.

Zerzupfe ihn gut. Nimm dann eine Pfanne und gib Schmalz hinein. Lass es warm werden und lege dann den Stockfisch in die Butter. Lass ihn darin erhitzen.

Nimm dann Ingwer und Safran mit der Fischbrühe und würze und färbe sie damit ein. Gieße sie über den Stockfisch in der Pfanne und lass es ein- bis dreimal aufwallen, dann ist er fertig.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
stockfisch Stockfisch gut sortierter Supermarkt, Fischhändler Kabeljaufilet (frisch oder tiefgekühlt)
brue Fischbrühe (aus dem Stockfisch) - -
smaltz Schmalz (smaltz), dann Butter (putternn) Supermarkt Butter ist an Fastentagen die periodentreue Wahl; Pflanzenöl für die vegane Variante
Ingwerr Ingwer Supermarkt -
saffran Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Zerpflückter, gewässerter Stockfisch, der in der Pfanne in Fett erhitzt und mit einer safrangelben, ingwergewürzten Fischbrühe nochmals kurz aufgekocht wird - eine bairische Hofküchen-Variante der spätmittelalterlichen Stockfisch-Sippe, nicht in der Brühe serviert wie der pfeffer, sondern in der Pfanne gebraten und mit konzentrierter Gewürzbrühe nappiert. Modern am ehesten ein gebratenes Stockfisch-Ragout, brandade-artig, aber ohne Sahne. Engster Verwandter ist der bairische Zwilling Geschmorter Stockfisch mit Rahm (gleicher Wortschatz, gleiches Schmalz-Brühe-Verfahren, nur mit Rahm und Zwiebel statt Ingwer und Safran); rundum verwandt sind Gesottener Stockfisch im Pfeffer, Stockfisch im gelben Süpplein, Stockfisch nach Thüringer Art sowie die zerzupfte Charpie aus Stockfisch und frischer Kabeljau.

Der Kern ist zweistufig. Zuerst wird der gewässerte Fisch sanft gesotten - als ein kalb fleisch, also wie eine Kalbsbrühe, ohne sprudelndes Kochen. Dabei soll er auff halben wogk einsieden: 'wogk' meint vermutlich Maß oder Gewicht, gemeint ist sehr wahrscheinlich, die Flüssigkeit etwa um die Hälfte zu reduzieren, damit die abgeseihte Brühe später kräftig genug ist (die Lesart bleibt eine begründete Vermutung). Dann wird der Fisch erclaub - von Haut und Gräten verlesen und in Fasern zerzupft; das deckt sich wörtlich mit dem bairischen ri15632-049 'klaub das Fleisch von den Gräten' und der Charpie aus men-194.

Danach kommt Schmalz in die Pfanne, der Fisch wird in die putternn - in die Butter - gelegt und erhitzt. Butter ist das fastentaugliche Standardfett der ganzen Sippe; Schmalz ist tierisch und an Fastentagen tabu. Zuletzt wird Ingwer und Safran mit der reduzierten Brühe verrührt, über den Fisch gegossen und ein- bis dreimal aufgewallt. (Die Vorlage ist an dieser Stelle - 'den stock in die visch' - leicht verderbt, gemeint ist schlicht der Stockfisch in der Pfanne.)

Praxis. Stockfisch 2-3 Tage vorwässern, Wasser mehrfach wechseln. Sanft sieden, die Brühe abseihen und auf etwa die Hälfte einkochen. Den Fisch von Haut und Gräten befreien und grob zerzupfen, in Butter (oder Schmalz) in der Pfanne erhitzen. Den Safran 10-20 Minuten in der warmen Brühe ziehen lassen - trockene Fäden geben keine Farbe ab -, mit dem Ingwer verrühren, über den Fisch gießen und nur kurz aufwallen, sonst zerfällt er.

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