Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475
Nimm den Stör ganz frisch, sobald er aus dem Wasser gezogen wurde, in dem er gesotten ist.
Lege ihn in Schüsseln und bestreue ihn mit dem Fenchel.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Den stuer | Stör | - | - | Welsfilet oder festfleischiger Fisch |
| venkele | Fenchel | - | - | - |
| watere | Wasser | - | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Pochierter Stör, schlicht mit Fenchel bestreut serviert - die mittelalterliche Vorform dessen, was man heute als Fisch au court-bouillon kennt: frischer Edelfisch, sanft im Sud gegart, dann mit einem aromatischen Kraut angerichtet. Der Fenchel zum Fisch ist eine bis heute lebendige Paarung (Lachs mit Fenchel, mediterraner Wolfsbarsch mit Fenchelsaat).
al niewe - bloße Frische. Der Text betont, den Stör ganz frisch zu nehmen, sobald er aus dem Kochwasser gezogen ist. Das ist der eigentliche Kern des Rezepts: ein hervorragender Fisch braucht keine Maskierung durch Sauce oder Gewürzberge, nur Hitze und ein Kraut. Bei einem so geschätzten Statusfisch wie dem Stör war diese demonstrative Schlichtheit selbst ein Luxus.
venkele - Fenchel. Verwendet wurde wohl das feine Fenchelgrün (oder die Samen), nicht zwingend die Knolle - es geht um das anisartige Aroma, das die kräftige Note des fetten Störfleischs schneidet. Vgl. das gekochte-Stör-Rezept men-205 und mar-197, die dieselbe Pochier-Logik tragen.
Praxis. Stör ist heute streng geschützt und nicht im Handel - nimm festfleischigen Ersatz wie Wels, Skrei oder ein dickes Lachsstück. Setze ihn in leicht gesalzenes, knapp siedendes (nicht sprudelndes) Wasser, ziehe ihn bei 70-80 Grad in 10-15 Minuten gar, bis das Fleisch glasig-fest ist. Auf die Platte legen, großzügig mit fein gehacktem Fenchelgrün (alternativ eine Prise zerstoßener Fenchelsaat) bestreuen, warm servieren.
Stör ist heute in Deutschland und der EU streng geschützt und darf nicht gefangen oder gehandelt werden. Als Alternative kannst du Welsfilet oder einen anderen festfleischigen Fisch verwenden.
Ja, dieses einfache Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Du benötigst lediglich einen Topf und Feuer, um den Fisch zu sieden.
'Sieden' bedeutet kochen oder garziehen in Flüssigkeit. Der Fisch wird dabei nicht gebraten, sondern im Wasser gegart.
Dieses Rezept stammt aus dem Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (Gent, Flandern). Älteste erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung (~1475). Handschrift UB Gent 1035, 62 Rezepte in zwei Kapiteln - vollständig erhalten, kein Fragment. Höfische Küche des spätmittelalterlichen Flandern: Geflügel, Wild, Fisch, Pasteten und Saucen.
Stör. Ein großer, hoch geschätzter Edelfisch, im Mittelalter häufig in Flüssen und Küstengewässern gefangen und als Status- und Fastenfisch geschätzt. Heute sind die meisten Störarten stark gefährdet oder ausgestorben und streng geschützt.
‚Ganz frisch‘. Die Anweisung, den Fisch unmittelbar nach dem Garen zu verarbeiten, ist hier programmatisch: das ganze Rezept lebt von der Frische und der bewussten Schlichtheit - ein Spitzenfisch ohne maskierende Sauce.
Fenchel. Verwendet wurde vor allem das aromatische Fenchelgrün oder die Samen (weniger die Knolle), als anisartige Würze, die das fette Störfleisch frisch hält. Fisch mit Fenchel ist bis heute eine klassische Paarung.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| watere | water Q283 |
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.