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Wildbret mit Brühe oder Kastanien

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

WildHauptspeise · WildLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 6/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Wenn du Wildbret gut zubereiten willst, nimm dazu nicht viel Wein, sondern nur gute reine Rinderbrühe oder Kastanien. So wird es gut gemacht.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
wilpratt Wildbret Metzger, Wildhändler -
wein nicht viel Wein - -
guett rindreinn prue gute reine Rinderbrühe - -
chastrawne Kastanien Supermarkt (saisonal), Wochenmarkt -

Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Rezept, sondern ein knapper Küchentipp: Wer Wildbret zubereitet, soll dabei nicht auf viel Wein setzen, sondern auf kräftige, reine Rinderbrühe oder Kastanien als Flüssigkeits- bzw. Geschmacksbasis.

Praxis. Diesen Tipp bei einem beliebigen Wildbret-Gericht des Korpus anwenden: statt einer weinbasierten Garflüssigkeit eine kräftige, reine Rinderbrühe verwenden, oder geschälte, weichgekochte Kastanien zum Wildbret geben. Beides sorgt für einen erdigeren, volleren Geschmack als eine reine Weinbrühe.

Was bedeutet 'Wildbret' in diesem Rezept?

‚Wildbret‘ bezeichnet das Fleisch von Wildtieren, die gejagt werden. Im Mittelalter waren dies oft Hirsch, Reh, Wildschwein, Hase oder auch Wildvögel. Das Rezept ist allgemein gehalten und lässt die Wahl der Wildart offen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Die Frage passt hier eigentlich nicht: Dies ist kein eigenständiges Gericht mit Zubereitungsschritten, sondern ein allgemeiner Koch-Tipp - nimm für Wildbret lieber kräftige Rinderbrühe oder Kastanien statt viel Wein. Wende diesen Tipp einfach bei einem konkreten Wildbret-Rezept deiner Wahl an.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Mondseer Kochbuch‘, einer umfangreichen deutschsprachigen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst.

Was sind die Besonderheiten dieses Rezepts?

Dieses sehr kurze Rezept ist eher eine allgemeine Kochanleitung oder ein Tipp zur Zubereitung von Wildbret. Es betont die Verwendung von kräftiger Rinderbrühe oder Kastanien als Flüssigkeitsbasis anstelle von viel Wein, was auf einen erdigen, reichhaltigen Geschmack abzielt.

ITem wil dw wol chochen von wilpratt der nemb dar czw nit vil wein nur guett rindreinn prue oder chastrawne so wirdt es gemacht woll
Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 041r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwilpratt

Gewählte Lesart: Wildbret (Wildfleisch)

Lesartrindreinn

Gewählte Lesart: reine Rinderbrühe

Andere mögliche Lesarten:

  • Rinder-Innereien-Brühe - ‚rindreinn‘ könnte eine Komposition aus ‚Rind‘ und ‚Innereien‘ sein, was eine Brühe aus Rinderinnereien bedeuten würde. Dies ist jedoch weniger wahrscheinlich für eine allgemeine ‚gute Brühe‘.
  • Brühe vom Rinderbein - Der Begriff könnte auch auf die Herkunft der Brühe vom Rinderbein verweisen, was eine gängige Zutat für kräftige Brühen war.

Lesartchastrawne

Gewählte Lesart: Kastanien

Andere mögliche Lesarten:

  • Käse-Rahm - Phonetisch weniger wahrscheinlich, aber ‚chastrawne‘ könnte eine Verballhornung von ‚Käse-Rahm‘ sein, was eine cremige Zutat andeuten würde.
  • Kastraten - Obwohl kulinarisch im Kontext einer Brühen-Alternative für Wildbret unwahrscheinlich, ist ‚Kastraten‘ eine mögliche, wenn auch sehr weit hergeholte, phonetische Assoziation.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 041r, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kein eigenständiges Gericht, sondern ein allgemeiner Koch-Tipp ohne konkrete Zubereitungsschritte - die Lagerküche-Einstufung passt hier nicht.
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