Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v) · Mittelrhein · 1445
Nimm Gründlinge und auch Speck. Schneide den Speck so lang wie die Gründlinge. Siede das alles miteinander. Dann sieht es aus, als wären es lauter Gründlinge.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| grundelen | Gründlinge | - | Fischhändler (selten), Angler | Andere kleine Karpfenartige wie Moderlieschen oder Elritzen (heimisch, aber nicht kommerziell erhältlich). Als rein optischer Ersatz auch kleine Sardinen oder Sprotten - biologisch sind das aber Meeresfische, keine Süßwasser-Karpfenartigen. Nicht zu verwechseln mit modernen „Grundeln“ (Gobiidae, Barschverwandte) - das sind invasive Arten erst seit den 1990ern in deutschen Süßgewässern. |
| specke | Speck | - | Metzger | - |
Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges, bis heute unter einem Namen fortlebendes Gericht, sondern eine dokumentierte Streck-Technik: kleine Gründlinge werden mit gleich lang geschnittenem Speck gemeinsam gegart, sodass optisch mehr Fisch erscheint als tatsächlich vorhanden ist. Die nächste lebende Verwandtschaft liegt nicht in einem eigenen Nachfolgegericht, sondern in der bis heute verbreiteten Zubereitungsart „ganze Kleinfische gegart“ (etwa Backfisch).
Die Garmethode. Das Transkript nennt nur ein Verb: sude (sieden). Im rfk-Korpus und darüber hinaus bedeutet „sieden“ durchgängig Kochen in Flüssigkeit - Wasser, Wein, Milch oder Brühe -, und das Parallelrezept mon-264 legt für dieselbe Fischart ausdrücklich „in wasser sieden“ fest. Weder Pfanne noch Ausbacken noch eine Bräunung stehen im Text; der Angleichungs-Effekt (gelichet) lässt sich bereits über gleiche Form und ähnliche Blässe erklären, ganz ohne Bräunung.
Praxis. Speck in dünne, gründlings-lange Streifen schneiden und zusammen mit den Gründlingen in Wasser oder einem leichten Sud gar ziehen lassen, bis der Fisch durch ist - etwa 10-15 Minuten bei mildem Sieden. Beide Zutaten liegen danach als gleich lange, ähnlich blasse Stücke nebeneinander.
Gründlinge (Gobio gobio, eine Karpfenart) sind kleine heimische Süßwasserfische, die im 15. Jh. häufig in flachen Bächen vorkamen und mit Reusen oder Hamen gefangen wurden. Heute selten im Handel - am ehesten bei spezialisierten Fischhändlern oder Anglern. Optisch ähnlich (aber nicht biologisch verwandt): Sardinen oder Sprotten. Nicht zu verwechseln mit der modernen „Grundel“ - das ist ein Barschverwandter aus der Familie Gobiidae, der erst in den 1990ern als invasive Art in deutsche Süßgewässer eingewandert ist und vor 1990 in der heimischen Küche keine Rolle spielte.
Nein. Zubereitungstechnisch wäre es trivial (Pfanne über Feuer, 15-20 Minuten), aber Gründlinge sind heute nicht mehr im Handel und durch Sardinen oder Sprotten lässt sich der Streck-Effekt nicht überzeugend nachbauen - das sind Meeresfische mit anderer Form und Textur. Für die Lagerküche besser auf rfk-Rezepte mit gut verfügbaren Zutaten ausweichen.
Optische Mengen-Streckung: Speck wird auf Gründlings-Länge zugeschnitten und gemeinsam mit dem Fisch gegart, sodass beide als gleich lange, ähnliche Stücke nebeneinander liegen - auf den ersten Blick sieht es nach mehr Fisch aus, als tatsächlich da ist. Das mhd. „gelichet daz alles grundelen“ heißt entsprechend „dann sieht es aus, als wären es lauter Gründlinge“. Ob dabei nur Wasser oder auch etwas Fett im Spiel war, lässt der Text offen (siehe Zubereitung).
Dieses Rezept stammt aus dem Rheinfränkisches Kochbuch (Mittelrhein). Sammlung von 76 Koch- und Backrezepten in rheinfränkischer Mundart, entstanden um 1445. Schwerpunkt Fastenspeisen: Krapfen, Fladen aus Fischrogen, Fasten-Schauspeisen (z.B. ein aus Fisch geformtes Rebhuhn-Imitat). Überliefert als Teil des astrologisch-astronomischen Sammelbands Ms. germ. fol. 244 der Staatsbibliothek zu Berlin (fol. 285r-294v). Akademisch erschlossen seit 2021 in der CoReMA-Edition (Böhm/Klug, Universität Graz, FWF-Projekt) als hyperdiplomatische Transkription. Die Fyndling-Edition ergänzt diese akademische Erschließung um die kulinarische Dimension: moderne Übersetzung, Zutaten-Listen mit Bezugsquellen, FAQ zur Zubereitung und Scan-Anzeige im Browser - damit erstmals als praktische Edition für Hobby-Köche und mediävistisch interessierte Laien.
Mhd. zu sieden - im rfk-Korpus und darüber hinaus (z. B. mon-264, ausdrücklich für Gründlinge: „in wasser sieden“) durchgängig Kochen in Flüssigkeit (Wasser, Wein, Milch, Brühe). Ob hier reines Wasser oder ein fetthaltiger Sud gemeint ist, lässt der Text offen.
Mhd. gelîchen, „angleichen/ähnlich machen“ - „gelichet daz alles grundelen“ heißt „sodass alles wie Gründlinge aussieht“.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| grundelen | common gudgeon Q4468 |
| specke | bacon Q11106 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
sude (Garmethode)
Gewählte Lesart: Sieden/Kochen in Wasser oder einem leichten Sud - die durchgängige Bedeutung von „sieden“ im rfk-Korpus, gestützt durch das Parallelrezept mon-264, das für dieselbe Fischart (Gründling) exakt dasselbe Verb ausdrücklich als Wasser-Sieden festlegt.
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 23.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.