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Noch ein gutes Mus (Vorrede zur Mus-Sektion)

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

SonstigesViel InterpretationsspielraumEinfach
Kochbuch des Meisters Hans (~1460)

Original - Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Noch ein gutes Mus (Vorrede zur Mus-Sektion) - Originalseite aus Kochbuch des Meisters Hans
Fol. 075r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)

Transkription - Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Aber ein guet gemuess

Item der guot Aber ein guet gemuess gemueß wil machen der heb In dem Merczen an So bedarff man vil dar zue . Nym acker spisz milich vnd acker speiss pringt manigerlaj weiss Da nerennd sich kristen haiden Iuden von vnd dar zue manigerlaj thier das sich neren wil Nun sol man haben waicz mel da wirt guot prot aus da mug wir vnns erneren von .

CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0

Moderne Übersetzung

Lagerküche-Tipp: Dies ist kein eigenständiges Kochrezept, sondern eine kurze Vorrede zur Mus-/Gemüese-Sektion des Kochbuchs: ein praktischer Hinweis, dass man im März mit der Vorratshaltung beginnen soll. Keine Zubereitungsanweisung - daher nicht lagerküchen-tauglich.

Wer ein gutes Mus machen will, der hebe im März damit an, denn dann braucht man viel dazu. Nimm Ackerfrüchte und Milch - Ackerfrüchte bringen mancherlei Weißes hervor. Davon ernähren sich Christen, Heiden und Juden, dazu mancherlei Tiere, die sich ernähren wollen. Nun soll man Weizenmehl haben, daraus wird gutes Brot, davon können wir uns ernähren.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
acker spisz Ackerfrüchte - -
milich Milch - -
waicz mel Weizenmehl - -

Anmerkungen

Merczen

März. Der Text beginnt mit dem landwirtschaftlichen Jahreszyklus.

acker spisz milich

‚Ackerspeise [und] Milch‘. ‚Ackerspeise‘ bezeichnet im Frühneuhochdeutschen meist Feldfrüchte im engeren Sinn - Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) und/oder Getreide - also keine allgemeine ‚Acker-Speise‘, sondern eine konkrete Zutatenkategorie.

manigerlaj weiss

‚Mancherlei Weißes‘ - die vielen weißen Erzeugnisse, die aus Feldfrüchten und Milch gewonnen werden (Mehl, Brei, Brot, Milchprodukte).

kristen haiden Iuden

Christen, Heiden, Juden. Rhetorischer Topos für ‚alle Menschen‘ - soll die universelle Bedeutung von Brot und Milch als Grundnahrung unterstreichen, keine theologische Aussage.

Aber ein guet gemuess gemueß

Dittographie/Schreiberwiederholung: Der Schreiber hat den Überschriftstext versehentlich in den Fließtext wiederholt. Sinngemäß zu lesen als: ‚Item, der ein guet gemueß wil machen…‘.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Aber ein guet gemuess

Gewählte Lesart: ‚Aber‘ bedeutet hier ‚noch ein‘ - der Titel reiht den Eintrag in eine Serie von Mus-/Gemüese-Rezepten ein (vgl. Rezept 191 endet u.a. mit ‚guot gemuesz‘). Der Eintrag ist als Vorrede zu dieser Sektion zu lesen, nicht als eigenständiges Rezept.

Andere mögliche Lesart:

  • Lesung als philosophische Einleitung über die universellen Grundnahrungsmittel der Menschheit. - Verworfen, weil der Text sehr konkret den März als Beginn der Vorratshaltung nennt und die Erwähnung von ‚Christen, Heiden, Juden‘ ein gängiger rhetorischer Topos für ‚alle Menschen‘ ist - kein theologisches Programm.

Item der guot Aber ein guet gemuess gemueß wil machen

Gewählte Lesart: Dittographie/Schreiberwiederholung: ‚Aber ein guet gemuess‘ ist die versehentlich noch einmal eingeschobene Überschrift. Sinngemäß: ‚Item, der ein guet gemueß wil machen, der heb in dem Merczen an…‘.

acker spisz

Gewählte Lesart: ‚Ackerspeise‘ als konkrete Zutatenkategorie: Feldfrüchte im engeren Sinn - vor allem Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) und Getreide, die typische Basis eines spätmittelalterlichen ‚Mus‘.

Andere mögliche Lesart:

  • Generische ‚Acker-Speise‘ als abstrakter Sammelbegriff für alles, was vom Feld kommt. - Möglich, aber weniger plausibel - in Kochbuch-Kontexten meint ‚Ackerspeise‘ überwiegend konkrete Hülsenfrüchte/Getreide, die zu Mus verkocht werden.

acker spisz milich

Gewählte Lesart: Aufzählung: ‚Ackerfrüchte [und] Milch‘ - die zwei Hauptzutatenkategorien für ein Mus.

Andere mögliche Lesart:

  • Kompositum ‚Ackerspeise-Milch‘ (Milch von Tieren, die auf dem Acker weiden). - Weniger plausibel - der unmittelbar folgende Satz ‚acker speiss pringt manigerlaj weiss‘ behandelt Ackerspeise als eigenständige Kategorie, nicht als Adjektiv zu Milch.

Häufige Fragen

Ist dies ein echtes Rezept mit Kochanleitung?

Nein. Der Eintrag ist eine kurze Vorrede zur Mus-/Gemüese-Sektion des Kochbuchs: ein praktischer Hinweis, dass man im März mit der Vorratshaltung beginnen soll, und welche Grundzutaten (Feldfrüchte, Milch, Weizenmehl) man dafür braucht. Konkrete Zubereitungsschritte fehlen.

Was bedeutet ‚acker spisz‘?

‚Ackerspeise‘ bezeichnet im Frühneuhochdeutschen üblicherweise Feldfrüchte im engeren Sinn - Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) und/oder Getreide. Hier ist also kein abstrakter Begriff gemeint, sondern eine konkrete Zutatenkategorie für das Mus.

Warum werden Christen, Heiden und Juden erwähnt?

Das ist ein rhetorischer Topos der Zeit für ‚alle Menschen‘. Der Schreiber will betonen, dass Brot und Milch universelle Grundnahrung sind - keine theologische Aussage, sondern eine Hervorhebung der Allgemeingültigkeit.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieser Eintrag?

Aus dem ‚Kochbuch des Meisters Hans‘ (um 1460, frühneuhochdeutsch, süddeutscher Raum, Basel UB Cod. AN V 12). Innerhalb des Kochbuchs steht der Eintrag im Übergangsbereich zur Mus-/Gemüese-Sektion.

Ist dieses Manuskript für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, da es sich nicht um ein Kochrezept handelt und keine Zubereitungsanweisungen enthält. Es ist eher als Kontext-Lektüre zur Mus-Sektion interessant.

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