Rheinfränkisches Kochbuch (Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v))
Gebratene Leber in Pfeffer-Sauce - warme Variante der Hirsch-Leberpastete
Moderne Übersetzung
Die warme Variation zur kalten Leberpastete des vorigen Rezepts: hier wird das Leber-Material in einer gelben Pfeffer-Sauce serviert, mit Scheiben der gebratenen Leber.
Nimm eine frische Leber und brate sie an, wie davor steht[1]. Schneide das Äußere[2] ab und stoße sie mit Roggenbrot. Gieße Brühe daran, und Wein oder Essig.
Schneide die Leber in Scheiben[3] und lege sie in den Pfeffer[4]. Würze es und lass es in einer Pfanne aufwallen.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| frische leberen | ca. 600 g frische Hirsch- oder Reh-Leber | Wildhandel, Jäger | Kalbs-Leber (milder), Rinder-Leber (kräftiger) |
| ruckem brode | ca. 60 g altbackenes Roggenbrot, gerieben | Bäckerei | Pumpernickel |
| brüwe | ca. 200 ml kräftige Wild-Brühe (oder Hirsch-Knochen-Sud) | selbst herstellen aus Hirschknochen, oder Rinder-Brühe-Konzentrat | Rinder-Brühe |
| win adir eßig | 100 ml kräftiger Rotwein, ODER 50 ml Weinessig + 50 ml Wasser | Weinhandel / Reformhaus | Madeira, Portwein, Sherry |
| peffer | ca. 400 ml gelbe Pfeffer-Sauce (Pfeffer + Safran + Ingwer + Wein, mit Brösel gebunden) | selbst herstellen - siehe rfk-005 FAQ | Pfeffer-Rahm-Sauce (modern) |
| wurtze | Salz, schwarzer Pfeffer, Ingwer, eine Prise Safran | Gewürzhandel | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Die warme Schwester zur kalten Leberpaste von rfk-018: gebratene Wildleber in einer gelben Pfeffer-Sauce. Das lebende Pendant ist die Leber „sauer“ bzw. der Leberpfeffer - geröstete Leber in einer brotgebundenen, säuerlich-würzigen Sauce, wie er sich in mehreren deutschen Quellen findet.
brait die als uor stait - „brate sie an, wie davor steht“. Ein direkter Rückverweis auf rfk-018: kurz scharf anbraten, äußere Membran abschneiden, mit Roggenbrot zerstoßen. Diese internen Querverweise sind ein Bau-Merkmal des Buchs.
uszerst - „das Äußerste“, die zähe äußere Haut/Membran der Leber (analog uszteyl in rfk-018), die vor dem Stoßen entfernt wird.
win adir eßig - „Wein oder Essig“: eine echte Wahlmöglichkeit. Wein macht die Sauce süß-rund, Essig klar-scharf.
peffer ist hier nicht das Gewürz, sondern die gelbe Pfeffer-Sauce - die mittelalterliche Standard-Sauce aus Pfeffer, Safran, Ingwer und Wein, mit gerösteten Bröseln gebunden (auch in rfk-005, rfk-007, rfk-013 vorausgesetzt). Der Safran gibt ihr die gelbe Farbe.
erwelle isz in einer pannen - abschließend kurz in der Pfanne aufwallen, damit Sauce und Leberscheiben verschmelzen.
Praxis. Wildleber putzen, Membran abziehen, kurz scharf anbraten - innen soll sie rosa bleiben, sonst wird sie ledrig (pro Seite 1-2 Minuten bei starker Hitze). Einen Teil mit Roggenbrot, Brühe und Wein oder Essig zur Sauce stoßen, den Rest in Scheiben schneiden. Die gelbe Pfeffer-Sauce ansetzen (Wein + Brühe mit Safran, Pfeffer, Ingwer würzen, mit gerösteten Bröseln oder geriebenen Mandeln binden, durchseihen). Leberscheiben einlegen, würzen und einmal aufwallen lassen. Warm servieren.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/rfk-019/
fyndling.de/rezepte/rfk-019/