Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300
Um frische Butter in der Pfanne zuzubereiten, nimm hartes Weißbrot und zerbrösle die Krume sehr fein. Nimm zwei Unzen Stärke und Zucker, vermische es mit der Butter. Die Masse soll mit Eiern und Zucker angefeuchtet werden, ohne Wasser hinzuzufügen. Forme sie so dünn wie ein Blatt Papier. Befeuchte den Teig mit Eigelb und wickle dann ein Stück davon ein. Danach frittiere es in der Pfanne mit weiterer Butter. Anschließend auf Teller legen und servieren.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| pain blanc dur | Hartes Weißbrot | - | - | - |
| la mye | Brotkrume | - | - | - |
| mydon deux onces | Stärke | 60 g | - | Weizenstärke |
| succre | Zucker | - | - | - |
| beurre | Butter | - | - | - |
| doeufz | Eier | - | - | - |
| moyeux doeufz | Eigelb | - | - | - |
| autre beuf | Butter | - | - | - |
Obwohl der Name ‚frische Butter‘ lautet, handelt es sich hier um ein süßes, frittiertes Gebäck, das in der Pfanne zubereitet wird. Es ist keine tatsächliche Butter, sondern ein Gericht, das möglicherweise butterähnlich schmeckt oder geformt ist.
‚Coing‘ kann ‚Quitte‘ oder ‚Ecke/Keil‘ bedeuten. Da Quitte nicht als Zutat genannt wird, ist es hier wahrscheinlich als ‚ein Stück‘ des Teiges zu verstehen, das gefaltet oder um eine Füllung gewickelt wird. Es könnte auch eine spezifische Form des Gebäcks meinen.
Nein, nicht ideal. Zutaten wie Butter und Eier erfordern Kühlung, die im Lager oft nicht gegeben ist. Zudem sollte das Gebäck frisch zubereitet und warm serviert werden, was unter Lagerbedingungen schwierig ist.
‚Deux onces‘ bedeutet zwei Unzen. Eine mittelalterliche französische Unze entsprach etwa 28 Gramm, sodass zwei Unzen ungefähr 56 Gramm oder gerundet 60 Gramm sind.
Dieses Rezept stammt aus „Le Viandier de Taillevent“. Ältestes erhaltenes französisches Kochbuch der höfischen Küche (~1300). Taillevent, Chefkoch der Könige Frankreichs, prägt mit diesem Werk die Saucen-, Fleisch- und Festmahlkultur des Spätmittelalters. Erhalten in mehreren Handschriften; Grundlage ist die kritische Edition Pichon & Vicaire (1892) nach der Sion-Handschrift.
Wörtlich ‚frische Butter‘, bezeichnet hier jedoch ein frittiertes Gebäck.
Stärke, wahrscheinlich Weizenstärke.
Alte Form von ‚feuille de papier‘, also ‚Blatt Papier‘.
Wörtlich ‚Quitte‘ oder ‚Ecke/Keil‘. Im Kontext dieses Rezepts wird es als ‚ein Stück‘ des Teiges interpretiert, das gefaltet oder gefüllt wird.
Pfanne.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| mydon deux onces | starch Q41534 |
| succre | unrefined cane sugar Q57656231 |
| beurre | butter Q34172 |
| doeufz | chicken egg Q15260613 |
| moyeux doeufz | yolk Q16336079 |
| autre beuf | butter Q34172 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
beure fraiz
Gewählte Lesart: ‚Frische Butter‘ als Name für ein frittiertes Gebäck.
Andere mögliche Lesart:
aueille de papier
Gewählte Lesart: ‚Blatt Papier‘, um die gewünschte Dünne des Teiges zu beschreiben.
coing
Gewählte Lesart: ‚Ein Stück‘ des Teiges, das gefaltet oder gewickelt wird.
Andere mögliche Lesart:
autre beuf
Gewählte Lesart: ‚Weitere Butter‘ zum Frittieren.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.