Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Wer Fisch sieden will, soll wissen, wie man das richtig macht: Nimm Gründlinge, Krebse und Rutten.
Alle drei werden in Wasser gesotten. Gründlinge und Krebse aber nicht länger kochen als eine gute Wallung lang.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Grundelnn | Gründlinge | Fischhändler, Wochenmarkt (Bestellung meist nötig) | Kleine Süßwasserfische wie Elritzen oder junge Forellenfilets |
| chrewssen | Krebse | Fischhändler, Asialaden | - |
| rutten | Rutten | Fischhändler (Bestellung nötig, selten im Handel) | Zander oder Wels als milder, gut erhältlicher Ersatz |
| wasser | Wasser | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern eine technische Garanleitung: Gründlinge, Krebse und Rutten (Quappen) werden gemeinsam in einem Topf Wasser gesotten, mit gestaffelter Garzeit je nach Zartheit der Zutat.
Der Text schreibt die Kurzgar-Regel - nicht länger als eine gute Wallung - ausdrücklich nur für Gründlinge und Krebse vor; für die Rutte fehlt jede eigene Zeitangabe. Da die Einschränkung nur zwei der drei Zutaten betrifft, liegt der Schluss nahe, dass die Rutte länger im Topf bleiben kann, ohne dass der Text das positiv so festhält - eine plausible Folgerung aus dem, was er verschweigt, kein ausdrücklicher Befund.
Praxis. Wasser aufsetzen, Gründlinge und Krebse erst kurz vor Ende dazugeben und nur eine kurze, kräftige Wallung lang ziehen lassen, dann sofort vom Feuer - beide werden bei längerem Kochen zäh beziehungsweise zerfallen. Die festere, größere Rutte verträgt in der Praxis etwas mehr Zeit im Topf und kann entsprechend früher hinein. Ohne Würzung serviert, ist dies reine Gartechnik für den nächsten Zubereitungsschritt.
Die Rutte, auch Quappe genannt (Lota lota), ist ein Süßwasserfisch aus der Dorschfamilie und heute im Handel selten. Fischhändler können sie gelegentlich bestellen, sonst funktioniert Zander oder Wels als milder Ersatz.
Der Text schreibt die Kurzgar-Regel - nicht länger als eine gute Wallung - ausdrücklich nur für Gründlinge und Krebse vor: beide sind zart und verkochen schnell. Zur Garzeit der Rutte macht der Text keine eigene Angabe; als festerer, größerer Fisch verträgt sie in der Praxis vermutlich etwas mehr Zeit im Topf, auch wenn das im Original nicht ausdrücklich gesagt wird.
Als reine Gartechnik ja: nur ein Topf, Wasser und ein Feuer nötig, in etwa 20 Minuten fertig. Da es sich nicht um ein eigenständiges Gericht handelt, wird hier kein Lagerküche-Label vergeben - die Technik selbst ist aber feldtauglich. Fisch und Krebse frisch am Markttag besorgen und auf unterschiedliche Garzeiten der Sorten achten.
Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch (2. Hälfte 15. Jh., Österreich (Mondsee, Oberösterreich)). Das Mondseer Kochbuch - eine der umfangreichsten deutschsprachigen Rezeptsammlungen des Spätmittelalters: rund 268 Kochrezepte aus dem oberösterreichischen Raum (Umkreis des Benediktinerklosters Mondsee, 2. Hälfte 15. Jh.), überliefert in der Sammelhandschrift Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA-Sigle GR1, fol. 11r-94v). Das Buch deckt die ganze Bandbreite einer spätmittelalterlichen Küche ab: Mandel- und Fischmuse, Sülzen und Gallerten (u.a. vom Hasen und mit Krebsen), Hausen und andere Fische, Wildbret und Spanferkel, dazu zahlreiche Fasten- und Schauspeisen - etwa aus Fisch nachgeformte Rebhühner, Blancmanger und ein Karfreitags-Eiergericht - sowie süßes Backwerk, Lebkuchen und eingekochte Weichsel-Zubereitungen. Reiche Cross-Links zur bairisch-alemannischen Salsen-, Sülzen- und Schauspeisen-Tradition (m5919, m384, meb, kkm).
Krebse (Flusskrebse). Von CoReMA über Wikidata eindeutig als crayfish bestätigt, nicht mit 'Kresse' zu verwechseln.
Rutte / Quappe (Lota lota), ein Süßwasserfisch aus der Familie der Dorsche. Von CoReMA als burbot verlinkt.
Gründlinge, kleine Süßwasser-Grundfische. Von CoReMA als common gudgeon bestätigt.
Hier 'eine gute Wallung', also ein kurzes, kräftiges Aufwallen/Aufkochen - nicht das Adverb 'wohl'.
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