Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Von einer Füllung für Gänse: Stoße Knoblauch, Wacholderbeeren, Speck, Pfeffer, kleine Birnen und Weißbrot, Eier und rohe Trauben im Mörser untereinander.
Mit dieser Masse fülle auch eine Gans.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| knofflach | Knoblauch | - | - | - |
| wechalltern oder kranbatper | Wacholderbeeren | - | Supermarkt (Gewürzregal), Gewürzhandel | - |
| speck | Speck | - | - | - |
| pfeffer | Pfeffer | - | - | - |
| klain pieren | kleine Birnen | - | - | Feste, säuerliche Birnensorte (z. B. Conference) statt sehr süßer Sorten, damit die Stücke beim Garen nicht zerfallen |
| weiss prot | Weißbrot | - | - | - |
| ayr | Eier | - | - | - |
| grun trauben | rohe Trauben | - | - | - |
| ain ganns | Gans | 1 | Geflügelhändler, Metzger | - |
Welches Gericht ist das? Eine Gewürz- und Fruchtfüllung aus Knoblauch, Wacholderbeeren, Speck, Pfeffer, kleinen Birnen, Weißbrot, Ei und rohen Trauben, im Mörser gestoßen und in eine Gans gestopft. Modern erinnert das an die festliche gefüllte Gans (Martinsgans, Weihnachtsgans) - heutige Füllungen nehmen meist Äpfel oder Kastanien statt Birnen, Trauben und Wacholder, aber das Grundprinzip einer Frucht-Gewürz-Farce in der Gans ist dasselbe. Mehrere Kochbücher derselben Zeit (m384-046, rfk-072, rfk-037, ka1-030) überliefern nahezu dieselbe Zutatenkombination - kein württembergisches Unikat, sondern ein überregional verbreiteter Rezepttyp.
Die Garmethode bleibt offen. Der Text endet mit dem Füllen der Gans und nennt weder Garverfahren noch Garzeit. Das Zwillingsrezept ka1-030 ergänzt an dieser Stelle 'vnd braut es gar wol' (und brate sie sehr gut durch) - ein Hinweis, dass Braten üblich war, aber kein Beleg für diesen Text selbst.
Praxis. Knoblauch, Wacholderbeeren, Speck, Pfeffer, kleine Birnen, Weißbrot, Eier und rohe Trauben im Mörser grob zerstoßen und vermengen. Die rohe Gans damit füllen und braten oder rösten, bis Fleisch und Füllung durchgegart sind - die Füllung enthält rohes Ei, daher auf eine sichere Kerntemperatur achten. Wacholder und Pfeffer schneiden die Fettigkeit der Gans, der Speck bastet sie von innen während des Garens, Birnen und Trauben bringen Süße und Säure ins Gleichgewicht.
Das sind zwei alemannisch-schwäbische Bezeichnungen für dieselbe Beere: Wacholderbeeren. Der Schreiber nennt einfach zwei regionale Namen nebeneinander, damit auch Leser aus anderen Gegenden die Zutat erkennen. Mit der modernen Cranberry hat das Wort trotz des ähnlichen Klangs nichts zu tun.
Eingeschränkt geeignet. Die Füllung selbst lässt sich in unter einer Stunde im Mörser oder mit dem Messer vorbereiten, aber eine ganze gestopfte Gans braucht mehrere Stunden Bratzeit am offenen Feuer und durchgehende Feuerbetreuung - welches Gargerät dabei zum Einsatz kommt, sagt der Text nicht. Für ein kompaktes Lager-Programm könnte man die Füllung separat als kleine Röllchen braten und die ganze Gans für ein Schautageshighlight reservieren.
'Grün' bezeichnet im Mittelhochdeutschen oft den Garzustand einer Zutat, roh und unverarbeitet, nicht ihre Farbe - so auch mehrfach in diesem Korpus belegt, etwa bei frisch gehacktem Fleisch. Bei 'grun trauben' ist das aber nicht ganz sicher: mehrere Zwillingsrezepte mit derselben Formulierung übersetzen sie stattdessen als 'grüne Trauben' im Sinne der Farbe. Wahrscheinlich sind die Trauben hier ungekocht in die Füllmasse gestoßen, ausgeschlossen ist die Farblesart aber nicht.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Zwei regionale Namen für dieselbe Zutat, Wacholderbeeren. Trotz der Ähnlichkeit zum modernen Wort 'Cranberry' ist keine amerikanische Preiselbeere gemeint, die war im 15. Jahrhundert in Europa unbekannt.
'Grün' meint im Korpus oft den Garzustand, roh/unverarbeitet, statt der Farbe - so mehrfach bei frisch gehacktem Fleisch belegt. Bei 'grun trauben' ist das aber nicht ganz sicher: mehrere Zwillingsrezepte mit derselben Formulierung übersetzen sie stattdessen als grüne, also hellfarbige Trauben. Wahrscheinlich sind die Trauben hier ungekocht in die Füllmasse gestoßen, ausgeschlossen ist die Farblesart aber nicht.
Im Mörser zerstoßen und vermischen, die typische Zubereitungsweise für Füllmassen dieser Zeit.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: Rohe, unverarbeitete Trauben, 'grün' bezieht sich auf den Garzustand.
Andere mögliche Lesart:
Garmethode der gestopften Gans
Gewählte Lesart: Der Text nennt kein Garverfahren; empfohlen wird allgemein Braten oder Rösten, bis Gans und Füllung (die rohes Ei enthält) sicher durchgegart sind.
Andere mögliche Lesart:
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