The Forme of Cury · England · 1390
Nimm Zwiebeln und koche sie ein wenig vor, drücke das Wasser aus und hacke sie klein. Nimm Brot und zerstoße es im Mörser, und rühre es mit Eiern an. Gib Butter, Safran und Salz daran sowie Korinthen und ein wenig Zucker mit milden Gewürzen. Backe es in einer Teighülle und trage es auf.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Oynouns | Zwiebeln | 500 g | - | - |
| brede | altbackenes Weißbrot | 100 g | - | - |
| Ayren | 3-4 Eier | 3 | - | - |
| butter | Butter | 50 g | - | - |
| safroun | Safranfäden | 1 Prise | Bio-Laden, Online-Gewürzhandel | - |
| salt | Salz | - | - | - |
| raisouns corauns | Korinthen | 50 g | - | - |
| a litel sugur | Zucker | 20 g | - | - |
| powdour douce | milde Gewürzmischung (Zimt, Ingwer, Muskat) | 1 TL | - | - |
| trape | Mürbeteig für eine Tarteform (ca. 250 g Mehl, 125 g Butter, 1 Ei, Prise Salz) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine herzhaft-süße Zwiebeltarte für Fasttage - im Kern eine frühe Zwiebel-Quiche, deren Füllung statt mit Sahne mit eingeweichtem Brot und Eiern gebunden wird. Verwandt mit den brot-/ei-gebundenen Backfüllungen des Korpus (bgs-088 Fleischfladen) und den übrigen Tarte-Rezepten des Buchs (foc-162, foc-163).
Ymbre Day. Quatembertage, die viermal jährlich begangenen kirchlichen Fasttage. Die Regeln waren milder als in der strengen Fastenzeit - Butter und Eier blieben erlaubt, Fleisch entfiel; daher die fleischlose Füllung.
Parboile / presse out þe water. Die Zwiebeln werden kurz vorgekocht und ausgedrückt: das nimmt ihnen Schärfe und überschüssiges Wasser, sodass die Füllung beim Backen nicht verwässert.
Brede & bray it in a morter. Im Mörser zerstoßenes (eingeweichtes, altbackenes) Brot ist hier das Bindemittel - das zeittypische Andicken mit Brot statt Mehl. Mit den Eiern verrührt bindet es die Masse zu einer schnittfesten Füllung.
Powdour douce. Die milde Gewürzmischung (Zimt, Ingwer, Muskat, Zucker), die der Tarte die süß-herzhafte Note gibt - typisch für die englische Tafel, wo Süßes und Herzhaftes nicht getrennt wurden.
Praxis. 500 g Zwiebeln in Streifen 3-4 Minuten blanchieren, gut ausdrücken und fein hacken. Altbackenes Weißbrot (ohne Rinde) in wenig Wasser einweichen, ausdrücken und mit 3-4 Eiern, zerlassener Butter, einer Prise Safran, Korinthen, etwas Zucker, milder Gewürzmischung und Salz verrühren. Die Zwiebeln untermengen und in einen vorbereiteten Mürbeteig-Boden füllen, bei 180 Grad backen, bis die Füllung gestockt und goldgelb ist. Braucht einen Ofen - am Lager nur als mitgebrachte Füllung in vorgebackener Hülle praktikabel.
'Powdour douce' ist eine milde Gewürzmischung, die im mittelalterlichen England häufig verwendet wurde. Sie besteht typischerweise aus Zimt, Ingwer, Muskat und Zucker, manchmal auch Nelken oder Galgant. Du kannst sie selbst mischen oder eine fertige Lebkuchengewürzmischung ohne Anis verwenden.
Nein, nicht ideal. Das Backen in einer Teighülle erfordert einen Ofen oder einen gut kontrollierbaren Dutch Oven, was am Lagerfeuer aufwendig ist. Die Füllung kann jedoch zu Hause vorbereitet und am Lager in einer vorgebackenen Hülle erwärmt werden.
'Ymbre Day' bezieht sich auf die Quatembertage, die viermal im Jahr als Fastentage begangen wurden. Obwohl es Fastentage waren, waren die Regeln oft weniger streng als in der Fastenzeit, sodass Eier und Butter erlaubt sein konnten. 'Trape' bezeichnet eine Teighülle oder Tarteform, in der die Füllung gebacken wird.
Im mittelalterlichen Kochkontext war ein Mörser oft ein großes, schweres Gerät zum Zerstoßen von Fleisch, Fisch oder eben Brot. Für dieses Rezept, bei dem Brot zerstoßen wird, kannst du es modernisieren: Weiche das Brot in Wasser oder Milch ein und drücke es gut aus, bevor du es mit den anderen Zutaten vermischst. Alternativ kannst du auch Paniermehl verwenden. Wer authentisch arbeiten möchte, verwendet einen großen Granit-Mörser mit schwerem Holzstößel.
Dieses Rezept stammt aus „The Forme of Cury“. Englisches Kochbuch der Hofköche Richard II. (~1390). Etwa 196 Rezepte der höfischen Küche Englands. Nah verwandt mit dem Ménagier de Paris - beide reflektieren die internationalisierte Küche des Spätmittelalters.
Quatembertag, kirchlicher Fasttag (viermal jährlich); Butter und Eier blieben erlaubt, Fleisch entfiel.
Vorkochen / blanchieren - nimmt den Zwiebeln Schärfe und Wasser, damit die Füllung nicht verwässert.
Im Mörser zerstoßenes (eingeweichtes) Brot als Bindemittel - zeittypisch statt Mehl.
Korinthen, die kleinen kernlosen Rosinen.
Milde Gewürzmischung (Zimt, Ingwer, Muskat, Zucker).
Die Teighülle, in der die Füllung gebacken wird (zu frz. trappe).
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Oynouns | onion Q3406628 |
| brede | white bread Q1501889 |
| Ayren | chicken egg Q15260613 |
| butter | butter Q34172 |
| safroun | saffron Q25434 |
| salt | table salt Q11254 |
| a litel sugur | unrefined cane sugar Q57656231 |
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.