Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433
Nimm Verschiedenes und lass es kochen, nachdem du es zuvor gut in Wasser gereinigt hast. Verrühre es dann gut mit Mandelmilch und gib Safran sowie andere gute Gewürze hinzu. Streue zum Schluss Rosinen über die Schale - für die Kranken.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ea et de variis | Verschiedenes | - | - | Gekochtes Hühnerfleisch, Reis oder feiner Grieß |
| aqua | Wasser | - | Leitung | - |
| lacte amigdalorum | Mandelmilch | - | Supermarkt | - |
| crocum | Safran | - | Supermarkt | - |
| aliis spetiebus bonis | Gute Gewürze | - | - | Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat |
| uuam passam | Rosinen | - | Supermarkt | - |
Welches Gericht ist das? Eine milde, leicht verdauliche Krankenspeise: irgendeine bekömmliche Grundzutat, weich gekocht und mit Mandelmilch, Safran und warmen Gewürzen zu einem hellen Mus verrührt, mit Rosinen bestreut. Es gehört in dieselbe Familie wie der englische Mandelmilch-Cawdel [foc-084 und das Fasten-Mortroel [wes-017 - milde, mit Mandelmilch gebundene Stärkungsspeisen. Heute denkt man an eine Art Milchreis oder Grießbrei für Kranke, nur auf Mandelmilch-Basis.
De variis / ea. "Von Verschiedenem" - das Rezept nennt die Hauptzutat bewusst nicht, sondern lässt dem Koch freie Hand. Für Krankenkost passt Leichtverdauliches: gekochtes, fein zerteiltes Hühnerfleisch, Reis oder feiner Grieß. Das vorherige "gut in Wasser reinigen" spricht für etwas, das gewaschen/blanchiert werden muss (Fleisch, Innereien oder Getreide).
Lacte amigdalorum. Mandelmilch bindet das Ganze mild und fett-arm; sie galt als besonders bekömmlich und war Standard der mittelalterlichen Krankenküche.
Crocum cum aliis spetiebus bonis. Safran und "gute Gewürze" - für Kranke milde, wärmende Sorten wie Ingwer, Zimt, Nelke oder Muskat, sparsam dosiert.
Praxis. Eine leicht verdauliche Basis (zerkleinertes gekochtes Huhn, Reis oder Grieß) weich garen, mit Mandelmilch zu einem sämigen Mus verrühren, mit einer Prise Safran und wenig Ingwer/Zimt würzen, salzen. Zum Schluss mit Rosinen bestreuen. Frisch und durchgegart servieren.
Das Rezept ist bewusst vage gehalten und lässt dem Koch freie Hand. Für eine Krankenspeise wären leicht verdauliche Zutaten wie gekochtes, zerkleinertes Hühnerfleisch, Reis, Grieß oder auch weich gekochtes Gemüse denkbar. Es geht darum, eine nahrhafte und bekömmliche Basis zu schaffen.
Nein, nicht ideal. Obwohl die Zubereitung einfach ist, erfordert die Speise für Kranke eine besonders sorgfältige Hygiene und oft auch eine kontrollierte Temperatur, um die Haltbarkeit der Mandelmilch zu gewährleisten. Es sollte zu Hause vorbereitet werden. Wichtiger Hinweis: Mittelalterliche Krankenkost ist ein historisch-kulinarisches Konzept und kein medizinisches Therapeutikum. Bei akuten Beschwerden am Markt sind die Sanitäter und Marktwachen die erste Adresse - dieses Rezept ersetzt keine ärztliche Versorgung.
Im Mittelalter galten viele Gewürze als förderlich für die Gesundheit und Verdauung. Für eine Krankenspeise wären milde, wärmende Gewürze wie Ingwer, Zimt, Nelken oder Muskatnuss passend gewesen. Sie sollten sparsam verwendet werden, um den Kranken nicht zu überfordern.
Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.
"Von Verschiedenem" - das Rezept lässt die Hauptzutat offen; für Krankenkost gemeint ist Leichtverdauliches (gekochtes Huhn, Reis, Grieß).
Mandelmilch - milde, bekömmliche Bindung, Standard der mittelalterlichen Krankenküche.
"Für die Kranken" - eine von Bockenheims Zuschreibungen; Krankenkost war ein eigenes Genre der mittelalterlichen Küche.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| aqua | water Q283 |
| lacte amigdalorum | almond milk Q975953 |
| crocum | saffron Q25434 |
| aliis spetiebus bonis | spice Q42527 |
| uuam passam | raisin Q13186 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
de variis / ea
Gewählte Lesart: "De variis" im Titel und das Pronomen "ea" (sie) im Rezept lesen wir als "Verschiedenes": eine bewusst flexible Anleitung, deren Hauptzutat je nach Bedarf und Verfügbarkeit variieren kann.
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Stand dieser Fassung: 23.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.