Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Schlage Eier und Safran durcheinander. Gib diese Mischung dann zu den Hühnern hinzu, wie es zuvor beschrieben wurde. So erhältst du gerötete Hühner.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ayr | Eier | - | - |
| saffrann | Safran | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| huener | Hühner | Metzger, Supermarkt | - |
Welches Gericht ist das? mon-217 ist keine eigenständige, unvollständige Rezeptnotiz, sondern die unmittelbare Fortsetzung des vorangehenden Rezepts mon-216 ("Weißes gebratenes Huhn") im selben Manuskript: Dort wird das gebratene Huhn mit einer Eiweiß-Mehl-Mischung übergossen und nochmals ans Feuer gehalten. mon-217 wiederholt exakt dieselbe Prozedur, nur mit Ei und Safran statt Eiweiß - Ergebnis ist die golden-rötliche statt die weiße Variante desselben Bratens. Die Technik entspricht dem mittelalterlichen "Vergolden" (mlat./frz. dorer/deaurare) von Geflügel: Eine Ei-Safran-Wäsche verleiht dem Fleisch einen goldglänzenden Auftrieb, wie er sonst nur mit echtem Blattgold erzielt würde - belegt u. a. in der englischen Hofküche ("Chekyns endored", A Noble Boke off Cookry) und im Ménagier de Paris (men-242). Der lebende Nachfahre dieser Technik ist die heutige Eiwäsche bzw. der Eistrich, mit dem Braten und Gebäck vor dem letzten Ofengang bestrichen werden, um eine glänzende, goldene Kruste zu erhalten.
"thue Inn als vor" und "rawttew". Der Verweis "wie zuvor" bezieht sich also nicht auf ein verlorenes Rezept, sondern konkret auf mon-216: Huhn braten, mit der Ei-Mischung übergießen, nochmals ans Feuer halten. "Rawttew" (kein eigener Wörterbuchbeleg, aber lautlich zu mhd. rôt stellbar) beschreibt die golden-rötliche Farbe, die die Safran-Ei-Wäsche der Haut verleiht - im Gegensatz zur weißen Variante aus mon-216.
Praxis. Für 2-4 Personen 2-3 Eier mit einer guten Prise Safranfäden (kurz in etwas warmem Wasser oder Milch angesetzt) und einer Prise Salz verquirlen. Das Huhn wie gewohnt am Spieß oder im Topf über offenem Feuer durchbraten, kurz vor Ende der Garzeit großzügig mit der Ei-Safran-Mischung bestreichen oder übergießen und nochmals kurz ans Feuer bzw. in den Ofen geben, bis die Wäsche stockt und eine glänzende, goldrote Kruste bildet - roh darf die Ei-Masse auf dem fertigen Gericht nicht bleiben. Am offenen Marktfeuer braucht die Glasur etwas mehr Fingerspitzengefühl als im Ofen, da die Hitze ungleichmäßiger ist: Huhn separat garen, nicht zu nah an die Glut halten und die Glasur erst kurz vor dem Servieren aufsetzen, bis sie gerade eben stockt.
Eingeschränkt: Dieses Rezept ist der abschließende Farb-Schritt zum vorangehenden Rezept mon-216 (weißes gebratenes Huhn) - Ei und Safran statt Eiweiß und Mehl. Die Basiszubereitung ist bekannt und in mon-216 beschrieben, für die vollständige Zubereitung müssen aber beide Rezepte zusammen gelesen werden. Die hier beschriebenen Schritte selbst (Ei und Safran verquirlen, aufs fast fertige Huhn geben, kurz erhitzen) sind einfach und feuertauglich. Frisches Hühnerfleisch braucht eine Kühlkette, mit Kühlbox am Lagerwochenende aber machbar.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Mondseer Kochbuch', einer umfangreichen deutschsprachigen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst und spiegelt die gehobene Küche dieser Zeit wider.
Der Ausdruck 'als vor' (wie zuvor) verweist auf das unmittelbar vorangehende Rezept mon-216 im selben Manuskript: Huhn braten, mit einer Ei-Mischung übergießen und nochmals ans Feuer halten. mon-217 wendet exakt dieselbe Prozedur an, ersetzt aber die Eiweiß-Mehl-Mischung aus mon-216 durch Ei und Safran - Ergebnis ist die golden-rötliche statt die weiße Variante desselben Bratens.
Das Wort 'rawttew' ist eine frühneuhochdeutsche Form, die hier als 'golden-rötlich gefärbt' interpretiert wird. Dies passt gut zur Verwendung von Safran, der Speisen eine intensive gelb-orange bis rötliche Farbe verleiht, und bildet das direkte Gegenstück zur weißen Variante aus mon-216. Ein eigenständiger Wörterbuchbeleg für das Wort selbst fehlt (Hapax), die Lesart stützt sich auf Wortbildung und Kontext.
Diese Phrase bedeutet, die Eier und den Safran miteinander zu vermischen oder zu verquirlen.
Der Verweis "wie zuvor" zielt konkret auf das unmittelbar vorangehende Rezept mon-216 ("Weißes gebratenes Huhn") im selben Manuskript: Huhn braten, mit der Ei-Mischung übergießen, nochmals ans Feuer halten. mon-217 wiederholt dieselbe Prozedur, nur mit Ei und Safran statt Eiweiß und Mehl.
"Rawttew" beschreibt die golden-rötliche Farbe, die die Ei-Safran-Wäsche der Hühnerhaut verleiht - als Gegenstück zur weißen Variante aus mon-216 ("weysß gepraten hun"). Für das Wort selbst gibt es keinen eigenständigen Wörterbuch- oder Glossen-Beleg (Hapax), die Lesart stützt sich auf die Wortbildung (zu mhd. rôt) und die Parallelstelle mon-216.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
rawttew
Gewählte Lesart: Golden-rötlich gefärbt, durch die Ei-Safran-Wäsche - das farbliche Gegenstück zur weißen Glasur aus mon-216.
Andere mögliche Lesart:
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