München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Reibe alles mit Salz und Essig ein. Das passt gut zu Rindfleisch und zu gebratenen Hühnern.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| saltz | Salz | - | - | - |
| essach | Essig | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine denkbar einfache Würzbeize aus Salz und Essig, mit der man fertig gebratenes Rindfleisch oder Geflügel würzt - die nackte Essenz dessen, was im Spätmittelalter „salze“ hieß: eine säuerliche Würzbeigabe zum Braten. Der lebende Nachhall sitzt direkt auf jedem Esstisch: die Essig-Würz-Auflage zum Tafelspitz oder Suppenfleisch und die warme „vinaigrette“ als Säuretunke gehören in dieselbe Familie. Wer schon einmal Braten mit etwas Salz und einem Spritzer Essig aufgefrischt hat, hat dieses Rezept im Grunde nachgekocht.
Zum Wort saltzen im Titel: Der Titel nennt das Ergebnis als Substantiv - die „Salze“, also die Würztunke -, während der Rezeptkörper mit dem Imperativ Reib („reibe ein“) eine Handlungsanweisung gibt. Es geht also nicht darum, eine eigene Sauce im Mörser anzurühren, sondern das gebratene Fleisch mit Salz und Essig einzureiben oder zu beträufeln.
Zum Wort als: Reib als heißt „reibe alles“ - gemeint ist das Bratgut, das rundum mit Salz und Essig behandelt wird. essach ist die mittelbairische Schreibweise für Essig.
Praxis. Das fertig gebratene Fleisch noch warm mit Salz und Essig einreiben oder beträufeln, dann kurz durchziehen lassen. Das Original nennt keine Mengen; in der Praxis dominiert der Essig, das Salz kommt nach Geschmack dazu. Kein Garschritt, kein Gerät - eine schnelle, säuerlich-salzige Auffrischung für Braten aller Art.
Eine 'Salze' ist eine würzige Tunke oder Würzbeigabe, die zu Speisen gereicht wird. Sie konnte sehr einfach sein, wie in diesem Rezept aus nur Salz und Essig, oder komplexer mit vielen Gewürzen. ‚Salze‘ steht dabei als eigene Kondiment-Gattung neben ‚pfeffer‘ und ‚salse‘.
Ja, Goldstandard. Es braucht nur Salz und Essig, kein Gerät und keine Kühlung - in Sekunden übers gebratene Fleisch gegeben.
Dieses Rezept stammt aus dem Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (Regensburg, Bayern). Umfangreiche mittelbairische Festküche um 1500: 104 Rezepte aus Regensburg (BSB München, Cgm 5919, datiert um 1500-1510), hyperdiplomatisch transkribiert. Die Kochrezepte stehen auf Bl. 15r-27r. Schwerpunkt auf repräsentativer, gehobener Küche: Pasteten (Hecht, Rindfleisch), Torten von Geflügel, zahlreiche Sülzen und Gallerte (gesülzte Kalbsfüße, Morcheln, Schlehen), Schauspeisen (ein ganzes Huhn in einem Glasgefäß, die Verdopplung eines Aals), Senf sowie Mandel- und Eierspeisen. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M9 ediert. Anders als die sechs Münchner Ehlert-Handschriften NICHT in der gedruckten Edition von Trude Ehlert (1999) enthalten - die CoReMA-TEI ist die alleinige Textbasis.
Im Titel als Substantiv ‚Salze‘ zu lesen - eine würzige Tunke bzw. Würzbeize -, nicht als Verb ‚salzen‘. Der Rezeptkörper selbst beginnt dagegen mit dem Imperativ ‚Reib‘ (reibe ein).
Mittelbairisch-frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚Essig‘.
Verkürzte fnhd. Form von ‚alles‘: ‚Reib als‘ = ‚reibe alles (das Bratgut) ein‘.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| saltz | table salt Q11254 |
| essach | vinegar Q41354 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
saltzen
Gewählte Lesart: Salze (als würzige Tunke/Würzbeize, Substantiv)
Andere mögliche Lesart:
als
Gewählte Lesart: alles (im Sinne von: das gebratene Fleisch / das Bratgut)
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 24.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.