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Gebratene Äpfel mit Ei und Gewürzen

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

🌿 Beilage 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Einfach
⏱ 25 Min.👥 1–2 Personen📖 Ménagier de Paris (~1393)

Original — Moyen Français

Gebratene Äpfel mit Ei und Gewürzen — Originalseite aus Ménagier de Paris
Fol. 172v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)

Transkription (Moyen Français)

Le riquemenger. Prenez deux pommes aussi grosses que deux oeufz ou pou plus, et les pelez et ostez les pepins. Puis le decoupez par menuz morceaulx, puis les mectez pourboulir en une paelle de fer. Puis purez l'eaue et mectez seicher le riquemenger. Puis mectre beurre pour frioler et en friolant filez deux oeufz dessus en remuant. Et quant tout sera friolé gectez pouldre fine dessus, et soit frangé de saffran, et mengiez au pain ou moiz de septembre.

Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Benötigt eine Eisenpfanne und kann gut über offenem Feuer zubereitet werden.

Nehmt zwei Äpfel, so groß wie zwei Eier oder etwas größer. Schält sie und entfernt die Kerne. Schneidet sie dann in kleine Stücke und gebt sie zum Vorbrühen in eine Eisenpfanne. Gießt dann das Wasser ab und lasst den Riquemenger trocknen. Gebt anschließend Butter zum Braten hinzu und während des Bratens träufelt zwei Eier darüber, dabei stetig rühren. Und wenn alles gebraten ist, streut feines Gewürzpulver darüber, und es soll mit Safran gefärbt sein. Esst es mit Brot im Monat September.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
deux pommes aussi grosses que deux oeufz ou pou plus 2 mittelgroße Äpfel
deux oeufz 2 Eier
beurre Butter
pouldre fine Feines Gewürzpulver Mischung aus Ingwer, Zimt, Nelken
saffran Safran Apotheke, gut sortierter Supermarkt
pain Brot

Anmerkungen

Riquemenger
Name des Gerichts, bedeutet wörtlich 'reiches Essen' oder 'reiche Speise'.
pouldre fine
Allgemeine Bezeichnung für eine feine Gewürzmischung, oft bestehend aus Ingwer, Zimt, Nelken und anderen exotischen Gewürzen.
frangé
Wörtlich 'gefranst' oder 'verziert', hier im Sinne von 'gefärbt' oder 'optisch aufgewertet'.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

pouldre fine

Gewählte Lesart: Eine Mischung aus Ingwer, Zimt und Nelken.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer und Galgant. — Auch diese Kombination war im mittelalterlichen Frankreich gängig, besonders für herzhaftere Gerichte, und 'pouldre fine' war ein Sammelbegriff für verschiedene Gewürzmischungen.

frangé de saffran

Gewählte Lesart: mit Safran gefärbt.

Andere mögliche Lesart:

  • mit Safran bestreut oder garniert. — 'Frangé' kann auch eine dekorative Bestreuung bedeuten, die über die reine Färbung hinausgeht und das Gericht optisch aufwertet.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich Safran und welche Gewürze sind in 'pouldre fine' enthalten?

Safran ist in gut sortierten Supermärkten oder Apotheken erhältlich. Für 'pouldre fine' wird eine mittelalterliche Gewürzmischung empfohlen, die typischerweise Ingwer, Zimt und Nelken enthält. Du kannst diese Gewürze einzeln kaufen und selbst mischen oder eine fertige mittelalterliche Gewürzmischung verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung erfordert lediglich eine Eisenpfanne und kann problemlos über offenem Feuer erfolgen. Alle Zutaten sind leicht transportierbar und die Kochzeit ist kurz.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die Küche des wohlhabenden Bürgertums des späten Mittelalters.

Was bedeutet der Name 'Riquemenger'?

'Riquemenger' ist der Name des Gerichts und bedeutet wörtlich 'reiches Essen' oder 'reiche Speise'. Der Name deutet auf die Wertschätzung der verwendeten Zutaten und die geschmackliche Fülle hin, die für mittelalterliche Gaumen als luxuriös galt.

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