Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433
Nimm Äpfel verschiedener Geschmacksrichtungen und schäle sie. Halbiere sie wie Oblaten und lege sie in einen dünnen Teig. Würze die Äpfel mit Safran und anderen süßen Gewürzen. Brate sie in Olivenöl und gib anschließend Honig darüber, nach Bauernart.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| poma diuersorum saporum | Äpfel | - | - | - |
| pastam subtilem | dünner Teig | - | - | - |
| croco | Safran | - | Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel | - |
| aliis spetiebus dulcibus | andere süße Gewürze | - | - | - |
| oleo oliue | Olivenöl | - | - | - |
| mel | Honig | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Der direkte Vorfahr der Apfelküchlein bzw. Apfelpfannkuchen: dünne Apfelscheiben in einen leichten Ausbackteig getaucht und in Öl ausgebacken, zum Schluss mit Honig übergossen. Verwandt mit den frittierten Apfelspalten koe-004 und der Krapfen-Familie um kkm-082.
Schneiden "wie Oblaten". Scinde per medium ut hostie - die geschälten Äpfel werden geteilt und so dünn flach gelegt wie eine Hostie (hostie = die dünne, runde Mess-Oblate). Gemeint ist ein dünnes, flaches Apfelstück, das im Teigmantel rundum gar wird; zu dicke Stücke bleiben innen roh.
Würzen und Ausbacken. Die Apfelscheiben werden mit Safran und "anderen süßen Gewürzen" (Zimt, Ingwer, Nelke) gewürzt - der Safran gibt hier vor allem die goldgelbe Farbe und den Status, weniger Schärfe. Rostire in oleo oliue meint hier das Ausbacken in der Pfanne in reichlich Olivenöl, nicht Rösten im Ofen: Ein Ofen wird nicht genannt, Öl als Garmedium schon. Der Honig kommt erst zum Schluss obenauf (mitte superius mel), nicht in den Teig.
"Nach Bauernart." Pro villanis markiert die einfache, rustikale Variante - Johannes von Bockenheim staffelt viele Rezepte nach Stand. Hier heißt das: ein volkstümliches, schnelles Süßgebäck ohne teure Zutaten außer der einen Prise Safran.
Praxis. Äpfel schälen, in dünne (etwa 1/2 cm) Spalten oder Scheiben teilen, Kerngehäuse entfernen. Einen dünnen Ausbackteig aus Mehl, etwas Wasser oder Wein und einer Prise in warmem Wasser gelöstem Safran sowie einem Hauch süßer Gewürze anrühren. Apfelscheiben durch den Teig ziehen und in heißem Olivenöl goldbraun ausbacken, abtropfen lassen, mit Honig beträufeln.
Im Mittelalter waren Zimt, Ingwer, Nelken und Muskatnuss beliebte ‚süße Gewürze'. Wähle eine Mischung, die dir schmeckt, oder verwende nur Zimt für eine einfache Variante.
Ja, gut geeignet. Die Zutaten sind stabil, und die Zubereitung erfordert lediglich eine Pfanne oder einen flachen Topf über offenem Feuer.
‚Wie Hostien' (ut hostie) bezieht sich auf die dünne, runde Form von Hostien oder Oblaten. Es bedeutet, die Äpfel sehr dünn zu schneiden oder zu halbieren und dann flach zu drücken, um eine ähnliche Form zu erhalten.
Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.
"teile in der Mitte wie Oblaten" - hostie meint die dünne, runde Mess-Oblate; gemeint sind dünne, flache Apfelstücke, die im Teig rundum garen
"dünner Teig" - ein leichter Ausbackteig zum Wenden der Apfelscheiben, kein dicker Brotteig
in Olivenöl ausbacken (Pfanne), nicht im Ofen rösten - das Öl ist das Garmedium
"für Bauern" - die einfache, rustikale Stand-Variante; Bockenheim staffelt viele Rezepte nach Stand
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| poma diuersorum saporum | apple Q89 |
| croco | saffron Q25434 |
| aliis spetiebus dulcibus | spice Q42527 |
| oleo oliue | cooking oil Q427457 |
| mel | honey Q10987 |
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 11.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.