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Junge Gans mit Knoblauch-Safran-Sauce

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit180 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Nimm Knoblauch und zerstoße ihn, etwa im Mörser. Gib Brot und Essig dazu und gieße diese Mischung darunter. Füge Wein hinzu und schlage alles durch ein Tuch oder ein feines Sieb, damit die Sauce glatt wird.

Lass die Sauce mit Gewürzen kurz aufwallen. Färbe sie danach mit Safran - der nimmt ihr den Geschmack.

Die Sauce wird zur zubereiteten jungen Gans gereicht.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
ganns junge Gans 1 Metzger, saisonal (Martinsgans/Weihnachtsgans) -
knofflach Knoblauch - - -
prot Brot (als Bindemittel) - - -
essich Essig - - -
wein Wein - - -
gewurczen Gewürze - - Pfeffer, Ingwer und Nelken als typische Mischung der Zeit
Saffran Safran - Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Eine mit Brot gebundene Knoblauch-Essig-Wein-Sauce, am Ende mit Safran gefärbt, gereicht zu einer zubereiteten jungen Gans - kein eigenständiges Gericht, sondern die Beilagensauce; die Zubereitung des Vogels selbst wird im Text als bekannt vorausgesetzt. Im Korpus gehört das Rezept zu einer gut belegten Familie von Gänse-Saucen: m384-039 und ka1-029 (dort „Galrei“/„Galrain“, aus französisch galantine - hier eine gewürzte, saure Sauce, nicht Aspik im modernen Sinn) sowie rfk-056 und rfk-036 teilen dieselbe Kernsequenz aus Knoblauch und Weißbrot im Mörser, Essig, Wein und Passieren durch ein Tuch.

Die Zwillinge ka1-029 und m384-039 nennen für die Gans ausdrücklich das Braten. mha-282 selbst benutzt dafür durchgehend nur das allgemeinere „beraiten“ (zubereiten) - das Verb „braten“ kommt im Text nirgends vor. Die Praxis der Zeit spricht also für eine gebratene Gans, aber das ist eine Schlussfolgerung aus der Parallelüberlieferung, keine Aussage dieses Textes selbst.

Der Text begründet den Safran-Einsatz auch funktional: „der nympt Im den geschmack dauon“ - der Safran nimmt der Sauce den Geschmack weg. Eine Wertung wie „zu kräftig“ steht dort nicht; das wäre eine unbelegte Ausschmückung. Der engste Zwilling rfk-036 formuliert fast wortgleich „der safferan benymmet yme den gesmacke“ und bestätigt zugleich, dass sich das Bezugswort auf die Sauce selbst bezieht, nicht auf die Gans.

Praxis. Knoblauch im Mörser zerstoßen (der Text nennt keinen Feinheitsgrad), mit eingeweichtem Weißbrot, Essig und Wein verrühren und durch ein Tuch oder feines Sieb passieren, bis die Sauce glatt ist. Mit Gewürzen (Pfeffer, Ingwer, Nelken) kurz aufwallen lassen, zuletzt mit Safran färben - er wird nicht mitgekocht, damit Farbe und Aroma erhalten bleiben. Die Sauce selbst ist in rund 20 Minuten fertig; der Flaschenhals ist die Gans, die am Spieß oder in der Glut mehrere Stunden durchgehende Feuerpflege braucht - für ein Lagerwochenende eher ein Vorführstück zu Martini oder Weihnachten als ein schnelles Alltagsgericht.

Wo bekomme ich eine junge Gans?

Ganze Gänse gibt es meist saisonal beim Metzger (klassisch zu Martini oder Weihnachten). Für ein Lager-Wochenende außerhalb der Saison notfalls Gänsekeulen oder -brust einzeln beim Geflügelhändler vorbestellen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Als Schaugericht: die Sauce selbst ist in rund 20 Minuten fertig, aber die ganze Gans braucht am Spieß oder in der Glut durchgehende Feuerpflege über mehrere Stunden. Für ein kürzeres Vorführstück lässt sich die Sauce auch zu vorgebratenen Gänseteilen servieren.

Was bedeutet 'schlachs durch' im Rezept?

Das ist die Anweisung, die Sauce durch ein Tuch oder ein feines Sieb zu passieren, damit keine groben Stückchen von Knoblauch oder Brot zurückbleiben und die Sauce schön glatt wird - eine Standardtechnik in mittelalterlichen Saucen-Rezepten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Von einer Iungen ganns zue beraitten Item Ain Iunge ganns beraytt also Nym knofflach vnd stoesz den vnd prot vnd essich das geuss darunder vnd wein vnd schlachs durch vnd erwell es mit gewurczen vnd dornach farbs mit Saffran der nympt Im den geschmack dauon .
knofflach

Knoblauch (mhd./fnhd. knobloch/knofflach) - Grundlage der Sauce.

schlachs durch

‚Schlag es durch' - die Mischung durch ein Tuch oder Sieb passieren, damit die Sauce glatt und ohne Stückchen wird. Eine Standardtechnik der Zeit.

erwell

‚Erwellen' = kurz aufwallen lassen, also einmal aufkochen.

farbs

‚Färb es' - mit Safran gelb einfärben, ein übliches Verfahren für Saucen und Speisen der gehobenen Küche.

gewurczen

Unspezifische Gewürze - typisch wäre eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant und Nelken.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 105r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartder nympt Im den geschmack dauon

Gewählte Lesart: Der Safran nimmt der Sauce den Geschmack - 'Im' bezieht sich auf die Sauce/Mischung. Der engste Zwilling rfk-036 formuliert fast wortgleich 'der safferan benymmet yme den gesmacke', wo sich 'yme' eindeutig auf die Mischung bezieht - das stützt diese Lesart.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Safran mildert den Eigengeschmack der Gans selbst - Das Bezugswort 'Im' (Dativ) könnte sich statt auf die Sauce auch auf die Gans beziehen; der Parallelbeleg in rfk-036 spricht aber gegen diese Lesart.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 105r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Schaugericht: Die Sauce selbst (Knoblauch stoßen, mit Brot, Essig und Wein binden, passieren, kurz aufwallen, mit Safran färben) ist in rund 20 Minuten am Feuer mit Mörser, Topf und Tuch problemlos machbar. Der Flaschenhals ist die ganze Gans: am Spieß oder in der Glut braucht sie durchgehende Feuerpflege über mehrere Stunden - für ein Lagerwochenende eher ein zeitintensives Festessen bzw. Vorführstück (klassisches Schaukochen-Format zu Martini oder Weihnachten) als ein schnelles Alltagsgericht.
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