Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Willst du einen noch stärkeren Essig herstellen, so nimm eine Natternzunge und hänge sie in den Essig. Man hat erfahren, dass dieser Essig umso stärker wird, je länger er zieht. Der Essig bildet mit der Zeit eine ‚Haushaut‘ (Essigmutter), wenn er alt wird. Aus dieser Haut lassen sich viele Wunder wirken: Du kannst damit sehr starken Essig herstellen und auch Essig direkt am Tisch zubereiten, wie hiernach beschrieben steht.
Nimm die Haut, die ‚Fortissimus‘ genannt wird, und gib sie in eine verglaste Schale. Lass sie gut trocknen. Danach zerstoße sie so fein wie Mehl und fülle das Pulver in ein sauberes Büchschen oder ein Säcklein. Trage es mit dir, wohin du willst. Wenn du dann essen möchtest, gib das Pulver in ein Schälchen und gieße Wein darüber. So erhältst du guten Essig, der besser ist als gewöhnlicher Essig. Auf diese Weise kannst du alle Speisen vor den Leuten zubereiten.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| naterczungen | Natternzungenfarn | - | ⚠ Artenschutz: Natternzungenfarn ist in Deutschland geschützt und darf nicht gesammelt werden. Eine Alternative ist nicht direkt verfügbar, da der Farn primär zur Stärkung des Essigs dient und keinen Eigengeschmack beisteuert. Für den historischen Kontext kann man ihn weglassen oder durch eine kleine Menge einer anderen adstringierenden Pflanze (z.B. Eichenrinde) ersetzen, die aber nicht verzehrt wird. | - |
| essich | Essig | - | - | - |
| die haut die da haist fortissimus | Essigmutter | - | Aus selbstgemachtem Essig oder von Essigkulturen-Anbietern | - |
| wein | Wein | - | - | - |
Natternzungenfarn (Ophioglossum vulgatum) ist in Deutschland geschützt und darf nicht gesammelt werden. Er ist auch nicht im Handel erhältlich. Da er hier primär zur Stärkung des Essigs dient und keinen Eigengeschmack beisteuert, kann man ihn für die moderne Nachbildung weglassen. Wer den historischen Kontext betonen möchte, könnte eine kleine Menge Eichenrinde oder ähnliches in den Essig hängen, sollte diese aber nicht verzehren.
Die Herstellung des Essigpulvers aus der Essigmutter erfordert Zeit zum Trocknen und Zerstoßen, was am Lager schwierig ist. Das Pulver selbst ist jedoch ideal für die Lagerküche, da es leicht zu transportieren ist und vor Ort schnell mit Wein aufgegossen werden kann. Die Essigstärkung mit Natternzungenfarn ist ein längerfristiger Prozess und nicht für den sofortigen Lagergebrauch gedacht.
Die 'Essighaut' oder 'Haushaut' ist die Essigmutter, eine gallertartige Kultur von Essigsäurebakterien, die Essig fermentiert. Der Begriff 'fortissimus' (lateinisch für ‚der Stärkste‘) wird im Text selbst als Fachausdruck für diese Essigmutter verwendet, die getrocknet und zu einem Pulver zerstoßen wird. Dieses Pulver kann dann bei Bedarf mit Wein aufgegossen werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Natternzungenfarn (Ophioglossum vulgatum), eine Pflanze, die im Mittelalter auch medizinisch verwendet wurde. Hier dient sie zur Stärkung des Essigs.
Bezeichnung für die Essigmutter, eine gallertartige Masse aus Essigsäurebakterien, die sich auf der Oberfläche von Essig bildet und für die Fermentation verantwortlich ist.
Lateinisch für ‚der Stärkste‘, im fnhd. Text selbst als Fachausdruck verwendet (kein Übersetzerzusatz). Bezeichnet hier die getrocknete, besonders wirksame Essigmutter.
Eine glasierte Schale oder ein Gefäß, das für die Trocknung der Essigmutter verwendet wird.
Ein kleines Büchschen oder eine Dose zur Aufbewahrung des Essigpulvers.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| essich | vinegar Q41354 |
| wein | wine Q282 |
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Stand dieser Fassung: 06.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.