Reichenauer Kochbuch (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1))
Heidnischer Kuchen im Wein-Honig-Sud
Moderne Übersetzung
Zu einem heidnischen Kuchen: Mache einen Teig mit ausschließlich Eiern, so fest du ihn nur machen kannst. Färbe den Teig und rolle ihn gut aus. Forme daraus sehr dünne Blättchen und frittiere diese in Schmalz. Nimm guten Wein und halb so viel Honig und koche beides miteinander auf. Ziehe dann das frittierte Gebäck durch den Sud, wenn du es anrichten möchtest.
Zutaten
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ytal ayger | Eier | - | - | - |
| schmaltz | Schmalz | - | - | Pflanzenöl für eine vegetarische Variante |
| guoten win | Guten Wein | - | - | - |
| hong | Honig | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein hauchdünn ausgerollter, ausschließlich mit Eiern angesetzter Teig wird in Schmalz frittiert und anschließend durch einen aufgekochten Wein-Honig-Sud gezogen. Das Rezept gehört zu einer im Korpus mehrfach belegten Gerichtsfamilie des „heidnischen Kuchens“ (u. a. bgs-005a, bgs-063, mha-085, mon-025, mon-143, rfk-042) - lebende Verwandte finden sich in der europäischen Familie der in Honig- oder Zuckersirup getränkten Schmalzgebäcke, etwa den arabischen zalabia/luqaimat oder dem italienischen cenci. Im deutschen Alltag am ehesten vergleichbar mit in Sirup getränkten Krapfen- oder Küchle-Varianten.
Der Teig „mit ytal ayger“ - ausschließlich Eiern, ohne Mehl, Wasser oder Milch - ist textlich eindeutig belegt und durch die fast wortgleiche Parallelhandschrift rfk-042 unabhängig bestätigt, küchenpraktisch aber eine Herausforderung: reines, verquirltes Ei bindet ohne Stärke nicht zu einem wirklich „festen“ Teig, wie es der Text verlangt („so du aller hertest mugest“). Es bleibt eine klebrige, empfindliche Masse, die sich nur mit Geduld und reichlich Fett beim Ausrollen und Frittieren verarbeiten lässt. Der Text selbst löst diese Spannung nicht auf - keine Ruhezeit, kein zusätzliches Bindemittel wird erwähnt.
Praxis. Die Eier gut verschlagen und zu einem möglichst festen Teig verarbeiten - ruhig kurz ziehen lassen, das erleichtert das Ausrollen. Hauchdünn auswellen und in kleine Blättchen teilen, dann portionsweise in heißem Schmalz frittieren, bis sie goldbraun und knusprig sind - beim Umgang mit heißem Fett am offenen Feuer besondere Vorsicht walten lassen. Wein und halb so viel Honig gemeinsam einmal aufkochen, bis sich der Honig löst, dann die frittierten Blättchen kurz vor dem Anrichten durch den warmen Sud ziehen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ka1-074/
fyndling.de/rezepte/ka1-074/