Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300
Bereite einen Topf aus Teig. Schneide ein ganzes Huhn in Stücke und gib es in den Teigtopf. Füge gut geschnittenen Speck hinzu, erbsengroß. Würze mit Pfeffer und Kümmel. Schlage Eigelb gut mit Safran und gib es ebenfalls hinzu. Nimm den Teigtopf und lasse ihn in einem Ofen backen. Das nennt man ‚Koken wan Honer‘.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| degh | Teig | - | - |
| et høns | 1 Huhn | Metzger | - |
| spæk wæl skoren sum ærtær | Speck, erbsengroß geschnitten | Metzger | - |
| pipær | Pfeffer | - | - |
| komiæn | Kümmel | - | - |
| æggi blomæ | Eigelb | - | - |
| safran | Safran | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
Welches Gericht ist das? Ein in einem selbstgebauten Teigtopf gebackenes Hühnergericht - „Koken wan Honer“ -, gefüllt mit Hühnerstücken, erbsengroßem Speck, Pfeffer, Kümmel und safrangelbem Eigelb. Es ist die geschlossene Topf-Variante der Teigmantel-Pasteten und steht direkt neben hkb-024 sowie mha-076 „Rehrückenbraten im Teigmantel“, mha-151 „Gebackener Fisch im Teigmantel“ und mar-148 „Aalpâté im Teigmantel“.
Grytæ af degh („Topf aus Teig“): aus festem Teig wird ein Behälter geformt - ein essbarer oder als Garhülle dienender Teigtopf (engl. coffin), in dem die Füllung im eigenen Saft gart. Das ist die nordische Entsprechung der mit dem Messer geformten Pastetenform.
Spæk wæl skoren sum ærtær („Speck, gut geschnitten wie Erbsen“): der Speck wird erbsengroß gewürfelt und über die Füllung verteilt; sein Fett hält das magere Huhn beim Backen saftig. Komiæn ist Kümmel.
Æggi blomæ wæl slaghæn mæth safran („Eigelb gut geschlagen mit Safran“): das safrangefärbte Eigelb wird über die Füllung gegossen - es bindet beim Backen, gibt Farbe und eine reichhaltige Note.
Praxis. Aus festem Weizenmehl-Wasser-Teig einen stabilen Topf mit Boden und Wand formen. Hühnerstücke einlegen, erbsengroße Speckwürfel, Pfeffer und Kümmel darüber. Eigelb mit etwas Safran verquirlen und über die Füllung gießen. Mit einem Teigdeckel verschließen und bei 180-200 °C backen, bis der Teig fest und die Füllung durchgegart ist. (Hinweis: Der Transkripttext enthält am Ende ein lateinisches Schreiber-Kolophon und - als Extraktionsartefakt der Online-Edition - eine Website-Fußzeile; beide gehören nicht zum Rezept.)
Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die sich heute in der Det Kongelige Bibliotek in Kopenhagen befindet. Sie ist eine der ältesten und wichtigsten nordeuropäischen Kochbuchquellen.
Nein, dieses Rezept ist nicht direkt für die Lagerküche geeignet, da es die Zubereitung in einem Ofen erfordert. Ein Teigtopf muss gebacken werden, was am Lagerfeuer ohne speziellen Lehmofen oder Dutch Oven schwierig ist. Zuhause vorbereiten.
Das Rezept stammt aus der Zeit um 1300 und ist in Altdänisch verfasst. Es ist Teil der sogenannten Harpestreng-Handschrift, einer der frühesten nordeuropäischen Kochbuchsammlungen, die Einblicke in die mittelalterliche Küche Skandinaviens gibt.
Der lateinische Titel „De cibo qui dicitur koken wan honer“ bedeutet übersetzt „Über die Speise, die ‚Koken wan Honer‘ genannt wird“. ‚Koken wan Honer‘ ist der altdänische Name des Gerichts, der sich als ‚Gekochtes/Gebackenes vom Huhn‘ oder ‚Hühnerkuchen‘ interpretieren lässt.
Ein Topf oder eine Form aus Teig, ähnlich einer Pastetenhülle.
Huhn.
Speck oder tierisches Fett.
Eigelb, wörtlich ‚Eierblume‘.
Ofen.
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