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Tinte herstellen

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit30 Min.Portionenca. 1-2 Liter TinteBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Willst du gute Tinte sieden, so nimm vier Lot Galläpfel, zwei Lot Vitriol und zwei Lot Gummi Arabicum zu einem Maß Flüssigkeit. Nimm dazu Regenwasser. Gib das Gummi Arabicum zuerst hinein. So wird die Tinte blau. Oder nimm zwei Maß für gewöhnliche Tinte.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
vier lot gallas 60 g Galläpfel (4 Lot) Spezialhandel für Kalligrafiebedarf, Online-Handel -
zwaj lot vitriolum 30 g Vitriol (2 Lot) Spezialhandel für Kalligrafiebedarf, Online-Handel Eisen(II)-sulfat
zwaj lot gummi 30 g Gummi Arabicum (2 Lot) Künstlerbedarf, Online-Handel -
Regen wasser ca. 1 Liter weiches Wasser (entspricht 1 Maß) - klassisch Regenwasser, modern auch gefiltertes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser Regenwasser sammeln (Tonne im Garten); alternativ gefiltertes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser Gefiltertes oder kurz aufgekochtes und abgekühltes Leitungswasser. Hartes Wasser (viel Kalk) ist ungeeignet, weil es mit dem Eisen-Gallus-Komplex reagiert und die Tinte trüben kann.
Ist dieses Rezept für die Zubereitung von Speisen gedacht?

Nein, dieses Rezept beschreibt die Herstellung von Tinte, nicht von Lebensmitteln. Es ist ein Beispiel dafür, dass mittelalterliche Rezeptsammlungen oft auch Anleitungen für nicht-kulinarische Zwecke enthielten.

Was sind Galläpfel, Vitriol und Gummi Arabicum in diesem Kontext?

Galläpfel sind pflanzliche Wucherungen, die Gerbsäure enthalten und als Basis für die Tinte dienen. Vitriol (Eisen(II)-sulfat) reagiert mit der Gerbsäure und erzeugt die schwarze Farbe. Gummi Arabicum ist ein Bindemittel, das die Tinte stabilisiert und ihre Fließeigenschaften verbessert.

Was bedeuten die Maßeinheiten 'Lot' und 'Maß'?

Ein ‚Lot‘ war ein mittelalterliches Gewichtsmaß, das regional etwa 15 bis 16 Gramm entsprach. Ein ‚Maß‘ war ein Flüssigkeitsmaß, das oft um die 1 Liter betrug, aber ebenfalls regional variierte.

Was ist der historische Kontext dieses Rezepts?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Kochbuch des Meisters Hans‘ um 1460. Es zeigt, dass mittelalterliche Rezeptsammlungen nicht nur kulinarische Anleitungen enthielten, sondern auch praktische Anweisungen für den Haushalt oder Handwerk, wie hier die Herstellung von Eisengallustinte, die für das Schreiben von Manuskripten unerlässlich war.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja - nicht als Lebensmittel (Tinte ist nicht essbar!), aber als Schau- und Vorführungs-Element passt das Rezept hervorragend in ein Schreiber-Lager oder Skriptorium am Mittelaltermarkt. Die Zubereitung ist einfach und visuell eindrucksvoll: Galläpfel, Vitriol und Gummi Arabicum werden in Regenwasser gelöst und gesotten, dabei verändert die Tinte sichtbar ihre Farbe. Anschließend können Besucher mit Gänsekielen oder Schreibrohren die frisch gemachte Tinte selbst ausprobieren. Sicherheitshinweis: Vitriol reizt Haut und Augen - Handschuhe tragen, nicht von Kindern selbst anfassen lassen, und auf keinen Fall trinken.

Dinten mach also . Item wiltu guote dintten sieden So nym vier lot gallas vnd zwaj lot vitriolum vnd zwaj lot gummi zue ainer mass . vnd nym dar zue Regen wasser . Item den gummi thue aller erst darein . So es plab wirt Oder zwo masz zue gemainer tymppten
Dinten

Frühneuhochdeutsch für ‚Tinte‘. Dieses Rezept ist eine Anleitung zur Tintenherstellung, nicht für ein Gericht.

lot

Ein mittelalterliches Gewichtsmaß, das regional variierte. Ein süddeutsches Lot entsprach etwa 15 bis 16 Gramm.

gallas

Galläpfel, auch Gallnüsse genannt. Pflanzliche Wucherungen, die an Eichen durch die Eiablage von Gallwespen entstehen. Sie sind reich an Gerbsäure und wurden im Mittelalter zur Tintenherstellung, zum Gerben von Leder und als Heilmittel verwendet.

vitriolum

Vitriol, meist Eisen(II)-sulfat oder Kupfersulfat. In der Tintenherstellung reagiert es mit den Gerbstoffen der Galläpfel zu einem farbgebenden Eisen-Gallus-Komplex.

gummi

Gummi Arabicum, ein natürliches Gummiharz, das aus Akazienbäumen gewonnen wird. Es dient in der Tinte als Bindemittel, um die Pigmente in Suspension zu halten und die Fließeigenschaften zu verbessern.

mass

Ein mittelalterliches Flüssigkeitsmaß, das regional stark variierte. Eine Maß entsprach oft etwa einem Liter.

tymppten

Eine Variante des Wortes ‚Dinten‘ (Tinte) im Frühneuhochdeutschen.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 067v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 067v, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kein Lebensmittel - aber ein hervorragendes **Schau- und Vorführungs-Element** für Schreiber-Lager, Skriptorium-Inszenierungen, Pergamentmacher-Stände oder Schreib-Workshops. Die Zubereitung ist einfach und visuell eindrucksvoll: drei klare Zutaten (Galläpfel, Vitriol, Gummi Arabicum) werden in Regenwasser gelöst und gesotten, dabei verändert die Tinte sichtbar ihre Farbe. Im Anschluss kann das Publikum mit Gänsekielen oder Schreibrohren die frisch gemachte Tinte ausprobieren. **Sicherheitshinweis:** Vitriol (Eisensulfat oder historisch Kupfervitriol) reizt Haut und Augen - Handschuhe tragen, nicht von Kindern selbst anfassen lassen. Nicht trinken.
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