München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Willst du ein edles Getränk zubereiten, das dir ein ganzes Jahr lang kein Drüsenleiden beschert und dich vor Eiter schützt: Nimm Wermut und siede ihn in Ziegenmilch. Wenn er gesotten ist, seihe ihn durch ein Tuch. Drücke dann die Flüssigkeit aus dem Tuch. So bist du das ganze Jahr sicher vor Drüsenleiden und Eiter.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| wermut | Wermut | - | Apotheke, Kräuterhandel | - |
| gaismilch | Ziegenmilch | - | gut sortierter Supermarkt, Hofladen | - |
Welches Gericht ist das? Dies ist kein kulinarisches Gericht im heutigen Sinne, sondern ein medizinisches Getränk aus der mittelalterlichen Volksmedizin, das als Prophylaxe gegen Drüsenleiden und Eiter dienen sollte. Es spiegelt die damaligen humoralpathologischen Vorstellungen wider, die Wermut und Ziegenmilch spezifische heilende Eigenschaften zuschrieben und sie als wirksames Mittel gegen solche Beschwerden betrachteten.
Praxis (als historisches Kuriosum, nicht als Arznei). Die Zubereitung ist denkbar einfach: Wermut wird in Ziegenmilch gekocht, bis er ‚gesotten‘ ist - also gar und seine Wirkstoffe an die Milch abgegeben hat. Anschließend wird die Mischung durch ein Tuch passiert, um die festen Bestandteile zu entfernen, und die Flüssigkeit nochmals kräftig aus dem Tuch gepresst. Was übrig bleibt, ist die ‚Wermut-Ziegenmilch‘. Aus heutiger Sicht ist dies ein historisches Kuriosum und kein Ersatz für medizinische Behandlung. Da es sich um ein Milchgetränk handelt, sollte es, falls man es aus historischem Interesse nachbereitet, umgehend verzehrt und nicht gelagert werden.
Nein, dieses Rezept ist kein Lebensmittel, sondern ein medizinisches Getränk zur Vorbeugung von Krankheiten. Es ist nicht für den Verzehr oder die Zubereitung im Lager gedacht.
Es sollte vorbeugend gegen Drüsenleiden (Geschwulste) und Eiter wirken. Wermut wurde im Mittelalter oft als Heilmittel bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt, und Ziegenmilch galt als besonders heilsam.
Im Kontext des Seihens durch ein Tuch bedeutet dies, die festen Bestandteile des Wermuts im Tuch auszupressen, um die gesamte Flüssigkeit für das Getränk zu gewinnen.
Dieses Rezept stammt aus dem Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (Regensburg, Bayern). Umfangreiche mittelbairische Festküche um 1500: 104 Rezepte aus Regensburg (BSB München, Cgm 5919, datiert um 1500-1510), hyperdiplomatisch transkribiert. Die Kochrezepte stehen auf Bl. 15r-27r. Schwerpunkt auf repräsentativer, gehobener Küche: Pasteten (Hecht, Rindfleisch), Torten von Geflügel, zahlreiche Sülzen und Gallerte (gesülzte Kalbsfüße, Morcheln, Schlehen), Schauspeisen (ein ganzes Huhn in einem Glasgefäß, die Verdopplung eines Aals), Senf sowie Mandel- und Eierspeisen. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M9 ediert. Anders als die sechs Münchner Ehlert-Handschriften NICHT in der gedruckten Edition von Trude Ehlert (1999) enthalten - die CoReMA-TEI ist die alleinige Textbasis.
Drüsenleiden, Geschwulst oder Schwellung.
Eiter, Sekret von Entzündungen.
Wermut (Artemisia absinthium), eine Heilpflanze, die für ihre bitteren Inhaltsstoffe bekannt ist und traditionell bei Verdauungsbeschwerden und als Tonikum eingesetzt wurde.
Ziegenmilch, die im Mittelalter oft als bekömmlicher und heilsamer als Kuhmilch galt.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| wermut | wormwood Q25686 |
| gaismilch | goat milk Q1418287 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: Drücke dann die Flüssigkeit aus dem Tuch. Im Kontext eines Getränks und des vorherigen Seihens durch ein Tuch ist das Auspressen der restlichen Flüssigkeit die naheliegende Handlung.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 22.06.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.