Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Junge Gans mit Knoblauch-Safran-Sauce
Moderne Übersetzung
Nimm Knoblauch und zerstoße ihn, etwa im Mörser. Gib Brot und Essig dazu und gieße diese Mischung darunter. Füge Wein hinzu und schlage alles durch ein Tuch oder ein feines Sieb, damit die Sauce glatt wird.
Lass die Sauce mit Gewürzen kurz aufwallen. Färbe sie danach mit Safran - der nimmt ihr den Geschmack.
Die Sauce wird zur zubereiteten jungen Gans gereicht.
Zutaten
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ganns | junge Gans | 1 | Metzger, saisonal (Martinsgans/Weihnachtsgans) | - |
| knofflach | Knoblauch | - | - | - |
| prot | Brot (als Bindemittel) | - | - | - |
| essich | Essig | - | - | - |
| wein | Wein | - | - | - |
| gewurczen | Gewürze | - | - | Pfeffer, Ingwer und Nelken als typische Mischung der Zeit |
| Saffran | Safran | - | Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine mit Brot gebundene Knoblauch-Essig-Wein-Sauce, am Ende mit Safran gefärbt, gereicht zu einer zubereiteten jungen Gans - kein eigenständiges Gericht, sondern die Beilagensauce; die Zubereitung des Vogels selbst wird im Text als bekannt vorausgesetzt. Im Korpus gehört das Rezept zu einer gut belegten Familie von Gänse-Saucen: m384-039 und ka1-029 (dort „Galrei“/„Galrain“, aus französisch galantine - hier eine gewürzte, saure Sauce, nicht Aspik im modernen Sinn) sowie rfk-056 und rfk-036 teilen dieselbe Kernsequenz aus Knoblauch und Weißbrot im Mörser, Essig, Wein und Passieren durch ein Tuch.
Die Zwillinge ka1-029 und m384-039 nennen für die Gans ausdrücklich das Braten. mha-282 selbst benutzt dafür durchgehend nur das allgemeinere „beraiten“ (zubereiten) - das Verb „braten“ kommt im Text nirgends vor. Die Praxis der Zeit spricht also für eine gebratene Gans, aber das ist eine Schlussfolgerung aus der Parallelüberlieferung, keine Aussage dieses Textes selbst.
Der Text begründet den Safran-Einsatz auch funktional: „der nympt Im den geschmack dauon“ - der Safran nimmt der Sauce den Geschmack weg. Eine Wertung wie „zu kräftig“ steht dort nicht; das wäre eine unbelegte Ausschmückung. Der engste Zwilling rfk-036 formuliert fast wortgleich „der safferan benymmet yme den gesmacke“ und bestätigt zugleich, dass sich das Bezugswort auf die Sauce selbst bezieht, nicht auf die Gans.
Praxis. Knoblauch im Mörser zerstoßen (der Text nennt keinen Feinheitsgrad), mit eingeweichtem Weißbrot, Essig und Wein verrühren und durch ein Tuch oder feines Sieb passieren, bis die Sauce glatt ist. Mit Gewürzen (Pfeffer, Ingwer, Nelken) kurz aufwallen lassen, zuletzt mit Safran färben - er wird nicht mitgekocht, damit Farbe und Aroma erhalten bleiben. Die Sauce selbst ist in rund 20 Minuten fertig; der Flaschenhals ist die Gans, die am Spieß oder in der Glut mehrere Stunden durchgehende Feuerpflege braucht - für ein Lagerwochenende eher ein Vorführstück zu Martini oder Weihnachten als ein schnelles Alltagsgericht.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-282/
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