Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Nimm Knoblauch und zerstoße ihn, etwa im Mörser. Gib Brot und Essig dazu und gieße diese Mischung darunter. Füge Wein hinzu und schlage alles durch ein Tuch oder ein feines Sieb, damit die Sauce glatt wird.
Lass die Sauce mit Gewürzen kurz aufwallen. Färbe sie danach mit Safran - der nimmt ihr den Geschmack.
Die Sauce wird zur zubereiteten jungen Gans gereicht.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ganns | junge Gans | 1 | Metzger, saisonal (Martinsgans/Weihnachtsgans) | - |
| knofflach | Knoblauch | - | - | - |
| prot | Brot (als Bindemittel) | - | - | - |
| essich | Essig | - | - | - |
| wein | Wein | - | - | - |
| gewurczen | Gewürze | - | - | Pfeffer, Ingwer und Nelken als typische Mischung der Zeit |
| Saffran | Safran | - | Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel | - |
Welches Gericht ist das? Eine mit Brot gebundene Knoblauch-Essig-Wein-Sauce, am Ende mit Safran gefärbt, gereicht zu einer zubereiteten jungen Gans - kein eigenständiges Gericht, sondern die Beilagensauce; die Zubereitung des Vogels selbst wird im Text als bekannt vorausgesetzt. Im Korpus gehört das Rezept zu einer gut belegten Familie von Gänse-Saucen: m384-039 und ka1-029 (dort „Galrei“/„Galrain“, aus französisch galantine - hier eine gewürzte, saure Sauce, nicht Aspik im modernen Sinn) sowie rfk-056 und rfk-036 teilen dieselbe Kernsequenz aus Knoblauch und Weißbrot im Mörser, Essig, Wein und Passieren durch ein Tuch.
Die Zwillinge ka1-029 und m384-039 nennen für die Gans ausdrücklich das Braten. mha-282 selbst benutzt dafür durchgehend nur das allgemeinere „beraiten“ (zubereiten) - das Verb „braten“ kommt im Text nirgends vor. Die Praxis der Zeit spricht also für eine gebratene Gans, aber das ist eine Schlussfolgerung aus der Parallelüberlieferung, keine Aussage dieses Textes selbst.
Der Text begründet den Safran-Einsatz auch funktional: „der nympt Im den geschmack dauon“ - der Safran nimmt der Sauce den Geschmack weg. Eine Wertung wie „zu kräftig“ steht dort nicht; das wäre eine unbelegte Ausschmückung. Der engste Zwilling rfk-036 formuliert fast wortgleich „der safferan benymmet yme den gesmacke“ und bestätigt zugleich, dass sich das Bezugswort auf die Sauce selbst bezieht, nicht auf die Gans.
Praxis. Knoblauch im Mörser zerstoßen (der Text nennt keinen Feinheitsgrad), mit eingeweichtem Weißbrot, Essig und Wein verrühren und durch ein Tuch oder feines Sieb passieren, bis die Sauce glatt ist. Mit Gewürzen (Pfeffer, Ingwer, Nelken) kurz aufwallen lassen, zuletzt mit Safran färben - er wird nicht mitgekocht, damit Farbe und Aroma erhalten bleiben. Die Sauce selbst ist in rund 20 Minuten fertig; der Flaschenhals ist die Gans, die am Spieß oder in der Glut mehrere Stunden durchgehende Feuerpflege braucht - für ein Lagerwochenende eher ein Vorführstück zu Martini oder Weihnachten als ein schnelles Alltagsgericht.
Ganze Gänse gibt es meist saisonal beim Metzger (klassisch zu Martini oder Weihnachten). Für ein Lager-Wochenende außerhalb der Saison notfalls Gänsekeulen oder -brust einzeln beim Geflügelhändler vorbestellen.
Als Schaugericht: die Sauce selbst ist in rund 20 Minuten fertig, aber die ganze Gans braucht am Spieß oder in der Glut durchgehende Feuerpflege über mehrere Stunden. Für ein kürzeres Vorführstück lässt sich die Sauce auch zu vorgebratenen Gänseteilen servieren.
Das ist die Anweisung, die Sauce durch ein Tuch oder ein feines Sieb zu passieren, damit keine groben Stückchen von Knoblauch oder Brot zurückbleiben und die Sauce schön glatt wird - eine Standardtechnik in mittelalterlichen Saucen-Rezepten.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Knoblauch (mhd./fnhd. knobloch/knofflach) - Grundlage der Sauce.
‚Schlag es durch' - die Mischung durch ein Tuch oder Sieb passieren, damit die Sauce glatt und ohne Stückchen wird. Eine Standardtechnik der Zeit.
‚Erwellen' = kurz aufwallen lassen, also einmal aufkochen.
‚Färb es' - mit Safran gelb einfärben, ein übliches Verfahren für Saucen und Speisen der gehobenen Küche.
Unspezifische Gewürze - typisch wäre eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant und Nelken.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
der nympt Im den geschmack dauon
Gewählte Lesart: Der Safran nimmt der Sauce den Geschmack - 'Im' bezieht sich auf die Sauce/Mischung. Der engste Zwilling rfk-036 formuliert fast wortgleich 'der safferan benymmet yme den gesmacke', wo sich 'yme' eindeutig auf die Mischung bezieht - das stützt diese Lesart.
Andere mögliche Lesart:
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