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Salze zu gebratenem Huhn und Rindfleisch

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit5 Min.Portionen4-6 PersonenBuchRegensburger Kochbuch (Cgm 5919) (~1505)

Reibe alles mit Salz und Essig ein. Das passt gut zu Rindfleisch und zu gebratenen Hühnern.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
saltz Salz - - -
essach Essig - - -

Welches Gericht ist das? Eine denkbar einfache Würzbeize aus Salz und Essig, mit der man fertig gebratenes Rindfleisch oder Geflügel würzt - die nackte Essenz dessen, was im Spätmittelalter „salze“ hieß: eine säuerliche Würzbeigabe zum Braten. Der lebende Nachhall sitzt direkt auf jedem Esstisch: die Essig-Würz-Auflage zum Tafelspitz oder Suppenfleisch und die warme „vinaigrette“ als Säuretunke gehören in dieselbe Familie. Wer schon einmal Braten mit etwas Salz und einem Spritzer Essig aufgefrischt hat, hat dieses Rezept im Grunde nachgekocht.

Zum Wort saltzen im Titel: Der Titel nennt das Ergebnis als Substantiv - die „Salze“, also die Würztunke -, während der Rezeptkörper mit dem Imperativ Reib („reibe ein“) eine Handlungsanweisung gibt. Es geht also nicht darum, eine eigene Sauce im Mörser anzurühren, sondern das gebratene Fleisch mit Salz und Essig einzureiben oder zu beträufeln.

Zum Wort als: Reib als heißt „reibe alles“ - gemeint ist das Bratgut, das rundum mit Salz und Essig behandelt wird. essach ist die mittelbairische Schreibweise für Essig.

Praxis. Das fertig gebratene Fleisch noch warm mit Salz und Essig einreiben oder beträufeln, dann kurz durchziehen lassen. Das Original nennt keine Mengen; in der Praxis dominiert der Essig, das Salz kommt nach Geschmack dazu. Kein Garschritt, kein Gerät - eine schnelle, säuerlich-salzige Auffrischung für Braten aller Art.

Was ist eine 'Salze'?

Eine 'Salze' ist eine würzige Tunke oder Würzbeigabe, die zu Speisen gereicht wird. Sie konnte sehr einfach sein, wie in diesem Rezept aus nur Salz und Essig, oder komplexer mit vielen Gewürzen. ‚Salze‘ steht dabei als eigene Kondiment-Gattung neben ‚pfeffer‘ und ‚salse‘.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Es braucht nur Salz und Essig, kein Gerät und keine Kühlung - in Sekunden übers gebratene Fleisch gegeben.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (Regensburg, Bayern). Umfangreiche mittelbairische Festküche um 1500: 104 Rezepte aus Regensburg (BSB München, Cgm 5919, datiert um 1500-1510), hyperdiplomatisch transkribiert. Die Kochrezepte stehen auf Bl. 15r-27r. Schwerpunkt auf repräsentativer, gehobener Küche: Pasteten (Hecht, Rindfleisch), Torten von Geflügel, zahlreiche Sülzen und Gallerte (gesülzte Kalbsfüße, Morcheln, Schlehen), Schauspeisen (ein ganzes Huhn in einem Glasgefäß, die Verdopplung eines Aals), Senf sowie Mandel- und Eierspeisen. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M9 ediert. Anders als die sechs Münchner Ehlert-Handschriften NICHT in der gedruckten Edition von Trude Ehlert (1999) enthalten - die CoReMA-TEI ist die alleinige Textbasis.

Zw hunerr vnd zu rintfleisch gepraten saltzen Reib als mit saltz vnd essach dy gut zu rintfleisch vnd zu praten huner
saltzen

Im Titel als Substantiv ‚Salze‘ zu lesen - eine würzige Tunke bzw. Würzbeize -, nicht als Verb ‚salzen‘. Der Rezeptkörper selbst beginnt dagegen mit dem Imperativ ‚Reib‘ (reibe ein).

essach

Mittelbairisch-frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚Essig‘.

als

Verkürzte fnhd. Form von ‚alles‘: ‚Reib als‘ = ‚reibe alles (das Bratgut) ein‘.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919
Folio
Fol. 024r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)
Entstehung
Regensburg, Bayern, 1505
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

saltztable salt Q11254
essachvinegar Q41354

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsaltzen

Gewählte Lesart: Salze (als würzige Tunke/Würzbeize, Substantiv)

Andere mögliche Lesart:

  • Salzen (als Verb, der Vorgang des Salzens) - Der Titel ‚saltzen‘ benennt substantivisch das Gericht - die ‚Salze‘ als eigenständige Würzbeigabe (vgl. die Kondiment-Familie pfeffer/salse) -, während der Rezeptkörper mit dem Imperativ ‚Reib‘ die eigentliche Einreib-Anweisung gibt. Beides zusammen ergibt: eine ‚Salze‘ genannte Würzbeize, die ans Bratgut gerieben wird.

Lesartals

Gewählte Lesart: alles (im Sinne von: das gebratene Fleisch / das Bratgut)

Andere mögliche Lesart:

  • es (als Pronomen) - Die Form ‚als‘ kann eine verkürzte Form von ‚es‘ sein, doch ‚alles‘ ist im Kontext des Einreibens des Bratguts mit Salz und Essig plausibler.

Originalwerk (~1505) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 024r, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 5919 (Regensburg, um 1500); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M9 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Braucht weder Topf noch Mörser - Salz und Essig direkt übers gebratene Fleisch geben oder einreiben. Beide Zutaten lagern unbegrenzt ohne Kühlung; ein echter Goldstandard fürs Lager.
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Stand dieser Fassung: 24.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.