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Geschichtetes Gebäck mit Schmalz und Zucker

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

DessertNachspeiseLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 5/10
Zubereitungszeit75 Min.Portionen4-6 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Wollt ihr ein solches Pelz-Gebäck machen, so nehmt Wasser und Mehl und mischt das durcheinander. Macht einen festen Teig aus Eiern, ähnlich wie hausgemachte Pfannkuchen, und jeder Fladen soll so breit sein wie der andere.

Nehmt reines Schweineschmalz und gestoßenen Zucker. Macht so viele Fladen, wie ihr wollt. Legt einen Fladen auf den festen Teig, bestreicht ihn mit dem Schmalz und streut Zucker darauf. Den nächsten Fladen legt ihr ebenfalls so auf, und so weiter, bis ihr alle Fladen aufeinandergeschichtet habt.

Wenn ihr keine Fladen mehr habt, so macht einen festen Teig, wie der unterste ist. Dieser obere Teig soll so lang sein, dass er bis auf den untersten Fladen reicht. Den untersten Fladen benetzt ihr mit einem Ei und formt das Ganze gründlich mit Gewürz, wie einen Krapfen. Setzt es in einen Ofen, lasst es gut backen und gebt es danach auf den Tisch.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
gburcz Gewürz - Zimt, Ingwer oder eine Mischung süßer Gewürze
Was ist ein 'Pelz' in diesem Rezept?

In diesem Kontext bezieht sich 'Pelz' auf die äußere Hülle oder Kruste des Gebäcks, die durch das Schichten und Backen entsteht. Es ist eine bildliche Beschreibung für die umhüllende Schicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist für die Lagerküche nicht geeignet. Es erfordert einen Backofen mit kontrollierbarer Temperatur, um die vielen Teigschichten gleichmäßig zu backen und die gewünschte Textur zu erreichen. Dies ist am offenen Feuer oder im Dutch Oven nur schwer umsetzbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch, einer umfangreichen deutschsprachigen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst und bietet Einblicke in die gehobene Küche dieser Zeit.

Welches 'Gewürz' ('gburcz') soll ich verwenden?

Das Rezept lässt die Wahl des Gewürzes offen. Für süße Gebäcke dieser Epoche waren typischerweise Zimt, Ingwer, Muskat oder eine Mischung aus diesen Gewürzen beliebt. Du kannst nach deinem Geschmack wählen oder eine 'Poudre Blanche' (weiße Gewürzmischung) verwenden, um die helle Farbe des Gebäcks zu erhalten.

WElt ir machen ein pelcz so nempt wasser vnd melb mischt das durich Ein ander mach ain derben taig von ayren sam haymische pletter vnd soll ains als praytt sein als das ander nym ain rains sweinnes smalcz vnd gestossen czucker mach der pletter asuil + dw wilt leg ain platt auff den gerben taig bestreichs mit dem smalcz vnd stra czucker dar auff den anderen tue + auch also alslang vnczt dw sy gar auff ein ander legst wan dw ir nymmer hast So mach ein derben taig als der vntter ist das aber soll als alslang sein daz es gelangt vnczt auff daz vnttrist das vntter necz mit aim ay vnd vmb gburcz schon als ein ckraffen vnd secz in ain offen lass das woll pachen vnd gib es dar nach hin auff den tischs
pelcz

Der Begriff „Pelz“ bezeichnet hier die äußere Hülle oder Kruste des Gebäcks, nicht im Sinne von Tierfell.

haymische pletter

„Hausgemachte Pfannkuchen“ dient hier als Vergleich für die gewünschte Form und Konsistenz der Teigfladen, nicht als Zutat.

gerben taig

Dies ist wahrscheinlich ein Schreibfehler für „derben Teig“ (fester Teig), der zuvor im Rezept erwähnt wurde.

gburcz

Ein unspezifisches Gewürz. Für süße Gebäcke dieser Zeit waren typischerweise Zimt, Ingwer, Muskat oder eine Mischung aus diesen Gewürzen üblich.

ckraffen

„Krapfen“ dient hier als Vergleich für die Form, in die das Gebäck gebracht werden soll, nicht als Zutat.

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 078v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarthaymische pletter

Gewählte Lesart: ‚Hausgemachte Pfannkuchen‘ - dies ist ein Vergleich für die gewünschte Form und Konsistenz der Teigfladen, die aus dem Eierteig geformt werden sollen.

Lesartpraytt

Gewählte Lesart: ‚breit‘ - eine gängige bairische Schreibweise für ‚breit‘, die die Größe der Teigfladen beschreibt.

Lesartsweinnes

Gewählte Lesart: ‚Schweines‘ - bezieht sich auf das Schweineschmalz.

Lesartczucker

Gewählte Lesart: ‚Zucker‘ - eine bairische Schreibweise für Zucker.

Lesartasuil + dw wilt

Gewählte Lesart: ‚so viel du willst‘ - eine Mengenangabe, die dem Koch freie Hand lässt.

Lesartbestreichs

Gewählte Lesart: ‚bestreich es‘ - Imperativ von ‚bestreichen‘.

Lesartvnczt

Gewählte Lesart: ‚bis‘ oder ‚bis dass‘ - eine bairische Schreibweise für ‚bis‘.

Lesartvnttrist

Gewählte Lesart: ‚unterste‘ - bezieht sich auf den untersten Teigfladen der Schichtung.

Lesartgburcz

Gewählte Lesart: ‚Gewürz‘ - CoReMA glossiert dies als ‚spice‘. Da keine spezifische Gewürzart genannt wird, bleibt die Wahl offen, wobei süße Gewürze für dieses Gebäck am plausibelsten sind.

Lesartckraffen

Gewählte Lesart: ‚Krapfen‘ - CoReMA glossiert dies als ‚fried dumpling‘. Hier dient es als Vergleich für die Form, in die das Gebäck gebracht werden soll, also eine Art gefüllte Teigtasche oder ein umhülltes Gebäck.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 078v, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Ein Backofen mit präziser Temperatur ist für dieses geschichtete Gebäck zwingend erforderlich, um die gewünschte Textur zu erzielen. Mit einem Dutch Oven ist es nur eingeschränkt darstellbar.
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Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.

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